Diagnose Prostatakrebs – wie das Stadium die Lebensqualität prägt

Das Sta­di­um, in dem Ärz­te einen Pro­sta­ta­krebs ent­de­cken, hat Aus­wir­kun­gen auf vie­le Facet­ten des Lebens: Das Selbst­be­wusst­sein lei­det und vie­le füh­len sich nicht mehr „wie ein rich­ti­ger Mann“. Von Ingrid Mül­ler

Die Dia­gno­se Pro­sta­ta­krebs ist wohl für alle Män­ner ein tie­fer Ein­schnitt ins gewohn­te Leben. Aus Umfra­gen ist bekannt, dass sich die meis­ten Bun­des­bür­ger vor nichts so sehr fürch­ten wie vor einer Krebs­dia­gno­se. Sie tun dies, obwohl Krebs heu­te bes­ser behan­del­bar ist denn je und auch nicht auf Platz 1 der häu­figs­ten Todes­ur­sa­chen steht. Die­sen neh­men seit vie­len Jah­ren Herz-Kreis­lauf-Erkran­kun­gen ein. Dazu kommt, dass Pro­sta­ta­krebs bei vie­len Män­nern lang­sam wächst und sie gar nicht an ihrem Tumor ster­ben, son­dern an ande­ren Ursa­chen.

Den­noch beein­träch­ti­gen die Krebs­dia­gno­se selbst sowie die The­ra­pien und deren Neben­wir­kun­gen die Lebens­qua­li­tät und die men­ta­le Gesund­heit der Män­ner. Das gilt selbst dann noch, wenn die Behand­lun­gen schon Mona­te oder Jah­re zurück­lie­gen. Aber auch das Sta­di­um, in dem Ärz­te den Krebs auf­spü­ren, scheint eine wich­ti­ge Rol­le für die Lebens­qua­li­tät nach der Dia­gno­se zu spie­len. Zu die­sem Ergeb­nis kam jeden­falls die Unter­su­chung Pro­sta­te Can­cer In Ame­ri­ca 2019, die Sozi­al­for­scher von der Orga­ni­sa­ti­on Health Uni­on durch­ge­führt hat­ten.

Diagnose Prostatakrebs – das hilft jetzt

Lesen Sie, wie Sie nach der Dia­gno­se Pro­sta­ta­krebs einen küh­len Kopf bewah­ren und was jetzt wich­tig ist.

Prostatakrebs: höheres Stadium – geringere Lebensqualität

Ziel war es, mehr Licht in die Erfah­run­gen und Lebens­per­spek­ti­ven von Män­nern brin­gen, die mit ihrem Pro­sta­ta­krebs und den Fol­gen fort­an leben müs­sen. An der Online-Umfra­ge zwi­schen Sep­tem­ber 2018 und Janu­ar 2019 nah­men 1.162 Män­ner teil, die an Pro­sta­ta­krebs erkrankt waren. Sie beant­wor­te­ten Fra­gen dazu, wie die Krebs­dia­gno­se ihr Leben und ihren All­tag beein­flusst hat­te.

Die Autoren ver­gli­chen Män­ner mit einem Pro­sta­ta­krebs im Sta­di­um 1 oder 2 mit männ­li­chen Pen­dants, deren Tumor erst im Sta­di­um 3 oder 4 gefun­den wor­den war. Die wich­tigs­te Erkennt­nis war, dass das Sta­di­um des Pro­sta­ta­kreb­ses einen ent­schei­den­den Ein­fluss auf vie­le Aspek­te der Lebens­qua­li­tät und auf die Lebens­freu­de hat­te. So war bei Män­nern mit spä­te­rem Pro­sta­ta­tu­mor oft das Selbst­be­wusst­sein ange­knackst, sie erleb­ten depres­si­ve Pha­sen und vie­le fühl­ten sich unmänn­lich.

Frühes Krebsstadium bringt Zuversicht und Selbstvertrauen

Wer einen frü­hen Pro­sta­ta­krebs hat­te, blick­te viel zuver­sicht­li­cher in die Zukunft: Die­se Män­ner gaben deut­lich häu­fi­ger an, ihre Erkran­kung hal­te sie kei­nes­wegs davon ab, wei­te­re Zukunfts­plä­ne zu schmie­den. Män­ner mit spä­te­rem Pro­sta­ta­krebs waren in die­sem Punkt – ver­ständ­li­cher­wei­se – zurück­hal­ten­der. Bei einem Tumor im frü­he­ren Sta­di­um trau­ten sich die Män­ner auch eher, ande­re um Hil­fe zu bit­ten. Man­che gaben an, über­haupt kei­ne Unter­stüt­zung zu brau­chen und selbst gut mit ihrer Krank­heit zurecht­zu­kom­men.

Ein frü­her Pro­sta­ta­krebs erlaubt es Män­ner zudem oft, aus meh­re­ren Behand­lungs­mög­lich­kei­ten jene aus­zu­wäh­len, die indi­vi­du­ell zu ihrer Lebens­si­tua­ti­on, ihren Bedürf­nis­sen und Vor­lie­ben pass­te. So ist zum Bei­spiel die Akti­ve Über­wa­chung (acti­ve sur­veil­lan­ce) eine Opti­on, bei der Ärz­te zunächst kei­ne akti­ve The­ra­pie wäh­len. Sie kon­trol­lie­ren den Krebs nur in engen Zeit­ab­stän­den. Wächst er, folgt eine Behand­lung, zum Bei­spiel eine Ope­ra­ti­on oder Strah­len­the­ra­pie.

Bei Pro­sta­ta­krebs in spä­te­ren Sta­di­en ist dies in der Regel anders. Denn hier die Gefahr ist grö­ßer, dass sich die Krebs­zel­len aus­brei­ten und Meta­sta­sen in ande­ren Orga­ne bil­den, meist zuerst in den Kno­chen. Daher raten Ärz­te den Män­nern in der Regel zu einer sofor­ti­gen Behand­lung, die meist auch radi­ka­ler aus­fällt.

So ent­schie­den sich die Män­ner in der Umfra­ge bei den Behand­lun­gen:

Prostatakrebs: Erfahrungen sind schon früh sehr unterschiedlich

So machen Män­ner mit frü­hem und spä­tem Pro­sta­ta­krebs schon gleich nach der Dia­gno­se äußerst unter­schied­li­che Erfah­run­gen. Vie­le Män­ner mit Krebs im Früh­sta­di­um:

  • fühl­ten sich laut der Umfra­ge kaum krank,
  • hat­ten den Ein­druck, die Kon­trol­le über den zukünf­ti­gen Behand­lungs­plan zu haben und
  • kamen gut mit even­tu­el­len Neben­wir­kun­gen zurecht.

Anders sah dies für Män­ner mit spä­te­rem Pro­sta­ta­krebs aus: Sie began­nen meist sofort nach der Krebs­dia­gno­se mit der Behand­lung, vie­le unter­zo­gen sich inner­halb der ers­ten vier Wochen einer Ope­ra­ti­on.

Der Kampf mit den Nebenwirkungen schmälert die Lebensqualität

Nach dem Abschluss der Behand­lung hat­ten eini­ge Män­ner mit Rück­fäl­len sowie einer Rei­he unan­ge­neh­mer Sym­pto­me zu kämp­fen. Dazu gehör­ten bei­spiels­wei­se:

Selbst wenn die schlimms­ten The­ra­pien über­stan­den sind, kön­nen ihre Fol­gen den Kör­per und die Psy­che schwer belas­ten. Die Beschwer­den ver­schwin­den nicht so schnell – oder über­haupt nicht mehr. Dann gilt es, mit ihnen leben zu ler­nen.

All die­se Fak­to­ren kön­nen jedoch die Lebens­qua­li­tät nach der Dia­gno­se ent­schei­dend ver­min­dern. Män­ner mit spä­te­ren Tumo­ren sag­ten häu­fi­ger, sie fühl­ten sich nicht mehr „wie ein rich­ti­ger Mann“ wegen ihres Pro­sta­ta­kreb­ses. Auch nag­te die Krank­heit an ihrem Selbst­be­wusst­sein und brach­te ihr Selbst­bild ins Wan­ken. Ihre Sexua­li­tät und ihr Intim­le­ben sei­en nicht mehr so wie frü­her – das sag­ten 84 Pro­zent der Män­ner. Die Libi­do kam ihnen abhan­den, das Selbst­ver­trau­en schwand und die sexu­el­le Akti­vi­tät nahm immer mehr ab.

Sexualität nach Prostatakrebs

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Auch das Gefühls- und Sozi­al­le­ben sowie die Kom­mu­ni­ka­ti­ons­fä­hig­keit beein­träch­tigt ein Pro­sta­ta­krebs in höhe­rem Sta­di­um offen­bar stär­ker. Die­se Män­ner emp­fan­den es als schwie­rig, ihre Gefüh­le aus­zu­drü­cken und ande­ren mitt­zu­tei­len, was sie gera­de beschäf­tig­te. Zum Bei­spiel gelang es ihnen nicht, mit ihrem Part­ner oder der Part­ne­rin über ihre Beschwer­den und Ein­schrän­kun­gen zu spre­chen oder den Schwund ihres sexu­el­len Ver­lan­gens zu the­ma­ti­sie­ren. Sie sag­ten häu­fi­ger, ande­re ver­stün­den über­haupt nicht, was sie gera­de durch­mach­ten.

Lebensqualität: Prägende Erfahrungen besser verstehen

Die­se Unter­schie­de in den Erfah­run­gen und Lebens­per­spek­ti­ven, so die Autoren, müss­ten viel­leicht alle Betei­lig­ten zukünf­tig stär­ker berück­sich­ti­gen: Ärz­te, Part­ner, Fami­lie oder Freun­de. „Wir dür­fen nicht über­se­hen, wie unter­schied­lich die Erleb­nis­se und Erfah­run­gen der Män­ner mit Pro­sta­ta­krebs sein kön­nen – in die­sem Fall durch das dia­gnos­ti­zier­te Krebs­sta­di­um“, sagt Tim Armand von Health Uni­on. „Die Umfra­ge­er­geb­nis­se zei­gen, dass wir die vie­len Facet­ten von Lebens­qua­li­tät und wie die­se die Män­ner prä­gen, bes­ser ver­ste­hen müs­sen“, so das Fazit von Armand.

Quellen
  • Pro­sta­te Can­cer in Ame­ri­ca 2019. The Jour­ney Con­ti­nues: Life After Pro­sta­te Can­cer. 8. Mai 2019, https://prostatecancer.net/infographic/journey-continues/
  • Health Uni­on, https://health-union.com/press-releases/prostate-cancer-in-america-2019/

Datum: 3.7.2019

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