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Prostatakrebs – Formalitäten und finanzielle Leistungen

Krebs­pa­ti­en­ten haben in Sachen Büro­kra­tie reich­lich zu tun: täg­lich Post vom Ver­sor­gungs­amt, der Kran­ken­kas­se oder Reha­kli­nik, dazu Anträ­ge aus­fül­len und ver­schi­cken. Aber: Sie haben Anspruch auf bestimm­te finan­zi­el­le Leis­tun­gen. Der Überblick!

A

Auf welche Leistungen habe ich Anspruch?
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Papier­kram bei Krebs­er­kran­kung erle­di­gen: Man­ches funk­tio­niert elek­tro­nisch © pompi/Pixabay

Pro­sta­ta­krebs ist für Män­ner nicht nur eine Her­aus­for­de­rung, die den Kör­per und die Psy­che betrifft. Viel­mehr wirkt sich die Krebs­er­kran­kung auch auf den All­tag und die Berufs­tä­tig­keit aus – und wirft dabei vie­le Fra­gen auf:

  • Wovon leben ich und mei­ne Fami­lie, wenn ich im Beruf ausfalle?
  • Kann ich mei­nen Job durch die Krebs­er­kran­kung verlieren?
  • Kann ich in mei­nem erlern­ten Beruf über­haupt noch weiterarbeiten?
  • Mit wel­chen finan­zi­el­len Ein­bu­ßen muss ich rechnen?
  • Wie bestrei­te ich Kos­ten, die durch die Krebs­er­kran­kung auf mich zukom­men? Bei­spie­le sind die Anfahr­ten ins Kran­ken­haus oder die Kos­ten­be­tei­li­gung an Medi­ka­men­ten und ande­ren Therapien

Eii­ne Krebs­er­kran­kung bedeu­tet manch­mal, dass Sie Ihrem Beruf nicht mehr nach­ge­hen kön­nen wie gewohnt. Man­che kön­nen auch über län­ge­re Zeit oder über­haupt nicht mehr in ihren Job zurück­keh­ren. Dies schürt Armut­s­ängs­te, wenn das Ein­kom­men vor­über­ge­hend oder ganz weg­bricht. Beson­ders groß dürf­te die Angst sein, wenn Sie als Mann der Allein­ver­die­ner in der Fami­lie sind. Doch es gibt eine Viel­zahl von Sozi­al­leis­tun­gen und Erleich­te­run­gen im Beruf. Und auf die­se haben Sie einen Anspruch, wenn Sie an Pro­sta­ta­krebs erkrankt sind. Ein Über­blick über die wich­tigs­ten Leis­tun­gen, aber auch beson­de­re Aus­ga­ben bei einer Krebserkrankung!

Krankengeld

Bei einer Arbeits­un­fä­hig­keit ist Ihr Arbeit­ge­ber meist für sechs Wochen zur Lohn­fort­zah­lung ver­pflich­tet. Danach erhal­ten Sie Kran­ken­geld von Ihrer Kran­ken­kas­se. Die­se beträgt in der Regel 70 Pro­zent Ihres  Brut­to­ge­halts und höchs­tens 90 Pro­zent Ihres Net­to­lohns. Die Kran­ken­kas­se bezahlt das Kran­ken­geld maxi­mal 78 Wochen in einem Zeit­raum von drei Jah­ren. Wenn Sie frei­wil­lig gesetz­lich oder pri­vat ver­si­chert sind, gel­ten die Rege­lun­gen zum Kran­ken­ta­ge­geld, die Sie ver­trag­lich ver­ein­bart haben. In Deutsch­land gibt es die Mög­lich­keit der schritt­wei­sen Wie­der­ein­glie­de­rung in den Beruf. Sie arbei­ten anfangs weni­ger und stei­gern die Stun­den­zahl stu­fen­wei­se, wäh­rend Sie das Kran­ken­geld wei­ter erhal­ten. Dies bedeu­tet für Sie und Ihren Arbeit­ge­ber weni­ger Druck.

Arbeitsunfähigkeit

Sind Sie auf­grund Ihres Pro­sta­ta­kreb­ses teil­wei­se arbeits­un­fä­hig sind, kön­nen Sie eine Erwerbs­min­de­rungs­ren­te bean­tra­gen. Falls Sie ganz erwerbs­un­fä­hig sind, ist die Früh­ren­te eine Mög­lich­keit. Zunächst stel­len die Behör­den jedoch fest, ob und wie viel Sie noch arbei­ten kön­nen. „Rest­leis­tungs­fä­hig­keit“ heißt dies in der Fach­spra­che. Das bedeu­tet: Bei einer teil­wei­sen Arbeits­un­fä­hig­keit müs­sen Sie unab­hän­gig von Ihrem erlern­ten Beruf jede Teil­zeit­ar­beit anneh­men. Und zwar so lan­ge, bis Sie das gesetz­li­che Ren­ten­al­ter erreicht haben.

Schwerbehindertenausweis

Wie alle Krebs­kran­ke haben Män­ner mit Pro­sta­ta­krebs einen Anspruch auf einen Schwer­be­hin­der­ten­aus­weis. Ab einem Grad der Behin­de­rung (GdB) von 50 gilt ein Pati­ent als schwer­be­hin­dert. Die Behör­den (die Ver­sor­gungs­äm­ter) stel­len ihn meist nur befris­tet aus. Je nach Schwe­re des Pro­sta­ta­kreb­ses gilt eine „Hei­lungs­be­wäh­rung“ von zwei bis fünf Jah­ren. Der Schwer­be­hin­der­ten­sta­tus bedeu­tet eini­ge Ver­güns­ti­gun­gen, zum Beispiel:

  • höhe­rer Kün­di­gungs­schutz am Arbeitsplatz
  • mehr Urlaubs­ta­ge
  • gerin­ge­re Steuerbelastungen
  • Ermä­ßi­gun­gen beim Öffent­li­chen Nah­ver­kehr (Bus, Stra­ßen-, U- und S-Bahn)
  • ermä­ßig­ter Ein­tritt in öffent­li­chen Ein­rich­tun­gen, bei­spiels­wei­se im Muse­um, Thea­ter oder Schwimmbad
  • Befrei­ung von Rund­funk- und Fernsehgebühren
Rehabilitation (Reha)

Sie haben einen Anspruch auf eine Reha, die soge­nann­te Anschluss­heil­be­hand­lung. Ziel der Maß­nah­men ist es, Sie kör­per­lich und see­lisch wie­der zu stärken.

Pflegegeld

Pfle­ge­geld bei Pfle­ge­be­dürf­tig­keit erhal­ten Sie, wenn Ihre Selb­stän­dig­keit oder ande­re Fähig­kei­ten über min­des­tens sechs Mona­te auf­grund gesund­heit­li­cher Pro­ble­me beein­träch­tigt sind. Sie kön­nen Ihren All­tag nicht mehr allei­ne bestrei­ten und sind daher auf die Hil­fe ande­rer Men­schen ange­wie­sen. Der Medi­zi­ni­schen Dienst der Kran­ken­kas­sen (MDK) stellt bei gesetz­lich Ver­si­cher­ten den Grad der Pfle­ge­be­dürf­tig­keit fest.

Arbeitslosengeld
Wenn Ihr erziel­tes Ein­kom­men nicht zum Lebens­un­ter­halt reicht, kön­nen Sie Arbeits­lo­sen­geld 1 und 2, Sozi­al­hil­fe oder Wohn­geld beantragen.
Medikamente, Heil- und Hilfsmittel

Bei allen medi­zi­ni­schen Leis­tun­gen (z.B. Medi­ka­men­te, Phy­sio­the­ra­pie, Mas­sa­gen) müs­sen gesetz­lich Ver­si­cher­te zehn Pro­zent der Kos­ten selbst bestrei­ten. Das Mini­mum liegt bei fünf Euro, das Maxi­mum bei zehn Euro. Auch wenn dies zunächst über­schau­bar klingt – die unvor­her­ge­se­he­ne wirt­schaft­li­che Belas­tung kann schnell ins Geld gehen! Die glei­chen Pro­zent­sät­ze gel­ten übri­gens für Fahrt­kos­ten, Kran­ken­haus­ta­ge­geld (zehn Euro pro Tag) und Kos­ten für Haus­halts­hil­fen. Es gibt jedoch eine Höchst­gren­ze, damit die finan­zi­el­len Belas­tun­gen nicht zu extrem aus­fal­len – die Belas­tungs­gren­ze beträgt maxi­mal zwei Pro­zent des jähr­li­chen Brut­to­ein­kom­mens der Fami­lie. Chro­nisch Kran­ke dür­fen nur mit einem Pro­zent belas­tet werden.

B

Wo kann ich mich beraten lassen?
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Suchen Sie sich unbe­dingt pro­fes­sio­nel­le Unter­stüt­zung im „Antrags­ur­wald“! Span­nen Sie auch Ihre Fami­lie, Freun­de oder ande­re Ange­hö­ri­ge ein. Denn wer mit sei­nem Pro­sta­ta­krebs und den Krebs­the­ra­pi­en beschäf­tig ist, hat oft kei­nen Kopf fürs Aus­fül­len von Anträ­gen oder für Tele­fo­na­te mit Behör­den aller Art. Fol­gen­de Ansprech­part­ner hel­fen Ihnen weiter:

  • Ihr Arzt, der zum Bei­spiel Pfle­ge- oder Reha­maß­nah­men ver­schreibt. Zu vie­len ande­ren Fra­gen kann er Ihnen den rich­ti­gen Ansprech­part­ner vermitteln.
  • Der Sozi­al­dienst im Kran­ken­haus berät Sie bei allen Fra­gen rund um die Leis­tun­gen, die Ihnen zustehen.
  • Unab­hän­gi­ge Pati­en­ten­be­ra­tung Deutsch­land (UPD), die Ihnen vie­le Fra­gen beant­wor­ten kann.
  • Pati­en­ten­or­ga­ni­sa­tio­nen haben eben­falls Erfah­rung mit dem The­ma „Leis­tungs­an­sprü­che“ bei Krebs. In jedem Fall soll­ten Sie Ihre Rech­te ken­nen und sich bera­ten las­sen, wenn Sie unsi­cher sind.
  • Bera­tungs­stel­len gibt es auch bei Ihrer Kran­ken­ver­si­che­rung, dem zustän­di­gen Ren­ten­ver­si­che­rungs­trä­ger, bei Sozi­al­ver­bän­den, dem Sozi­al­amt, dem Ver­sor­gungs­amt oder der Arbeits­agen­tur sowie bei den Sozi­al­diens­ten der Krankenhäuser

Dane­ben kön­nen Sie sich auch selbst infor­mie­ren. Die Deut­sche Krebs­hil­fe und Deut­sche Krebs­ge­sell­schaft haben in der Rei­he „Blaue Rat­ge­ber“ das Dos­sier „Weg­wei­ser zu Sozi­al­leis­tun­gen“ ver­öf­fent­licht (als PDF-Down­load oder per Post bestellbar).

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