Prostata-Vorsorge: „Scham am falschen Platz“

Pro­sta­ta­krebs ist gut heil­bar, wenn er früh erkannt wird. Doch nur etwa 15 Pro­zent der Män­ner gehen zur Pro­sta­ta-Vor­sor­ge. War­um die Tast­un­ter­su­chung wich­tig ist und wie sie genau abläuft, erzählt Toni Till­mann aus Ham­burg im Inter­view. Der 66-Jäh­ri­ge geht seit über 20 Jah­ren regel­mä­ßig zum Check. Von Sabi­ne Knapp

Herr Tillmann, viele Männer wissen nicht genau, was bei der Prostata-Vorsorge und einer Tastuntersuchung auf sie zukommt. Erklären Sie es uns doch bitte.

Was ich gleich sagen kann und vie­len Män­nern sicher unge­mein wich­tig ist: Die Pro­sta­ta-Vor­sor­ge ist schnell rum! Nach einer hal­ben Minu­te ist die Tast­un­ter­su­chung erle­digt. Kon­kret läuft sie so ab, dann man sich auf der Behand­lungs­lie­ge bequem auf die Sei­te legt, am bes­ten in einer leicht gekrümm­ten Stel­lung, und das so locker und ent­spannt wie mög­lich.

Was spürt der Arzt, was der Mann?

Der Arzt zieht Ein­mal­hand­schu­he an und gibt Gleit­gel dar­auf. Man selbst spürt dadurch kaum etwas, wenn er im Anschluss einen Fin­ger in den After ein­führt. Der Arzt tas­tet zunächst den End­darm auf Ver­än­de­run­gen hin ab und dann die Pro­sta­ta selbst. Hat sie noch eine nor­ma­le Grö­ße oder ist sie schon ver­grö­ßert? Ist das Gewe­be weich oder kno­tig? All das erfühlt ein erfah­re­ner Arzt in Sekun­den­schnel­le. Ins­ge­samt emp­fin­det man nur ein kur­zes Druck­ge­fühl, und das ist im nächs­ten Moment auch schon wie­der vor­bei.

Denken Sie, dass die Tastuntersuchung den Männern zu peinlich ist und sie deshalb die Prostata-Vorsorge scheuen?

Das kann ich mir ziem­lich gut vor­stel­len, weil vie­le Män­ner die Tast­un­ter­su­chung nur vom Hören­sa­gen ken­nen. Dabei gibt es gar kei­nen Grund, sich unwohl zu füh­len. Die­se Art der Pro­sta­ta-Vor­sor­ge ist über­haupt nicht schmerz­haft, aber sehr wich­tig für Män­ner. Denn sie hilft, Risi­ken für Pro­sta­ta­krebs und mög­li­che bös­ar­ti­ge Tumo­ren früh­zei­tig zu erken­nen – das muss für jeden Mann der Beweg­grund sein, zum Arzt zu gehen. Man darf sich durch Scham oder Angst nicht davon abhal­ten las­sen. Natür­lich bin auch ich jedes­mal froh, wenn ich die Unter­su­chung geschafft habe. Hin­ter­her den­ke ich mir immer: ‚Du warst wie­der ein­mal umsonst ner­vös, weil es näm­lich kei­ne gro­ße Sache ist.‘

Für Sie sind regelmäßige Termine beim Urologen schon Routine. Haben Sie eine Tipp für männliche Zauderer?

Der ers­te Tipp heißt jeden­falls: Es bringt nichts, wie das Kar­ni­ckel vor der Schlan­ge zu sit­zen und zu hof­fen, dass sie schon nicht bei­ßen wird. Viel­leicht hilft es man­chen Män­nern ja auch, sich in der Pra­xis eine Art Man­tra vor­zu­sa­gen, zum Bei­spiel: ‚Da muss ich durch, es ist für etwas gut, ich tue es für mich!‘ Außer­dem soll­ten sich Män­ner viel­leicht ein­mal klar machen: Für sie selbst ist die Tast­un­ter­su­chung zwar kei­ne Rou­ti­ne – genau das ist sie aber für den Arzt. Punkt.

Warum ist Ihnen selbst die Prostata-Vorsorge so wichtig?

Pro­sta­ta­krebs ist ja bei Män­nern die häu­figs­te Krebs­art. Im Bekann­ten­kreis habe ich lei­der eini­ge Fäl­le mit trau­ri­gen Dia­gno­sen. Ein Krebs­be­fund bedeu­tet für die betrof­fe­nen Män­ner: Che­mo­the­ra­pie, Angst und Ver­zweif­lung. Und das soll ich ris­kie­ren, weil ich mich ‚pein­lich berührt‘ füh­le? Das kommt für mich nicht in Fra­ge.

Wann sind Sie denn selbst zum Thema Prostatakrebsvorsorge gekommen?

Als ich 45 Jah­re alt war, mein­te mein Haus­arzt damals beim jähr­li­chen Check­up, dass ab die­sem Alter die Pro­sta­ta-Vor­sor­ge schon ange­bracht sei – seit­dem ist sie für mich Stan­dard. Das gilt übri­gens eben­so für den regel­mä­ßi­gen Besuch beim Zahn­arzt. Im Zwei­fel kann der ja deut­lich unan­ge­neh­mer sein. Ich sage mir immer: Wenn ich die Vor­sor­ge nicht schlei­fen las­se, habe ich anschlie­ßend auch deut­lich weni­ger Stress. Es beru­higt mich ein­fach zu wis­sen, dass der­zeit alles in Ord­nung ist. Ich lebe also nach dem Prin­zip: Vor­sor­ge gibt Sicher­heit – und ret­tet Leben. Viel­leicht auch mei­nes.

Sie lassen im Rahmen der Prostata-Vorsorge immer auch Ihren PSA-Wert messen. Warum?

Stimmt. Zusätz­lich zur Tast­un­ter­su­chung las­se ich bei jedem Check mei­nen PSA-Wert im Blut bestim­men. Je nach­dem, wie hoch die gemes­se­nen PSA-Wer­te sind, kann eine Ultra­schall­kon­trol­le sinn­voll sein, die dann beim Uro­lo­gen gemacht wird. Der PSA-Test ist eine Selbst­zah­ler-Leis­tung und kos­tet etwa 20 Euro – das ist mir mei­ne Gesund­heit aber alle­mal wert.

Das Inter­view führ­te Sabi­ne Knapp.

Datum: 16.3.2018

Portraitfoto von Toni Tillmann

Der Ham­bur­ger Toni Till­mann, 62, sagt: „Vor­sor­ge gibt Sicher­heit und ret­tet Leben“

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