PSA-Werte – so lesen Sie die Prostata-Werte richtig

Die PSA-Wer­te lie­fern Ärz­ten wich­ti­ge Anhalts­punk­te für einen mög­li­chen Pro­sta­ta­krebs. Alles über frei­es und gebun­de­nes PSA, die PSA-Anstiegs­ge­schwin­dig­keit, PSA-Ver­dop­pe­lungs­zeit und PSA-Dich­te. Von Ingrid Mül­ler

Die PSA-Wer­te gel­ten als wich­ti­ger Mar­ker bei der Früh­erken­nung von Pro­sta­ta­krebs. Das pro­stat­a­spe­zi­fi­sche Anti­gen (PSA) ist jedoch kein spe­zi­el­ler Krebs­mar­ker, der ein­deu­tig auf Pro­sta­ta­krebs hin­weist. Denn der PSA-Wert kann auch erhöht sein, wenn ein Mann kei­nen Pro­sta­ta­krebs hat. So kom­men erhöh­te PSA-Wer­te  auch bei einer gut­ar­ti­gen Pro­sta­ta­ver­grö­ße­rung, Pro­sta­ta­ent­zün­dung sowie nach dem Sex oder Rad­fah­ren vor. Umge­kehrt gilt jedoch auch: Ein nied­ri­ger PSA-Wert ist kei­ne Garan­tie dafür, dass ein Mann defi­ni­tiv kei­nen Pro­sta­ta­krebs hat.

Es darf kein Auto­ma­tis­mus sein, dass ein erhöh­ter PSA-Wert sofort zu einer Biop­sie führt. Wir müs­sen zunächst mög­li­che Stör­fak­to­ren suchen und aus­schlie­ßen.

Dr. Frank Schie­fel­bein, Uro­lo­ge

PSA-Werte: freies PSA – gebundenes PSA

PSA ist ein Eiweiß, das nur die Drü­sen­zel­len der Pro­sta­ta her­stel­len, um den Samen zu ver­flüs­si­gen und beweg­li­che Sper­mi­en frei­zu­set­zen. Es ist grö­ße­ren Men­gen in der Samen­flüs­sig­keit und in gerin­ge­ren Kon­zen­tra­tio­nen auch im Blut nach­weis­bar, wo es kei­ne Funk­ti­on erfüllt. PSA fin­det sich also bei gesun­den Män­nern, aber auch bei Pro­sta­ta­krebs.

Ärz­te zie­hen den PSA-Wert zur Dia­gnos­tik von Pro­sta­ta­krebs mit her­an, weil Krebs­zel­len viel grö­ße­re Men­gen PSA pro­du­zie­ren als gesun­de Pro­sta­ta­zel­len. Liegt der PSA-Wert im Blut höher als 4 Nano­gramm pro Mil­li­li­ter (ng/ml), besteht Abklä­rungs­be­darf. Denn es ist ein Hin­weis dar­auf, dass die Pro­sta­ta ver­än­dert ist. Doch was bestim­men Ärz­te eigent­lich genau?

Das PSA liegt in zwei Vari­an­ten vor:

1. Freies PSA (fPSA)

Frei­ses PSA  (fPSA) ist bio­lo­gisch aktiv. Nor­ma­ler­wei­se beträgt der Anteil des fPSA am gesam­ten PSA im Blut etwa 10 bis 30 Pro­zent. Wie hoch das freie PSA ist, hängt jedoch von ver­schie­de­nen Fak­to­ren ab:

Ein fPSA-Anteil von über 20 bis 25 Pro­zent gilt als unver­däch­tig. Mit fal­len­dem fPSA erhöht sich die Wahr­schein­lich­keit für ein Pro­statakar­zi­nom.

2. Gebundenes (komplexiertes) PSA (cPSA)

Zu etwa 70 bis 90 Pro­zent ist das PSA an ande­re Eiwei­ße gebun­den und bil­det unlös­li­che Kom­ple­xe – somit ist es bio­lo­gisch inak­tiv. Wich­tig ist dies, weil PSA eine eiweiß­ver­dau­en­de Wir­kung besitzt und somit Scha­den anrich­ten könn­te. Das PSA bil­det zum Bei­spiel Ver­bin­dun­gen mit den Eiwei­ßen Alpha-1-Anti­chy­mo­tryp­sin (ACT) oder Alpha-2-Makro­glo­bu­lin. Bei Män­nern mit Pro­sta­ta­krebs kann die Men­ge an gebun­de­nem PSA erhöht sein. Aller­dings ist die­ser Wert an kom­ple­xier­tem PSA nicht son­der­lich zuver­läs­sig.

Die Sum­me aus bei­den Wer­ten – dem frei­en und gebun­de­nen PSA – ist der Gesamt-PSA. Die­ser Wert heißt auch total PSA oder abge­kürzt tPSA.

PSA-Werte – was der PSA-Quotient besagt

Beim Ver­dacht auf Pro­sta­ta­krebs errech­nen Ärz­te nicht nur das freie PSA und das Gesamt-PSA, son­dern auch den soge­nann­ten PSA-Quo­ti­ent. Die­ser Wert ist das Ver­hält­nis von frei­em PSA zum Gesamt-PSA, also fPSA/­Ge­samt-PSA. Die­ser PSA-Quo­ti­ent kann Ärz­ten hel­fen, zwi­schen einer gut­ar­ti­gen Pro­sta­taer­kran­kung und Pro­sta­ta­krebs zu unter­schei­den.

  • Beträgt der PSA-Quo­ti­ent mehr als 20 Pro­zent, ist der erhöh­te PSA-Wert ver­mut­lich auf eine ande­re Ursa­che zurück­zu­füh­ren, zum Bei­spiel eine gut­ar­ti­ge Pro­sta­ta­ver­grö­ße­rung.
  • Liegt der PSA-Quo­ti­ent unter 15 Pro­zent, ist ein Pro­sta­ta­krebs wahr­schein­li­cher. Wer­te zwi­schen 15 und 20 Pro­zent stu­fen Ärz­te als „Grau­be­reich“ ein. Meh­re­re Ursa­chen kön­nen dafür in Fra­ge kom­men.
  • Die Gefahr für Pro­sta­ta­krebs steigt umso höher, je näher der PSA-Quo­ti­ent an den Wert von 10 Pro­zent (oder dar­un­ter) her­an­reicht. Aller­dings kann auch eine chro­ni­sche Pro­sta­ta­ent­zün­dung einen nied­ri­gen PSA-Quo­ti­ent ver­ur­sa­chen. Es gilt daher, die Pro­sta­ti­tis als Ursa­che aus­zu­schlie­ßen.

PSA-Anstiegsgeschwindigkeit (PSA-Velocity)

Ein wei­te­rer Wert für die Ein­schät­zung, ob eine Biop­sie nötig ist oder nicht, ist die Anstiegs­ge­schwin­dig­keit des PSA-Wer­tes (engl. PSA-Velo­ci­ty). Sie beschreibt, um wie viel der PSA-Wert pro Jahr zunimmt. Eine kor­rek­te Beur­tei­lung der PSA-Anstiegs­ge­schwin­dig­keit ist aber nur mög­lich, wenn der Arzt:

  • inner­halb von zwei Jah­ren
  • min­des­tens drei PSA-Wer­te
  • in einem Inter­vall von min­des­tens sechs Mona­ten bestimmt

Wich­tig ist zudem, dass Ärz­te immer das glei­che Mess­ver­fah­ren nut­zen, weil sonst die Aus­sa­ge­kraft ein­ge­schränkt ist. In den Leit­li­nie Pro­sta­ta­krebs heißt es: Bei einer erst­ma­li­gen Früh­erken­nungs­un­ter­su­chung soll­ten Ärz­te bei einem PSA-Wert von ≥ 4ng/ml eine Biop­sie erwä­gen. Im wei­te­ren Ver­lauf könn­ten Ärz­te die PSA-Dyna­mik her­an­zie­hen. Der Richt­wert für die PSA-Anstiegs­ge­schwin­dig­keit sol­le sich zwi­schen 0,35 und 0,75ng/ml pro Jahr bewe­gen. Ab die­sen Wer­ten sol­le man über eine Biop­sie nach­den­ken. Die Autoren der Leit­li­nie schrei­ben zum nied­ri­gen PSA-Anstiegs­wert von 0,35 ng/ml im Jahr: Beson­ders bei kur­zen Beob­ach­tungs­in­ter­val­len sei die Gefahr groß, dass die­ser Grenz­wert schon wegen der bio­lo­gi­schen Varia­bi­li­tät des PSA-Wer­tes über­schrit­ten wer­de, ohne dass ein Pro­sta­ta­krebs vor­lie­ge.

Wenn der PSA-Wert steigt und wie­der fällt, ist der Grund für die PSA-Erhö­hung wahr­schein­lich eher in einer Pro­sta­ta­ent­zün­dung oder Rei­zung der Pro­sta­ta zu suchen. Wenn der PSA-Wert ste­tig steigt und die Pro­sta­ta selbst nicht grö­ßer wird, könn­te Pro­sta­ta­krebs die Ursa­che sein.

All­ge­mein gilt: Je schnel­ler der PSA-Wert ansteigt, des­to höher ist die Wahr­schein­lich­keit für einen aggres­si­ven Tumor.

PSA-Verdoppelungszeit

Außer­dem zie­hen Ärz­te die soge­nann­te PSA-Ver­dop­pe­lungs­zeit (PSAVZ) her­an. Sie zeigt, in wel­chem Zeit­raum sich der PSA-Wert ver­dop­pelt. Min­des­tens zwei Mes­sun­gen im Abstand von meh­re­ren Mona­ten sind nötig, um die PSA-Ver­dop­pe­lungs­zeit zu bestim­men. Je mehr Wer­te der Arzt zum Ver­gleich zur Ver­fü­gung haben, des­to aus­sa­ge­kräf­ti­ger ist das Ergeb­nis. Auch hier ist es wich­tig, immer das glei­che Mess­ver­fah­ren anzu­wen­den, weil sonst die Wer­te nicht aus­rei­chend ver­gleich­bar sind.

  • Die PSA-Ver­dop­pe­lungs­zeit beträgt mehr als 24 Mona­te und der PSA-Wert liegt unter 6 ng/ml: Män­ner soll­ten ihren PSA in bestimm­ten Abstän­den regel­mä­ßig wei­ter kon­trol­lie­ren las­sen.
  • Kür­ze­re PSA-Ver­dop­pe­lungs­zei­ten von unter einem Jahr und höhe­re PSA-Wer­te: Män­ner soll­ten die Wer­te inner­halb von ein bis zwei Mona­ten wei­ter abklä­ren las­sen.

Die PSA-Ver­dop­pe­lungs­zeit gibt zudem Hin­wei­se dar­auf, ob ein Pro­sta­ta­krebs schnell oder lang­sam wächst.

PSA-Dichte

Die PSA-Dich­te (PSAD) lie­fert wei­te­re Hin­wei­se auf einen mög­li­chen Pro­sta­ta­krebs. Sie errech­net sich, indem Ärz­te den PSA-Wert (ng/ml) und das Pro­sta­ta­vo­lu­men (ml) ins Ver­hält­nis set­zen. Die Grö­ße der Pro­sta­ta ermit­teln Ärz­te mit Hil­fe des trans­rek­ta­len Ultra­schalls (TRUS).

Pro­sta­ta­krebs­zel­len schüt­ten deut­lich grö­ße­re Men­gen PSA aus als gesun­de Zel­len. Eine hohe PSA-Dich­te ist daher ein Anhalts­punkt dafür, dass ein Pro­sta­ta­krebs vor­liegt. Fol­gen­de Richt­wer­te gel­ten:

  • Eine PSA-Dich­te < 0,1 ng/ml ccm Pro­sta­ta gilt als eher unver­däch­tig
  • Wer­te über 0,15 ng/ml ccm Pro­sta­ta gel­ten als auf­fäl­lig

All­ge­mein kann man sagen: Je grö­ßer die PSA-Dich­te ist, des­to wahr­schein­li­cher ist ein Pro­sta­ta­krebs und des­to grö­ßer ist auch der bös­ar­ti­ge Tumor. Sehr klei­ne Kar­zi­no­me las­sen sich mit Hil­fe der PSA-Dich­te aller­dings kaum erken­nen. Das gilt beson­ders, wenn ein Mann zusätz­lich eine gut­ar­ti­ge Pro­sta­ta­ver­grö­ße­rung hat. Es ist also noch unklar, wie hoch die Aus­sa­ge­kraft der PSA-Dich­te ist.

Datum: 5.11.2019

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