PSMA – Prostatakrebs besser erkennen und gezielt behandeln!

For­scher haben ein beson­de­res Eiweiß aus­ge­tüf­telt, das sich sowohl zur Dia­gnos­tik als auch Behand­lung von Pro­sta­ta­krebs eig­net. PSMA heißt es, und gekop­pelt wird es an einen radio­ak­ti­ven Strah­ler – aller Fak­ten zu PSMA! Von Ingrid Müller

PSMA ist das Kür­zel für ein beson­de­res Eiweiß, das es in sich hat. Es steht für das Prosta­ta-spezi­fi­sche Membran-Anti­gen, das in gerin­gen Men­gen auf der Ober­flä­che von gesun­den Pro­sta­ta­zel­len vor­kommt. Ein Viel­fa­ches davon fin­det sich jedoch auf Pro­sta­ta­krebs­zel­len. Etwa 1.000-fach häu­fi­ger sei PSMA auf Tumor­zel­len der Pro­sta­ta zu fin­den, schät­zen Medi­zi­ner. Und: Je aggres­si­ver der Pro­sta­ta­krebs ist (je höher der Glea­son-Score), des­to über­mä­ßi­ger ist das PMSA auf den Krebs­zel­len vor­han­den. Im rest­li­chen Kör­per ist das Eiweiß dage­gen kaum nach­weis­bar. Ähn­lich wie das pro­stat­a­spe­zi­fi­sche Anti­gen – kurz PSA – pro­du­ziert der Orga­nis­mus das PSMA selbst.

Radioaktives markiertes PSMA: Prostatakrebs besser erkennen

Schon vor eini­gen Jah­ren ent­wi­ckel­ten For­scher der Uni­ver­si­tät Hei­del­berg in ihren Labo­ren ein win­zi­ges Mole­kül namens PSMA-11. Eine künst­lich her­ge­stell­te che­mi­sche Ver­bin­dun­gen, die einer­seits in der Lage ist, sich an das PSMA auf den Pro­sta­ta­krebs­zel­len anzu­hef­ten. Ande­rer­seits lässt sie sich mit schwach radio­ak­ti­ven Sub­stan­zen (Radio­nu­kli­den) kop­peln und auf die­se Wei­se mar­kie­ren. Dann ist sie spä­ter auf Bil­dern sicht­bar. Als schwa­chen Strah­ler ver­wen­de­ten die For­scher Gal­li­um-68 (Ga-68).

Inji­ziert man die­ses klei­ne Mole­kül in die Blut­bahn eines Pati­en­ten, bleibt es an den Pro­sta­ta­krebs­zel­len haf­ten. Auf­grund der radio­ak­ti­ven Mar­kie­rung kön­nen Ärz­te die Ansamm­lun­gen des Mole­küls an den Krebs­zel­len jetzt sicht­bar machen. In der Posi­tro­nen-Emis­si­ons-Tomo­gra­fie (PET) – einem nukle­ar­me­di­zi­ni­schen Ver­fah­ren – erken­nen Ärz­te dank der Mar­kie­rung selbst kleins­te Her­de von Pro­sta­ta­krebs­zel­len. Eine Gewe­be­ent­nah­me (Biop­sie) wäre damit überflüssig.

Heu­te set­zen Radio­lo­gen die­se Metho­de welt­weit ein, um Pro­sta­ta­krebs zuver­läs­si­ger auf­zu­spü­ren. Auch eini­ge Kli­ni­ken in Deutsch­land bie­ten die­se Dia­gno­se­mög­lich­keit beim Ver­dacht auf einen Krebs­rück­fall an. Ein sol­ches Rezi­div lässt sich zum Bei­spiel ver­mu­ten, wenn der PSA-Wert nach einer Ope­ra­ti­on oder Bestrah­lung uner­klär­lich ange­stie­gen ist. So las­sen sich neue Krebs­herde, befal­le­ne Lymph­kno­ten und Meta­sta­sen aller Art bes­ser ent­de­cken. Ein Stan­dard beim Auf­fin­den bös­ar­ti­ger Pro­sta­ta­tu­mo­ren ist die PSMA-Dia­gnos­tik aller­dings noch nicht.

PSMA zur Behandlung von Prostatakrebs

Der Ein­satz in der Dia­gnos­tik war aber noch nicht das Ende für PSMA-11. Denn für die Hei­del­ber­ger For­scher ging die Arbeit an die­ser Stel­le erst rich­tig los. „Wir woll­ten auch eine the­ra­peu­ti­sche Vari­an­te ent­wi­ckeln“, sagt Prof. Klaus Kop­ka vom Deut­schen Krebs­for­schungs­zen­trum in Hei­del­berg. Denn: Die Wis­sen­schaft­ler hat­ten sich ja schon einen Weg zu den Krebs­zel­len gebahnt – und die­sen woll­ten sie jetzt nut­zen, um sie gleich­zei­tig zu bekämp­fen. „Der Gedan­ke war, eine tar­ge­ted the­ra­py zu ent­wi­ckeln. Eine Sub­stanz also, die gezielt gegen eine Zell­struk­tur gerich­tet ist“, erklärt Prof. Mat­thi­as Eder Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum Freiburg.

Aus die­sen Über­le­gun­gen her­aus ent­stand ein neu­er Wirk­stoff gegen Pro­sta­ta­krebs: PSMA-617, ein enger Ver­wand­ter des PSMA-11. Der Unter­schied zum dia­gnos­ti­schen Mole­kül liegt in dem radio­ak­ti­ven Anteil, der stär­ker strahlt. Somit ist die neue Sub­stanz in der Lage, die Krebs­zel­len gezielt zu zer­stö­ren. Für das „The­ra­pie­mo­le­kül“ ver­wen­de­ten die Wis­sen­schaft­ler das Radio­nu­klid Lute­ti­um-177 (Lu-177).

Das PSMA-617 gelangt direkt ins Inne­re der Krebs­zel­le – also genau an jenen Platz, an dem das strah­len­de Mole­kül sei­ne zer­stö­ren­de Wir­kung ent­fal­ten soll. Gesun­de Zel­len ver­schont die radio­ak­ti­ve Strah­lung dage­gen weit­ge­hend. Denn der Wirk­stoff wird schnell wie­der aus dem Blut­strom gewa­schen und kann so kei­ne grö­ße­ren Schä­den anrichten.

PSMA – Studien müssen Wirksamkeit bei Prostatakrebs beweisen

Die ers­ten Ergeb­nis­se waren so erfolg­reich, dass die Wis­sen­schaft­ler ihre Ent­de­ckung an ein US-ame­ri­ka­ni­sches Phar­ma­un­ter­neh­men lizen­siert haben. Dort läuft der­zeit eine kli­ni­sche Stu­die, an der welt­weit mehr als 80 Krebs­zen­tren in neun Län­dern teil­neh­men. In eini­gen Jah­ren, so ist die Hoff­nung der Wis­sen­schaft­ler, soll die Behand­lung nach allen Test­läu­fen von den Gesund­heits­be­hör­den zuge­las­sen sein. „Bei­de Mole­kü­le ergän­zen sich sehr gut“, sagt Eder: „PSMA-11 ist ide­al zur Dia­gno­se, weil es schnel­ler sicht­bar wird. PSMA-617 wird wie­der­um gut aus­ge­schie­den, was für die The­ra­pie vor­teil­haft ist.“ Für ihre Erfin­dung erhiel­ten die Hei­del­ber­ger For­scher jetzt den Erwin-Schrö­din­ger-Preis 2018.

Wer kann sich heute mittels Lu-177-PSMA behandeln lassen?

Ver­schie­de­ne Kli­ni­ken in Deutsch­land bie­ten die PSMA-The­ra­pie schon heu­te an. Für Pro­sta­ta­krebs zuge­las­sen ist die­se Behand­lung jedoch noch nicht. Viel­mehr gilt sie als indi­vi­du­el­ler Heil­ver­such. Das bedeu­tet, dass die Risi­ken und Neben­wir­kun­gen noch nicht gut erforscht sind. Des­halb set­zen Ärz­te die Lu-177-PSMA-The­ra­pie nur in beson­de­ren Fäl­len ein, bei­spiels­wei­se wenn:

Die Vor­aus­set­zung für die Lu-177-PSMA-The­ra­pie ist, dass auf den Krebs­zel­len aus­rei­chen­de Men­gen an PSMA vor­han­den sind. Dies über­prü­fen Ärz­te vor der Behand­lung mit­tels einer beson­de­ren Unter­su­chung: ein PET-CT mit dem radio­ak­ti­ven Strah­ler Gal­li­um-68 (68Ga-PSMA-PET/CT).

Erfah­run­gen zei­gen, dass vie­le Pati­en­ten gut auf die­se Krebs­be­hand­lung anspre­chen: der Tumor bil­det sich zurück, der PSA-Wert sinkt oder die manch­mal star­ken Schmer­zen neh­men ab. Zudem ver­tra­gen die meis­ten Pati­en­ten die PSMA-Behand­lung gut und erle­ben kei­ne star­ken Nebenwirkungen.

Ach­tung! Fra­gen Sie immer vor der Behand­lung bei Ihrer Kran­ken­kas­se nach, ob sie die Kos­ten für die Lu-177-PSMA-The­ra­pie über­nimmt. Denn die Behand­lung ist sehr teuer!

Quel­len:

  • Helm­holtz Zen­trum, https://www.helmholtz.de/gesundheit/prostatakrebs_erkennen_und_therapieren/
  • Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Bil­dung und For­schung, https://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/de/prostatakrebs-diagnose-mit-gleichzeitiger-behandlung-2122.php
  • Deut­sches Krebs­for­schungs­zen­trum (DKFZ), https://www.dkfz.de/de/presse/pressemitteilungen/2015/dkfz-pm-15–26-Preisgekroenter-Wirkstoff-zur-Diagnose-und-Behandlung-von-Prostatakrebs.php
  • Kli­ni­kum der Uni­ver­si­tät Mün­chen, http://www.klinikum.uni-muenchen.de/Klinik-und-Poliklinik-fuer-Nuklearmedizin/de/therapiestation/Therapie-von-boesartigen-Prostataerkrankungen/PSMA/index.html
Datum: 2.10.2018
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