PSA-Rezidiv – was steckt dahinter?

Manch­mal kehrt der Pro­sta­ta­krebs trotz einer Pro­sta­ta-OP oder Bestrah­lung zurück. Lesen Sie, was ein stei­gen­der PSA-Wert bedeu­tet, wie sich ein PSA-Rezi­div erken­nen lässt und wie Ärz­te den Rück­fall behan­deln. Von Ingrid Mül­ler

Ein PSA-Rezi­div bedeu­tet, dass der PSA-Wert nach der Ope­ra­ti­on des Pro­sta­ta­kreb­ses wie­der ansteigt. Nor­ma­ler­wei­se fällt der PSA-Wert eini­ge Wochen nach dem chir­ur­gi­schen Ein­griff in einen Bereich ab, in dem er nicht mehr nach­weis­bar ist. Dies gilt als Anzei­chen dafür, dass Ärz­te den bös­ar­ti­gen Tumor voll­stän­dig ent­fernt haben. Erhöht sich der Wert nach der Ent­fer­nung der Pro­sta­ta (radi­ka­le Pro­sta­tek­to­mie) jedoch wie­der, besteht der Ver­dacht, dass der Pro­sta­ta­krebs zurück­ge­kehrt ist und der Tumor wie­der wächst. Der medi­zi­ni­sche Fach­aus­druck für einen sol­chen Rück­fall heißt Rezi­div. Ärz­te kon­trol­lie­ren den PSA-Wert regel­mä­ßig im Rah­men der Nach­sor­ge, um ein Wie­der­auf­flam­men des Pro­sta­ta­kreb­ses so früh wie mög­lich zu erken­nen. Des­halb sind regel­mä­ßi­ge Nach­sor­ge­ter­mi­ne auch so wich­tig!

Welche PSA-Werte sind verdächtig?

Ärz­te mes­sen das pro­stat­a­spe­zi­fi­sche Anti­gen (PSA) zwei­mal nach­ein­an­der.

  • Beträgt der PSA-Wert bei­de Male nach einer Ope­ra­ti­on mehr als 0,2 Nanogramm/Milliliter (ng/ml), liegt aller Wahr­schein­lich­keit nach ein Rezi­div vor.
  • Das Glei­che gilt, wenn der PSA-Wert nach einer Strah­len­the­ra­pie in min­des­tens zwei Mes­sun­gen mehr als 2 ng/ml über dem tiefs­ten gemes­se­nen Wert – dem Nadir – liegt.
  • Wenn Sie kei­ne Sym­pto­me und Beschwer­den ver­spü­ren, spre­chen Medi­zi­ner von einem bio­che­mi­schen Rezi­div, PSA-Rezi­div oder PSA-Pro­gress. Allein der erhöh­te PSA-Wert weist dann auf den Rück­fall hin.

PSA-Rezidiv – wo ist der Prostatakrebs zurückgekehrt?

Bei einem PSA-Rezi­div gibt es prin­zi­pi­ell zwei Mög­lich­kei­ten: Ent­we­der ist der Pro­sta­ta­krebs ört­lich im Ope­ra­ti­ons­ge­biet der Pro­sta­ta zurück­ge­kehrt (Lokal­re­zi­div). Haben sich die Krebs­zel­len dage­gen auf Wan­der­schaft bege­ben und über die Blut- und Lymph­bah­nen aus­ge­brei­tet, bil­den sich Toch­ter­ge­schwüls­te in ande­ren Orga­nen (Meta­sta­sen oder Fern­me­ta­sta­sen). Bei Pro­sta­ta­krebs ent­wi­ckeln sich sol­che Krebs­ab­sie­de­lun­gen oft zunächst in den Kno­chen.

Um zwi­schen einem Lokal­re­zi­div und Fern­me­ta­sta­sen zu unter­schei­den, zie­hen Ärz­te bestimm­te Fak­to­ren her­an:

  • bio­lo­gi­sche Merk­ma­le des Pro­sta­ta­kreb­ses bei der ers­ten Dia­gno­se, zum Bei­spiel die Aus­brei­tung oder Aggres­si­vi­tät
  • Ver­lauf des PSA-Wer­tes: Wie lan­ge liegt die Ope­ra­ti­on schon zurück? Wie schnell ist der PSA ange­stie­gen?
  • even­tu­ell bild­ge­ben­de Ver­fah­ren, um den Ort des Rezi­di­vs zu bestim­men

Die fol­gen­de Tabel­le gibt Ihnen einen Über­blick, wel­che Anhalts­punk­te Ihr Arzt für ein Lokal­re­zi­div oder Fern­me­ta­sta­sen hat und wie er sie ein­ord­net:

Hin­wei­se auf ein Lokal­re­zi­div Hin­wei­se auf Meta­sta­sen
  • spä­ter PSA-Anstieg: frü­hes­tens 3 Jah­re nach Ope­ra­ti­on
  • frü­her PSA-Anstieg: inner­halb der ers­ten 12 Mona­te nach Ope­ra­ti­on
  • lang­sa­mer PSA-Anstieg: Ver­dopp­lungs­zeit des PSA-Wer­tes liegt über 11 Mona­te
  • schnel­ler PSA-Anstieg: Ver­dopp­lungs­zeit des PSA-Wer­tes liegt zwi­schen 4 und 6 Mona­ten
  • güns­ti­ge Eigen­schaf­ten des ursprüng­li­chen Tumors: Glea­son-Score von höchs­tens 7 und auf die Pro­sta­ta begrenz­ter Krebs
  • ungüns­ti­ge Eigen­schaf­ten des ers­ten­Tu­mors: Glea­son-Score 8 bis 10, Tumor ört­lich fort­ge­schrit­ten und/oder Lymph­kno­ten­me­ta­sta­sen
  • Unvoll­stän­di­ge Ent­fer­nung des Tumors bei der Pro­sta­tek­to­mie

PSA-Rezidiv: welche bildgebenden Verfahren?

Bei sehr nied­ri­gen PSA-Wer­ten unter 0,5 ng/ml kön­nen Ärz­te Tumo­ren mit her­kömm­li­chen bild­ge­ben­den Ver­fah­ren wie Com­pu­ter­to­mo­gra­fie (CT), Ultra­schall über den End­darm (trans­rek­ta­ler Ultra­schall, TRUS), Magnet­re­so­nanz­to­mo­gra­fie (MRT) oder Kno­chenszin­ti­gra­fie nicht zuver­läs­sig auf­spü­ren.

Mehr Aus­sa­ge­kraft besitzt eine neue Vari­an­te der Posi­tro­nen­emis­si­ons­to­mo­gra­fie (PET). Sie arbei­tet mit einem radio­ak­ti­ven Mar­ker, der das soge­nann­te Pro­sta­ta-spe­zi­fi­sche Mem­bran­an­ti­gen (PSMA) sicht­bar macht.

PSMA zur Diagnostik

Stu­di­en las­sen ver­mu­ten, dass eine Kom­bi­na­ti­on aus PSMA-PET und CT schon bei sehr nied­ri­gen PSA-Wer­ten nach­wei­sen kann, ob ein Lokal­re­zi­div oder Meta­sta­sen vor­lie­gen. Ärz­te emp­feh­len die PSMA-PET/CT, wenn das Unter­su­chungs­er­geb­nis mit hoher Wahr­schein­lich­keit Aus­wir­kun­gen auf die The­ra­pie­wahl hat. Von die­sen Erkennt­nis­sen hängt es ab, wel­che The­ra­pi­en Ärz­te Ihnen jetzt vor­schla­gen. Denn ein Lokal­re­zi­div behan­deln sie anders als Meta­sta­sen, zum Bei­spiel in den Kno­chen.

Wann warten Ärzte bei einem PSA-Rezidiv ab?

Manch­mal ist die Aus­gangs­si­tua­ti­on güns­tig und der PSA-Wert nimmt nach einer Ope­ra­ti­on über Jah­re hin­weg zu, ohne dass die betrof­fe­nen Män­ner Beschwer­den ent­wi­ckeln. In fol­gen­den Fäl­len kön­nen Ärz­te das PSA-Rezi­div zunächst nur beob­ach­ten:

  • Der PSA-Wert steigt nur lang­sam an – die Ver­dopp­lungs­zeit des PSA-Wer­tes beträgt mehr als zehn Mona­te.
  • Das PSA-Rezi­div tritt mehr als zwei Jah­re nach der Ope­ra­ti­on auf.
  • Der Glea­son-Score, der Aus­sa­gen über die Aggres­si­vi­tät des ers­ten Pro­sta­ta­tu­mors zulässt, liegt unter 8.

Bei der Ent­schei­dung – abwar­ten oder behan­deln – spie­len auch Ihr all­ge­mei­ner Gesund­heits­zu­stand, Ihr Alter und natür­lich Ihre per­sön­li­chen Wün­sche mit. Spre­chen Sie immer aus­führ­lich mit Ihrem Arzt und wägen Sie gemein­sam alle Vor- und Nach­tei­le ab. Erst dann ent­schei­den Sie!

PSA-Rezidiv behandeln – das sind die Möglichkeiten

Ein Lokal­re­zi­div nach einer Ope­ra­ti­on lässt sich mit einer Strah­len­the­ra­pie behan­deln, bei der Radio­lo­gen die Bestrah­lung von außen ver­ab­rei­chen (soge­nann­te Sal­va­ge-Strah­len­the­ra­pie oder nach­ge­schal­te­te Bestrah­lung). So lässt sich das Rezi­div in der Umge­bung des Ope­ra­ti­ons­ge­bie­tes oft hei­len. Je frü­her die Bestrah­lung beginnt, des­to bes­ser sind die Erfolgs­chan­cen. Beson­ders gut ste­hen sie, wenn der PSA-Wert noch unter 0,5 ng/ml liegt. Auch eine Käl­te­the­ra­pie (Kryo­the­ra­pie) und die HIFU sind eine Mög­lich­keit, wenn Sie schon ope­riert wur­den. Ein zwei­tes Mal an jener Stel­le ope­rie­ren, an der sich die Pro­sta­ta befun­den hat, kön­nen Ärz­te übri­gens nicht. Auch eine allei­ni­ge Hor­mon­ent­zugs­be­hand­lung emp­feh­len Ärz­te beim loka­len Rezi­div nicht.

Bei einem Lokal­re­zi­div nach einer Strah­len­be­hand­lung als Erst­the­ra­pi­en kommt die Ope­ra­ti­on in Form einer radi­ka­len Pro­sta­tek­to­mie in Fra­ge (Sal­va­ge-Pro­sta­tek­to­mie). Zu beach­ten ist jedoch, dass die Spät­fol­gen die­ser Op oft gra­vie­ren­der aus­fal­len als wenn Ärz­te den Pro­sta­ta­krebs zuerst ope­rie­ren. Zu lei­den haben Män­ner beson­ders unter Erek­ti­ler Dys­funk­ti­on und Inkon­ti­nenz. Las­sen Sie die­se Ope­ra­ti­on des­halb immer von einem erfah­re­nen Chir­ur­gen durch­füh­ren. Auch die HIFU ist eine Mög­lich­keit, mit der Ärz­te das Lokal­re­zi­div nach einer Bestrah­lung behan­deln. Aller­dings ist die HIFU in die­sem Zusam­men­hang eine expe­ri­men­tel­le The­ra­pie.

Bei Meta­sta­sen ist dage­gen die Hor­mon­the­ra­pie eine gute Mög­lich­keit, um die Meta­sta­sen in Schach zu hal­ten und ihre Aus­brei­tung zu hin­dern. Die­se Krebs­be­hand­lung wirkt nicht nur ört­lich, son­dern im gesam­ten Kör­per. Auch lässt sich durch die medi­ka­men­tö­se Behand­lung das Auf­tre­ten von Beschwer­den hin­aus­zö­gern. Eine Hei­lung gelingt jedoch in den meis­ten Fäl­len nicht. Die Hor­mon­the­ra­pie ist rat­sam, wenn …

  • … die PSA-Ver­dopp­lungs­zeit weni­ger als drei Mona­te beträgt.
  • … der Pro­sta­ta­krebs ört­lich fort­schrei­tet und Sym­pto­me her­vor­ruft.
  • … Fern­me­ta­sta­sen vor­han­den sind.

Wich­tig ist, dass Sie sich gut über alle Behand­lungs­mög­lich­kei­ten infor­mie­ren und Ihrem Arzt alle Fra­gen stel­len, die Ihnen auf dem Her­zen lie­gen!

Quel­len:

  • Inter­dis­zi­pli­nä­re S3-Leit­li­nie zur Früh­erken­nung, Dia­gno­se und The­ra­pie der ver­schie­de­nen Sta­di­en des Pro­statakar­zi­noms, Stand April 2018
  • Deut­sches Krebs­for­schungs­zen­trum (DKFZ), https://www.krebsinformationsdienst.de (Abruf: 14.1.2019)
  • Deut­sche Krebs­ge­sell­schaft, krebsgesellschaft.de (Abruf: 14.1.2019)

Datum: 15.1.2019

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