Gleason-Score: Wie aggressiv ist mein Prostatatumor?

Pro­statakar­zi­no­me sind unter­schied­lich aggres­siv. Das Gra­ding und der Glea­son-Score lie­fern Hin­wei­se auf die Aggres­si­vi­tät von Pro­sta­ta­krebs. Davon hän­gen die Behand­lung und Hei­lungs­chan­cen ab. Von Mar­ti­na Häring

Was bedeutet Grading?

Pro­statakar­zi­no­me sind sehr unter­schied­lich, was ihre Aggres­si­vi­tät angeht. Man­che For­men von Pro­sta­ta­krebs wach­sen nur sehr lang­sam und sind wenig aggres­siv. Ande­re Tumo­ren brei­ten sich dage­gen schnell aus und nei­gen eher dazu, Meta­sta­sen zu bil­den. Ärz­te müs­sen des­halb nicht nur fest­stel­len, in wel­chem Sta­di­um der Pro­sta­ta­krebs ist, son­dern bestim­men auch, wie aggres­siv er ist. Die­se Ein­ord­nung eines Tumor hin­sicht­lich sei­ner Aggres­si­vi­tät nen­nen Ärz­te „Gra­ding“.

Sie fin­det bei vie­len Krebs­ar­ten Anwen­dung. Beim Pro­sta­ta­krebs hat sie jedoch eine beson­de­re Bedeu­tung: Denn Ärz­te wis­sen, dass etwa die Hälf­te der 50-jäh­ri­gen und 80 Pro­zent der 75-jäh­ri­gen Män­ner einen bös­ar­ti­gen Tumor in der Pro­sta­ta haben. Die meis­ten erfah­ren jedoch zu Leb­zei­ten nichts davon, weil er nur lang­sam fort­schrei­tet. Um ein ein „Zuviel an Behand­lug“ – die Über­the­ra­pie – zu ver­hin­dern, müs­sen Medi­zi­ner aggres­si­ve von harm­lo­sen Tumo­ren in der Pro­sta­ta unterscheiden.

Welche Bedeutung hat das Grading?

Ärz­te zie­hen immer ver­schie­de­ne Fak­to­ren und Unter­su­chungs­er­geb­nis­se her­an, um die geeig­ne­te Krebs­be­hand­lung aus­zu­wäh­len sowie eine Ein­schät­zung zu den Hei­lungs­chan­cen abzu­ge­ben. Dazu gehö­ren unter anderem:

Anhand die­ser Ergeb­nis­se schlägt er zum Bei­spiel eine Ope­ra­ti­on, Strah­len­the­ra­pie, akti­ve Über­wa­chung oder ein beob­ach­ten­des Abwar­ten vor.

Wie findet man heraus, wie aggressiv der Tumor ist?

Patho­lo­gen neh­men das Tumor­ge­we­be aus der Pro­statabi­op­sie genau­er unter dem Mikro­skop unter die Lupe. So kön­nen sie fest­zu­stel­len, ob es sich um einen mehr oder weni­ger aggres­si­ven Tumor han­delt. Nach einem bestimm­ten Sys­tem beur­teilt der Patho­lo­ge die Form und Anord­nung der Pro­sta­t­a­drü­sen. Ver­ein­facht gesagt ist ein Tumor um so aggres­si­ver, je stär­ker sich das Gewe­be von gesun­dem Drü­sen­ge­we­be unter­schei­det. Medi­zi­ner spre­chen auch von der „Dif­fe­ren­zie­rung des Tumors“.

  • Gut dif­fe­ren­ziert bedeu­tet, dass das Gewe­be gesun­dem Gewe­be noch rela­tiv ähn­lich ist.
  • Schlecht dif­fe­ren­ziert heißt, dass das ent­nom­men Gewe­be gesun­dem Gewe­be sehr unähn­lich ist und stark von die­sem abweicht.

Was ist der Gleason-Score?

Für Pro­sta­ta­krebs gibt es ein spe­zi­el­les Sys­tem, mit dem der Patho­lo­ge die Aggres­si­vi­tät des Tumors angibt: der Glea­son-Score. Er ver­gibt eine Zahl zwi­schen 2 und 10. Je höher die Zahl ist, des­to aggres­si­ver ist auch der Tumor.

Wie wird der Gleason-Score ermittelt?

Den Glea­son-Score bestimmt der Patho­lo­ge anhand von Gewe­be­pro­ben. Ent­we­der wur­den sie im Rah­men einer Stanz­bi­op­sie ent­nom­men oder er unter­sucht Tei­le einer ope­ra­tiv ent­nom­me­nen Pro­sta­ta. Er beur­teilt immer meh­re­re Gewe­be­pro­ben: Je nach Zell­mus­ter weist der Patho­lo­ge ihnen eine Kate­go­rie von 1 bis 5 zu. Im zwei­ten Schritt wird aus den ein­zel­nen Wer­ten ein Gesamt-Wert errech­net. Bei Stanz­bi­op­si­en und Ope­ra­ti­ons­prä­pa­ra­ten geht man dabei unter­schied­lich vor.

Gleason-Score bei Operationspräparaten

Bei einem Ope­ra­ti­ons­prä­pa­rat gilt: Die bei­den Mus­ter, die sich in der Gewe­be­pro­be am häu­figs­ten fin­den, wer­den addiert. Es ergibt sich dar­aus ein Glea­son-Score zwi­schen 1 + 1 = 2 (sehr gerin­ge Aggres­si­vi­tät) und 5 + 5 = 10 (sehr gro­ße Aggressivität).

Gleason-Score bei Stanzbiopsien

Bei einer Stanz­bi­op­sie ist man vor­sich­ti­ger, da nur ein klei­ner Teil des Gewe­bes unter­sucht wur­de: Das Mus­ter, das sich am häu­figs­ten fand, und das Mus­ter, das am stärks­ten vom Gesun­den abweicht, wer­den addiert. Außer­dem geht man davon aus, dass es bei der ein­ge­schränk­ten Beur­tei­lung nicht mög­lich ist, einen Tumor mit sehr gerin­ger Aggres­si­vi­tät fest­zu­stel­len. Des­halb ist der nied­rigs­te Glea­son-Score bei einer Stanz­bi­op­sie 3 + 3 = 6. Der höchs­te ist auch hier 5 + 5 = 10.

Was bedeutet der Gleason-Score?

Das bedeu­ten die Zah­len „über­setzt“:

  • Glea­son-Score 2 bis 4: gut dif­fe­ren­zier­ter Tumor
  • Glea­son-Score 5 bis 6: mit­tel­gra­dig dif­fe­ren­zier­ter Tumor
  • Glea­son-Score 7: mit­tel­gra­dig bis schlecht differenziert
  • Glea­son-Score 8 bis 10: schlecht- bis ent­dif­fe­ren­zier­ter Tumor

Wie verlässlich ist der Gleason-Score?

Stu­di­en haben gezeigt, dass die Beur­tei­lung des Glea­son-Scores sehr stark vom Patho­lo­gen abhängt. Das heißt: Wenn meh­re­re Patho­lo­gen die glei­che Gewe­be­pro­be unter­su­chen, kom­men sie sehr häu­fig zu unter­schied­li­chen Ergebnissen.

Quel­len:

  • Deut­sches Krebs­for­schungs­zen­trum (DKFZ), https://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/prostatakrebs/befunde.php
  • Deut­sches Ärz­te­blatt, Beur­tei­lung des Pro­statakar­zi­noms: Glea­son-Score – Sta­tus 2016, https://www.aerzteblatt.de/archiv/181220/Beurteilung-des-Prostatakarzinoms-Gleason-Score-Status-2016

Datum: 25.05.2018

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