Kältetherapie bei Prostatakrebs – den Tumor vereisen

Bei der Käl­te­the­ra­pie fros­ten Ärz­te die Pro­sta­ta und töten die Krebs­zel­len ab. Lesen Sie, wie die Kryo­the­ra­pie bei Pro­sta­ta­krebs genau funk­tio­niert und für wel­che Män­ner sie sich eig­net. Von Ingrid Müller

Die Käl­te­the­ra­pie ist ein Ver­fah­ren, bei dem Ärz­te den Krebs­zel­len in der Pro­sta­ta mit eisi­gen Tem­pe­ra­tu­ren zu Lei­be rücken. Es gibt zwei ver­schie­de­ne Tech­ni­ken bei der Käl­te­the­ra­pie: Ent­we­der frie­ren Ärz­te die gesam­te Pro­sta­ta inklu­si­ve Tumor und des gesun­den Gewe­bes ein – dies geschieht am häu­figs­ten. Oder sie fros­ten nur jene Berei­che der Vor­ste­her­drü­se, in denen der Krebs sitzt. Die Tumor­zel­len mögen die Minus­gra­de nicht und gehen zugrun­de. Anschlie­ßend taut der Arzt die Pro­sta­ta lang­sam wie­der auf.

Die Käl­te­the­ra­pie hat noch ande­re Namen: Kryo­the­ra­pie (grie­chisch „kryo“ = Frost) oder Kryo­a­b­la­ti­on. In den USA ist die Metho­de, die Pro­sta­ta in einen „Eis­ball“ zu ver­wan­deln und somit Krebs­zel­len zum Abster­ben zu brin­gen, längst eta­bliert – in Deutsch­land dage­gen noch nicht. Nur weni­ge Kli­ni­ken hier­zu­lan­de bie­ten die­se Art der Krebs­be­hand­lung an.

Für wen eignet sich die Kältetherapie?

Die Kryo­the­ra­pie ist nicht die The­ra­pie der ers­ten Wahl bei Pro­sta­ta­krebs im Früh­sta­di­um. Sie kommt nur für Män­ner mit Pro­sta­ta­krebs in Frage, …

  • … deren Tumor sich noch im Früh­sta­di­um befin­det, also auf die Vor­ste­her­drü­se begrenzt ist (lokal begrenz­tes Pro­statakar­zi­nom); er darf sich noch nicht auf die Lymph­kno­ten oder ande­re Orga­ne aus­ge­brei­tet haben.
  • … deren Rück­fall­ri­si­ko mit­tel oder gering ist.
  • … bei denen kei­ne Ope­ra­ti­on (radi­ka­le Pro­sta­tek­to­mie) oder Strah­len­the­ra­pie von außen oder innen (Brachythe­ra­pie) mög­lich ist.
  • … die die­se Krebs­be­hand­lun­gen nicht wün­schen und sich dage­gen entscheiden.
  • … die nach ande­ren Krebs­be­hand­lun­gen, etwa einer Strah­len­the­ra­pie von innen oder außen, einen Rück­fall erlit­ten haben.

Bei fort­ge­schrit­te­nem Pro­sta­ta­krebs set­zen Ärz­te die Käl­te­the­ra­pie jedoch nicht ein. Die Wirk­sam­keit und der Nut­zen der Käl­te­the­ra­pie sind bis­lang nicht aus­rei­chend durch Unter­su­chun­gen belegt. Die Kryo­the­ra­pie gilt daher noch als expe­ri­men­tell. Ärz­te füh­ren sie nur im Rah­men von kli­ni­schen Stu­di­en durch. Als ech­te Alter­na­ti­ve zu her­kömm­li­chen Krebs­be­hand­lun­gen emp­feh­len Uro­lo­gen die eisi­ge The­ra­pie beim lokal begrenz­ten Pro­sta­ta­krebs der­zeit nicht.

Wie läuft die Kryotherapie ab?

Die Kryo­the­ra­pie friert das Gewe­be in der Vor­ste­her­drü­se ein. Danach ster­ben die Krebs­zel­len ab. Die Käl­te­the­ra­pie füh­ren Ärz­te in einer Kli­nik ent­we­der unter regio­na­ler oder Voll­nar­ko­se durch.

Zuerst schie­ben sie einen Wär­me­ka­the­ter durch die Harn­röh­re zur Bla­se vor, um die­se und den angren­zen­den Darm vor den eisi­gen Tem­pe­ra­tu­ren zu schüt­zen; durch den Kathe­ter zir­ku­liert eine war­me Flüs­sig­keit. Dann brin­gen Ärz­te über den Damm soge­nann­te Käl­te­son­den in die Pro­sta­ta ein. Das sind sehr dün­ne Nadeln, die mit Hil­fe des kal­ten Argon-Gas gekühlt wer­den. Eine Scha­blo­ne, in die vie­le klei­ne Löcher gestanzt sind, hilft dem Arzt, die rich­ti­ge Posi­ti­on für die Nadeln zu fin­den. Die Käl­te­son­den wer­den durch die­se Löcher bis zu Pro­sta­ta vorgeschoben.

Um die Lage der Nadeln zu kon­trol­lie­ren, führt der Arzt einen Ultra­schall­stab in den End­darm ein (trans­rek­ta­ler Ultra­schall, TRUS). Auf dem Moni­tor über­prüft er den rich­ti­gen Sitz. Dann kühlt er die Nadeln auf minus 40 Grad Cel­si­us her­un­ter und ver­eist das Gewe­be – die Tumor­zel­len gehen wegen der Käl­te zugrun­de. Ins­ge­samt gefrie­ren Ärz­te die Pro­sta­ta zwei­mal und tau­en sie wie­der auf. Den Wär­me­ka­the­ter und die Nadeln ent­fer­nen sie wie­der, wenn der Ein­griff abge­schlos­sen ist.

Anschlie­ßend blei­ben Sie meist für kur­ze Zeit sta­tio­när im Kran­ken­haus; manch­mal kön­nen Sie auch am glei­chen Tag nach Hau­se gehen. Sie erhal­ten einen Bla­sen­ka­the­ter, den Sie ein bis zwei Wochen lang tra­gen müs­sen. So kann sich die Bla­se erho­len und Sie haben kei­ne Pro­ble­me beim Wasserlassen.

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Kältetherapie bei Prostatakrebs – die Vor- und Nachteile

Die Kryo­the­ra­pie ist eine mini­mal-inva­si­ve und scho­nen­de Metho­de, bei der Chir­ur­gen ohne Skal­pell und gro­ße Schnit­te aus­kom­men. Die meis­ten Män­ner erho­len sich schnell nach dem Ein­griff. Den­noch müs­sen Sie mit eini­gen Neben­wir­kun­gen rech­nen. Am häu­figs­ten sind:

Ob und wel­che lang­fris­ti­gen Fol­gen die Käl­te­the­ra­pie hat, lässt sich noch nicht sagen. Es gibt kei­ne aus­rei­chen­den Daten aus Stu­di­en dazu.

Wer bezahlt die Kryotherapie?

Fra­gen Sie immer zuerst bei Ihrer Kran­ken­kas­se nach, ob sie die Kos­ten für die Kryo­the­ra­pie über­nimmt. Die Kas­sen ent­schei­den im Ein­zel­fall, ob sie die Käl­te­be­hand­lung bezah­len oder nicht. Als Stan­dard­the­ra­pie ist die Kryo­the­ra­pie näm­lich bis­lang nicht aner­kannt. Ansons­ten müs­sen Sie selbst für die Kos­ten aufkommen.

Quel­len:

  • Inter­dis­zi­pli­nä­re S3-Leit­li­nie der zur Früh­erken­nung, Dia­gno­se und The­ra­pie der ver­schie­de­nen Sta­di­en des Pro­statakar­zi­noms, April 2018
  • Deut­sches Krebs­for­schungs­zen­trum (DKFZ), www.krebsinformationsdienst.de (Abruf: 26.6.2018)
  • Ame­ri­can Can­cer Socie­ty, https://www.cancer.org (Abruf: 26.6.2018)
  • Mayo Cli­nic, https://www.mayoclinic.org (Abruf: 26.6.2018)
  • Can­cer Rese­arch UK, http://www.cancerresearchuk.org/ (Abruf: 26.6.2018)
Datum: 26.6.2018
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