03

Ist eine Biopsie wirklich nötig?

Wenn der Ver­dacht auf Pro­sta­ta­krebs im Raum steht, kann eine Pro­statabi­op­sie not­wen­dig sein. Die Gewe­be­ent­nah­me aus dem ver­däch­ti­gen Bereich ist die ein­zi­ge siche­re Mög­lich­keit, um even­tu­ell vor­han­de­nen Pro­sta­ta­krebs festzustellen.

A

Ist eine Prostatabiopsie unbedingt erforderlich?
__

Eines vor­ab: Bespre­chen Sie sich vor der Ent­schei­dung für eine Biop­sie immer aus­führ­lich mit Ihrem Arzt. Las­sen Sie sich den mög­li­chen Nut­zen, die Risi­ken und die Kon­se­quen­zen der Pro­statabi­op­sie gut erklä­ren. Fra­gen Sie nach, wenn Sie nicht alles ver­stan­den haben oder Ihnen etwas unklar ist. Erst dann ent­schei­den Sie!

Eine Gewe­be­ent­nah­me (Biop­sie) aus dem ver­däch­ti­gen Bereich der Pro­sta­ta ist der­zeit die ein­zi­ge Metho­de, um einen Pro­sta­ta­krebs sicher zu dia­gnos­ti­zie­ren. Ärz­te schla­gen sie vor, wenn sich auf­grund der Tast­un­ter­su­chung oder des Ver­laufs des PSA-Wer­tes Anhalts­punk­te für ein Pro­statakar­zi­nom erge­ben haben. Ein Patho­lo­ge unter­sucht das ent­nom­me­ne Gewe­be anschlie­ßend unter dem Mikro­skop. Die Biop­sie beant­wor­tet die Fra­ge, ob ein Mann Pro­sta­ta­krebs hat oder nicht. Patho­lo­gen sehen jedoch nicht nur, ob Krebs­zel­len im Gewe­be vor­han­den sind. Sie gewin­nen auch Infor­ma­tio­nen über die Aggres­si­vi­tät (Glea­son-Score) und Aus­deh­nung des Tumors (TNM-Klas­si­fi­ka­ti­on). Die­se Fak­to­ren sind wie­der­um wich­tig für die Aus­wahl der Krebs­be­hand­lung.

Wie genau ist die Biopsie?

Bei der Gewe­be­ent­nah­me besteht ein gerin­ges Risi­ko, dass der Arzt den Pro­sta­ta­krebs nicht „trifft“ und die Erkran­kung damit über­se­hen wird. Manch­mal weist die ers­te Pro­statabi­op­sie zwar kei­nen Pro­sta­ta­krebs nach, aber die Vor­be­fun­de deu­ten mit hoher Wahr­schein­lich­keit auf ein Pro­statakar­zi­nom hin. Dann ist even­tu­ell eine erneu­te Pro­statabi­op­sie rat­sam, die soge­nann­te Re-Biop­sie. Ärz­te ent­neh­men in die­sem Fall eine grö­ße­re Anzahl von Gewebeproben.

B

Wie läuft eine Prostatabiopsie ab?
__

Eine Pro­statabi­op­sie füh­ren Ärz­te in der Regel ambu­lant in der Kli­nik oder in einer uro­lo­gi­schen Arzt­pra­xis durch. Eine Voll­nar­ko­se oder ein sta­tio­nä­rer Auf­ent­halt in der Kli­nik ist meist nicht not­wen­dig. Der Ein­griff selbst dau­ert nur weni­ge Minu­ten. Zum Ein­satz kommt die sogann­an­te Stanz­bi­op­sie. Dabei ent­nimmt der Arzt mit fei­nen Nadeln sehr klei­ne Gewe­be­zy­lin­der aus der Prostata.

Prostatabiopsie

Pro­statabi­op­sie: so funk­tio­niert sie

So läuft eine Pro­statabi­op­sie ab:

  • Der Arzt betäubt die Pro­sta­ta zunächst lokal. Über den Mast­darm sticht er mit dün­nen Nadeln, die innen hohl sind, in die ver­schie­de­nen Abschnit­te der Pro­sta­ta und ent­nimmt min­des­tens zehn bis zwölf Gewebezylinder.
  • Die Ein­sti­che gehen sehr schnell und ver­ur­sa­chen kei­ne oder nur sehr gerin­ge Schmerzen.
  • Die Biop­sie geschieht unter Ultra­schall­kon­trol­le: Der Arzt führt die Nadel gemein­sam mit einem Ultra­schall­kopf in den End­darm ein. Auf dem Bild­schirm kann er ver­fol­gen, wo sich die Nadel genau befindet.

Anschlie­ßend unter­sucht ein Patho­lo­ge das ent­nom­me­ne Gewe­be unter dem Mikro­skop. Er kann erken­nen, ob Krebs­zel­len vor­han­den sind – oder eben nicht. Bestä­tigt sich der Ver­dacht auf Pro­sta­ta­krebs, lässt sich anhand des mikro­sko­pi­schen Bil­des auch die Aggres­si­vi­tät des Tumors abschät­zen. Je stär­ker sich die Tumor­zel­len von gesun­den Zel­len unter­schei­den, des­to aggres­si­ver ist der Tumor.

Wei­ter­le­sen:

Welche Risiken kann die Biopsie haben?

Die Biop­sie ist ein unge­fähr­li­ches Unter­su­chungs­ver­fah­ren, bei dem nur äußerst sel­ten Kom­pli­ka­tio­nen auf­tre­ten – einer US-Stu­die zufol­ge sind sie­ben von 1.000 Män­nern davon betrof­fen. Die wich­tigs­ten Risi­ken sind:

  • Vie­le Män­ner ver­spü­ren ein leich­tes Druck­ge­fühl, das Sie aber nicht beun­ru­hi­gen muss. Es ver­geht von selbst nach eini­ger Zeit wieder.
  • Pro­ble­me beim Was­ser­las­sen: Manch­mal legen Ärz­te vor­über­ge­hend einen Kathe­ter in die Har­we­ge ein
  • Kreis­lauf­stö­run­gen wäh­rend oder nach der Biopsie
  • Infek­ti­on mit Bak­te­ri­en: Sie erhal­ten vor­beu­gend ein Anti­bio­ti­kum zum Schutz vor bak­te­ri­el­len Infek­tio­nen. Ach­ten Sie dar­auf, ob sich eini­ge Stun­den oder Tage nach der Pro­statabi­op­sie Fie­ber ent­wi­ckelt – dies könn­te ein Hin­weis auf eine bak­te­ri­el­le Infek­ti­on der Pro­sta­ta sein. Suchen Sie in die­sem Fall sofort Ihren Arzt oder eine Kli­nik auf, damit sich die Erre­ger nicht über die Blut­bahn ausbreiten!
  • Blut­bei­men­gun­gen in Urin, Stuhl oder Eja­ku­lat: Die­se sind harm­los und ver­ge­hen meist eini­ge Tage nach dem Ein­griff von alleine.

Wich­tig ist, dass eine Biop­sie nach heu­ti­gem Wis­sen die Ver­brei­tung von Krebs­zel­len nicht begüns­tigt. Sie hat auch kei­nen Ein­fluss auf das Wachs­tum eines Tumors.

C

Andere Diagnosemethoden bei Prostatakrebs
__

Eini­ge Kli­ni­ken in Deutsch­land bie­ten spe­zi­el­le Unter­su­chungs­me­tho­den an, um den Pro­sta­ta­krebs zu dia­gnos­ti­zie­ren. Dazu gehö­ren zum Beispiel:

  • MRT-gesteu­er­te Biop­sie: Die Magnet­re­so­nanz­to­mo­gra­fie (MRT oder Kern­spin­to­mo­gra­fie) ist ein bild­ge­ben­des Ver­fah­ren, bei dem Radio­lo­gen mit Hil­fe von star­ken Magnet­fel­dern Bil­der der Pro­sta­ta erzeu­gen. Die Gewe­be­pro­ben wer­den ziel­ge­rich­tet unter Zuhil­fe­nah­me der MRT-Bil­der entnommen.
  • Com­pu­ter­un­ter­stütz­te Ultra­schall­un­ter­su­chung: Der Arz­te wer­tet die mit­tels Ultra­schall gewon­ne­nen Daten und Bil­der mit dem Com­pu­ter aus.
  • Ultra­schall-Elas­to­gra­fie: Dabei weist der Arzt Elas­ti­zi­täts­ver­än­de­rung des Gewe­bes nach, für die ein bös­ar­ti­ger Pro­sta­ta­tu­mor ver­ant­wort­lich sein kann. Es las­sen sich ver­schie­de­ne Här­te­gra­de unterscheiden.

Inwie­weit die­se Unter­su­chungs­me­tho­den bei der Dia­gno­se von Pro­sta­ta­krebs einen zusätz­li­chen Nut­zen brin­gen, ist noch nicht abschlie­ßend geklärt. Ärz­te und Kli­ni­ken set­zen sie des­halb noch nicht rou­ti­ne­mä­ßig ein.

D

Nehmen Ärzte zu häufig Prostatabiopsien vor?
__

Sie ent­schei­den selbst, ob Sie eine erwei­ter­te Pro­sta­ta­di­a­gnos­tik mit der Bestim­mung des PSA-Wer­tes, trans­rek­ta­lem Ultra­schall (TRUS) oder eine Pro­statabi­op­sie durch­füh­ren las­sen möch­ten. Spre­chen Sie immer über alle Vor­tei­le und Risi­ken mit Ihrem behan­deln­den Arzt und las­sen Sie sich aus­führ­lich informieren.

Einer­seits gilt es, eine Über­dia­gnos­tik und Über­the­ra­pie zu ver­mei­den. Denn es gibt For­men von Pro­sta­ta­krebs, die sehr lang­sam wach­sen und einem Mann zu Leb­zei­ten nie gefähr­lich gewor­den wären. Ande­rer­seits wol­len Ärz­te einem Pro­sta­ta­krebs mög­lichst früh­zei­tig auf die Spur kom­men und ihn nicht zu spät dia­gnos­ti­zie­ren. Je frü­her sie ein Pro­statakar­zi­nom ent­de­cken, des­to bes­ser lässt es sich behan­deln und des­to grö­ßer sind auch die Heilungschancen.

E

Wie hoch ist die Trefferquote bei Prostatabiopsien?
__

Die medi­zi­ni­schen Leit­li­ni­en zum Pro­sta­ta­krebs legen fest, in wel­chen Fäl­len und wie Ärz­te eine Stanz­bi­op­sie durch­füh­ren sol­len. Ziel ist es immer, das kli­nisch signi­fi­kan­te Pro­statakar­zi­nom zu dia­gnos­ti­zie­ren. Wei­te­re Unter­su­chungs­me­tho­den kön­nen die Dia­gnos­tik beim Pro­sta­ta­krebs ver­fei­nern, zum Bei­spiel die Kern­spin­to­mo­gra­fie (Magnet­re­so­nanz­to­mo­gra­fie, MRT) oder rech­ner­ge­stütz­te Ultra­schall­un­ter­su­chun­gen mit Elas­to­gra­fie. So lässt sich ein Pro­statakar­zi­nom mit aus­rei­chen­der Sicher­heit fest­stel­len oder ausschließen.

F

Wann ist eine erneute Biopsie nötig?
__

Manch­mal genügt eine ein­ma­li­ge Biop­sie nicht, um einen Pro­sta­ta­krebs auf­zu­de­cken. In fol­gen­den Fäl­len ist nach sechs Mona­ten eine erneu­te Gewe­be­ent­nah­me ratsam:

  • Auf­fäl­li­ger PSA-Wert bezie­hungs­wei­se PSA-Ver­lauf
  • Aus­ge­dehn­te High-Gra­de-PIN (Nach­weis in min­des­tens vier Gewe­be­pro­ben): Die Abkür­zung „PIN“ steht für Prosta­ti­sche Intra­epi­the­lia­le Neopla­sie. Sol­che ver­än­der­ten Zel­len in der Pro­sta­ta gel­ten als Vor­stu­fen für Pro­sta­ta­krebs. Ärz­te unter­schei­den bei der PIN „low-gra­de“ (wenig ver­än­der­te) und „high-gra­de“ (stark ver­än­der­te) Zellen.
  • Tumo­r­ähn­li­che klein­drü­si­ge Ver­än­de­run­gen (Aty­pi­cal Small Aci­nar Pro­li­fe­ra­ti­on = ASAP): Dies bedeu­tet, dass der Patho­lo­ge unge­wöhn­li­che Zel­len im Gewe­be gefun­den hat. Sie sind aber zu klein unter dem Mikro­skop, um sie genau­er zu iden­ti­fi­ze­ren. So ist es nicht klar, um wel­che Art von Zel­len es sich genau han­delt und ob es Krebs­zel­len sein könnten.
  • Iso­lier­tes intra­duk­ta­les Kar­zi­nom der Pro­sta­ta (IDC-P): In den Gän­gen und Drü­sen der Pro­sta­ta las­sen sich Krebs­zel­len nach­wei­sen, die Basal­mem­bran ist aber noch intakt.

PSMA – Pro­sta­ta­krebs bes­ser erkennen

Eiweiß PSMA und radiaktiver Strahler gegen Prostatakrebs

Eiweiß PSMA und radio­ak­ti­ver Strah­ler: Dia­gno­se und The­ra­pie von Pro­sta­ta­krebs in einem?

Pro­sta­ta unterm Mikroskop!

Mikroskop

Was macht der Patho­lo­ge im Labor? Ein Video zeigt es Ihnen!

PSA-Wert: Alle Fra­gen und Antworten!

PSA erhöht? Alle Fra­gen und Ant­wor­ten rund um den PSA-Wert!

Glea­son Score bei Prostatakrebs

Gleason-Score: Wie aggressiv ist der Prostatakrebs?

Glea­son-Score: Wie aggres­siv ist der Prostatakrebs?

04 | Diagnose Prostatakrebs – was jetzt wichtig ist
__

Über­stür­zen Sie nichts! Es gilt, sich mit kla­rem Kopf und ganz in Ruhe erst ein­mal umfas­send zu informieren.

+ mehr erfahren

05 | Welche Behandlung ist für mich geeignet?
__

Pro­sta­ta­krebs wächst häu­fig lang­sam. Nicht in jedem Fall sind Ope­ra­tio­nen oder ande­re ein­schnei­den­de Behand­lun­gen nötig.

+ mehr erfahren

Weitere externe Informationen
__

Roboter hilft bei MRT-geführter Prostatabiopsie – zum ersten…

von idw-online.de

Ein neu­ar­ti­ges Sys­tem zur MRT-gestütz­ten Pro­sta­ta­punk­ti­on steht seit kur­zem den Medi­zi­nern am Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum Leip­zig (UKL) zur Ver­fü­gung. Es han­delt sich um einen…

mehr erfah­ren

Prostatakrebs: Diagnose

von krebsgesellschaft.de

Wie wird die Dia­gno­se Pro­sta­ta­krebs gestellt?

mehr erfah­ren

Biopsie

von krebsinformationsdienst.de

So wer­den Gewe­be­pro­ben entnommen

mehr erfah­ren

Prostatakrebs – Symptome und Diagnostik

von krebsinformationsdienst.de

Was tun bei Krebsverdacht?

mehr erfah­ren

© Pro­sta­ta Hil­fe Deutsch­land | Impres­sum | Daten­schutz