Risiko für Prostatakrebs: Zwei Hormone spielen mit

Zwei Hor­mo­ne könn­ten das Risi­ko für Pro­sta­ta­krebs klet­tern las­sen: frei­es Tes­to­ste­ron und das Wachs­tums­hor­mon IGF‑1. Und die­se sei­en Ansatz­punk­te, um zukünf­tig einem Pro­sta­ta­krebs vor­zu­beu­gen, hof­fen bri­ti­sche For­scher. Von Ingrid Mül­ler

Ärz­te ken­nen schon eini­ge Fak­to­ren, wel­che das Risi­ko für Pro­sta­ta­krebs erhö­hen, zum Bei­spiel das Alter, eine fami­liä­re Vor­be­las­tung oder die eth­ni­sche Her­kunft. Jetzt kom­men womög­lich zwei neue Mit­spie­ler hin­zu, näm­lich das freie Tes­to­ste­ron und der Insu­lin­ähn­li­che Wachs­tums­fak­tor. Auf Eng­lisch heißt die­ses Wachs­tums­hor­mon Insu­lin-Like-Growth-Fac­tor 1, abge­kürzt IGF‑1. Män­ner, bei denen zu gro­ße Men­gen die­ser bei­den Hor­mo­ne im Blut krei­sen, haben womög­lich ein höhe­res Risi­ko für Pro­sta­ta­krebs. Dies ergab eine neue Stu­die der Uni­ver­si­ty of Oxford. Die Ergeb­nis­se stell­ten die For­scher auf der Krebs­kon­fe­renz des Natio­nal Can­cer Rese­arch Insti­tu­te (NCRI) 2019 vor.

Wir haben die­se bei­den Hor­mo­ne unter­sucht, weil schon frü­he­re Stu­di­en dar­auf hin­deu­te­ten, dass sie mit Pro­sta­ta­krebs in Ver­bin­dung ste­hen. Und an die­sen bei­den Fak­to­ren kön­nen wir even­tu­ell anset­zen, um die Gefahr für Pro­sta­ta­krebs zu sen­ken“, schrei­ben die Autorin­nen Dr. Ruth Tra­vis und Ellie Watts. Welt­weit sei das Pro­statakar­zi­nom die zweit­häu­figs­te Krebs­art bei Män­nern – nach dem Lun­gen­krebs.

Risikofaktoren für Prostatakrebs

Die Ursa­chen für Pro­sta­ta­krebs sind noch nicht genau bekannt, wohl aber eini­ge Risi­ko­fak­to­ren. Lesen Sie, wel­che die Gefahr für ein Pro­statakar­zi­nom erhö­hen »»

Risiko für Prostatakrebs aus dem Blut ablesen

An der Stu­die nah­men mehr als 200.000 Män­ner teil, die Teil des soge­nann­ten UK Bio­bank Pro­jec­ts waren. Kei­ner die­ser Män­ner war zu Beginn der Stu­die an Pro­sta­ta­krebs erkrankt oder nahm Hor­mo­ne ein. Die Män­ner gaben Blut­pro­ben ab, die For­scher im Labor ana­ly­sier­ten. Sie bestimm­ten die Men­ge des männ­li­chen Geschlechts­hor­mons Tes­to­ste­ron und des IGF‑1. Außer­dem errech­ne­ten sie die Kon­zen­tra­ti­on des frei­en Tes­to­ste­rons. Das männ­li­che Sexu­al­hor­mon ist im Blut über­wie­gend an Eiwei­ße gebun­den – und damit bio­lo­gisch inak­tiv. Nur zu einem sehr gerin­gen Pro­zent­satz zir­ku­liert es frei im Blut und kann dann sei­ne Wir­kun­gen ent­fal­ten.

Rund 9.000 Män­ner gaben zu einem spä­te­ren Zeit­punkt eine zwei­te Blut­pro­be ab. So woll­ten die For­scher natür­li­che Schwan­kun­gen des Hor­mon­spie­gels her­aus­fin­den. Im Schnitt wur­den die Män­ner sechs bis sie­ben Jah­re lang beob­ach­tet. Die For­scher über­prüf­ten, ob sie in die­sem Zeit­raum Pro­sta­ta­krebs ent­wi­ckel­ten. Ins­ge­samt erkrank­ten mehr als 5.000 Män­ner an Pro­sta­ta­krebs und knapp 300 star­ben an ihrer Krebs­er­kran­kung.

Mehr freies Testosteron und IGF‑1 – erhöhtes Risiko für Prostatakrebs

Die For­scher stell­ten fest, dass Män­ner mit höhe­ren Kon­zen­tra­tio­nen an frei­em Tes­to­ste­ron und IGF‑1 eine höhe­re Wahr­schein­lich­keit hat­ten, die Dia­gno­se Pro­statakar­zi­nom zu erhal­ten. Ande­re Fak­to­ren, die das Krebs­ri­si­ko beein­flus­sen wie das Kör­per­ge­wicht, den sozio­öko­no­mi­schen Sta­tus oder bestehen­de Krank­hei­ten wie Dia­be­tes rech­ne­ten die For­scher her­aus. Kon­kret sahen die Zah­len dann so aus:

  • Für jede Erhö­hung von 5 Nano­mo­len IFG‑1 pro Liter Blut (nmol/l) hat­ten die Män­ner ein um neun Pro­zent höhe­res Risi­ko, an Pro­sta­ta­krebs zu erkran­ken.
  • Für jede Erhö­hung von 50 Pico­mo­len an frei­em Tes­to­ste­ron pro Liter Blut (pmol/l), stieg das Risi­ko für Pro­sta­ta­krebs um zehn Pro­zent

Setz­ten die For­scher die Zah­len zur Gesamt­be­völ­ke­rung in Bezie­hung, ergab sich fol­gen­des Bild: Män­ner mit den höchs­ten Spie­geln an IGF‑1 haben ein 25 Pro­zent höhe­res Risi­ko für die­ser Krebs­art als Män­ner mit den nied­rigs­ten IGF-1-Wer­ten. Und Män­ner mit den höchs­ten Spie­geln an frei­em Tes­to­ste­ron besit­zen ein um 18 Pro­zent erhöh­tes Risi­ko für Pro­sta­ta­krebs im Ver­gleich zu Män­nern mit den nied­rigs­ten Wer­ten.

Bis­lang kön­nen wir Män­nern kei­ne wis­sen­schaft­lich fun­dier­ten Rat­schlä­ge anbie­ten, wie sie ihr Risi­ko für Pro­sta­ta­krebs sen­ken kön­nen.

Dr. Ruth Tra­vis und Ellie Watts

Uni­ver­si­ty of Oxford

Beim Schutz vor Prostatakrebs einen Schritt weiter“

Weil die Blut­tests schon Jah­re vor der Dia­gno­se Pro­sta­ta­krebs ent­nom­men wor­den waren, sei es wahr­schein­lich, dass die Hor­mon­spie­gel zu einem erhöh­ten Krebs­ri­si­ko bei­tra­gen – und nicht umge­kehrt der Pro­sta­ta­krebs die­se Hor­mon­wer­te erhö­he. „Unse­re Stu­die kann uns nicht sagen, war­um die­se Fak­to­ren mit der Ent­wick­lung von Pro­sta­ta­krebs ver­knüpft sind“, erklärt die Stu­di­en­au­torin Tra­vis. „Bekannt ist aber, dass das Tes­to­ste­ron für die nor­ma­le Funk­ti­on und das Wachs­tum der Pro­sta­ta eine wich­ti­ge Rol­le spielt. Und IGF‑1 regt ganz all­ge­mein das Zell­wachs­tum im Kör­per an“, so Tra­vis wei­ter.

Mög­lich sei es, dass die­se bei­den Hor­mo­ne ande­re Fak­to­ren wie die Ernäh­rung, den Lebens­stil oder das Kör­per­ge­wicht mit dem Risi­ko für Pro­sta­ta­krebs ver­knüpf­ten. „Das bringt uns einen Schritt wei­ter bei den Stra­te­gi­en zum Schutz vor Pro­sta­ta­krebs“, hofft Tra­vis. Und Hasim Ahmed, Pro­fes­sor für Uro­lo­gie am Impe­ri­al Col­le­ge Lon­don, ergänzt: „Die Stu­di­en­ergeb­nis­se zei­gen uns, dass es zumin­dest eini­ge Risi­ko­fak­to­ren für Pro­sta­ta­krebs gibt, die wir even­tu­ell ver­än­dern kön­nen.“ Lang­fris­tig könn­ten Ärz­te Män­nern bes­se­re Maß­nah­men an die Hand geben, wie sie ihr eige­nes Risi­ko sen­ken.

Prostatakrebs vorbeugen

Lesen Sie, mit wel­chen Maß­nah­men Sie even­tu­ell einem Pro­sta­ta­krebs vor­beu­gen kön­nen »»

Ohne Testosteron kein Prostatakrebs

Hor­mo­ne sind ein wich­ti­ger Fak­tor bei der Ent­ste­hung von Pro­sta­ta­krebs. Aller­dings ist es noch unklar, wie sie genau an der Ent­wick­lung die­ser Krebs­art betei­ligt sind. Bekannt ist jeden­falls, dass ohne das männ­li­che Geschlechts­hor­mon Tes­to­ste­ron, das vor allem die Hoden pro­du­zie­ren, kein Pro­sta­ta­krebs ent­ste­hen kann.

Tes­to­ste­ron ist einer­seits für die Funk­ti­on der Pro­sta­ta not­wen­dig,  för­dert aber auch das Wachs­tum von Pro­sta­ta­krebs­zel­len. So erkran­ken Män­ner, die in jun­gem Lebens­al­ter vor oder unmit­tel­bar nach der Puber­tät  einen Hoden­ver­lust erlit­ten haben, äußerst sel­ten an Pro­sta­ta­krebs. Der Ent­zug des Hor­mons Tes­to­ste­ron ist auch eine wich­ti­ge Säu­le bei der Behand­lung von Pro­sta­ta­krebs.

Quellen

• Natio­nal Can­cer Rese­arch Insti­tu­te (NCRI): High levels of two hor­mo­nes in the blood rai­se pro­sta­te can­cer risk, press release, 1.11. 2019, https://www.ncri.org.uk/ncri-blog/high-levels-of-hormones-raise-prostate-cancer-risk/
• Deut­sche Krebs­ge­sell­schaft, https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/krebsarten/prostatakrebs/ursachen-und-risikofaktoren.html (Abruf: 10.12.2019)
• Deut­sches Krebs­for­schungs­zen­trum (DKFZ), https://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/prostatakrebs/risikofaktoren.php (Abruf: 10.12.2019)

Datum: 11.12.2019

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