Prostatakrebs-Risiko – so spielt die Verwandtschaft mit

Die Fami­li­en­ge­schich­te und die Gene gel­ten als ein Risi­ko­fak­tor für Pro­sta­ta­krebs. Sind nahe Ver­wand­te wie der Vater oder Bru­der erkrankt, hat auch der Ange­hö­ri­ge ein erhöh­tes Risi­ko. Doch auch Krebs­vor­stu­fen in der Fami­lie sind eine Gefahr. Von Ingrid Mül­ler

Das Pro­sta­ta­krebs-Risi­ko hat manch­mal auch mit der eige­nen Fami­lie und den Genen zu tun. So haben Män­ner eine erhöh­te Wahr­schein­lich­keit für einen bös­ar­ti­gen Tumor in der Pro­sta­ta, wenn schon der Vater oder Bru­der dar­an erkrankt ist. Wer also in sei­ner nähe­ren Ver­wandt­schaft Fäl­le von Pro­sta­ta­krebs hat, läuft Gefahr, womög­lich selbst dar­an zu erkran­ken. Und je mehr enge Fami­li­en­mit­glie­der betrof­fen sind, des­to höher steigt die­se Gefahr. „Pro­sta­ta­krebs besitzt eine nicht uner­heb­li­che erb­li­che Kom­po­nen­te“, sagt der Würz­bur­ger Pro­sta­ta­krebs­spe­zia­list und Uro­lo­gen Dr. Frank Schie­fel­bein. Und die­se sei schon von Geburt an im Erb­gut ange­legt.

Prostata Hilfe Deutschland: Dr. Frank SchiefelbeinBei Män­nern, deren Väter, Groß­vä­ter und Brü­der an Pro­sta­ta­krebs erkrankt sind, ist das Pro­sta­ta­krebs-Risi­ko um das Zwei- bis Sechs­fa­che erhöht.

Dr. Frank Schie­fel­bein, Uro­lo­ge

For­scher des Natio­na­len Cen­trums für Tumor­er­kran­kun­gen (NCT) und des Deut­schen Krebs­for­schungs­zen­trums (DKFT) woll­ten jetzt wis­sen, ob die­se Zusam­men­hän­ge auch für Krebs­vor­stu­fen gel­ten. Dazu gehö­ren zum Bei­spiel die aty­pi­sche mikro­a­zi­nä­re Pro­li­fe­ra­ti­on (ASAP) oder die pro­sta­ti­sche intra­epi­the­lia­le Neo­pla­sie (PIN). Bis­lang war es unklar, ob sol­che Vor­stu­fen eben­falls ein erhöh­tes Risi­ko für Pro­sta­ta­krebs ber­gen. Das Ergeb­nis: Krebs­vor­stu­fen sind mit einem ähn­lich hohen Erkran­kungs­ri­si­ko für nahe Ver­wand­te ver­bun­den wie ein Pro­statakar­zi­nom in der Fami­lie. „Dies soll­te zukünf­tig bei Bera­tun­gen zur Früh­erken­nung mit ein­flie­ßen“, raten die Wis­sen­schaft­ler daher.

Auch Krebsvorstufen erhöhen das Prostatakrebs-Risiko

Gemein­sam mit der schwe­di­schen Uni­ver­si­tät Lund wer­te­ten die For­scher Daten von mehr als sechs Mil­lio­nen Män­nern und deren Eltern aus. „Das ist die welt­weit größ­te Kohor­ten­stu­die zu fami­liä­rem Pro­sta­ta­krebs“, sagt Mah­di Fallah, Lei­ter der Grup­pe Risi­ko­ad­ap­tier­te Prä­ven­ti­on in der Abtei­lung Prä­ven­ti­ve Onko­lo­gie des DKFZ und am NCT Hei­del­berg. Im Stu­di­en­zeit­raum zwi­schen 1958 und 2015 erkrank­ten 238.196 Män­ner (3,8 Pro­zent) an Pro­sta­ta­krebs. 5.756 Män­ner (0,09 Pro­zent) ent­wi­ckel­ten eine der unter­such­ten Krebs­vor­stu­fen.

Die For­scher fan­den her­aus, dass Krebs­vor­stu­fen bei engen Fami­li­en­mit­glie­dern ein fast genau­so hohes Pro­sta­ta­krebs-Risi­ko bedeu­te­ten wie ein Pro­statakar­zi­nom. „Wenn bei Ver­wand­ten ers­ten Gra­des – also bei Vater oder Bru­der – eine Vor­stu­fe von Pro­sta­ta­krebs auf­tritt, dann ist dies für Män­ner mit einem 1,7‑fachen Risi­ko ver­bun­den, selbst an einem inva­si­ven Pro­statakar­zi­nom zu erkran­ken“, berich­tet Fallah. Das gel­te im Ver­gleich zu Män­nern, die kei­nen Pro­sta­ta­krebs und kei­ne Krebs­vor­stu­fen in der Fami­li­en­ge­schich­te hät­ten. Zum Ver­gleich: Bei Män­nern mit an Pro­sta­ta­krebs erkrank­ten Ange­hö­ri­gen ist die­ses Risi­ko unge­fähr um das Zwei­fa­che erhöht.

Krebsvorstufen – Sterblichkeit steigt zusätzlich

Auch das Alter scheint eine gewis­se Rol­le zu spie­len. Ein leicht erhöh­tes Erkran­kungs­ri­si­ko haben Män­ner, bei deren Ver­wand­ten die Vor­stu­fen schon vor dem 60. Lebens­jahr gefun­den wur­den – im Ver­gleich zu Män­nern, bei deren Ver­wand­ten Ärz­te sie in einem höhe­ren Alter ent­deck­ten.

Dazu kommt noch eine wei­te­re Gefahr. Män­ner, bei denen ein Ver­wand­ter ers­ten Gra­des eine Krebs­vor­stu­fe in der Pro­sta­ta hat, haben ein 1,7‑faches Risi­ko, an einem inva­si­ven Pro­statakar­zi­nom zu ster­ben. Dies gilt wie­der im Ver­gleich zu Män­nern, die kei­ne Ver­wand­ten mit Vor­stu­fen von Pro­sta­ta­krebs oder einem Pro­statakar­zi­nom haben.

Gibt es in der Fami­li­en­ge­schich­te Vor­stu­fen von Pro­sta­ta­krebs, sind die­se Tumor­for­men also genau­so rele­vant wie inva­si­ve For­men von Pro­sta­ta­krebs bei Ver­wand­ten – und zwar sowohl in Bezug auf das Auf­tre­ten von Pro­sta­ta­krebs als auch auf die Sterb­lich­keit“, schluss­fol­gert Fallah.

Risikofaktoren für Prostatakrebs

Die Fami­li­en­ge­schich­te sei jetzt der stärks­te bekann­te Risi­ko­fak­tor für Pro­sta­ta­krebs, so die For­scher. Die Stu­di­en­ergeb­nis­se hät­ten daher auch Aus­wir­kun­gen auf die Krebs­früh­erken­nung. „Sie soll­te risi­ko­an­ge­passt sein“, erklärt Elham Kha­razmi, die Co-Lei­te­rin der Stu­die. Dies bedeu­tet, dass nicht nur ein Pro­sta­ta­krebs in der Fami­lie in die Bera­tung fami­li­är belas­te­ter Män­ner mit ein­flie­ßen soll­te, son­dern auch die Krebs­vor­stu­fen. So könn­ten Ärz­te eine genaue­re Risi­ko­ein­schät­zung tref­fen.

Die Ursa­chen für Pro­sta­ta­krebs sind noch nicht aus­rei­chend auf­ge­klärt. Ein wich­ti­ger Risi­ko­fak­tor ist das Alter. So sind etwa 90 Pro­zent aller Män­ner mit einem bös­ar­ti­gen Tumor in der Pro­sta­ta älter als 60 Jah­re. Bei Män­nern unter 45 Jah­ren dia­gnos­ti­zie­ren Ärz­te sel­ten Pro­sta­ta­krebs. Auch die Hor­mo­ne (Tes­to­ste­ron), Haut­far­be und womög­lich die Ernäh­rung spie­len mit. Ver­mut­lich müs­sen aber meh­re­re Risi­ko­fak­to­ren zusam­men­wir­ken, damit tat­säch­lich Pro­sta­ta­krebs ent­steht.

Ursachen und Risikofaktoren

Prostatakrebs – so viele Männer erkranken

Pro­sta­ta­krebs ist in Deutsch­land die häu­figs­te Krebs­art bei Män­nern. Unge­fähr 58.800 Män­ner erkrank­ten im Jahr 2016 neu dar­an, besagt die Sta­tis­tik des Robert Koch-Insti­tuts. Das Pro­statakar­zi­nom ist für rund 20 Pro­zent aller Krebs­neu­erkran­kun­gen bei Män­nern ver­ant­wort­lich. Und etwa zehn Pro­zent aller Krebs­to­des­fäl­le bei Män­nern gehen auf Pro­sta­ta­krebs zurück – mehr als 14.000 Män­ner ster­ben jedes Jahr dar­an.

Quellen
  • Quel­len: X. Xu, M. Fallah, Y. Tian, T. Muka­ma, K. Sund­quist, J. Sund­quist, H. Bren­ner, E. Kha­razmi: Risk of inva­si­ve pro­sta­te can­cer and pro­sta­te can­cer death in rela­ti­ves of pati­ents with pro­sta­tic bor­der­line or in situ neo­pla­sia: A nati­on­wi­de cohort stu­dy. Can­cer 2020; https://doi.org/10.1002/cncr.33096
  • Robert Koch-Insti­tut (RKI), https://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Krebsarten/Prostatakrebs/prostatakrebs_node.html (Abruf: 19.8.2020)
  • Deut­sches Krebs­for­schungs­zen­trum (DKFZ), https://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/prostatakrebs/index.php (Abruf: 19.8.2020)

Datum: 24.8.2020

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Die Fami­li­en­ge­schich­te und die Gene gel­ten als ein Risi­ko­fak­tor für Pro­sta­ta­krebs. Sind nahe Ver­wand­te wie der Vater oder Bru­der erkrankt, hat auch der Ange­hö­ri­ge ein erhöh­tes Risi­ko. Dass jedoch auch Krebs­vor­stu­fen in der Fami­lie die Gefahr für ein Pro­statakar­zi­nom erhö­hen, zeig­te jetzt eine neue Stu­die.

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