MRT bei Prostatakrebs: Kann sie die Biopsie ersetzen?

Kann die MRT bei Pro­sta­ta­krebs die Biop­sie erset­zen? Der Uro­lo­ge Dr. Frank Schie­fel­bein berich­tet im Video-Inter­view, was sich aus der Magnet­re­so­nanz­to­mo­gra­fie und Gewe­be­pro­be her­aus­le­sen lässt!

Kann die MRT bei Prostatakrebs Tumoren besser aufspüren?

Die Magnet­re­sonsanz­to­mo­gra­fie (MRT) bei Pro­sta­ta­krebs ist heu­te eine wei­te­re Mög­lich­keit, die in der Dia­gnos­tik von bös­ar­ti­gen Tumo­ren ein­ge­setzt wird. Zunächst ist die MRT aber nicht unbe­dingt eine Leis­tung der gesetz­li­chen Kran­ken­kas­sen. Ärz­te müss­ten genau begrün­den, also die Indi­ka­ti­on stel­len, ob die MRT not­wen­dig ist. Die Magnet­re­so­nanz­to­mo­gra­fie ist eine teu­re Unter­su­chung und der betreu­en­de Uro­lo­ge muss sie gut über­legt und ziel­ge­rich­tet einsetzen.

Kann die MRT bei Prostatakrebs die Biopsie ersetzen?

Die MRT bei Pro­sta­ta­krebs kann die Gewe­be­ent­nah­me in kei­nem Fall erset­zen. Die Dia­gno­se Pro­sta­ta­krebs wird immer durch Ent­nah­me des ver­däch­ti­gen Gewe­bes aus der Pro­sta­ta und der fein­ge­web­li­chen Ana­ly­se der Zel­len durch den Patho­lo­gen gestellt. Es gibt dem­nach kei­ne ande­re Mög­lich­keit als die Biop­sie, um Pro­sta­ta­krebs sicher zu diagnostizieren.

Was kann der Pathologe aus der Biopsie herauslesen?

Er kann sehr vie­les aus dem ent­nom­me­nen Gewe­be able­sen. Wir Uro­lo­gen fra­gen den Patho­lo­gen auch sehr viel. Wir möch­ten wis­sen: Liegt ein Tumor vor oder nicht? Das ist natür­lich die Kern­fra­ge. Wenn ja, inter­es­siert es uns, wie dif­fe­ren­ziert der Tumor ist. Das bedeu­tet, wie sehr sind die Krebs­zel­len gesun­den Zel­len noch ähn­lich oder anders aus­ge­drückt: Wie stark haben sie sich gegen­über dem ursprüng­li­chen Gewe­be schon ver­än­dert? Das ist immer ein Hin­weis dar­auf, wie aggres­siv ein Tumor ist. Aus die­sem Gewe­be­be­fund ent­neh­men wir die Infor­ma­ti­on, wie wir den Pati­en­ten spä­ter behan­deln. Der patho­lo­gi­sche Befund ist als neben dem PSA-Wert, dem kör­per­li­chen Befund und ande­ren Labor­wer­ten sehr wich­tig für die Behand­lung des Pro­sta­ta­kreb­ses.

Gibt es auch Vorstufen von Prostatakrebs?

Die­se gibt es. Sol­che Vor­stu­fen las­sen sich eben­falls in der fein­ge­web­li­chen Unter­su­chung der Gewe­be­pro­be unter dem Mikro­skop nach­wei­sen. Vor­stu­fen haben eben­so eine unter­schied­li­che Dif­fe­ren­zie­rung im Gewe­be. Es kann also sein, dass Män­ner mit wei­te­ren Biop­si­en zur Kon­trol­le rech­nen müssen.

Wie lange dauert es, bis die Ergebnisse des pathologischen Befundes vorliegen?

Nor­ma­ler­wei­se braucht der Patho­lo­ge zwei bis fünf Tage, bis die Ergeb­nis­se vor­lie­gen. Die­se bespre­chen Ärz­te anschlie­ßend genau mit ihren Patienten.

Wenn die Biopsie und der pathologische Befund unauffällig sind – heißt das Entwarnung?

Zunächst ist es schon ein Grund zur Ent­war­nung, wenn der Patho­lo­ge im Gewe­be zwar kei­ne Krebs­zel­len, aber eine Erklä­rung fin­det, war­um zum Bei­spiel der PSA-Test erhöh­te Wer­te erge­ben oder der Tast­be­fund auf­fäl­lig war. Es kann zum Bei­spiel eine Ent­zün­dung der Pro­sta­ta dahin­ter ste­cken. Den­noch ist kei­ne Dia­gno­se­me­tho­de zu 100 Pro­zent sicher. Manch­mal sind die Tumo­ren sehr klein oder befin­den sich an Stel­len in der Pro­sta­ta, die man mit der Biop­sie schwer erreicht.

Steigt zum Bei­spiel der PSA-Wert wei­ter, müs­sen Ärz­te die Biop­sie even­tu­ell wie­der­ho­len. Alter­na­tiv zie­hen sie wei­te­re Infor­ma­tio­nen aus bild­ge­ben­den Ver­fah­ren hin­zu, etwa aus der Magnet­re­so­nanz­to­mo­gra­fie. Sie ist dann eine Ergän­zung zur Biop­sie, aber kein Ersatz dafür. Die Bil­der zei­gen Zonen in der Pro­sta­ta, die der Arzt mit der Biop­sie viel­leicht nicht erwischt hat.

Selbst bei einer unauffälligen Biopsie können sich Männer den Arztbesuch zukünftig nicht sparen?

Nein, wir beob­ach­ten die Ver­än­de­run­gen wei­ter. Vor­sor­ge ist letzt­lich ein kon­ti­nu­ier­li­cher Pro­zess. Sie ist nicht ein­ma­lig, son­dern Män­ner soll­ten sie in regel­mä­ßi­gen Abstän­den wahr­neh­men. Nur dann hat Vor­sor­ge den größ­ten Effekt.

Wenn Männer Zweifel an ihrem Befund haben – dürfen Sie noch andere Ärzte um Rat fragen?

Auf jeden Fall. Gesetz­lich Ver­si­cher­te kön­nen sich an Ihre Kran­ken­kas­se wen­den und Ansprech­part­ner für eine Zweit­mei­nung erfra­gen. Außer­dem haben vie­le Kran­ken­kas­sen selbst Infor­ma­ti­ons­an­ge­bo­te. Ein zwei­ter Arzt nimmt sich die Unter­su­chungs­er­geb­nis­se vor und bewer­tet sie unab­hän­gig. Män­ner soll­ten sich immer einer Zweit­mei­nung ein­ho­len, um Zwei­fel zu besei­ti­gen, Kon­se­quen­zen abzu­se­hen und eine Ant­wort dar­auf zu fin­den, wie es weitergeht.

Sie suchen weitere Informationen?
__ 

Pro­bie­ren Sie unse­re The­men­über­sicht, die Schlag­wort­su­che oder die Voll­text­su­che aus! 

Unterstützen Sie uns mit Ihrer Spende

© Pro­sta­ta Hil­fe Deutsch­land | Impres­sum | Daten­schutz