Prostatakrebs – Operationsroboter als Assistent

Vie­le Ärz­te ope­rie­ren Pro­sta­ta­krebs heu­te mit der Unter­stüt­zung eines Robo­ters. Lesen Sie, wie die­se Pro­sta­ta-Ope­ra­ti­on genau funk­tio­niert und wel­che Vor- und Nach­tei­le der Ein­satz des intel­li­gen­ten Op-Assis­ten­ten hat. Von Ingrid Mül­ler

Ein Robo­ter im Ope­ra­ti­ons­saal klingt für vie­le Pati­en­ten nach Sci­ence-Fic­tion, ist es aber nicht. Denn die schlau­en Op-Hel­fer sind seit vie­len Jah­ren All­tag in deut­schen Kli­ni­ken. Die intel­li­gen­ten Op-Assis­ten­ten ope­rie­ren jedoch kei­nes­wegs auf eige­ne Faust, wie vie­le befürch­ten. Viel­mehr hel­fen sie den Ärz­ten bei ihrer Prä­zi­si­ons­ar­beit – auch bei der Ope­ra­ti­on von Pro­sta­ta­krebs. Doch die­se radi­ka­le Pro­sta­tek­to­mie ist selbst für geschick­te und erfah­re­ne Chir­ur­gen eine kniff­li­ge Ange­le­gen­heit. Sie ent­fer­nen bei die­ser Op die Pro­sta­ta mit samt der Samen­bla­sen. Und dabei kön­nen sie Ner­ven und Gefä­ße ver­let­zen, die durch die Vor­ste­her­drü­se ver­lau­fen. Inkon­ti­nenz und Erek­ti­le Dys­funk­ti­on sind die häu­figs­ten Fol­gen, unter denen Män­ner danach zu lei­den haben.

Beckenbodentraining bei Inkontinenz

Wie das Becken­bo­den­trai­ning funk­tio­niert und war­um nie­mand eine Win­del tra­gen muss, erklärt die Phy­sio­the­ra­peu­tin mit Schwer­punkt Män­ne­r­u­ro­lo­gie Ute Schmuck im Inter­view!

Ein Pro­blem ist, dass sich die Pro­sta­ta einen Platz aus­ge­sucht hat, an den schwer her­an­zu­kom­men ist und an dem zusätz­lich Platz­man­gel herrscht. „Ob bei einer Ope­ra­ti­on oder Bestrah­lung – die Pro­sta­ta ist nicht so ein­fach zu errei­chen“, sagt Dr. Frank Schie­fel­bein, Uro­lo­ge an der Mis­sio­kli­nik auf dem Pro­sta­ta­in­fo­tag in Würz­burg. Dabei ist die Op die wich­tigs­te Behand­lung bei Män­nern, deren Tumor noch auf die Pro­sta­ta beschränkt ist. Sie haben so die Chan­ce, ihren Pro­sta­ta­krebs wie­der ganz los­zu­wer­den.

Roboter operieren nicht selbstständig

Des­we­gen bit­ten heu­te immer mehr Ärz­te in Deutsch­land einen Robo­ter bei die­ser Ope­ra­ti­on zur Hil­fe. „Unser Ziel ist es, sowohl die Krebs­frei­heit zu errei­chen als auch die Kon­ti­nenz und Potenz zu erhal­ten“, erklärt Pro­sta­ta­krebs­spe­zia­list Schie­fel­bein. Doch vie­len Män­nern ist die Vor­stel­lung nicht ganz geheu­er, dass ein Robo­ter Hand an sie legt. Aber: Der mecha­ni­sche Hel­fer ope­riert den Mann nicht selbst, son­dern unter­stützt den Arzt nur bei dem kom­pli­zier­ten Ein­griff. Er ist also eine Art „ver­län­ger­ter Arm“ des Chir­ur­gen, der so zu bes­se­ren Ope­ra­ti­ons­er­geb­nis­sen bei­trägt.

Was passiert im Op-Gebiet? Präzise und vergrößerte Bilder aus dem Inneren (c) Ingrid Müller

Was pas­siert im Op-Gebiet? Prä­zi­se und ver­grö­ßer­te Bil­der aus dem Inne­ren © Ingrid Mül­ler

Und die­ser Robo­ter absol­viert immer mehr Ein­sät­ze. „Die Zahl der robo­ter­ge­stütz­ten Ope­ra­tio­nen steigt ins­ge­samt“, sagt Schie­fel­bein. Schon heu­te stün­den mehr als 130 sol­cher Gerä­te in deut­schen Kli­ni­ken. Sie wer­den jedoch nicht nur bei Pro­sta­ta-Ope­ra­tio­nen ein­ge­setzt, son­dern assis­tie­ren zum Bei­spiel auch Herz- oder Darm­chir­ur­gen. Die ers­te robo­ter­as­sis­tier­te Pro­sta­ta-Ope­ra­ti­on wur­de in Deutsch­land im Jahr 2001 durch­ge­führt.

Operieren mit Roboter – der Arzt als Steuermann

Der Robo­ter als rech­te Hand des Chir­ur­gen bie­tet eini­ge Vor­zü­ge für den Arzt, die sei­ne Arbeit erleich­tern. Im Prin­zip besteht der Ope­ra­ti­ons­ro­bo­ter aus zwei Ein­hei­ten:

Steuerkonsole
Steuereinheit für die Instrumente: Viel Fingerspitzengefühl ist dabei gefragt (c) Ingrid Müller

Steu­er­ein­heit für die Instru­men­te: Viel Fin­ger­spit­zen­ge­fühl ist dabei gefragt © Ingrid Mül­ler

Die Steu­er­kon­so­le besitzt zwei Griff­ein­rich­tun­gen für die rech­te und lin­ke Hand, die der Ope­ra­teur bedient. Die­se „über­set­zen“ sei­ne Bewe­gun­gen der Fin­ger und Hand­ge­len­ke und wan­deln sie in elek­tro­ni­sche Steu­er­si­gna­le um. Zudem ist in die Kon­so­le ein beson­de­res Sicht­fens­ter inte­griert. So hat der Arzt eine drei­di­men­sio­na­le Sicht auf das, was er tut – und zwar in einer bis zu 15-fachen Ver­grö­ße­rung.

Stativ und Roboterarme
Patient auf dem Op-Tisch: Feinste Instrumente ahmen die Bewegungen des Arztes nach (c) Ingrid Müller

Pati­ent auf dem Op-Tisch: Feins­te Instru­men­te ahmen die Bewe­gun­gen des Arz­tes nach © Ingrid Mül­ler

Der Pati­ent liegt unter einem Sta­tiv mit den „Robo­ter­ar­men“.  Ein Arm in der Mit­te besitzt eine Kame­ra. Drei Arme sind dage­gen mit Instru­men­ten und Dop­pel­ge­len­ken aus­ge­rüs­tet, die sich in alle Rich­tun­gen bewe­gen las­sen. Sie simu­lie­ren die Bewe­gun­gen der mensch­li­chen Hand. Die Arme erhal­ten die Signa­le der ärzt­li­chen Hand­be­we­gun­gen, ver­fei­nern sie noch und pas­sen sie den feins­ten Struk­tu­ren des Kör­pers an. Der Ope­ra­teur kann also ruhig und ohne Zit­tern arbei­ten. Die Arme bewe­gen die Instru­men­te im Ope­ra­ti­ons­ge­biet auf die genau glei­che Wei­se wie der Ope­ra­teur. Sie selbst kön­nen übri­gens kei­ne Bewe­gun­gen aus­füh­ren – und damit auch nicht selbst­stän­dig ope­rie­ren.

Ärz­te müs­sen jedoch vie­le Trai­nings­ein­hei­ten absol­vie­ren und benö­ti­gen eini­ge Übung, um den Robo­ter rich­tig bedie­nen zu kön­nen. Und Geschick sowie viel Fin­ger­spit­zen­ge­fühl müs­sen sie eben­falls mit­brin­gen. Ein Grob­mo­to­ri­ker soll­te ein Chir­urg ohne­hin bes­ser nicht sein. Im Gegen­satz zu den ers­ten Robo­tern haben die Her­stel­ler die Gerä­te heu­te auf­ge­rüs­tet: Sie haben ihnen klei­ne­re, fei­ne­re und län­ge­re Arme ver­passt. Damit kön­nen Ärz­te die Pro­sta­ta heu­te noch fili­gra­ner und prä­zi­ser ope­rie­ren.

Hightech im Op – Operationsfäden aus der Bionik

Auch bei andern OP-Hel­fern hat sich in Zei­ten der Robo­ter eini­ges getan, näm­lich bei den Fäden zum Ver­nä­hen der Wun­den. „Wir ver­wen­den Fäden mit feins­ten Wider­ha­ken. Sie sit­zen sofort, wenn wir kurz dar­an zie­hen. Aus der Bio­nik – also der Natur – haben wir uns die­se Tech­no­lo­gie abge­schaut“, sagt Schie­fel­bein. So gelin­ge die Ope­ra­ti­on exak­ter, schnel­ler und mit einem deut­lich gerin­ge­ren Blut­ver­lust. Unge­fähr 90 Pro­zent der Män­ner brau­chen kei­nen Bla­sen­ka­the­ter nach der Op. „Das ist doch eine fan­tas­ti­sche Sache für die Pati­en­ten, denn ein Kathe­ter ist äußerst unan­ge­nehm“, betont der Würz­bur­ger Uro­lo­ge.

Män­ner pro­fi­tie­ren jeden­falls in vie­ler­lei Hin­sicht von einer Robo­ter-Op, weil sie:

  • weni­ger Blut ver­lie­ren
  • weni­ger Schmer­zen haben
  • sich schnel­ler erho­len und
  • die Kli­nik frü­her wie­der ver­las­sen kön­nen
Interview zur Operation mit Roboter

Dr. Frank Schie­fel­bein erklärt, wie er mit dem Ope­ra­ti­ons­ro­bo­ter an der Würz­bur­ger Mis­sio­kli­nik Män­ner mit Pro­sta­ta­krebs ope­riert.

Operationsroboter: „Die Erfahrung des Arztes zählt“

Für die Ärz­te und die Kli­ni­ken und hat der Robo­ter jedoch eini­ge Haken: „Das Gerät ist für die Kli­ni­ken in der Anschaf­fung sehr teu­er“, weiß Schie­fel­bein. Bis zu zwei Mil­lio­nen Euro kos­tet die neue Ope­ra­ti­ons­hil­fe. Auch die lau­fen­den Kos­ten sind für die Kli­ni­ken nicht uner­heb­lich. So müs­sen sie die Mehr­weg­in­stru­men­te nach eine bestimm­ten Anzahl an Ope­ra­ti­on erset­zen und neue kau­fen. In Zei­ten, in denen vie­le Kran­ken­häu­ser unter enor­mem Spar­zwang ste­hen, ist dies kein unwe­sent­li­ches Argu­ment.

Und auch der Zeit­fak­tor spielt mit. Ope­ra­teu­re müs­sen viel trai­nie­ren und üben, bevor sie das ers­te Mal Hand an einen Pati­en­ten anle­gen dür­fen. Zudem dau­ern die Pla­nung und die Ope­ra­ti­on selbst län­ger und auch die Ste­ri­li­sa­ti­on der Instru­men­te nimmt mehr Zeit in Anspruch als nor­ma­ler­wei­se. Trotz die­ser Nach­tei­le ist Schie­fel­bein über­zeugt: „In Zukunft wird die robo­ti­sche Medi­zin eine noch vie­le grö­ße­re Rol­le spie­len“. Und Män­ner, die einen Robo­ter im OP womög­lich ang­st­ein­flö­ßend fin­den, beru­higt der Uro­lo­ge so: „Ent­schei­dend ist nicht die Tech­nik, son­dern der Ope­ra­teur – die Erfah­rung zählt.“

Datum: 15.2.2019

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