Nachsorge bei Prostatakrebs – darum ist sie wichtig!

Die Nach­sor­ge bei Pro­sta­ta­krebs hilft Ärz­ten, einen Krebs­rück­fall recht­zei­tig auf­zu­spü­ren, aber nicht nur: Auch die Fol­gen der Krebs­er­kran­kung ver­su­chen sie in den Griff zu bekom­men. Von Ingrid Müller

Die Nach­sor­ge umfasst ver­schie­dens­te Maß­nah­men, um eine Rück­fall bei Pro­sta­ta­krebs mög­lichst früh­zei­tig zu ent­de­cken. Rezi­div heißt es in der Fach­spra­che, wenn die Krebs­er­kran­kung trotz Behand­lun­gen zurück­kehrt. Außer­dem wol­len Ärz­te durch regel­mä­ßi­ge Kon­trol­len in der Nach­sor­ge mög­li­che Spät­fol­gen und Neben­wir­kun­gen von Krebs­the­ra­pi­en behan­deln. So sind die Inkon­ti­nenz und Erek­ti­le Dys­funk­ti­on eine häu­fi­ge Fol­ge der Ope­ra­ti­on (radi­ka­le Pro­sta­tek­to­mie) und Strah­len­the­ra­pie bei Pro­sta­ta­krebs. Auch mit einer chro­ni­schen Erschöp­fung, der Fati­gue, haben vie­le Krebs­pa­ti­en­ten zu kämpfen.

Wei­ter­hin geht es in der Nach­sor­ge dar­um, Ihnen bei see­li­schen und sozia­len Pro­ble­men auf­grund Ihrer Krebs­er­kran­kung zur Sei­te zu ste­hen. So ver­su­chen Ärz­te, Ihnen bei mög­li­chen Behin­de­run­gen oder der Rück­kehr in den Beruf behilf­lich zu sein. Vie­le Män­ner wün­schen sich näm­lich nach einer län­ge­ren Zeit des Aus­nah­me­zu­stan­des ein Stück ihres „nor­ma­les Leben“ zurück. Sie möch­ten wie­der ihren Hob­bys nach­ge­hen und ihren Beruf ausüben.

Erektile Dysfunktion

Welcher Arzt für die Nachsorge?

Viel­leicht haben Sie schon im Ver­lauf Ihrer Krebs­er­kran­kung einen Uro­lo­gen oder Onko­lo­gen Ihres Ver­trau­ens gefun­den. Wenn nicht: Suchen Sie sich für die Nach­sor­ge einen sol­chen Arzt! Am bes­ten ist es, wenn die­ser Arzt schon ande­re Män­ner mit Pro­sta­ta­krebs betreut und Erfah­rung in der Nach­be­hand­lung hat. Wich­tig ist, dass einer die Fäden in der Hand hält – und das gelingt nur, wenn Ihr Arzt sämt­li­che Unter­la­gen und Befun­de hat. Er muss unter ande­rem wis­sen, welche:

  • Art von Pro­sta­ta­krebs Sie haben (z.B. Ergeb­nis­se der Biop­sie, patho­lo­gi­scher Befund)
  • Unter­su­chun­gen und Behand­lun­gen Sie durch­lau­fen haben
  • Medi­ka­men­te Sie einnehmen
  • Neben­wir­kun­gen und Fol­gen Sie womög­lich ent­wi­ckelt haben

Ver­trau­ens­voll bedeu­tet übri­gens auch, dass Sie Ihrem Arzt mit­tei­len, wenn Sie mit ergän­zen­den Behand­lun­gen (Alter­na­tiv­me­di­zin, Kom­ple­men­tär­me­di­zin) sym­pa­thi­sie­ren oder die­se viel­leicht schon ange­wen­det haben. Sagen Sie Ihrem Arzt, wenn Sie zum Bei­spiel Nah­rungs­er­gän­zungs­mit­tel, pflanz­li­che Medi­ka­men­te oder die Homöo­pa­thie anwen­den. Die meis­ten Ärz­te haben heu­te ein offe­nes Ohr und Ver­ständ­nis dafür, dass Krebs­pa­ti­en­ten unter­stüt­zend noch ande­re Behand­lun­gen wün­schen. Dis­ku­tie­ren Sie alle Behand­lun­gen und Fra­gen mit Ihrem Arzt.

Um den Über­blick zu behal­ten, ist ein Nach­sor­ge-Pass hilf­reich. Er ent­hält unter ande­rem Behand­lun­gen, Unter­su­chungs­er­geb­nis­se und Nach­sor­ge­ter­mi­ne. Es gibt schon spe­zi­el­le Vor­dru­cke dafür, etwa bei der Deut­schen Krebs­hil­fe – aller­dings noch nicht in elek­tro­ni­scher Form. Oft hän­digt Ihnen Ihr Arzt den Nach­sor­ge-Pass aus.

Nachsorge – Kontrollintervalle bei Prostatakrebs

Die Nach­sor­ge beginnt spä­tes­tens drei Mona­te nach dem Abschluss der Behand­lun­gen. Sie erstreckt sich meist über meh­re­re Jah­re. Ärz­te raten Män­nern mit Pro­sta­ta­krebs zu Kon­troll­un­ter­su­chun­gen in bestimm­ten Zeitintervallen.

Nachsorge – welche Zeitabstände?
  • 1. und 2. Jahr: alle drei Mona­te den PSA-Wert bestim­men lassen
  • 3. und 4. Jahr: alle sechs Mona­te Bestim­mung des PSA-Wertes
  • ab dem 5. Jahr: Ein­mal im Jahr den PSA-Wert mes­sen lassen.

Eine Tast­un­ter­su­chung (digi­ta­le rek­ta­le Unter­su­chung) ist nicht not­wen­dig – sofern der PSA-Wert sich nicht ver­än­dert und sta­bil bleibt.

Rezidiv in der Nachsorge erkennen

Eine eng­ma­schi­ge ärzt­li­che Kon­trol­le ist nach eine Krebs­er­kran­kung beson­ders wich­tig. Neh­men Sie die Kon­trol­len regel­mä­ßig wahr und schie­ben Sie sie nicht auf – auch wenn sol­che Nach­sor­ge-Ter­mi­ne bestimmt nicht zu den ange­nehms­ten zäh­len. Die meis­ten sind ange­spannt, ner­vös und haben Angst vor einem Rück­fall. Aus Umfra­gen wis­sen Ärz­te, dass fast alle Krebs­pa­ti­en­ten am meis­ten die Rück­kehr des Tumors fürchten.

Manch­mal steigt der PSA-Wert im Lauf der Nach­sor­ge-Kon­trol­len an. Dies kann dar­auf hin­deu­ten, dass der Pro­sta­ta­krebs wie­der zurück­ge­kehrt ist und wächst. Exper­ten haben aus­ge­rech­net, dass etwa drei von zehn Män­nern nach der Krebs­be­hand­lung nicht tumor­frei blei­ben und ein Rezi­div erlei­den. Der PSA-Wert ist nicht nur für die Früh­erken­nung von Pro­sta­ta­krebs, son­dern spielt auch bei der Kon­trol­le der Krebs­er­kran­kung eine wich­ti­ge Rolle.

PSA-Wert und Rückfall

Ärz­te bezeich­nen dies als „bio­che­mi­sches Rezi­div“, weil sich die Dia­gno­se allein auf den gestie­ge­nen PSA-Wert stützt.

Rezidiv bei Prostatakrebs behandeln – so gehen Ärzte vor

Wenn Sie kei­ne wei­te­ren Beschwer­den haben und es kei­ne ande­ren Anzei­chen für das Krebs­wachs­tum gibt, beob­ach­ten Ärz­te die­ses Rezi­div mit dem gestie­ge­nen PSA-Wert even­tu­ell zunächst. Manch­mal sind jedoch wei­te­re Krebs­be­hand­lun­gen nötig, um den Pro­sta­ta­krebs wie­der in den Griff zu bekommen.

Fol­gen­de Mög­lich­kei­ten gibt es:

  • Ope­ra­ti­on, wenn der Pro­sta­ta­krebs zuerst bestrahlt wurde
  • Strah­len­the­ra­pie, wenn die ers­te Krebs­be­hand­lung einer Ope­ra­ti­on war
  • Ein Rezi­div nach einer Strah­len­the­ra­pie kön­nen Ärz­te auch mit­tels hoch­in­ten­si­vier­tem fokus­sier­tem Ultra­schall (HIFU) behan­deln – es ist jedoch ein expe­ri­men­tel­les Verfahren

Ärz­te müs­sen zudem aus­schlie­ßen, dass der Tumor schon in ande­re Orga­ne gestreut hat, etwa die Kno­chen. Anhalts­punk­te dafür liefern:

  • Höhe des PSA-Wer­tes: nied­ri­ge Wer­te bedeu­tet eher ein loka­les Rezi­div, hohe Wer­te spre­chen für die Metastasierung
  • Geschwin­dig­keit des PSA-Anstiegs (PSA-Ver­dop­pe­lungs­zeit): Je kür­zer die­se ist, des­to eher soll­te die Behand­lung beginnen
  • Zeit­punkt des PSA-Anstiegs: früh oder spät nach der ers­ten Krebstherapie
  • Glea­son-Score: Er besagt, wie aggres­siv der Pro­sta­ta­krebs ist.

Dane­ben gibt es noch eine neue Metho­de: die soge­nann­te PSMA-PET. Hin­ter dem Kür­zel PSMA ver­birgt sich ein beson­de­res Eiweiß und PET bedeu­tet „Posi­tro­nen­emis­si­ons­to­mo­gra­fie“. Es gibt Hin­wei­se dar­auf, dass sich durch die­ses bild­ge­ben­de Ver­fah­ren Meta­sta­sen etwas bes­ser erken­nen lassen.

Bei Krebs­ab­sied­lun­gen set­zen Ärz­te ande­re Behand­lun­gen ein, zum Bei­spiel eine Hor­mon­the­ra­pie (auch Anti­hor­mon­the­ra­pie, Hor­mon­ent­zugs­the­ra­pie), Che­mo­the­ra­pie oder eine Kom­bi­na­ti­on aus bei­den Behand­lun­gen.

Die Nach­sor­ge mit eng­ma­schi­gen Kon­trol­len ist also sehr wich­tig, um ein Rezi­div mög­lichst früh auf­zu­spü­ren und den Krebs erneut zu behan­deln. Betrach­ten Sie die Nach­sor­ge also nicht als läs­ti­ge Übel, son­dern als Chan­ce, damit Sie mög­lichst lan­ge beschwer­de­frei blei­ben und Ihr Leben genie­ßen können!

Quel­len:

  • Deut­sche Krebs­ge­sell­schaft, www.krebsgesellschaft.de (Abruf: 30.10.2018)
  • Deut­sche Krebs­hil­fe, Blaue Rat­ge­ber „Pro­sta­ta­krebs“ und „Nach­sor­ge“, www.krebshilfe.de
  • Pati­en­ten­leit­li­nie „Pro­sta­ta­krebs I – lokal begrenz­tes Pro­statakar­zi­nom“, April 2018;

Datum: 30.10.2018

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