TNM-Klassifikation: In welchem Stadium ist mein Prostatakrebs?

Für die Pro­gno­se und die Wahl der rich­ti­gen The­ra­pie ist es wich­tig, das Sta­di­um zu bestim­men. Medi­zi­ner ver­wen­den dafür die TNM-Klas­si­fi­ka­ti­on. Die wich­tigs­ten Fra­gen und Ant­wor­ten. Von Mar­ti­na Häring

Was ist die TNM-Klassifikation?

Die TNM-Klas­si­fi­ka­ti­on ist ein inter­na­tio­nal ver­wen­de­tes Sys­tem, mit dem Medi­zi­ner Tumo­ren genau und ein­heit­lich beschrei­ben. Die Abkür­zung steht für T = Tumor, N = Lymph­kno­ten (eng­lisch: node) und M = Metastasen.

T bezeich­net die Grö­ße und Aus­deh­nung des Tumors.

N steht für die Zahl der befal­le­nen Lymph­kno­ten in der Nähe des Tumors.

M steht für das Vor­han­den­sein von Meta­sta­sen, gibt also an, inwie­fern der Tumor bereits in ande­re Kör­per­re­gio­nen gestreut hat.

Die TNM-Klas­si­fi­ka­ti­on ist nicht spe­zi­fisch für Pro­sta­ta­krebs, son­dern wird bei vie­len bös­ar­ti­gen Erkran­kun­gen angewendet.

Warum ist die TNM-Klassifikation wichtig?

Die­se Klas­si­fi­ka­ti­on, als Ein­tei­lung in Sta­di­en, ist des­halb so wich­tig, weil sich dar­an die Behand­lung ori­en­tiert. So wird bei­spiels­wei­se ein Tumor, der die Kap­sel der Vor­ste­her­drü­se noch nicht über­schrit­ten hat, ganz anders behan­delt als ein fort­ge­schrit­te­ner Tumor, der bereits Meta­sta­sen gestreut hat. Und natür­lich ist die Klas­si­fi­ka­ti­on auch ent­schei­dend für die Ein­schät­zung der Heilungschancen.

Wie erfolgt die TNM-Klassifikation?

Um den Tumor klas­si­fi­zie­ren zu kön­nen, wer­den eine Rei­he von Unter­su­chun­gen gemacht. Das nen­nen die Medi­zi­ner auch Sta­ging. Mit Hil­fe bild­ge­ben­der Unter­su­chun­gen wie MRT oder Ultra­schall aber auch durch die Biop­sie stellt man fest, wie weit der Tumor sich vor Ort schon aus­ge­brei­tet hat und ob er in die regio­na­len Lymph­kno­ten gestreut hat. Wenn der Ver­dacht besteht, dass Kno­chen­me­ta­sta­sen vor­han­den sind, macht man in der Regel eine Ske­lett­szin­ti­gra­phie.

Das bedeutet die TNM-Klassifikationen bei Prostatakrebs

T (Tumorausdehnung)
T1 Tumor ist weder tast­bar noch per bild­ge­ben­dem Ver­fah­ren sichtbar
T1a: Tumor in weni­ger als 5 % des Biopsie-Gewebes
T1b: Tumor in mehr als 5 % des Biopsie-Gewebes
T1c: Tumor wur­de nach erhöh­tem PSA-Wert durch eine Nadel­bi­op­sie diagnostiziert
T2 Tumor begrenzt auf Pro­stat­akap­sel (lokal begrenz­tes Karzinom)
T2a: Tumor in weni­ger als 50 % eines Seitenlappens
T2b: Tumor in mehr als 50 % eines Seitenlappens
T2c: Tumor in bei­den Seitenlappen
T3 Tumor wächst über Pro­stat­akap­sel hin­aus (lokal fort­ge­schrit­te­nes Karzinom)
T3a: Tumor­aus­brei­tung ein- oder beid­sei­tig über Pro­stat­akap­sel hin­aus, Samen­bla­sen tumorfrei
T3b: Tumor­aus­brei­tung ein- oder beid­sei­tig über Pro­stat­akap­sel hin­aus und in Samenblasen
T4 Tumor­aus­brei­tung in Nach­bar­struk­tu­ren oder nicht ver­schieb­bar (fixiert)
N (Lymphknoten)
N0 kei­ne Meta­sta­sen in benach­bar­ten (regio­nä­ren) Lymph­kno­ten (Becken­lymph­kno­ten)
N1 Meta­sta­sen in benach­bar­ten Lymphknoten
M (Metastasen)
M0 kei­ne Fern­me­ta­sta­sen nachweisbar
M1 Fern­me­ta­sta­sen vorhanden
M1a: Meta­sta­sen in nicht benach­bar­ten Lymphknoten
M1b: Knochenmetastasen
M1c: Meta­sta­sen in ande­ren Orga­nen und/oder Strukturen

Nach der OP: postoperatives Staging (pTNM-Klassifikation)

Wur­de die Pro­sta­ta ope­ra­tiv ent­fernt, lan­det sie, genau wie die ent­nom­me­nen Lymph­kno­ten, beim Patho­lo­gen, der das Gewe­be noch ein­mal gründ­lich untersucht.

»> Was in der Patho­lo­gie mit der Pro­sta­ta geschieht und wie der Patho­lo­ge den Befund stellt, erfah­ren Sie in unse­ren Vide­os aus der Würz­bur­ger Pathologie.

Da der Patho­lo­ge unter dem Mikro­skop noch mehr Infor­ma­tio­nen über das Tumor­sta­di­um erhält, wird er die Klas­si­fi­ka­ti­on nach der Ope­ra­ti­on noch genau­er spe­zi­fi­zie­ren. Manch­mal muss das Sta­di­um auch kor­ri­giert wer­den. In sei­nem Befund gibt er erneut eine TNM-Klas­si­fi­ka­ti­on an. Den Buch­sta­ben stellt er ein klei­nes p vor­an: Das Sta­di­um pT2a bedeu­tet dann zum Bei­spiel, es han­delt sich um einen Tumor, der auf die Kap­sel der Pro­sta­ta begrenzt ist und sich in weni­ger als 50 Pro­zent eines Sei­ten­lap­pens aus­ge­dehnt hat. Die­ses Ergeb­nis ist patho­lo­gisch gesichert.

Außer­dem kann der Patho­lo­ge noch ande­re Aus­sa­gen machen: Er sieht unter dem Mikro­skop zum Bei­spiel, ob die Tumor­zel­len in Ner­ven­schei­den oder Lymph­schei­den ein­ge­wach­sen sind. Und schließ­lich kann er fest­stel­len, ob der Tumor kom­plett ent­fernt wur­de. Anhand die­ser Infor­ma­tio­nen kann der Uro­lo­ge abschät­zen, wie hoch das Risi­ko für ein Wie­der­auf­tre­ten des Tumors ist und ob gege­be­nen­falls noch wei­te­re the­ra­peu­ti­sche Schrit­te ein­ge­lei­tet wer­den müssen.

Quel­len:

Krebs­in­for­ma­ti­ons­dienst: https://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/prostatakrebs/befunde.php

Krebs­hil­fe Blaue Rat­ge­ber: https://www.krebshilfe.de/fileadmin/Downloads/PDFs/Blaue_Ratgeber/017_0116.pdf

Datum: 25.05.2018

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