HIFU bei Prostatakrebs: Ultraschall gegen den Tumor

Bei einer HIFU „ver­ko­chen“ Ultra­schall­wel­len das Krebs­ge­we­be. Lesen Sie, für wel­che Män­ner sich die HIFU eig­net und wel­che Vor- und Nach­tei­le die Krebs­be­hand­lung besitzt. Von Ingrid Müller

HIFU ist die Abkür­zung für „hoch­in­ten­si­vier­ter, fokus­sier­ter Ultra­schall“. Die­se Metho­de zur Behand­lung von Pro­sta­ta­krebs mit­tels ener­gie­rei­cher Ultra­schall­wel­len ist ver­gleichs­wei­se neu. Sie funk­tio­niert mini­mal-inva­siv und ist scho­nend, weil sie ohne gro­ße Schnit­te aus­kommt. Ärz­te behan­deln ent­we­der die gesam­te Pro­sta­ta (Ganz­drü­sen­the­ra­pie) oder nur Tei­le der Vor­ste­her­drü­se (foka­le The­ra­pie) mit­tels HIFU.

HIFU derzeit nur bei örtlich begrenztem Prostatakrebs

Emp­foh­len ist die Ultra­schall­the­ra­pie der­zeit nur für Män­ner mit lokal begrenz­tem Pro­sta­ta­krebs, bei dem sich der Tumor noch auf die Pro­sta­ta beschränkt. Für Män­ner mit fort­ge­schrit­te­nem Pro­statakar­zi­nom, bei dem sich schon Meta­sta­sen gebil­det haben, ist die HIFU-Behand­lung nicht geeig­net. Das Glei­che gilt für lokal fort­ge­schrit­te­nen Pro­sta­ta­krebs, bei dem sich der Tumor schon über die Kap­sel hin­aus aus­ge­brei­tet hat.

Auf der Basis der vor­lie­gen­den Daten zum Nut­zen und den Neben­wir­kun­gen lie­ßen sich der­zeit noch kei­ne ver­läss­li­chen Aus­sa­gen dazu tref­fen, schrei­ben die Auto­ren der Leit­li­nie „Pro­statakar­zi­nom“ zur HIFU. Für den lokal fort­ge­schrit­te­nen Pro­sta­ta­krebs emp­feh­len sie des­halb alter­na­ti­ve Behandlungen.

Zu beach­ten ist, dass die Ultra­schall­be­hand­lung der­zeit noch als expe­ri­men­tell gilt. Ärz­te soll­ten sie des­halb nur im Rah­men kli­ni­scher Stu­di­en durchführen.

Wie gut wirkt die HIFU?

HIFU verkocht das Krebsgewebe

Beim hoch­in­ten­si­vier­ten, fokus­sier­ten Ultra­schall rich­ten die Ärz­te die Ultra­schall­wel­len gebün­delt und gezielt nur auf den Tumor, manch­mal auch auf die gesam­te Pro­sta­ta. Ziel ist es, mög­lichst nur die Krebs­zel­len zu zer­stö­ren und umlie­gen­des, gesun­des Gewe­be so gut wie mög­lich zu schonen.

HIFU füh­ren Ärz­te unter einer regio­na­len Nar­ko­se (Teil­nar­ko­se, loka­le Anäs­the­sie) oder unter Voll­nar­ko­se durch. Wäh­rend des Ein­griffs liegt der Pati­ent auf der Sei­te. Über den End­darm führt der Arzt eine etwa löf­fel­gro­ße Ultra­schall­son­de ein und schiebt sie in die Nähe der Pro­sta­ta vor. Auf dem Bild­schirm kann er die Pro­sta­ta in 3-D sehen. Von dort aus plant und steu­ert er die Behand­lung. Dann gibt er die Ultra­schall­wel­len gezielt und punkt­ge­nau auf das Krebs­ge­we­be ab.

Beim Ein­satz von hoch­in­ten­si­vier­tem Ultra­schall ent­steht sehr viel Ener­gie – und damit auch Wär­me. Ärz­te küh­len die Son­de, damit die Darm­wand nicht heiß wird und Scha­den erlei­det. An jenen Stel­len, auf die der gebün­del­te Ultra­schall trifft, ent­ste­hen Tem­pe­ra­tu­ren von bis zu 90°C. Der Ultra­schall „ver­kocht“ also das Pro­sta­ta­ge­we­be und zer­stört so die Krebs­zel­len. Die­ser „Brenn­punkt“ lässt sich mit Son­nen­strah­len ver­glei­chen, die durch eine Lupe gebün­delt wer­den. Die Gewe­be­res­te baut der Kör­per anschlie­ßend selbst ab, zum Teil schei­den Män­ner sie auch mit dem Urin aus.

Manch­mal muss der Arzt meh­re­re Punk­te in der Pro­sta­ta tref­fen. So dau­ert die HIFU-Behand­lung etwa ein bis drei Stun­den. Anschlie­ßend blei­ben Sie für kur­ze Zeit in der Kli­nik (einen oder meh­re­re Tage).

Es gibt ver­schie­de­ne HIFU-Gerä­te und Tech­ni­ken. Bei eini­gen füh­ren Ärz­te vor der Ultra­schall­be­hand­lung eine Tran­su­rethra­le Resek­ti­on der Pro­sta­ta (TURP) durch, um das Risi­ko für Kom­pli­ka­tio­nen und Neben­wir­kun­gen zu sen­ken. Dazu gehö­ren zum Bei­spiel Ver­en­gun­gen des Bla­sen­aus­gangs oder Harn­ver­hal­te nach der OP (Harn­re­ten­tio­nen). Bei der TURP schnei­den Ärz­te die Pro­sta­ta mit Hil­fe spe­zi­el­ler Instru­men­te aus.

HIFU – Vorteile, Nachteile und Nebenwirkungen

Die Ultra­schall­be­hand­lung ist eine rela­tiv scho­nen­de Metho­de bei Pro­sta­ta­krebs, die nur wenig inva­siv ist. Das bedeu­tet: Ein Schnitt wie etwa bei der Ent­fer­nung der Pro­sta­ta ist nicht nötig. Aller­dings ist es noch nicht genau bekannt, ob die Neben­wir­kun­gen und Spät­fol­gen tat­säch­lich gerin­ger aus­fal­len als nach einer Ope­ra­ti­on (radi­ka­le Pro­sta­tek­to­mie) oder Strah­len­the­ra­pie von innen bezie­hungs­wei­se außen. Ärz­te wis­sen auch nicht genau, ob die HIFU genau­so gut wirkt wie her­kömm­li­che Ver­fah­ren. Dazu gibt es der­zeit noch kei­ne aus­rei­chen­den Studiendaten.

Fol­gen­de Neben­wir­kun­gen kön­nen bei einer HIFU auftreten:

  • Pro­ble­me beim Was­ser­las­sen, Harnverhalt
  • Harn­wegs­in­fek­te
  • Harn­in­kon­ti­nenz
  • Erek­ti­le Dys­funk­ti­on, meist nur kurzzeitig
  • sehr sel­ten: Fis­teln im Darm
  • Lang­fris­ti­ge Neben­wir­kun­gen und Spät­fol­gen sind noch nicht genau bekannt.

Wer bezahlt die HIFU?

Die meis­ten Kran­ken­kas­sen über­neh­men die Kos­ten einer HIFU-Behand­lung. Fra­gen Sie aber zur Sicher­heit vor­her bei Ihrer Kran­ken­kas­se nach, ob sie die The­ra­pie bezahlt. Denn eine fes­te Rege­lung oder Ver­pflich­tung zur Kos­ten­über­nah­me gibt es bis­her nicht.

Quel­len:

  • Inter­dis­zi­pli­nä­re S3-Leit­li­nie der zur Früh­erken­nung, Dia­gno­se und The­ra­pie der ver­schie­de­nen Sta­di­en des Pro­statakar­zi­noms, April 2018
  • Deut­sches Krebs­for­schungs­zen­trum (DKFZ), www.krebsinformationsdienst.de (Abruf: 11.6.2018)
  • Can­cer rese­arch UK, http://www.cancerresearchuk.org/about-cancer/prostate-cancer/treatment/other-treatments/high-intensity-focal-ultrasound-hifu

Datum: 11.6.2018

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