PSA-Test – Männer zahlen weiterhin selbst

Der PSA-Test zur Früh­erken­nung von Pro­sta­ta­krebs bei gesun­den Män­nern birgt seit Jah­ren Zünd­stoff. Jetzt hat der Gemein­sa­me Bun­des­aus­schuss ent­schie­den: Die gesetz­li­chen Kran­ken­kas­sen tra­gen die Kos­ten auch in Zukunft nicht. Von Ingrid Mül­ler

Den PSA-Test im Rah­men der Krebs­vor­sor­ge müs­sen gesun­de Män­ner ohne Pro­sta­ta­krebs-Sym­pto­me wei­ter­hin selbst bezah­len. Die gesetz­li­chen Kran­ken­kas­sen über­neh­men die Kos­ten für das PSA-Scree­ning nicht. Dies hat der Gemein­sa­me Bun­des­aus­schuss (G‑BA) jetzt ent­schie­den. Nur in bestimm­ten Fäl­len zah­len die Kran­ken­kas­sen den PSA-Test: Wenn Ärz­te auf­fäl­li­ge Befun­de wei­ter abklä­ren oder den Ver­lauf eines Pro­sta­ta­kreb­ses kon­trol­lie­ren wol­len. Damit hält der G‑BA an sei­ner bis­he­ri­gen Posi­ti­on fest: Kei­nen flä­chen­de­cken­den Ein­satz des PSA-Tests in der Früh­erken­nung von Pro­sta­ta­krebs.

PSA-Test: Was kostet er?
  • Der PSA-Test bleibt in der Krebs­vor­sor­ge eine Indi­vi­du­el­le Gesund­heits­leis­tung (IGeL), für die sich Män­ner frei­wil­lig ent­schei­den. Inklu­si­ve einer ärzt­li­chen Bera­tung kos­tet der PSA-Test meist zwi­schen 25 und 35 Euro.
  • Die gesetz­li­chen Kran­ken­kas­sen bezah­len dage­gen Män­nern ab 45 Jah­ren eine jähr­li­che Tast­un­ter­su­chung der Pro­sta­ta.

PSA-Test nicht auf Kassenkosten – „folgenschwere Fehlentscheidung“

Dr. Frank Schie­fel­bein, Würz­bur­ger Uro­lo­ge, kom­men­tiert: „Ich hal­te das für eine fal­sche Ent­schei­dung, die vie­le Gesichts­punk­te der Dia­gnos­tik und The­ra­pie­op­tio­nen je nach Sta­di­um ver­nach­läs­sigt.“ Ähn­lich deut­lich fällt das Urteil der Deut­schen Gesell­schaft für Uro­lo­gie (DGU) in ihrer Stel­lung­nah­me aus: Dies sei „ein gro­ßer Rück­schlag bei der Früh­erken­nung der häu­figs­ten Krebs­art des Man­nes.“ Die DGU hat­te sich nach­drück­lich für den PSA-Test im Rah­men eines Scree­nings aus­ge­spro­chen und damit den Bun­des­ver­band Pro­sta­ta­krebs Selbst­hil­fe (BPS) unter­stützt. Die Pati­en­ten­ver­tre­ter hat­ten die Neu­be­wer­tung des PSA-Scree­nings initi­iert.

Die­se Posi­ti­on der DGU habe der Gemein­sa­me Bun­des­aus­schuss nun igno­riert. „Die DGU hält es für eine fol­gen­schwe­re Fehl­ent­schei­dung zum Nach­teil der Pati­en­ten, dass die gesetz­lich gere­gel­te Früh­erken­nung des Pro­statakar­zi­noms – ent­ge­gen den Emp­feh­lun­gen einer gro­ßen wis­sen­schaft­li­chen Alli­anz – auch künf­tig aus­schließ­lich über die digi­tal-rek­ta­le Unter­su­chung erfolgt“, kom­men­tiert Prof. Mau­rice Ste­phan Michel, DGU-Gene­ral­se­kre­tär und Spre­cher des Vor­stands.

PSA-Test – mehr Schaden als Nutzen?

Die Grund­la­ge für die Ent­schei­dung des G‑BA war der Bericht des Insti­tuts für Qua­li­tät und Wirt­schaft­lich­keit im Gesund­heits­we­sen (IQWIG). Die­ser war zu dem Schluss gekom­men, dass ein PSA-Scree­ning mehr Scha­den anrich­te als nut­ze. Denn der PSA-Test lie­fe­re eine hohe Anzahl falsch-posi­ti­ver Ergeb­nis­sen. Das heißt: Der PSA-Wert schlägt Alarm, was vie­le Män­ner in Angst und Schre­cken ver­setzt. Die anschlie­ßen­de Pro­stata­bi­op­sie gibt dann Ent­war­nung – es liegt also kein Pro­statakar­zi­nom vor. Denn für erhöh­te PSA-Wer­te gibt es ver­schie­de­ne Grün­de, die nicht Pro­sta­ta­krebs hei­ßen: von der Pro­sta­ta­ent­zün­dung über die vor­he­ri­ge Tast­un­ter­su­chung bis hin zum Rad­fah­ren und Sex.

Auch die Anzahl von Über­dia­gno­se durch den PSA-Test sei zu hoch, argu­men­tiert der G‑BA: Ärz­te fin­den in die­sem Fall zwar Pro­sta­ta­krebs, der jedoch nur lang­sam wächst und den Män­nern zu Leb­zei­ten ver­mut­lich nie gefähr­lich gewor­den wäre. Die Fol­ge davon sind wie­der­um Über­the­ra­pien – mit oft ein­schnei­den­den Neben­wir­kun­gen. Umge­kehrt lässt sich ein Pro­sta­ta­krebs aber nicht mit Sicher­heit aus­schlie­ßen, wenn der PSA-Wert nor­mal ist. Dies wür­de ein falsch-nega­ti­ves Test­ergeb­nis bedeu­ten, bei dem sich die Män­ner in trü­ge­ri­scher Sicher­heit wie­gen.

In Ein­zel­fäl­len, so der G‑BA, habe das PSA-Scree­ning aber durch­aus Vor­tei­le: Ärz­te erken­nen Pro­sta­ta­krebs frü­her, die Krank­heit schrei­tet lang­sa­mer vor­an und Todes­fäl­le auf­grund der Krebs­er­kran­kung lie­ßen sich ver­mei­den. Den­noch fällt die Nut­zen-Scha­den-Bilanz für den G‑BA zu Unguns­ten des PSA-Tests an gesun­den Män­nern aus. „Die Aus­sa­ge­kraft des PSA-Wer­tes ist zu gering“, urtei­len die Exper­ten.

PSA-Test und PSA-Wert

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Risikoadaptierter PSA-Test: Welche Risikofaktoren bringt ein Mann mit?

Der G‑BA will erst abwar­ten, bis die Ergeb­nis­se der Stu­die namens PROBASE vor­lie­gen. Sie läuft der­zeit in Deutsch­land und knapp 47.000 Män­ner neh­men dar­an teil. Ziel der Stu­die ist es, eine risi­ko­ad­ap­tier­te Scree­ning-Stra­te­gie für Pro­sta­ta­krebs zu ent­wi­ckeln. Dies bedeu­tet, dass Ärz­te den PSA-Wert nicht flä­chen­de­ckend in Rah­men einer Rei­hen­un­ter­su­chung bei jedem Mann ab einem gewis­sen Alter bestim­men.

Viel­mehr spielt das indi­vi­du­el­le Risi­ko­pro­fil eines Man­nes für die­se Krebs­art eine Rol­le. Risi­ko­fak­to­ren kön­nen zum Bei­spiel ein Pro­sta­ta­krebs in der Fami­lie oder ein erhöh­ter PSA-Aus­gangs­wert im Alter von 40 oder 45 Jah­ren sein. Der Uro­lo­ge Frank Schie­fel­bein ist sich sicher: „Wir brau­chen einen dif­fe­ren­zier­te­ren Umgang mit dem PSA-Wert. Daher besitzt ein risi­ko­ad­ap­tier­ter PSA-Test zukünf­tig die größ­te Bedeu­tung.“

Prof. Arnulf Stenzl, der DGU-Prä­si­dent, erklärt: „Der G‑BA lässt außer Acht, dass es bei der Bestim­mung des PSA-Werts nicht um eine sys­te­ma­ti­sche, rein alters­be­zo­ge­ne Rei­hen­un­ter­su­chung geht.“ Dies impli­zie­re der Begriff „Scree­ning“ unglück­li­cher­wei­se. Viel­mehr sei der PSA-Test ein wesent­li­cher Grund­stein für eine risi­ko­ad­ap­tier­te, indi­vi­dua­li­sier­te Früh­erken­nung von Pro­sta­ta­krebs. „Die­ser dif­fe­ren­zier­te Ein­satz der PSA-Bestim­mung mini­miert falsch-posi­ti­ve Befun­de sowie Über­dia­gno­sen und ‑the­ra­pien auf ein in der Onko­lo­gie ver­tret­ba­res Maß“, so Stenzl wei­ter. Der G‑BA habe somit eine „bis­her ein­ma­li­ge Gele­gen­heit ver­tan, die Pro­sta­ta­krebs-Früh­erken­nung nach dem Stand zeit­ge­mä­ßer Dia­gnos­tik zu ver­bes­sern.“

Experten-Interview

Der Wer­muts­trop­fen für Män­ner: Ärz­te rech­nen erst in eini­gen Jah­ren mit aus­sa­ge­kräf­ti­gen Ergeb­nis­sen der PRO­BA­SE-Stu­die. Es wird also noch eini­ge Zeit ins Land gehen. Nur bei ent­spre­chen­den (posi­ti­ven) Stu­di­en­ergeb­nis­sen kann im G‑BA ein Antrag zur noch­ma­li­gen Bera­tung gestellt wer­den. Berech­tigt dazu sind Pati­en­ten­ver­tre­ter sowie die Trä­ger­or­ga­ni­sa­tio­nen und unpar­tei­ischen Mit­glie­der des G‑BA. Erst dann könn­te der PSA-Test tat­säch­lich ein Teil eines gesetz­li­chen Pro­gramms zur Früh­erken­nung von Pro­sta­ta­krebs wer­den. Und bis dahin heißt es: Män­ner müs­sen den PSA-Test zur Krebs­früh­erken­nung aus der eige­nen Tasche bezah­len.

Quellen

• Gemein­sa­mer Bun­des­aus­schuss (G‑BA), https://www.g‑ba.de/presse/pressemitteilungen-meldungen/918/ (Abruf: 21.12.2020)
• Deut­sche Gesell­schaft für Uro­lo­gie (DGU), https://www.urologenportal.de/pressebereich/pressemitteilungen/aktuell/rueckschlag-bei-der-prostatakrebs-frueherkennung-deutsche-gesellschaft-fuer-urologie-kritisiert-g-ba-entscheidung-gegen-psa-test-als-kassenleistung-17122020.html (Abruf: 21.12.2020)
• IGeL-Moni­tor, https://www.igel-monitor.de/igel-a‑z/igel/show/psa-test-zur-frueherkennung-von-prostatakrebs.html (Abruf: 21.12.2020)

Datum: 21.12.2020

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