PSA-Screening auf Prostatkrebs: mehr Diagnosen, mehr Therapien?

Führt ein PSA-Scree­ning auf Pro­sta­ta­krebs zu mehr Dia­gno­sen und The­ra­pien? Die wich­tigs­ten Ant­wor­ten lie­fert der Uro­lo­ge Dr. Frank Schie­fel­bein im Video-Inter­view.

Kritiker bemängeln, das PSA-Screening auf Prostatakrebs führe zu einer Überdiagnostik – und damit zur Übertherapie. Ist dieser Vorwurf so haltbar?

Ein PSA-Scree­ning auf Pro­sta­ta­krebs rich­tet sich an gesun­de Män­ner, die kei­ne Beschwer­den haben. Grund­sätz­lich birgt ein Scree­ning immer die Gefahr von Über­dia­gno­sen und Über­the­ra­pien. Ärz­te sind des­we­gen auf­ge­for­dert, sehr klug mit den Dia­gno­se­mög­lich­kei­ten bei Pro­sta­ta­krebs und dem PSA-Wert umzu­ge­hen. Ein ein­ma­lig erhöh­ter Wert im PSA-Test ist noch nicht beson­ders aus­sa­ge­kräf­tig. Bei einem PSA-Scree­ning auf Pro­sta­ta­krebs fin­den wir ver­mehrt Pro­sta­ta­tu­mo­ren in frü­hen Sta­di­en, die den Män­nern zu Leb­zei­ten viel­leicht nie Pro­ble­me berei­tet hät­ten – und die­se wer­den dann in vie­len Fäl­len auch behan­delt. Für man­che Män­ner bedeu­tet das eine Über­the­ra­pie, die sie viel­leicht gar nicht gebraucht hät­ten. Wir benö­ti­gen in Zukunft genaue­re Werk­zeu­ge in der Dia­gnos­tik – nicht nur ein all­ge­mei­nes PSA-Scree­ning auf Pro­sta­ta­krebs.

Müssen Ärzte bei einem erhöhten PSA-Wert zwingend eine Biopsie vornehmen?

Ein zu hoher PSA-Wert darf nicht auto­ma­tisch zu einer Biop­sie füh­ren. Ob die Gewe­be­ent­nah­me nötig ist oder nicht, müs­sen Ärz­te sehr streng über­prü­fen. Auch müs­sen Ärz­te die Not­wen­dig­keit einer Biop­sie genau mit ihrem Pati­en­ten bespre­chen. Letzt­lich müs­sen wir abklä­ren, war­um der PSA-Wert erhöht ist. Ande­re Stör­fak­to­ren wie Ent­zün­dun­gen müs­sen wir zunächst aus­schlie­ßen. Der PSA-Wert kann außer­dem zum Bei­spiel nach dem Sex am Vor­abend oder einer Fahr­rad­tour erhöht sein. Des­we­gen kon­trol­lie­ren wir einen auf­fäl­li­gen PSA-Wert nach einer bestimm­ten Zeit erneut. Mit den Ergeb­nis­sen aus der Tast­un­ter­su­chung oder einer Ultra­schall­un­ter­su­chung haben wir noch mehr Mög­lich­kei­ten, dem Pro­sta­ta­krebs auf die Spur zu kom­men und zu sehen, was mit der Pro­sta­ta los ist. Ist der PSA-Wert jedoch über einen län­ge­ren Zeit­raum erhöht und sind kei­ne Stör­fak­to­ren dafür zu fin­den, dann besteht der Ver­dacht auf Pro­sta­ta­krebs – und eine Gewe­be­pro­be ist sinn­voll.

Welche Behandlung bekommt ein Mann, wenn er Prostatakrebs hat?

Es darf kei­nen Auto­ma­tis­mus dahin­ge­hend geben, jeden Pati­en­ten sogleich zu ope­rie­ren oder zu bestrah­len, wenn der Arzt einen Pro­sta­ta­krebs dia­gnos­ti­ziert hat. Der Pro­sta­ta­krebs ist näm­lich ein sehr unein­heit­li­cher Tumor: Er kann sowohl in einer sehr aggres­si­ven Ver­laufs­form als auch in einer weni­ger gefähr­li­chen Vari­an­te auf­tre­ten. Der Gewe­be­be­fund aus der Biop­sie mit dem soge­nann­ten Glea­son-Score zeigt uns sehr genau, wie aggres­siv der Pro­sta­ta­krebs ist. Und das muss natür­lich die Behand­lung und die the­ra­peu­ti­schen Emp­feh­lun­gen bestim­men. Die Dia­gnos­tik und die Behand­lung sind immer indi­vi­du­ell. Sie müs­sen auf den Pati­en­ten aus­ge­rich­tet sein.

Manche Männer mit Prostatakrebs erhalten zunächst gar keine Behandlung. Ist das nicht gefährlich?

Wir haben heu­te sehr gute Mög­lich­kei­ten, einen Mann mit Pro­sta­ta­krebs auch nur zu über­wa­chen. Hat er ein Pro­statakar­zi­nom, das wenig aggres­siv ist und bei dem die Krebs­zel­len gesun­den Zel­len noch sehr ähn­lich sind, kon­trol­lie­ren­wir den Krebs aktiv. Die Aus­gangs­si­tua­ti­on für die­se „acti­ve sur­veil­lan­ce“ ist auch gut, wenn der Pati­ent in einem Alter ist, in dem der Krebs nicht mehr so schnell wächst. Wir über­prü­fen dabei den PSA-Wert und den Krebs per Tast­be­fund regel­mä­ßig, um wei­te­re Infor­ma­tio­nen über den Pro­sta­ta­krebs ein­zu­ho­len. In gewis­sen Abstän­den nimmt man eine Gewe­be­pro­be und zieht den Befund als Infor­ma­ti­ons­quel­le hin­zu. Die akti­ve Über­wa­chung besitzt eine aus­rei­chen­de Sicher­heit, damit der Pati­ent nicht in eine Situa­ti­on kommt, in der wir den Tumor nicht mehr hei­len kön­nen.

Datum: 24.4.2018

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