Ernährung bei Krebs: „Es gibt keine Krebs-Diät“

Die Lis­te an popu­lä­ren Krebs-Diä­ten ist lang: Keto­ge­ne Diät, Krebs-Diät nach Bud­wig oder Krebskur total nach Breuss. Die meis­ten die­ser Diä­ten ver­spre­chen viel und hal­ten wenig. Doch was ist die rich­ti­ge Ernäh­rung bei Krebs? Und: Schützt eine gesun­de Ernäh­rung vor Krebs? Von Ingrid Müller

Zur Ernäh­rung bei Krebs kur­sie­ren unzäh­li­ge Rat­schlä­ge im Inter­net: Low-Carb wie die keto­ge­ne Diät oder Low-Fat-Diä­ten sol­len Tumo­ren „aus­hun­gern“ und Krebs hei­len kön­nen. Die meis­ten Krebs-Diä­ten arbei­ten mit strik­ten Vor­schrif­ten, Regeln und dem kom­plet­ten Ver­zicht auf bestimm­te Nah­rungs­mit­tel. Aller­dings ver­spre­chen sie oft mehr, als sie let­zend­lich hal­ten kön­nen. Die Idee dahin­ter ist: Krebs­zel­len brau­chen zum Bei­spiel Koh­len­hy­dra­te für ihren Stoff­wech­sel, etwa in Form von Zucker. Nur dann kön­nen sie sich tei­len und im Kör­per ver­meh­ren. Durch den Ent­zug die­ser Stof­fe man­gelt es den Krebs­zel­len schließ­lich an Sub­stan­zen zum Leben – sie ster­ben ab. Das ist die jeden­falls die Hoff­nung vie­ler Krebspatienten.

Eine spezielle Ernährung bei Krebs existiert nicht“

Doch so ein­fach ist das nicht, denn mit kei­ner – wie auch immer gear­te­ten – Krebs-Diät lässt sich eine Krebs­er­kran­kung bekämp­fen oder sogar hei­len. „Eine beson­de­re Krebs-Diät oder spe­zi­el­le Ernäh­rung für Krebs­pa­ti­en­ten gibt es nicht“, betont Prof. Volk­mar Nüss­ler vom Tumor­zen­trum Mün­chen auf einer Pres­se­kon­fe­renz der Baye­ri­schen Krebs­ge­sell­schaft e.V. in Mün­chen. Den­noch leis­tet die Ernäh­rung bei Krebs einen wesent­li­chen Bei­trag zur Gene­sung von Krebs­pa­ti­en­ten. „Die Ernäh­rung ist als unter­stüt­zen­de Maß­nah­me für den Hei­lungs­pro­zess enorm wich­tig, genau­so wie Bewe­gung und die Psy­cho­on­ko­lo­gie“, sagt Nüssler.

Welche Ernährung bei Krebs soll auf den Speiseplan?

Doch wel­che Ernäh­rung bei Krebs ist nun gesund? Und wel­che Lebens­mit­tel sol­len gezielt auf den Tel­ler? Zwei Ant­wor­ten hat der Ernäh­rungs- und Krebs­spe­zia­list Nüss­ler dar­auf, die zunächst viel­leicht über­ra­schend klin­gen: „Ers­tens soll­ten Obst, Gemü­se und Getrei­de aus öko­lo­gi­schem Anbau stam­men. Zwei­tens ist es wich­tig, dass das Fleisch aus art­ge­rech­ter Tier­hal­tung kommt.“ Sol­che Lebens­mit­tel sein schon des­we­gen gesün­der, weil sie weni­ger Schad­stof­fe, eine bes­se­re Nähr­stoff­zu­sam­men­set­zung und damit eine höhe­re Qua­li­tät besä­ßen. Auch wenn die bei­den Argu­men­te viel­leicht eher Öko-Ver­fech­tern zuzu­schrei­ben sind: „Sie sind auch aus medi­zi­ni­scher Sicht nicht unwich­tig“, betont Nüss­ler. „Das Ess­ver­hal­ten beein­flusst uns selbst – und unse­re Umwelt.“ Bei­de sei­en untrenn­bar mit­ein­an­der verbunden.

Krebs führt oft zur Mangelernährung

Für Krebs­pa­ti­en­ten geht es kei­nes­wegs dar­um, bei­spiels­wei­se den Dick­ma­cher Zucker und den Blut­druck­trei­ber Salz zu ver­dam­men und kom­plett vom Spei­se­zet­tel zu strei­chen. „Es ist eine Fra­ge der Dosis, ob eine Sub­stanz gesund ist oder kör­per­li­chen Scha­den anrich­tet“, erklärt Nüssler.

Für vie­le Krebs­pa­ti­en­ten ist beson­ders die Man­gel­er­näh­rung ein ech­tes Pro­blem. „Etwa ein Drit­tel lei­det dar­un­ter“, sagt Nüss­ler. Der Krebs „holt“ sich Stof­fe aus dem Kör­per und zehrt ihn somit aus. Auch lei­det bei vie­len Pati­en­ten zusätz­lich der Appe­tit auf­grund der Krebs­the­ra­pi­en. Dane­ben beein­träch­ti­gen eini­ge Medi­ka­men­te das Geschmacks­emp­fin­den und las­sen dann die Lust aufs Essen schwin­den. „Wenn nichts mehr schmeckt, nützt das vie­le Reden über Ernäh­rung natür­lich nichts“, erzählt Nüss­ler. Die Man­gel­er­näh­rung sei weni­ger in den Kli­ni­ken als viel­mehr im ambu­lan­ten Bereich ein The­ma. Die­sem müss­ten sich behan­deln­de Ärz­te stär­ker widmen.

Richtige Ernährung bei Krebs: „Gegen die Monokultur im Kopf“

Dazu kommt, dass vie­len der Bezug zu den Lebens­mit­teln ver­lo­ren gegan­gen ist und das Essen heu­te kei­ne gro­ße Wer­tig­keit mehr besitzt. „Dabei spielt der Genuss beim Essen immer mit, es geht es nicht nur um die Sät­ti­gung“, betont Nüss­ler. Doch in einer schnell­le­bi­gen Zeit wie heu­te schlin­gen vie­le Men­schen ihr Essen has­tig im Vor­bei­ge­hen „to go“ hin­un­ter. Wer stän­dig unter Zeit­druck und Stress steht, nimmt sich kei­ne Zeit fürs Essen und Genie­ßen und kommt auch nicht zur Ruhe. Dann wir­ken die Nähr­stof­fe aus der Nah­rung weni­ger gut.

Zu einer gesun­den Ernäh­rung bei Krebs gehört es außer­dem, mög­lichst vie­le ver­schie­de­ne Nah­rungs­mit­tel auf den Tisch zu brin­gen ach­ten. Wenn dort jeden Tag das Glei­che liegt, feh­len dem Kör­per irgend­wann wich­ti­ge Nähr­stof­fe, zum Bei­spiel Vit­ami­ne oder Bal­last­stof­fe. „Bei vie­len herrscht Mono­kul­tur im Kopf und des­halb Ein­falt am Tisch“, fin­det Nüss­ler. Die­se Viel­falt gel­te auch für den Pro­zess des Kochens. Mit gesun­den Zuta­ten und der rich­ti­gen Zube­rei­tung lässt sich jede Men­ge Neu­es zau­bern. „Die Leu­te müs­sen mehr Ide­en bekom­men fürs Kochen. Sie soll­ten nicht auf Fer­tig­ge­rich­te zurück­grei­fen, son­dern lie­ber selbst bestim­men, was in den Topf kommt.“

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Schützt eine gesunde Ernährung vor Krebs?

Eine gesun­de Ernäh­rung ist nicht nur für Men­schen sinn­voll, die bereits an Krebs erkrankt sind. Sie kann sogar vor eini­gen Krebs­ar­ten sowie ande­ren Krank­hei­ten schüt­zen. Zu vie­le Pfun­de sind eben­so ein Risi­ko­fak­tor für Dia­be­tes, Herz-Kreis­lauf-Erkran­kun­gen und Gelenkprobleme.Die Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on WHO hat fol­gen­des aus­ge­rech­net: Rund 30 Pro­zent aller Krebs­fäl­le in den west­li­chen Län­dern sei­en auf ungüns­ti­ge Ernäh­rungs- und Bewe­gungs­ge­wohn­hei­ten zurück­zu­füh­ren. Nüss­ler sagt: „Bei Darm­krebs sind die Ernäh­rung, Über­ge­wicht und man­geln­de Bewe­gung zu 50 Pro­zent betei­ligt.“ Auch für Brust­krebs sei­en sol­che Zusam­men­hän­ge bekannt.

So dis­ku­tie­ren Exper­ten in Deutsch­land seit Jah­ren zum Bei­spiel die Ein­füh­rung einer Zucker­steu­er oder einer Lebens­mit­telam­pel. So wol­len sie das gras­sie­ren­de Über­ge­wicht und die Fett­lei­big­keit in Deutsch­land ein­däm­men. Groß­bri­tan­ni­en hat sich inzwi­schen für strik­te­re Maß­nah­men ent­schie­den und besteu­ert zucker­hal­ti­ge Lebens­mit­tel seit April 2018 stärker.

Einen 100-pro­zen­ti­gen Schutz bie­tet ein gesun­der Lebens­stil aller­dings nicht. Denn auch schlan­ke Men­schen, die Sport trei­ben, kaum Alko­hol trin­ken und nie­mals in ihrem Leben geraucht haben, erkran­ken an Krebs.

Quel­len:

  • Deut­sche Gesell­schaft für Ernäh­rung (DGE), www.dge.de (Abruf: 10.4.2018)
  • Deut­sches Krebs­for­schungs­zen­trum (DKFZ), www.krebsinformationsdienst.de (Abruf: 10.4.2018)
  • Tumor­zen­trum Mün­chen, www.ernaehrung-krebs-tzm.de
  • Baye­ri­sche Krebs­ge­sell­schaft (BKG), www.bayerische-krebsgesellschaft.de (Abruf: 10.4.2018)
Datum: 11.4.2018
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