Prostatakrebs: lokal begrenzt, lokal fortgeschritten oder metastasiert?

Beim Pro­sta­ta­krebs kur­sie­ren oft ver­wir­ren­de Begrif­fe: lokal begrenzt, lokal fort­ge­schrit­ten, meta­stasiert, PSA-Rezi­div oder Lokal­re­zi­div. Wir erklä­ren, was sich hin­ter die­sen Begriff­lich­kei­ten ver­birgt. Von Ingrid Mül­ler

Lokal begrenzter Prostatakrebs

Als lokal oder ört­lich begrenz­ten Pro­sta­ta­krebs stu­fen Ärz­te einen Tumor ein, der die Kap­sel der Pro­sta­ta noch nicht durch­bro­chen hat. Er wächst also nur inner­halb der Vor­ste­her­drü­se und ist noch auf die­se begrenzt. Es gibt kei­ne Anzei­chen dafür, dass sich der Pro­sta­ta­krebs auf Wan­der­schaft bege­ben und in die Lymph­kno­ten (N0) oder ande­re Orga­ne aus­ge­brei­tet hat. Dem­nach sind auch kei­ne Meta­sta­sen in den Kno­chen, der Leber, Lun­ge und dem Gehirn nach­weis­bar (M0). In der TNM-Klas­si­fi­ka­ti­on besit­zen die Pro­sta­ta­tu­mo­ren die Bezeich­nun­gen T1 oder T2.

Ein lokal begrenz­ter Pro­sta­ta­krebs ver­ur­sacht bei vie­len Män­nern noch kei­ne Sym­pto­me – und bleibt des­halb oft unbe­merkt. Durch Vor­sor­ge- und Früh­erken­nungs­un­ter­su­chun­gen wie die Tast­un­ter­su­chung oder einem PSA-Test bekom­men Ärz­te jedoch ers­te Hin­wei­se auf einen lokal begrenz­ten Pro­sta­ta­krebs. Eine Biop­sie bringt schließ­lich Gewiss­heit.

Mögliche Behandlungen

Ein frü­her Pro­sta­ta­krebs lässt sich mit ver­schie­de­nen The­ra­pi­en behan­deln:

Nicht emp­foh­len bei frü­hem Pro­sta­ta­krebs sind der­zeit die Kryo­the­ra­pie und Hyper­ther­mie.

Lokal fortgeschrittener Prostatakrebs

Lokal oder ört­lich fort­ge­schrit­ten ist der Pro­sta­ta­krebs, wenn der Tumor schon grö­ßer ist und die Kap­sel der Pro­sta­ta bereits durch­bro­chen hat. In die­se Kate­go­rie fällt der Pro­sta­ta­krebs jedoch nur, wenn er sich noch nicht in wei­ter ent­fern­te Orga­ne (M0) aus­ge­brei­tet hat. In der TNM-Klas­si­fi­ka­ti­on stu­fen Ärz­te die­se Tumo­ren als T3 oder T4 ein.

  • T3 bedeu­tet, dass der Tumor nur wenig außer­halb der Pro­sta­ta oder zu den Samen­bläs­chen gewach­sen ist.
  • Bei einem T4-Tumor hat der Pro­sta­ta­krebs den Bla­sen­hals, Bla­sen­schließ­mus­kel, Mast­darm oder den Becken­bo­den befal­len.

Ers­te Sym­pto­me dafür, dass der Krebs nicht mehr auf die Pro­sta­ta beschränkt ist, sind anhal­ten­de Pro­ble­me beim Was­ser­las­sen sowie Blut im Urin oder in der Samen­flüs­sig­keit. Aller­dings tre­ten die­se Beschwer­den nicht bei jedem Mann auf.

Mögliche Behandlungen

Eine Pro­to­nen­the­ra­pie ist nur inner­halb kli­ni­scher Stu­di­en rat­sam. Nicht emp­foh­len bei ört­lich fort­ge­schrit­te­nem Pro­sta­ta­krebs sind dage­gen die HIFU, irrever­si­ble Elek­tro­po­ra­ti­on (IRE), Hyper­ther­mie und Kryo­the­ra­pie.

PSA-Rezidiv (biochemisches Rezidiv)

Ein PSA-Rezi­div bedeu­tet, dass sich nur die Labor­wer­te auf einen Rück­fall hin­weis­sen. Dann steigt der PSA-Wert nach der Pro­sta­ta­krebs-Behand­lung wie­der an. Ansons­ten ver­spü­ren Män­ner aber kei­ne Sym­pto­me, dass sich in ihrem Kör­per womög­lich Unheil anbahnt. Bei einem PSA-Rezi­div kann der Pro­sta­ta­krebs an Ort und Stel­le zurück­ge­kehrt sein (Lokal­re­zi­div). Es kön­nen sich jedoch auch Meta­sta­sen in den Lymph­kno­ten oder ande­ren Orga­nen gebil­det haben, etwa in den Kno­chen, der Leber, Lun­ge oder im Gehirn. Ärz­te kon­trol­lie­ren, wie schnell sich der PSA-Wert wei­ter ver­än­dert.

Lokalrezidiv bei Prostatakrebs

Ein Lokal­re­zi­div bdeu­tet, dass der Pro­sta­ta­krebs nach der Behand­lung an Ort und Stel­le – also in der Pro­sta­ta – zurück­ge­kehrt ist. Die Tumor­zel­len beschrän­ken sich mut­maß­lich wei­ter­hin nur auf den Bereich der Pro­sta­ta. Anhalts­punk­te dafür sind:

Vie­le Män­ner bemer­ken das Lokal­re­zi­div in der Pro­sta­ta nicht, weil sie kei­ne Sym­pto­me ver­spü­ren. Eine erneu­te Behand­lung bei einem Rück­fall heißt in der Fach­spra­che „Sal­va­ge-The­ra­pie“ (engl. sal­va­ge = Ret­tung“).

Mögliche Behandlungen

Metastasierter Prostatakrebs

Meta­sta­sen sind Krebs­ab­sie­de­lun­gen oder Toch­ter­schwuls­te. Umgangs­sprach­lich sagt man auch, der Krebs habe gestreut. Der Pro­sta­ta­krebs ist in die­sem Fall nicht mehr auf die Pro­sta­ta begrenzt, son­dern hat sich über die Blut- und Lym­ph­we­ge auf Wan­der­schaft bege­ben. Sind die Lymph­kno­ten betrof­fen, spre­chen Ärz­te von Lymph­kno­ten­me­ta­sta­sen. Hat sich der Krebs auf ande­re Orga­ne aus­ge­brei­tet (Kno­chen, Leber, Lun­ge, Gehirn), nen­nen Ärz­te die­se Fern­me­ta­sta­sen. Im patho­lo­gi­schen Befund steht der Buch­sta­be „N“ für Lymph­kno­ten (eng­lisch „nodes“) und „M“ für Meta­sta­sen in ande­ren Orga­nen. Ers­te Anzei­chen für Kno­chen­me­ta­sta­sen sind Kno­chen­schmer­zen. Auch der PSA-Wert lie­fert Hin­wei­se auf Meta­sta­sen: Er ist sehr hoch und/oder steigt schnell an.

Quellen
  • Inter­dis­zi­pli­nä­re S3-Leit­li­nie zur Früh­erken­nung, Dia­gno­se und The­ra­pie der ver­schie­de­nen Sta­di­en des Pro­statakar­zi­noms, April 2018
  • Pati­en­ten­leit­li­nie „Pro­sta­ta­krebs I – lokal begrenz­tes Pro­statakar­zi­nom“, 3. Auf­la­ge, 2018
  • Pati­en­ten­leit­li­nie „Pro­sta­ta­krebs II – Lokal fort­ge­schrit­te­nes und meta­stasier­tes Pro­statakar­zi­nom“, 4. Auf­la­ge, 2018
  • Deut­sches Krebs­for­schungs­zen­trum (DKFZ), krebsinformationsdienst.de (Abruf: 14.3.2019)

Datum: 25.3.2019

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