Prostatakrebs: Brachytherapie bald auch in der Arztpraxis

Män­ner mit einem Nied­rig-Risi­ko-Pro­sta­ta­krebs kön­nen die LDR-Brachythe­ra­pie zukünf­tig auch ambu­lant bei einem nie­der­ge­las­se­nen Fach­arzt durch­füh­ren las­sen. Die Bestrah­lung „von innen“ gilt als ver­gleichs­wei­se scho­nend. Von Ingrid Mül­ler

Bei einer Brachythe­ra­pie bestrah­len Ärz­te den Pro­sta­ta­krebs von innen mit Hil­fe klei­ner radio­ak­ti­ver Teil­chen. Die­se Form der Strah­len­the­ra­pie ist eine The­ra­pie­mög­lich­keit für Män­ner mit einem Nied­rig-Risi­ko-Pro­sta­ta­krebs. Der Krebs ist in die­sem Fall noch auf die Pro­sta­ta beschränkt und weni­ger aggres­siv. Somit ist die Gefahr gering, dass der Tumor schnell wächst und in ande­re Orga­ne streut.

Eine Vari­an­te der Bestrah­lung ist die soge­nann­te Low-Dose-Rate-Brachythe­ra­pie (LDR-Brachythe­ra­pie). Die­se kön­nen Män­ner bald nicht mehr nur im Kran­ken­haus, son­dern auch ambu­lant in einer spe­zia­li­sier­ten Arzt­pra­xis durch­füh­ren las­sen. Dies hat der Gemein­sa­me Bun­des­aus­schuss (G‑BA) jetzt beschlos­sen. Fach­ärz­te für Strah­len­the­ra­pie oder Uro­lo­gie, die zusätz­lich fach­kun­dig gemäß der Richt­li­nie Strah­len­schutz in der Medi­zin sind, dür­fen die Brachythe­ra­pie anwen­den.

Brachytherapie – kleine Strahler in der Prostata

Die inter­s­ti­ti­el­le Brachythe­ra­pie ist ein mini­mal­in­va­si­ves Bestrah­lungs­ver­fah­ren, bei dem die Pro­sta­ta erhal­ten bleibt. Über eine Hohl­na­del brin­gen Ärz­te win­zi­ge radio­ak­ti­ve Strah­len­quel­len – soge­nann­te Seeds – in die Pro­sta­ta ein. Ent­we­der in die Umge­bung des Tumors oder in den Tumor selbst. Optisch ähneln die Strah­ler klei­nen Reis­kör­nern.

Sie ent­hal­ten die radio­ak­ti­ven Sub­stan­zen Jod-125 oder Pal­la­di­um-103, wel­che die Krebs­zel­len „von innen“ bestrah­len, sie schä­di­gen und zer­stö­ren. Das umlie­gen­de gesun­de Gewe­be soll dabei mög­lichst wenig Scha­den neh­men. Im Gegen­satz zur High-Dose-Rate-Brachythe­ra­pie (HDR-Brachythe­ra­pie) ver­blei­ben die Strah­lungs­quel­len im Kör­per. Jod 125 strahlt unge­fähr 60 Tage, Pal­la­di­um-103 etwa 17 Tage. In Deutsch­land kommt über­wie­gen Jod-125 zum Ein­satz.

Die LDR-Brachythe­ra­pie erwei­tert die Behand­lungs­mög­lich­kei­ten für Män­ner mit Pro­sta­ta­krebs“, erklärt Dr. Moni­ka Lel­ge­mann vom G‑BA. „Sie kann beson­ders für Män­ner eine geeig­ne­te The­ra­pie­op­ti­on sein, die eine Ent­fer­nung der Pro­sta­ta als zu belas­tend ableh­nen und für die auch eine mehr­wö­chi­ge äuße­re Strah­len­the­ra­pie nicht in Fra­ge kommt.“

Brachytherapie oder andere Behandlung? Richtige Entscheidung treffen!

Damit Män­nern die Ent­schei­dung für oder gegen eine The­ra­pie leich­ter fällt, hat der G‑BA zusätz­lich eine lai­en­ver­ständ­li­che Pati­en­ten­in­for­ma­ti­on ent­wi­ckelt. Ärz­te müs­sen sie ihren Pati­en­ten zukünf­tig ver­pflich­tend aus­hän­di­gen. „Ziel ist es, den per­sön­li­chen Abwä­gungs­pro­zess zu unter­stüt­zen“, so Lel­ge­mann.

Denn die Brachythe­ra­pie ist nicht die ein­zi­ge Behand­lungs­mög­lich­keit bei einem Nied­rig-Risi­ko-Pro­sta­ta­krebs. Män­ner kön­nen sich alter­na­tiv auch für eine radi­ka­le Pro­sta­tek­to­mie oder eine Bestrah­lung von außen über die Haut ent­schei­den. Dane­ben kommt eine akti­ve Über­wa­chung des Pro­sta­ta­kreb­ses in Fra­ge. Dabei beob­ach­ten und kon­trol­lie­ren Ärz­te den Krebs zunächst. Erst wenn der Tumor wächst, begin­nen sie mit einer akti­ven Behand­lung.

Bestrahlung von außen

Prostata Hilfe Deutschland: Illustrationsbild - ComputertomografieLesen Sie, wie die Strah­len­the­ra­pie von außen bei Pro­sta­ta­krebs abläuft, wel­che Vor- und Nach­tei­le sie hat und mit wel­chen Neben­wir­kun­gen Sie rech­nen müs­sen. Außer­dem: Wann eine Bestrah­lung nach einer Ope­ra­ti­on womög­lich unnö­tig ist.

Wel­che The­ra­pie sich für einen Mann eig­net, hängt von ver­schie­de­nen Fak­to­ren ab. So spie­len zum Bei­spiel das Alter oder vor­han­de­ne Grund­er­kran­kun­gen eine Rol­le. Auch per­sön­li­che Wün­sche und Vor­stel­lun­gen spie­len mit. Man­che Män­ner füh­len sich siche­rer, wenn Ärz­te den Krebs aktiv behan­deln. Sie neh­men das Risi­ko von Neben­wir­kun­gen in Kauf, etwa eine Erek­ti­le Dys­funk­ti­on, Inkon­ti­nenz oder Darm­pro­ble­me. Ande­re Män­ner wie­der­um möch­ten mög­lichst Neben­wir­kun­gen ver­mei­den, wel­che ihre Lebens­qua­li­tät even­tu­ell ein­schrän­ken. Der „Preis“ dafür sind regel­mä­ßi­ge Kon­troll­un­ter­su­chun­gen bei ihrem behan­deln­den Arzt.

Ambulante Brachytherapie in der Arztpraxis – ab wann?

Das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Gesund­heit erhält jetzt den Beschluss des G‑BA und prüft die­sen. Hat das Minis­te­ri­um kei­ne Ein­wän­de, tritt er in Kraft. Aller­dings kön­nen nie­der­ge­las­se­ne Ärz­te die Brachythe­ra­pie erst dann als ambu­lan­te Leis­tung anbie­ten und abrech­nen, wenn der Bewer­tungs­aus­schuss über die Höhe der Ver­gü­tung ent­schie­den hat. Das Gre­mi­um, in dem Ver­tre­te­rin­nen und Ver­tre­ter von Kran­ken­kas­sen und Ärz­te­schaft ver­han­deln, muss inner­halb von sechs Mona­ten nach dem Inkraft­tre­ten eine Abrech­nungs­zif­fer fest­set­zen.

Quellen

• Gemein­sa­mer Bun­des­aus­schuss (G‑BA), https://www.g‑ba.de/presse/pressemitteilungen/891/, Pres­se­mit­tei­lung vom 17. Sep­tem­ber 2020 (Abruf: 24.9.2020)
• Insti­tut für Qua­li­tät und Wirt­schaft­lich­keit im Gesund­heits­we­sen (IQWIG), https://www.gesundheitsinformation.de/brachytherapie.2138.de.html
• Deut­sches Krebs­for­schungs­zen­trum (DKFZ), https://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/prostatakrebs/behandlung-bestrahlung.php (Abruf: 24.9.2020)

Datum: 29.9.2020

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