Alternativmedizin bei Krebs – wann sie riskant ist!

Vie­le Pati­en­ten set­zen auf die Alter­na­tiv­me­di­zin im Kampf gegen ihren Krebs, etwa pflanz­li­che Mit­tel, Homöo­pa­thie oder Aku­punk­tur. Doch manch­mal wer­den alter­na­ti­ve Heil­me­tho­den zur Gefahr und scha­den mehr als sie nüt­zen, ergab eine neue Stu­die. Von Ingrid Mül­ler

Wer an Krebs erkrankt, bekommt von den Ärz­ten meist Behand­lun­gen aus der Schul­me­di­zin vor­ge­schla­gen: Ope­ra­ti­on, Che­mo­the­ra­pie, Bestrah­lung oder Medi­ka­men­te, die gezielt gegen die Tumor­zel­len wir­ken. Man­che glau­ben nicht an die Wirk­sam­keit die­ser Krebs­the­ra­pi­en oder fürch­ten sich vor den Neben­wir­kun­gen – und ent­schei­den sich des­halb für ver­meint­lich „sanf­te­re“ Metho­den der Alter­na­tiv­me­di­zin. Sie set­zen auf die Tra­di­tio­nel­le Chi­ne­si­sche Medi­zin mit Aku­punk­tur, Homöo­pa­thie oder spe­zi­el­le Krebs­diä­ten – ent­we­der zusätz­lich oder sogar als Ersatz für die Schul­me­di­zin. Vor allem die Jün­ge­ren hal­ten offen­bar gro­ße Stü­cke auf die Alter­na­tiv­me­di­zin: In einer Umfra­ge unter 18- bis 29-Jäh­ri­gen schät­zen sie­ben Pro­zent alter­na­ti­ve Heil­me­tho­den bei Krebs­er­kran­kun­gen als sehr effek­tiv ein.

Alternativmedizin bei Krebs kann gefährlich werden

US-Wis­sen­schaft­ler woll­ten jetzt wis­sen, wie es Krebs­pa­ti­en­ten ergeht, wenn sie aus­schließ­lich die Alter­na­tiv­me­di­zin bei Krebs anwen­den. Und was mit jenen Tumor­pa­ti­en­ten geschieht, die dies nicht tun. Die Ergeb­nis­se sind bedenk­lich: Wer bei sei­nem Krebs nur der Kom­ple­men­tär­me­di­zin ver­trau­te, hat­te ein dop­pelt so hohes Risi­ko, die ers­ten fünf Jah­re nach sei­ner Krebs­dia­gno­se nicht zu über­le­ben. Die sanf­ten Behand­lun­gen nütz­ten dem­nach nicht nur nichts, son­dern scha­de­ten auch noch, indem sie die Über­le­bens­zeit ver­kürz­ten. Die For­scher ver­mu­ten, dass der Alter­na­tiv­me­di­zin zuge­neig­te Krebs­pa­ti­en­ten die­se nicht als Ergän­zung, son­dern als Ersatz zur Schul­me­di­zin anwen­den – sie spar­ten sich schul­me­di­zi­ni­sche Behand­lun­gen also öfters ganz.

Krebspatienten mit und ohne alternative Heilmethoden im Vergleich

Die For­scher hat­ten die Daten von fast zwei Mil­lio­nen Krebs­pa­ti­en­ten ana­ly­siert, die zwi­schen den Jah­ren 2004 und 2013 in den natio­na­len Krebs­da­ten­ban­ken erfasst waren. Sie lit­ten unter frü­hem Brust-, Pro­sta­ta-, Lun­gen- oder Darm­krebs, der noch kei­ne Meta­sta­sen in ande­ren Orga­nen gebil­det hat­te. Poten­zi­ell sind die Krebs­ar­ten in die­sem Sta­di­um gut heil­bar. Als Kom­ple­men­tär­me­di­zin stuf­ten sie alle Behand­lun­gen ein, deren Wirk­sam­keit nicht wis­sen­schaft­lich nach­ge­wie­sen ist und die nicht von einem Arzt ver­ab­reicht wur­den. Als Schul­me­di­zin defi­nier­ten sie dage­gen die Ope­ra­ti­on, Che­mo­the­ra­pie, Strah­len­the­ra­pie und Anti­hor­mon­the­ra­pie. Ein­ge­rech­net wur­den Krebs­pa­ti­en­ten, die min­des­tens eine die­ser The­ra­pi­en erhal­ten hat­ten.

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Von allen Pati­en­ten fil­ter­ten sie 258 Krebs­kran­ke her­aus, die nur kom­ple­men­tär­me­di­zi­ni­sche Metho­den genutzt hat­ten: 199 Frau­en und 59 Män­ner, die im Schnitt 56 Jah­re alt waren. Die­sen stell­ten sie 1032 Pati­en­ten (798 Frau­en und 234 Män­nern) als Kon­troll­grup­pe gegen­über, die hin­sicht­lich der Krebs­art, des Alters, Geschlechts und des Bil­dungs­ni­veaus mög­lichst ähn­lich waren. Der Unter­schied war nur, dass die­se kei­ne Alter­na­tiv­me­di­zin ange­wen­det hat­ten.

Viele Krebspatienten wollen keine Schulmedizin

Die For­scher fan­den her­aus, dass die an der Alter­na­tiv­me­di­zin ori­en­tier­ten Krebs­pa­ti­en­ten her­kömm­li­che Krebs­be­hand­lun­gen viel häu­fi­ger ablehn­ten.

  • 7 Pro­zent woll­ten kei­ne Ope­ra­ti­on – bei der Kon­troll­grup­pe waren es nur 0,1 Pro­zent
  • 34,1 Pro­zent lehn­ten die Che­mo­the­ra­pie ab (Kon­trol­le: 3,2 Pro­zent)
  • 53 Pro­zent ent­schie­den sich gegen eine Strah­len­be­hand­lung (Kon­trol­le: 2,3 Pro­zent)
  • 33,7 Pro­zent nah­men kei­ne Anti­hor­mon­the­ra­pie ein (Kon­trol­le: 2,8 Pro­zent)

Und die­ser Ver­zicht auf die eta­blier­ten Krebs­be­hand­lun­gen hat­te fata­le Fol­gen: Aus der Grup­pe der Krebs­pa­ti­en­ten, wel­che die Alter­na­tiv­me­di­zin gewählt hat­te, über­leb­ten deut­lich weni­ger die ers­ten fünf Jah­re nach der Krebs­dia­gno­se (82,2 ver­sus 86,6 Pro­zent). Umge­kehrt liest es sich so: 17,8 Pro­zent star­ben in den ers­ten fünf Jah­ren, bei den schul­me­di­zi­nisch behan­del­ten waren es „nur“ 13,4 Pro­zent. Damit war das Ster­be­ri­si­ko der kom­ple­men­tär­me­di­zi­nisch Behan­del­ten in die­sem Zeit­raum deut­lich höher.

Alternativmedizin bei Krebs: beliebte Methoden

Wel­che Metho­de der Kom­ple­men­tär­me­di­zin die Krebs­pa­ti­en­ten ein­ge­setzt hat­ten, wuss­ten die For­scher nicht. Bekann­te Heil­ve­fah­ren sind:

  • Tra­di­tio­nel­le Chi­ne­si­schen Medi­zin (TCM) mit Aku­punk­tur und einer beson­de­ren Ernäh­rungs­leh­re
  • Homöo­pa­thie
  • pflanz­li­che Heil­mit­tel, etwa die Mis­tel­the­ra­pie
  • Ayur­ve­da
  • Medi­ta­ti­on
  • spe­zi­el­le Krebs­diä­ten, zum Bei­spiel Ver­zicht auf Zucker und Koh­len­hy­dra­te
  • Nah­rungs­er­gän­zungs­mit­tel, etwa Vit­ami­ne, Selen, Zink und ande­ren Mine­ral­stof­fe

Dabei ist das Wort „Alter­na­tiv­me­di­zin“ im Grun­de falsch, denn Onko­lo­gen sehen die­se Behand­lun­gen nicht als Alter­na­ti­ve zur Schul­me­di­zin, son­dern viel­mehr als eine Ergän­zung oder Unter­stüt­zung zu die­sen. Kom­ple­men­tär­me­di­zin (kom­ple­men­tär = ergän­zend) wäre des­halb rich­ti­ger. So set­zen vie­le Onko­lo­gen set­zen die­se schon län­ger ein, um bei­spiels­wei­se die Neben­wir­kun­gen der eta­blier­ten Krebs­be­hand­lun­gen zu lin­dern. In vie­len Fäl­len sind so sogar erfolg­reich, zum Bei­spiel bei Übel­keit auf­grund der Che­mo­the­ra­pie oder der läh­men­den Müdig­keit – der Fati­gue.

Krebspatienten: Erst informieren, dann entscheiden!

Die Autoren raten jeden­falls dazu, immer mit Ihrem behan­deln­den Arzt über sämt­li­che Behand­lungs­mög­lich­kei­ten zu spre­chen – auch über Vor­be­hal­te, die Sie womög­lich gegen­über der Schul­me­di­zin hegen. Außer­dem hilft es, sich über alle Vor­tei­le und Risi­ken der Alter­na­tiv­me­di­zin bei Krebs gut zu infor­mie­ren – dann ent­schei­den Sie gemein­sam mit Ihrem Arzt!

Weitere Informationen zur Komplementärmedizin

Quel­le:

  • John­son SB et. al. Com­ple­men­ta­ry Medi­ci­ne, Refu­sal of Con­ven­tio­nal Can­cer The­ra­py, and Sur­vi­val Among Pati­ents With Cura­ble Can­cers, JAMA Onco­lo­gy, 19. Juli 2018, doi:10.1001/jamaoncol.2018.2487
Datum: 29.7.2018
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