Operation bei Prostatakrebs trotz Metastasen?

Eine Ope­ra­ti­on bei Pro­sta­ta­krebs, der schon Meta­sta­sen gebil­det hat, galt lan­ge Zeit als nicht  mehr sinn­voll. Das hat sich jedoch geän­dert, wie der Uro­lo­ge Dr. Frank Schie­fel­bein im Video-Inter­view erklärt.

Eine Operation bei Prostatakrebs ist nicht sinnvoll, wenn der Tumor schon Metastasen gebildet hat– so dachten Ärzte bislang. Stimmt das heute noch?

Die Leit­li­ni­en der Fach­ge­sell­schaf­ten besa­gen der­zeit, dass Ärz­te kei­ne Ope­ra­ti­on bei Pro­sta­ta­krebs durch­füh­ren soll­ten, wenn der Tumor fort­ge­schrit­ten ist und Meta­sta­sen gebil­det hat. Sol­che Krebs­ab­sie­de­lun­gen bil­den sich zum Bei­spiel in den Kno­chen oder den Lymph­kno­ten im Becken. In Stu­di­en haben wir jedoch gese­hen, dass bestimm­te Pati­en­ten enorm von der Kom­bi­na­ti­on aus Hor­mon­ent­zugs­be­hand­lung und Ope­ra­ti­on bei Pro­sta­ta­krebs pro­fi­tie­ren. Aller­dings umfass­ten die­se Unter­su­chun­gen bis­her nur rela­tiv klei­ne Patientenzahlen.

Welche Männer profitieren von der Operation bei Prostatakrebs?

Beson­ders gro­ße Vor­tei­le von der Ope­ra­ti­on bei Pro­sta­ta­krebs haben Män­ner, die eine gerin­ge Anzahl von Toch­ter­ge­schwüls­ten auf­wei­sen und sehr gut auf die Hor­mon­ent­zugs­the­ra­pie reagie­ren. Bei ihnen sinkt der PSA-Wert auf unter 1 ng/ml (Nano­gramm pro Mil­li­li­ter) im Blut ab, wenn wir die Pro­duk­ti­on des Geschlechts­hor­mons Tes­to­ste­ron mit einem Medi­ka­ment blo­ckie­ren. Die­se Män­ner pro­fi­tie­ren von einer anschlie­ßen­den Ope­ra­ti­on, bei der wir den Tumor lokal mög­lichst kom­plett ent­fer­nen. Dafür ist es wich­tig, dass der Krebs noch nicht zu weit fort­ge­schrit­ten ist.

Wer bietet Männern mit Metastasen eine solche Operation bei Prostatakrebs an?

Der­zeit füh­ren wir die Ope­ra­ti­on bei Pro­sta­ta­krebs bei Män­nern mit Meta­sta­sen nur im Rah­men von kli­ni­schen Stu­di­en durch. Wir haben eine gro­ße inter­na­tio­na­le Stu­die auf­ge­legt, die genau die­se Pati­en­ten erfasst. Sie müs­sen ein gering meta­sta­sier­tes Tumor­sta­di­um haben, bei dem der Krebs noch auf das Organ begrenzt ist und die in den ers­ten sechs Mona­ten gut auf die Hor­mon­ent­zugs­the­ra­pie ange­spro­chen haben.

Welche Vorteile bringt die Operation bei Prostatakrebs den Männern denn?

Die ers­ten Stu­di­en haben gezeigt, dass sich die Über­le­bens­zeit und Lebens­qua­li­tät der Män­ner deut­lich ver­bes­sert. Auch lässt sich der Pro­sta­ta­krebs dank Ope­ra­ti­on bes­ser unter Kon­trol­le hal­ten. Ansons­ten kann der Krebs näm­lich ins umlie­gen­de Gewe­be ein­bre­chen, etwa in die Harn­bla­se oder den End­darm und dort Pro­ble­me ver­ur­sa­chen. Nach einer Ope­ra­ti­on erle­ben Pati­en­ten die­se Pro­ble­me nicht, wie wir in Stu­di­en her­aus­ge­fun­den haben. Und das wirkt sich natür­lich posi­tiv auf die Lebens­qua­li­tät aus.

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