Lokal begrenzter Prostatakrebs – wie bösartig ist er?

Ein lokal begrenz­ter Pro­sta­ta­krebs kann unter­schied­lich gefähr­lich sein. Tumo­ren kön­nen ein nied­ri­ges, mitt­le­res oder hohes Risi­ko haben, dass sie vor­an­schrei­ten. Lesen Sie, wie wor­an sich die Bös­ar­tig­keit able­sen lässt und wie Ärz­te sie in Risi­ko­grup­pen ein­stu­fen. Von Ingrid Mül­ler

Pro­sta­ta­krebs ist nicht gleich Pro­sta­ta­krebs. Wäh­rend man­che Tumo­re aggres­siv sind und schnell wach­sen, ver­hal­ten sich ande­re nahe­zu „harm­los“: Sie ent­wi­ckeln sich nur lang­sam oder über­haupt nicht wei­ter. Dann ist die Wahr­schein­lich­keit gering, dass der Pro­sta­ta­krebs Män­nern zu Leb­zei­ten gefähr­lich wird. Der Volks­mund hat dafür zwei tref­fen­de Wör­ter gefun­den: Raub­tier­krebs und Haus­tier­krebs.

Vie­le Män­ner erhal­ten im Rah­men der Früh­erken­nung die Dia­gno­se „lokal begrenz­ter Pro­sta­ta­krebs“. Dann ist der Krebs noch auf die Pro­sta­ta beschränkt, hat die Kap­sel noch nicht durch­bro­chen und auch kei­ne Meta­sta­sen in den Lymph­kno­ten, ande­ren Orga­nen oder Kno­chen gebil­det. Grund­sätz­lich lässt er sich scho­nen­der behan­deln als ein Tumor, der sich schnel­ler fort­ent­wi­ckelt. Doch wie fin­den Ärz­te nun her­aus, ob die Gefahr nied­rig, mit­tel oder hoch ist, dass ein lokal begrenz­ter Pro­sta­ta­krebs tat­säch­lich wei­ter wächst? Es gibt ver­schie­de­ne Fak­to­ren, anhand derer sie die­ses Risi­ko ein­schät­zen kön­nen.

Risikogruppen bei Prostatakrebs: Diese Faktoren spielen mit hinein

Stadium

Zunächst ermit­teln Ärz­te das Sta­di­um, in dem sich der Pro­sta­ta­krebs befin­det. Die Tast­un­ter­su­chung lässt Rück­schlüs­se dar­auf zu, wie groß der Tumor ist und wo er sich genau befin­det. Bei einer Biop­sie ent­neh­men Ärz­te zehn bis zwölf Gewe­be­pro­ben (Stan­zen) aus der Pro­sta­ta, die ein Patho­lo­ge anschlie­ßend unter dem Mikro­skop unter­sucht. Inter­na­tio­nal gebräuch­lich, um die Aus­brei­tung des Pro­sta­ta­kreb­ses fest­zu­stel­len, ist die TNM-Klas­si­fi­ka­ti­on:

  • T= die Grö­ße und Aus­deh­nung des Tumors
  • N (engl. Node = Lymph­kno­ten): Sind Krebs­zel­len in den Lymph­kno­ten nach­weis­bar?
  • M = Meta­sta­sen: Sind Fern­me­ta­sta­sen in ande­ren Orga­nen oder den Kno­chen vor­han­den?

Ins­ge­samt gilt: Je höher die Zahl nach den Buch­sta­ben T, N und M ist, des­to wei­ter fort­ge­schrit­ten ist der Pro­sta­ta­krebs. „Sta­ging“ heißt die Ein­tei­lung in Sta­di­en.

PSA-Wert

Wie hoch ist der Wert des pro­stat­a­spe­zi­fi­schen Anti­gens (PSA-Wert) im Blut und wie ist der Ver­lauf?

 

Gleason-Score

Wie aggres­siv sind die Krebs­zel­len in der Pro­sta­ta? Dafür unter­sucht sie ein Patho­lo­ge unter dem Mikro­skop. Er sieht, wie sehr sie gesun­den Zel­len noch ähneln bezie­hungs­wei­se wie stark sie ver­än­dert sind. Der nied­rigs­te Wert für den Glea­son-Score liegt bei 6, der höchs­te bei 10. Es gilt: Je höher die Zahl, des­to aggres­si­ver ist auch der Pro­sta­ta­krebs. Die­se Ein­stu­fung heißt „Gra­ding“ in der Fach­spra­che.

 

Alle drei Para­me­ter zusam­men genom­men las­sen Rück­schlüs­se dar­auf zu, mit wel­cher Wahr­schein­lich­keit der Pro­sta­ta­krebs vor­an­schrei­ten wird.

Lokal begrenzter Prostatakrebs: Ist das Risiko niedrig, mittel oder hoch?

Die Infor­ma­tio­nen aus der TNM-Klas­si­fi­ka­ti­on las­sen Ärz­te jetzt in die soge­nann­te UICC-Klas­si­fi­ka­ti­on ein­flie­ßen. UICC ist die Abkür­zung für die Uni­on Inter­na­tio­nal Cont­re le Can­cer. Das lokal begrenz­te Pro­statakar­zi­nom tei­len Ärz­te dann wei­ter in Risi­ko­grup­pen ein:

Niedriges Risiko
  • PSA-Wert: Er darf nicht höher als 10 Nano­gramm pro Mil­li­li­ter (ng/ml) betra­gen.
  • Glea­son-Score: Er darf nicht höher als 6 sein.
  • Sta­di­um: Tumor­aus­brei­tung cT1c (nach einem erhöh­ten PSA-Wert wur­den Krebs­zel­len in der Biop­sie gefun­den) und cT2a (der Tumor ist auf weni­ger als die Hälf­te eines Pro­sta­ta­l­ap­pens begrenzt); kei­ne Lymph­kno­ten betrof­fen (N0), kei­ne Fern­me­ta­sta­sen (M0) in ande­ren Orga­nen oder den Kno­chen.
  • Nicht mehr als zwei Gewe­be­pro­ben (von 10 bis 12 ent­nom­me­nen Stan­zen) ent­hal­ten Krebs­zel­len.
  • Der Anteil an Krebs­zel­len in die­sen maxi­mal zwei auf­fäl­li­gen Gewe­be­pro­ben beträgt nicht mehr als 50 Pro­zent.
Alle Risikogruppen auf einen Blick
Lokal begrenzer Prostatakrebs: Risikogruppen

Lokal begrenz­ter Pro­sta­ta­krebs: Risi­ko­grup­pen

Lokal begrenzter Prostatakrebs: Behandlung bei niedrigem Risiko

Män­ner mit einem Nied­rig-Risi­ko-Pro­sta­ta­krebs haben drei ver­schie­de­nen Behand­lungs­mög­lich­kei­ten:

Hat ein Mann einen Pro­sta­ta­krebs mit nied­ri­gem Risi­ko und mut­maß­lich eine Lebens­er­war­tung von weni­ger als zehn Jah­ren, ist es unwahr­schein­lich, dass der Pro­sta­ta­krebs noch deut­lich wächst. In die­sem Fall ist auch das „watch­ful wai­ting“ oder „abwar­ten­des Beob­ach­ten“ eine The­ra­pie­op­ti­on. Die inten­si­ven Kon­troll­in­ter­val­le und regel­mä­ßi­ge Biop­si­en wie bei der akti­ven Über­wa­chung ent­fal­len dabei. Für Män­ner mit mitt­le­rem und höhe­rem Risi­ko gibt es mit dem Hor­mon­ent­zug eine zusätz­li­che Behand­lungs­mög­lich­keit.

Quellen
  • Inter­dis­zi­pli­nä­re Leit­li­nie der Qua­li­tät S3 zur Früh­erken­nung, Dia­gno­se und The­ra­pie der ver­schie­de­nen Sta­di­en des Pro­statakar­zi­noms, Stand: April 2018, https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/fileadmin/user_upload/Downloads/Leitlinien/Prostata_5_0/LL_Prostata_Langversion_5.0.pdf
  • Insti­tut für Qua­li­tät und Wirt­schaft­lich­keit im Gesund­heits­we­sen (IQWIG), https://www.gesundheitsinformation.de/was-ist-ein-niedrig-risiko-prostatakrebs-und-wie.2066.de.html?part=behandlung-7i
  • Berufs­ver­band der Deut­schen Uro­lo­gen e.V. (BDU), https://www.urologenportal.de/fileadmin/MDB/PDF/140514_Anlage_1_Definition_Niedrig-Risiko-Prostatakarzinom_Entfassung_BDU.pdf
  • Deut­sches Krebs­in­for­ma­ti­ons­zen­trum (DKFZ), https://www.krebsinformationsdienst.de/wegweiser/iblatt/prostatakrebs-lokal.pdf

Datum: 3.6.2019

Behandlungen bei Prostatakrebs

Wel­che Behand­lung ist für mich geeig­net? Von Ope­ra­ti­on, Strah­len­the­ra­pie bis Kom­ple­men­tär­me­di­zin – alle The­ra­pi­en im Über­blick.

Aktive Überwachung: viele Männer steigen aus (c) ikostudio/Adobe Stock

Aktive Überwachung bei Prostatakrebs – viele brechen sie ab

Akti­ve Über­wa­chung bedeu­tet, einen Pro­sta­ta­krebs zunächst nur zu kon­trol­lie­ren. Doch mehr als 40 Pro­zent der Män­ner bre­chen die active sur­veil­lan­ce ab, ergab eine Stu­die. Aber war­um?

Kastrationsresistenter Prostatakrebs - diese Medikamente helfen (c) sebra/Adobe Stock

Kastrationsresistenter Prostatakrebs – was hilft?

Kas­tra­ti­ons­re­sis­ten­ter Pro­sta­ta­krebs bedeu­tet, dass der Hor­mon­ent­zug nicht mehr wirkt. Die Krebs­zel­len sind unemp­find­lich gewor­den und ver­meh­ren sich auch ohne Tes­to­ste­ron. Alle Behand­lun­gen im Über­blick.

Lokal begrenzter Prostatakrebs ist unterschiedlich bösartig (c) artegorov3@gmail.com/Adobe Stock

Lokal begrenzter Prostatakrebs – wie bösartig ist er?

Ein lokal begrenz­ter Pro­sta­ta­krebs kann unter­schied­lich gefähr­lich sein. Tumo­ren kön­nen ein nied­ri­ges, mitt­le­res oder hohes Risi­ko haben, dass sie vor­an­schrei­ten. Lesen Sie, wie wor­an sich die Bös­ar­tig­keit able­sen lässt.

Wissen über Prostatakrebs: Viele Männer tappen im Dunkeln (c) lukasbieri/Pixabay.com

Prostatakrebs: Viele Männer wissen nicht genug

Um das Wis­sen über Pro­sta­ta­krebs ist es bei vie­len Män­nern nicht zu Bes­ten bestellt. Vie­le tap­pen im Dun­keln, beson­ders wenn es um die The­ra­pie­ent­schei­dung geht, ergab eine neue Stu­die.

Chemotherapie bei Prostatakrebs: Nur bei fortgeschrittenen Tumoren (c) Anna Jurkovska/Adobe Stock

Chemotherapie bei Prostatakrebs – für wen?

Eine Che­mo­the­ra­pie set­zen Ärz­te bei vie­len Krebs­ar­ten ein, auch bei Pro­sta­ta­krebs. Lesen Sie, wel­chen Män­nern sie hilft, wie sie abläuft und wie sich die Neben­wir­kun­gen in Schach hal­ten las­sen.

Radikale Prostatektomie: Wer profitiert von der Operation, wer weniger? (c) JC Gellidon/Unsplash.com

Prostatakrebs – Operation bringt Lebensjahre, aber nicht jedem

Die Ope­ra­ti­on ist eine wich­ti­ge The­ra­pie­mög­lich­keit bei Pro­sta­ta­krebs, das beob­ach­ten­de Abwar­ten auch. Wel­cher Mann von der radi­ka­len Pro­sta­tek­to­mie beson­ders pro­fi­tiert, zeigt eine neue Stu­die.

Viren gegen Prostatakrebs: Eine Therapiemöglichkeit der Zzukunft? (c) monoar/Pixabay.com

Virotherapie: Mit Viren gegen Prostatakrebs

Viren sol­len Pro­sta­ta­krebs zukünf­tig bio­lo­gisch bekämp­fen. Kie­ler For­scher schleu­sen gen­tech­nisch ver­än­der­te Len­ti­vi­ren in Pro­sta­ta­krebs­zel­len ein und bekämp­fen Tumo­re so von innen her­aus. Alle Fak­ten zur Krebs­be­hand­lung mit Viren.

Prostata unterm Mikroskop

Pathologischer Befund

Begrenzt oder fort­ge­schrit­ten?

Ist Ihr Pro­sta­ta­krebs lokal begrenzt, lokal fort­ge­schrit­ten oder meta­stasiert?

Pro­to­nen­be­strah­lung

Protonenbestrahlung: Prostatakrebs mit Protonen beschießen (c) Panos/Fotolia.com

Neue Behand­lung: Wie Ärz­te Pro­sta­ta­krebs mit Pro­to­nen beschie­ßen

Ope­ra­ti­on bringt Lebens­jah­re

Radikale Prostatektomie: Wer profitiert von der Operation, wer weniger? (c) JC Gellidon/Unsplash.com

Radi­ka­le Pro­sta­tek­to­mie: Wer pro­fi­tiert von der Ope­ra­ti­on, wer weni­ger?

 

Stark­strom gegen Krebs

Irreversible Elektroporation: Prostatakrebs mit Starkstrom beschießen (c) wilhei/Pixabay.de

Irrever­si­ble Elek­tro­po­ra­ti­on: Pro­sta­ta­krebs mit Stark­strom beschie­ßen

Sie suchen weitere Informationen?
__

Pro­bie­ren Sie unse­re The­men­über­sicht, die Schlag­wort­su­che oder die Voll­text­su­che aus!

Unterstützen Sie uns mit Ihrer Spende

© Pro­sta­ta Hil­fe Deutsch­land | Impres­sum | Daten­schutz