Watchful Waiting bei Prostatakrebs – das steckt dahinter!

Watch­ful Wai­ting ist eine Stra­te­gie, bei der Ärz­te den Pro­sta­ta­krebs nicht behan­deln, son­dern nur mög­li­che Sym­pto­me lin­dern. Lesen Sie, für wen das beob­ach­ten­de Abwar­ten in Fra­ge kommt und wo die Vor­tei­le und Risi­ken lie­gen. Von Ingrid Müller

Was ist watchful waiting bei Prostatakrebs?

Beob­ach­ten­des Abwar­ten oder im Eng­li­schen „watch­ful wai­ting“ ist eine Stra­te­gie, bei der Ärz­te den Pro­sta­ta­krebs ähn­lich wie bei der akti­ven Über­wa­chung (active sur­veil­lan­ce) nicht behan­deln. Die Hei­lung steht beim watch­ful wai­ting nicht im Vor­der­grund, son­dern nur die Lin­de­rung mög­li­cher Sym­pto­me  – im Gegen­satz zur akti­ven Überwachung.

Das watch­ful wai­ting ist eine Mög­lich­keit bei Pro­sta­ta­krebs, weil vie­le Män­ner erst in höhe­rem Lebens­al­ter dar­an erkran­ken. Im Schnitt ist ein Mann 70 Jah­re alt, wenn er die Dia­gno­se Pro­sta­ta­krebs erhält. Oft ist das Pro­statakar­zi­nom zudem wenig aggres­siv und wächst nur lang­sam. Ärz­te gehen des­halb davon aus, dass der Pro­sta­ta­krebs den Män­nern zu Leb­zei­ten wahr­schein­lich kei­ne Beschwer­den berei­tet. Bei der „watch and wait-Stra­te­gie“ beob­ach­ten Ärz­te den Pro­sta­ta­krebs zwar lang­fris­tig, behan­deln ihn aber nicht mit spe­zi­el­len, oft belas­ten­den Krebs­the­ra­pi­en. Dazu gehö­ren zum Bei­spiel die Ope­ra­ti­on, Bestrah­lung oder Chemotherapie.

Sowohl beim watch­ful wai­ting als auch bei der akti­ven Über­wa­chung steht die Lebens­qua­li­tät der Män­ner im Zen­trum. Inten­si­ve Krebs­the­ra­pi­en sind oft mit vie­len und schwe­ren Neben­wir­kun­gen ver­knüpft, die das Lebens­ge­fühl nega­tiv beein­träch­ti­gen. Und die­se erspa­ren sich die Män­ner sowohl beim watch­ful wai­ting als auch (vor­über­ge­hend) beim Prin­zip der akti­ven Über­wa­chung.

Für welche Männer mit Prostatakrebs eignet sich das watchful waiting?

Das watch­ful wai­ting eig­net sich für älte­re Män­ner mit lokal begrenz­tem, wenig aggres­si­vem Pro­sta­ta­krebs, die mut­maß­lich eine Lebens­er­war­tung von unter zehn Jah­ren haben. Die­se Bestim­mung der Lebens­zeit ist jedoch immer nur eine Schät­zung, die Arzt und Pati­ent gemein­sam mit­ein­an­der besprechen.

Das beob­ach­ten­de Abwar­ten ist zudem für Män­ner gedacht, bei denen eine hei­len­de Behand­lung nicht in Fra­ge kommt. Die Grün­de dafür kön­nen schwe­re Beglei­ter­kran­kun­gen oder ein schlech­ter kör­per­li­cher All­ge­mein­zu­stand sein. Es zählt also nicht nur das Lebens­al­ter, son­dern auch das bio­lo­gi­sche Alter eines Menschen.

Gera­de in höhe­rem Alter lei­den aber vie­le Män­ner an wei­te­ren Krank­hei­ten, manch­mal sogar an meh­re­ren gleich­zei­tig. Die­se sind viel­leicht weit­aus gefähr­li­cher. Vie­le ster­ben dann nicht an ihrem Pro­statakar­zi­nom, son­dern an einer ganz ande­ren Krank­heit. Die häu­figs­ten Todes­ur­sa­chen sind – wie in der gesam­ten Bevöl­ke­rung – Herz-Kreis­lauf-Erkran­kun­gen, etwa ein Herz­in­farkt, eine Herz­schwä­che oder eine Schlaganfall.

Das watch­ful wai­ting kann zudem für Män­ner mit fort­ge­schrit­te­nem Pro­sta­ta­krebs eine Mög­lich­keit sein – dann bekom­men sie eine pal­lia­ti­ve Behand­lung ihrer Symptome.

So funktioniert watchful waiting bei Prostatakrebs

Beim watch­ful wai­ting kon­trol­lie­ren Ärz­te den Pro­sta­ta­krebs nicht regel­mä­ßig. Viel­mehr gehen Män­ner von selbst zum Arzt, wenn sie Beschwer­den haben. Eine Hei­lung steht beim beob­ach­ten­den Abwar­ten nicht im Vor­der­grund. Ärz­te neh­men nur die Sym­pto­me in Angriff und ver­su­chen, sie mit wirk­sa­men The­ra­pi­en zu lin­dern. Ein Bei­spiel ist die Hor­mon­ent­zugs­the­ra­pie. Dabei unter­drü­cken Medi­ka­men­te die Pro­duk­ti­on des männ­li­chen Geschlechts­hor­mons Tes­to­ste­ron.

Anders ist es bei der akti­ven Über­wa­chung: Hier gehen Män­ner in regel­mä­ßi­gen, genau fest­ge­leg­ten Zeit­in­ter­val­len zum Arzt. Sie unter­zie­hen sich einem PSA-Test, der Tast­un­ter­su­chung, Biop­si­en oder einer Magnet­re­so­nanz­to­mo­gra­fie (MRT). Obwohl bei der active sur­veil­lan­ce zunächst kei­ne Behand­lung erfolgt, ist das Ziel immer die Hei­lung des Pro­sta­ta­kreb­ses. Wächst der Krebs wei­ter, begin­nen Ärz­te mit der Krebstherapie.

Watchful waiting bei Prostatakrebs – das sollten Männer beachten

Für man­che Män­ner ist watch­ful wai­ting eine gute Mög­lich­keit, weil sie ihre Lebens­qua­li­tät bewah­ren und kei­ne Neben­wir­kun­gen von Krebs­the­ra­pi­en aus­hal­ten müs­sen. Bevor Sie sich jedoch für das beob­ach­ten­de Abwar­ten ent­schei­den, bespre­chen Sie am bes­ten alle Vor- und Nach­tei­le mit Ihrem behan­deln­den Arzt. Sie müs­sen sich auch mit der Tat­sa­che aus­ein­an­der­set­zen, dass das watch­ful wai­ting nicht die Hei­lung des Kreb­ses zum Ziel hat. Wägen Sie also gemein­sam mit Ihrem Arzt das Für und Wider gut gegen­ein­an­der ab. Erst dann tref­fen Sie Ihre Entscheidung!

Auch wenn es kei­ne fest­ge­leg­ten Kon­troll­in­ter­val­le gibt: Rat­sam ist es den­noch, alle sechs Mona­te zur Kon­trol­le des Pro­sta­ta­kreb­ses Ihren Arzt auf­zu­su­chen. Der PSA-Wert und die Tast­un­ter­su­chung geben zum Bei­spiel Anhalts­punk­te, wie sich das Pro­statakar­zi­nom verhält.

Quel­len:

  • S3-Leit­li­nie zur Früh­erken­nung, Dia­gno­se und The­ra­pie der ver­schie­de­nen Sta­di­en des Pro­statakar­zi­noms, Deut­sche Gesell­schaft für Uro­lo­gie (DGU), Stand: April 2018
  • Deut­sches Krebs­for­schungs­zen­trum (DKFZ), www.krebsinformationsdienst.de (Abruf: 26.4.2018)
  • Deut­sche Krebs­hil­fe, Blaue Rat­ge­ber, www.krebshilfe.de
  • Stif­tung Män­ner­ge­sund­heit: „Active Sur­veil­lan­ce & Watch­ful Wai­ting. Lebens­qua­li­tät trotz Pro­sta­ta­krebs erhal­ten“, www.stiftung-maennergesundheit.de
Datum: 26.4.2018

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