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Prostatakrebs und Beruf – wie geht es weiter?

Wer noch im Beruf aktiv ist und an Pro­sta­ta­krebs erkrankt, stellt sich mit Sicher­heit irgend­wann die Fra­ge, wie es im Job wei­ter­ge­hen soll. Wie lan­ge bin ich nach einer Pro­sta­ta-OP arbeits­un­fä­hig? Wie offen soll ich die Krebs­er­kran­kung bei Chefs und Kol­le­gen anspre­chen? Wir beant­wor­ten die wich­tigs­ten Fragen!

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Prostatakrebs und Beruf – diese Fragen stellen sich!
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Pro­sta­ta­krebs über­stan­den? Vie­le Män­ner wol­len in den Beruf zurück! © trapezemike/Pixabay.com

Sie haben ver­mut­lich einen Kran­ken­haus­auf­ent­halt mit Ope­ra­ti­on, eine Strah­len­the­ra­pie oder ande­re Behand­lun­gen sowie die Reha hin­ter sich gebracht. Vie­le Män­ner, die ihren Pro­sta­ta­krebs zunächst über­stan­den haben, möch­ten ger­ne so schnell wie mög­lich in ihr frü­he­res „nor­ma­les“ Leben und ihren Beruf zurück­keh­ren. Ob dies gelingt, hängt auch von der Art der Tätig­keit ab, die Sie zuvor aus­ge­übt haben. Denn es ist ein Unter­schied, ob Sie acht Stun­den im Büro ver­brin­gen oder einer hand­werk­li­chen Tätig­keit nach­ge­ben, die kör­per­lich sehr anstren­gend ist. Nicht immer brin­gen Män­ner gleich die vol­le kör­per­li­che Leis­tungs­fä­hig­keit und Fit­ness nach den kräf­te­zeh­ren­den Krebs­the­ra­pi­en mit. Ein häu­fi­ges Pro­blem ist die Fati­gue. Auch geis­tig und see­lisch sind man­che Män­ner erschöpft.

Die Rück­kehr in den Beruf ist jedoch für vie­le Män­ner enorm wich­tig fürs Selbst­be­wusst­sein und das Selbst­wert­ge­fühl! Sie haben wie­der ein sozia­les Umfeld, bei dem es um ande­re The­men als um Krank­heit und Krebs­be­hand­lun­gen geht. Oft bie­ten der Beruf und die Gesprä­che mit Kol­le­gen ein gute Ablen­kung von der Krebs­krank­heit und ein Stück weit nor­ma­len All­tag. Auch das ist nicht unwe­sent­lich, damit Sie nicht stän­dig gedank­lich um das The­ma „Krebs“ krei­sen. Der Job ver­mit­telt Ihnen zudem das Gefühl, wie­der gebraucht zu wer­den und ein wich­ti­ges Mit­glied der Gesell­schaft zu sein. Auch das hebt die Lebens­qua­li­tät! Und zuletzt bie­ten der Beruf und die Arbeit wirt­schaft­li­che Absi­che­rung. Aus vie­len Stu­di­en ist bekannt, dass Krebs­kran­ke sich oft vor Armut fürch­ten. Doch Sie haben Anspruch auf eini­ge Leis­tun­gen, wel­che die finan­zi­el­len Ein­bu­ßen abfedern.

Wer vor sei­ner Krebs­er­kran­kung aktiv im Berufs­le­ben stand, stellt sich jetzt ver­mut­lich eini­ge Fra­gen, zum Bei­spiel diese:

  • Kann ich mei­nen Beruf wie­der so aus­üben wie vor der Erkran­kung an Prostatakrebs?
  • Wer­de ich den Belas­tun­gen und dem Stress im Job standhalten?
  • Kann ich wie­der Voll­zeit arbei­ten oder gar Über­stun­den absolvieren?
  • Bin ich ver­pflich­tet, mei­nem Arbeit­ge­ber Aus­kunft über mei­nen Pro­sta­ta­krebs zu geben?
  • Kann mich mein Arbeit­ge­ber wegen der Krebs­er­kran­kung kündigen?
  • Soll ich mit mei­nen Kol­le­gen offen über den Pro­sta­ta­krebs spre­chen? Und wenn ja: Wie sage ich es ihnen?
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Rückkehr in den Beruf – Tipps und Antworten!
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Soll ich mei­nem Chef und den Kol­le­gen von mei­nem Pro­sta­ta­krebs erzäh­len? Kann mich mein Arbeit­ge­ber kün­di­gen? Wer hilft mit bei der Wie­der­ein­glie­de­rung in den Beruf? Alle Ant­wor­ten fin­den Sie hier!

Ehrliche Selbsteinschätzung!

Bevor Sie in Ihren Beruf zurück­keh­ren – ver­su­chen Sie, sich zunächst selbst eini­ge Fra­gen ehr­lich zu beantworten.

  • Über­le­gen Sie sich, wie fit und belast­bar Sie sich tat­säch­lich füh­len. Hören Sie auf Ihr „inne­res Baro­me­ter“. Eine Selbst­über­schät­zung im Sin­ne von „Das schaf­fe ich schon, zuvor hat­te ich ja auch kei­ne Pro­ble­me“ ist hier wahr­schein­lich wenig hilfreich.
  • Sie müs­sen nicht zwangs­läu­fig Voll­zeit in Ihren Job zurück­keh­ren, son­dern auch die Teil­zeit­ar­beit ist eine Mög­lich­keit, die Sie genau­er beleuch­ten sollten.
  • Es zählt aber nicht nur die Men­ge der Stun­den, die Sie im Job absol­vie­ren, son­dern auch die Art der Tätig­keit. Den­ken Sie dar­über nach, ob Sie die­se noch aus­üben können.
  • Even­tu­ell kön­nen Sie den Auf­ga­ben­be­reich in Ihrem Beruf auch neu struk­tu­rie­ren: Eini­ge bis­he­ri­ge Auf­ga­ben, die Sie viel­leicht über­for­dern, über­neh­men ande­re Kol­le­gen und Sie bekom­men neue hinzu?
  • Über­le­gen Sie, wel­che Arbeits­be­din­gun­gen Sie benö­ti­gen, um Ihren Job gut aus­fül­len zu kön­nen. Wenn Sie zuvor in einem lau­ten Groß­raum­bü­ro gear­bei­tet haben, ist viel­leicht ein ruhi­ge­rer Arbeits­platz hilfreich.
  • Viel­leicht ist eine Umschu­lung auf einen ande­ren Beruf eine Alter­na­ti­ve. In einer beruf­li­chen Neu­ori­en­tie­rung kön­nen auch Chan­cen liegen.

Spre­chen Sie mög­lichst früh­zei­tig mit Ihrem Arbeit­ge­ber und sagen Sie ihm, dass Sie in Ihren Beruf zurück­keh­ren möch­ten. Er kann so auch bes­ser planen.

Soll ich die Krebserkrankung meinem Chef mitteilen?

Die Dia­gno­se Pro­sta­ta­krebs selbst oder gar ärzt­li­che Befun­de müs­sen Sie Ihrem Chef nicht mit­tei­len. Die­se Fak­ten fal­len unter den Daten­schutz. Des­halb steht die Dia­gno­se auch nicht auf der Krank­mel­dung. Wohl aber erfährt Ihr Arbeit­ge­ber durch das Doku­ment, dass Sie auf­grund einer Krank­heit nicht arbeits­fä­hig sind. Spre­chen Sie mit Ihrem Arbeit­ge­ber, wenn Sie län­ger im Job aus­fal­len oder nicht mehr Voll­zeit zurück­keh­ren möch­ten. Das gilt vor allem, wenn Sie eine lei­ten­de Posi­ti­on inne hat­ten. Denn Ihr Chef braucht Zeit, um Ersatz für Sie zu fin­den. Manch­mal ist ein offe­nes Gespräch über Ihre Situa­ti­on sehr hilf­reich, es kann jedoch auch Nach­tei­le brin­gen. Wägen Sie alle Argu­men­te gut gegen­ein­an­der ab. Die Ent­schei­dung müs­sen Sie letzt­end­lich selbst treffen.

Soll ich mit meinen Kollegen über den Prostatakrebs sprechen?

Die­se Fra­ge lässt sich nicht grund­sätz­lich mit „ja“ oder „nein“ beant­wor­ten. Wenn Sie ein ver­trau­ens­vol­les, gutes Ver­hält­nis zu Ihren Kol­le­gen pfle­gen, ist ein offe­nes Gespräch viel­leicht sehr hilf­reich. Nur, wenn Ihr Umfeld über Ihren Pro­sta­ta­krebs Bescheid weiß, kön­nen Sie mit Unter­stüt­zung und Ver­ständ­nis rech­nen. Außer­dem sind Sie sicher nicht der ein­zi­ge Mann mit Pro­sta­ta­krebs – Krebs­er­kran­kun­gen sind all­ge­mein sehr häu­fig. Und fast jeder kennt in sei­nem Bekann­ten­kreis mitt­ler­wei­le einen Men­schen, der an Krebs erkrankt ist. Viel­leicht fas­sen Sie also Mut und sagen Ihren Kol­le­gen offen, wie es um Sie steht?

Kann mein Arbeitgeber mir wegen meines Prostatakrebses kündigen?

Prin­zi­pi­ell kann ein Arbeit­ge­ber einem Mit­ar­bei­ter mit einer Krebs­er­kran­kung kün­di­gen. Aller­dings gibt es dafür stren­ge Vor­schrif­ten, bei denen das Arbeits­recht zu beach­ten ist. Ganz so ein­fach ist eine Kün­di­gung also nicht. Wenn Sie zum Bei­spiel die Maß­nah­me der beruf­li­chen Wie­der­ein­glie­de­rung ableh­nen, ist eine Kün­di­gung leich­ter. Besit­zen Sie einen Schwer­be­hin­der­ten­aus­weis, bestehen dage­gen höhe­re Hür­den für die Kündigung.

Wiedereinstieg in den Beruf – das Hamburger Modell

In Deutsch­land sind Unter­neh­men ver­pflich­tet, län­ger erkrank­ten Mit­ar­bei­tern das soge­nann­te „Betrieb­li­ches Ein­glie­de­rungs­ma­nage­ment“ (BEM) anzu­bie­ten. Für gesetz­lich Ver­si­cher­te gibt es das „Ham­bur­ger Modell“. Es sieht vor, dass Sie Ihre Arbeits­leis­tung ste­tig und lang­sam stei­gern. Zunächst arbei­ten Sie nur weni­ger Stun­den täg­lich, dann wie­der Voll- oder Teil­zeit. Gemein­sam mit ihrem behan­deln­den Arzt und dem Arbeit­ge­ber erstel­len Sie einen Plan zur beruf­li­chen Wie­der­ein­glie­de­rung. Das Beson­de­re: Der Arbeit­ge­ber bezahlt in die­ser Zeit kein Gehalt, son­dern Sie erhal­ten Kran­ken­geld, das die Kran­ken­kas­se finan­ziert. Trägt die Ren­ten­ver­si­che­rung die Maß­nah­me, heißt es Über­gangs­geld. Sie haben zudem die Mög­lich­keit, einen Schwer­be­hin­der­ten­aus­weis zu bean­tra­gen. Die­ser bie­tet eini­ge Vor­tei­le im Beruf, zum Bei­spiel einen höhe­ren Kün­di­gungs­schutz oder beson­ders aus­ge­stat­te­ten Arbeitsplatz.

Berufliche Rehabilitation – Hilfsmittel für den Arbeitsplatz

Um den beruf­li­chen Wie­der­ein­stieg zu unter­stüt­zen, erhal­ten Sie und auch Ihr Arbeit­ge­ber bestimm­te Leis­tun­gen zur beruf­li­chen Reha­bi­li­ta­ti­on. Die­se zie­len dar­auf ab, den Arbeits­platz zu erhal­ten oder neue Berufs­mög­lich­kei­ten zu eröff­nen. Die Deut­sche Ren­ten­ver­si­che­rung (DRV) finan­ziert die­se Leis­tun­gen, wenn sie den Bedarf indi­vi­du­ell geprüft und für not­wen­dig erach­tet hat. Bei­spie­le dafür sind beson­de­re Hilfs­mit­tel und Gerä­te für den Arbeits­platz, die Sie bei der DRV bean­tra­gen kön­nen. Der Betriebs­arzt hilft bei der Anpas­sung Ihres Arbeitsplatzes.

Und noch ein Tipp zuletzt: Muten Sie sich nicht zu viel zu, wenn Sie wie­der zu arbei­ten begin­nen. Die meis­ten haben Ver­ständ­nis dafür, dass Sie nicht gleich wie­der mit Voll­dampf los­le­gen kön­nen. Haus­hal­ten Sie also mit Ihren Kräf­ten und kom­men Sie lang­sam in Ihren Job zurück!

Finan­zi­el­le Leis­tun­gen bei Krebs!

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Eine Reha soll Sie wie­der fit für den All­tag und Beruf nach Pro­sta­ta­krebs machen!

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