Prostatakrebs: längeres Überleben, aber nicht um jeden Preis

Män­ner mit Pro­sta­ta­krebs machen offen­bar Tausch­ge­schäf­te, wenn es um ihre Krebs­be­hand­lung geht. Sie ver­zich­ten auf ein län­ge­res Über­le­ben, wenn im Gegen­zug die Neben­wir­kun­gen gerin­ger aus­fal­len. Von Ingrid Mül­ler

Das Über­le­ben bei Pro­sta­ta­krebs steht wohl für die meis­ten Män­ner ganz oben auf der Wunsch­lis­te, wenn es um die The­ra­pie­wahl geht. Eini­ge Behand­lun­gen bei Pro­sta­ta­krebs ber­gen jedoch das Risi­ko von Erek­ti­ler Dys­funk­ti­on und Inkon­ti­nenz. Dies gilt beson­ders für die Ope­ra­ti­on (radi­ka­le Pro­sta­tek­to­mie) und die Strah­len­the­ra­pie. Bekannt ist, dass die­se bei­den Fol­gen der The­ra­pi­en die Män­ner am meis­ten belas­ten. Sie brau­chen Wochen oder Mona­te, um sich von den Neben­wir­kun­gen zu erho­len und eini­ge sogar wei­te­re Behand­lun­gen des­we­gen.

Prostatakrebs: Nebenwirkungen senken die Lebensqualität

Jetzt fand eine Stu­die bri­ti­scher For­scher vom Impe­ri­al Col­le­ge Lon­don her­aus, dass Män­ner mit neu dia­gnos­ti­zier­tem Pro­sta­ta­krebs sogar bereit sind, eini­ge Lebens­zeit zu opfern – wenn sie damit im Gegen­zug die Impo­tenz und Inkon­ti­nenz ver­mei­den und ihre Lebens­qua­li­tät ver­bes­sern kön­nen. Bei­de Fol­gen der Krebs­be­hand­lun­gen bewer­ten Män­ner als beson­ders wich­tig und sind daher bereit, sich weni­ger „radi­kal“ behan­deln zu las­sen. „Wir wis­sen, dass sich die Män­ner ein lan­ges Leben wün­schen, aber vie­le von ihnen wer­den infol­ge der Behand­lun­gen depres­siv. Ihre Lebens­qua­li­tät sinkt und ihre per­sön­li­chen Bezie­hun­gen lei­den erheb­lich“, erklärt der Stu­di­en­lei­ter Prof. Hash­im Ahmed. Die Ergeb­nis­se ihrer Stu­die stell­ten die For­scher auf der Krebs­kon­fe­renz 2018 des Natio­nal Can­cer Rese­arch Insti­tu­te vor.

Prostatakrebs: Lebenszeit oder Nebenwirkungen?

Die For­scher befrag­ten 634 Män­ner, bei denen Ärz­te in ver­schie­de­nen bri­ti­schen Kran­ken­häu­sern neu Pro­sta­ta­krebs dia­gnos­ti­ziert hat­ten. Der Krebs in der Pro­sta­ta hat­te noch bei kei­nem Mann gestreut, also Meta­sta­sen in den Lymph­kno­ten oder ande­ren Orga­nen gebil­det. 74 Pro­zent der Män­ner lit­ten unter einem Pro­statakar­zi­nom mit nied­ri­gem oder mitt­le­rem Risi­ko, 26 Pro­zent hat­ten dage­gen einen Hoch­ri­si­ko-Pro­sta­ta­krebs. Alle hat­ten ihre Dia­gno­se mit­ge­teilt und all­ge­mei­ne Infor­ma­tio­nen dazu bekom­men. Ver­schie­de­ne The­ra­pie­op­tio­nen hat­ten sie noch nicht mit ihren Ärz­ten dis­ku­tiert.

Die For­scher prä­sen­tier­ten den Män­nern zwei ver­schie­de­ne Behand­lungs­mög­lich­kei­ten. Bei­de unter­schie­den sich hin­sicht­lich der Über­le­bens­zeit, dem Risi­ko von Inkon­ti­nenz und Erek­ti­ler Dys­funk­ti­on, der Erho­lungs­zeit und dem Risi­ko für wei­te­re Behand­lun­gen. Die Män­ner soll­ten ange­ben, für wel­che Behand­lung sie sich ent­schei­den wür­den. Die For­scher wie­der­hol­ten die Befra­gung mehr­mals und vari­ier­ten dabei immer wie­der den Ein­fluss auf die Über­le­bens­zeit und die Neben­wir­kun­gen. Auf der Basis der The­ra­pie­wahl der Män­ner konn­ten die For­scher iden­ti­fi­zie­ren, wie wich­tig jeder ein­zel­ne Fak­tor einem Mann durch­schnitt­lich war.

Tauschhandel bei Prostatakrebs: Männer opfern längeres Überleben

Das Über­le­ben war für die Män­ner der wich­tigs­te Fak­tor, gefolgt von der Mög­lich­keit, die Inkon­ti­nenz zu ver­mei­den, kei­ne wei­te­re Behand­lung zu brau­chen und zuletzt – die Erek­ti­ons­fä­hig­keit zu erhal­ten. Aller­dings waren die Män­ner auch bereit, einen „Tausch­han­del“ zwi­schen den Neben­wir­kun­gen der The­ra­pi­en und der Lebens­zeit vor­zu­neh­men.

So gaben sie eine 0,68-prozentige Chan­ce auf ein län­ge­res Über­le­ben auf, wenn sie dafür die Mög­lich­keit auf den Erhalt der Kon­ti­nenz um einen Pro­zent­punkt erhö­hen konn­ten. Ähn­li­ches ließ sich auch für das Risi­ko wei­te­rer Behand­lun­gen fest­stel­len: Eine 0,41-prozentige Chan­ce auf eine län­ge­re Lebens­zeit tausch­ten sie ein, wenn ihre Chan­ce um ein Pro­zent höher war, kei­ne wei­te­ren Behand­lun­gen mehr absol­vie­ren zu müs­sen. Und für eine um ein Pro­zent höhe­re Chan­ce, ihre Erek­ti­ons­fä­hig­keit zu erhal­ten, opfer­ten sie 0,28 Pro­zent ihrer poten­zi­el­len Lebens­zeit.

Es ist offen­sicht­lich, dass das Über­le­ben bei der The­ra­pie­wahl für die Män­ner an ers­ter Stel­le steht. Die Stu­die zeigt aber auch, dass wir es dif­fe­ren­zier­ter betrach­ten müs­sen“, sagt Ahmed. Zwar wünsch­ten sich die Män­ner ein lan­ges Leben – aber nicht um jeden Preis. „Sie bewer­ten Krebs­be­hand­lun­gen höher, die weni­ger Neben­wir­kun­gen haben. Und zwar so sehr, dass sie dafür ein kür­ze­res Leben in Kauf neh­men.“

Weniger belastende Behandlungen bei Prostatakrebs sind möglich

Auch wenn jeder Mann mit Pro­sta­ta­krebs unter­schied­li­che Behand­lun­gen bevor­zugt: Es sei wich­tig für sie zu wis­sen, dass vie­le Män­ner über die­se Balan­ce zwi­schen Lebens­zeit und Lebens­qua­li­tät nach­den­ken, so die Autoren. „Sie sol­len nicht glau­ben, dass es falsch ist, sol­che Gedan­ken zu hegen.“

Für man­che Män­ner mit Pro­sta­ta­krebs eig­nen sich weni­ger belas­ten­de Behand­lun­gen, zum Bei­spiel die akti­ve Über­wa­chung (active sur­veil­lan­ce) oder das beob­ach­ten­de Abwar­ten (watch­ful wai­ting). Auch die HIFU sowie die Käl­te- oder Wär­me­the­ra­pie ist für man­che Män­ner eine Mög­lich­keit, bei der Ärz­te den Pro­sta­ta­krebs gezielt ange­hen und gesun­des Gewe­be scho­nen.

Quel­le:

  • Ahmed H. et al. ‚Eva­lua­ting the tra­de-offs men with loca­li­sed pro­sta­te can­cer make bet­ween the risks and bene­fits of tre­at­ments: the COMPARE stu­dy,‘ Abs­tract num­ber 1967;

Datum: 15.11.2018

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