Hyperthermie: Wärme gegen Prostatakrebs

Die Hyper­ther­mie erwärmt das Gewe­be bei Pro­sta­ta­krebs und soll so die Krebs­zel­len um die Ecke brin­gen. Ein Stan­dard ist sie aber noch nicht bei der Krebs­be­hand­lun­gen. Lesen Sie, wie die Hyper­ther­mie funk­tio­niert und für wel­che Män­ner sie sich eig­net! Von Ingrid Mül­ler

Gegen Pro­sta­ta­krebs gibt es vie­ler­lei Behand­lungs­stra­te­gi­en: Ärz­te set­zen nicht nur die Chir­ur­gie, Medi­ka­men­te, Strah­len oder eisi­ge Käl­te gegen die Krebs­zel­len in der Pro­sta­ta ein, son­dern auch Wär­me. Hyper­ther­mie heißt die­se Krebs­the­ra­pie. Der Begriff hat sei­ne Wur­zeln im Grie­chi­schen und bedeu­tet so viel wie „Über­wär­mung“. Es gibt ver­schie­de­ne Ver­fah­ren der Hyper­ther­mie. Eines ist jedoch allen Metho­den gemein­sam: Ärz­te erwär­men bestimm­te Kör­per­be­rei­che und Gewe­be auf mehr als 40 Grad Cel­si­us. Oft set­zen sie dafür elek­tro­ma­gne­ti­sche Strah­len ein, in der Regel Radio­wel­len oder Mikro­wel­len. Obwohl Medi­zi­ner schon seit mehr als 100 Jah­ren Krebs­pa­ti­en­ten mit Wär­me behan­deln, ist die Hyper­ther­mie bis heu­te kein Stan­dard­ver­fah­ren – auch nicht bei Pro­sta­ta­krebs. Die Wär­me­the­ra­pie set­zen Ärz­te auch nicht allei­ne ein, son­dern immer in Kom­bi­na­ti­on mit ande­ren Krebs­be­hand­lun­gen ein.

Wie wirkt die Hyperthermie?

Die Idee hin­ter der Hyper­ther­mie ist, die Krebs­zel­len gezielt zu atta­ckie­ren und gesun­des Gewe­be weit­ge­hend zu scho­nen. Tumor­zel­len reagie­ren emp­find­li­cher auf Hit­ze als gesun­de Zel­len. Bei Tem­pe­ra­tu­ren zwi­schen 40 bis 42 Grad Cel­si­us ver­än­dern sich die Zell­wän­de der Krebs­zel­len. Dort bil­den sich Stres­sei­wei­ße, soge­nann­te Hit­ze­s­chock-Pro­te­in (engl. Heat-Shock-Pro­te­ine). Die­se sind für die kör­per­ei­ge­nen Abwehr­zel­len des Immun­sys­tems eine Art Alarm­si­gnal. Sie wan­dern an den Ort des Gesche­hens und bekämp­fen die ange­schla­ge­nen Krebs­zel­len – dann gehen sie zugrun­de.

Die Wär­me­the­ra­pie hat aber noch ande­re Wir­kun­gen: Sie kur­belt die Durch­blu­tung des Tumors an und macht das Gewe­be emp­find­li­cher für Wirk­stof­fe, die in Medi­ka­men­ten ent­hal­ten sind. Die Zel­len kön­nen die­se bes­ser auf­neh­men, was ihre Wir­kung stei­gert. Auch die Strah­len einer Radio­the­ra­pie wir­ken inten­si­ver. Ärz­te wen­den die Wär­me­the­ra­pie immer nur in Kom­bi­na­ti­on mit ande­ren Behand­lun­gen an, zum Bei­spiel einer Che­mo­the­ra­pie oder Bestrah­lung.

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Wie funktioniert die Hyperthermie?

Gegen Pro­sta­ta­krebs set­zen Ärz­te bei der Hyper­ther­mie meist elek­tro­ma­gne­ti­sche Wel­len ein. Mikro­wel­len und Radio­wel­len gehö­ren dazu. Bei man­chen Krebs­er­kran­kun­gen erwär­men sie den gesam­ten Kör­per (Ganz­kör­per­hy­per­ther­mie), bei ande­ren – wie dem Pro­sta­ta­krebs – gezielt nur die erkrank­te Pro­sta­ta. Durch die Harn­röh­re füh­ren Ärz­te einen Kathe­ter ein und schie­ben ihn bis zur Pro­sta­ta vor (die Harn­röh­re ver­läuft direkt durch die Pro­sta­ta). An des­sen Spit­ze sitzt eine spe­zi­el­le Son­de, wel­che die Strah­len aus­sen­det. Die­se erwär­men das Gewe­be, hei­zen es auf und „schmel­zen“ es ein. Tran­surethra­le Radio­fre­quenz­hy­per­ther­mie (TURF) oder Tran­surethra­le Pro­sta­ta­hy­per­ther­mie lau­ten die Fach­be­grif­fe für die­se Metho­de.

Für welche Männer ist die Wärmebehandlung geeignet?

Die Hyper­ther­mie eig­net sich zunächst für gut­ar­ti­ge Pro­sta­taer­kran­kun­gen, zum Bei­spiel die Pro­sta­ta­ent­zün­dung (Pro­sta­ti­tis) oder eine gut­ar­ti­ge Pro­sta­ta­ver­grö­ße­rung (benig­ne Pro­sta­ta­hy­per­pla­sie, BPH). Aber auch Pro­sta­ta­krebs lässt sich unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen mit Hil­fe der Wär­me­the­ra­pie bekämp­fen.

Wich­tig ist, dass die Hyper­ther­mie kei­ne Alter­na­ti­ve zu ande­ren Behand­lun­gen bei Pro­sta­ta­krebs ist, son­dern nur eine Ergän­zung, etwa zur Strah­len­the­ra­pie. Sie soll ihre Wir­kung ver­stär­ken. Die Wär­me­the­ra­pie kommt zudem nur für Män­ner mit lokal begrenz­tem Pro­sta­ta­krebs in Fra­ge. Bei lokal fort­ge­schrit­te­nem Pro­statakar­zi­nom ist die Anwen­dung nicht emp­foh­len. Dann hat der Tumor schon die Kap­sel der Pro­sta­ta durch­bro­chen. Auch bei Meta­sta­sen in ande­ren Orga­nen ist die Hyper­ther­mie kei­ne Behand­lungs­mög­lich­keit.

Der­zeit las­se sich die the­ra­peu­ti­sche Wirk­sam­keit der Hyper­ther­mie aber noch nicht abschät­zen, schrei­ben die Autoren der Leit­li­nie „Pro­sta­ta­krebs“. Die bis­her vor­lie­gen­den Stu­di­en sei­en nicht aus­sa­ge­kräf­tig genug. Es muss also wei­ter an der Hyper­ther­mie geforscht wer­den!

Hyperthermie bei Prostatarebs – Vorteile und Risiken

Ein Vor­teil der Wär­me­be­hand­lung ist, dass sie ande­re Krebs­be­hand­lun­gen wie eine Che­mo- oder Strah­len­the­ra­pie schein­bar effek­ti­ver macht. So haben Män­ner mit Pro­sta­ta­krebs womög­lich bes­se­re Chan­cen, ihren Tumor dau­er­haft los­zu­wer­den.

Eine mög­li­che Gefahr bei der Hyper­ther­mie ist, dass sich die Aus­brei­tung und Ver­tei­lung der Wär­me im Gewe­be bei man­chen Ver­fah­ren nicht gut kon­trol­lie­ren und steu­ern lässt. Einer­seits muss es im Tumor heiß genug sein, ande­rer­seits sol­len die elek­tro­ma­gne­ti­schen Wel­len gesun­des Gewe­be nicht beschä­di­gen. In den Rand­zo­nen der Pro­sta­ta sind die erfor­der­li­chen Hit­ze­gra­de nicht immer erreich­bar. All­ge­mein ver­tra­gen die meis­ten Krebs­pa­ti­en­ten die Hyper­ther­mie gut.

Wer bezahlt die Hyperthermie bei Prostatakrebs?

Die gesetz­li­chen und pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­run­gen sind nicht ver­pflich­tet, die Kos­ten für die Hyper­ther­mie zu über­neh­men Der Grund ist, dass die Wirk­sam­keit der Wär­me­be­hand­lung bei Krebs noch nicht aus­rei­chend durch Stu­di­en belegt ist. Spre­chen Sie trotz­dem vor­ab mit Ihrer Kran­ken­kas­se, ob sie die Hyper­ther­mie bezah­len. Manch­mal sind die Kran­ken­ver­si­che­run­gen kulant. Eine Hyper­ther­mie kann – je nach Kli­nik und Pra­xis – zwi­schen 1.800 und 2.600 Euro kos­ten.

Quel­len:

  • Inter­dis­zi­pli­nä­re S3-Leit­li­nie der zur Früh­erken­nung, Dia­gno­se und The­ra­pie der ver­schie­de­nen Sta­di­en des Pro­statakar­zi­noms, April 2018
  • Deut­sche Krebs­ge­sell­schaft, www.krebsgesellschaft.de (Abruf: 22.7.2018)
  • Deut­sches Krebs­for­schungs­zen­trum (DKFZ), www.krebsinformationsdienst.de (Abruf: 22.7.2018)
  • Ame­ri­can Can­cer Socie­ty, https://www.cancer.org/treatment/treatments-and-side-effects/treatment-types/hyperthermia.html
  • Natio­nal Can­cer Insti­tu­te, https://www.cancer.gov/about-cancer/treatment/types/surgery/hyperthermia-fact-sheet
  • Gesell­schaft für bio­lo­gi­sche Krebs­ab­wehr (GfBK), www.biokrebs.de/images/download/Therapie_Infos/Hyperthermie.pdf
Datum: 22.7.2018
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