Prostatakrebs – viele Männer wissen nicht genug

Um das Wis­sen über Pro­sta­ta­krebs ist es bei vie­len Män­nern nicht zu Bes­ten bestellt. Vie­le tap­pen im Dun­keln, beson­ders wenn es um die The­ra­pie­ent­schei­dung geht, ergab eine neue Stu­die. Von Ingrid Mül­ler

Die Dia­gno­se Pro­sta­ta­krebs trifft jähr­lich rund 60.000 Män­ner in Deutsch­land neu. Ärz­te, Krebs­be­ra­tungs­stel­len oder Por­ta­le im Inter­net bie­ten fun­dier­te Infor­ma­tio­nen über die­se häu­figs­te Krebs­art bei Män­nern. Doch vie­le männ­li­che Geschöp­fe haben offen­bar gro­ße Schwie­rig­kei­ten damit, ihre Dia­gno­se und die vor­ge­schla­ge­nen Behand­lun­gen zu ver­ste­hen. Zu die­sem Ergeb­nis kommt eine Stu­die von For­schern der Uni­ver­si­ty of Bri­tish Colum­bia (UBC), Cana­da. „Wir haben eine lan­ge His­to­rie, die besagt, dass Män­ner in Sachen gesund­heit­li­cher Bil­dung nicht ganz auf der Höhe sind“, sagt John Olif­fe, Wis­sen­schaft­ler in einem For­schungs­pro­gramm zur Män­ner­ge­sund­heit an der UBC. „Dazu gehört, dass sie wis­sen, wie sie ver­schrie­be­ne Medi­ka­men­te ein­neh­men und in wel­cher Dosie­rung. Aber auch, in wel­chem Sta­di­um sich ihre Erkran­kung befin­det oder wie sie vor­han­de­ne Kennt­nis­se rich­tig ein­set­zen“, so Olif­fe wei­ter.

Oft tapp­ten Män­ner voll­kom­men im Dun­keln, wenn es um ihre Krank­heit Pro­sta­ta­krebs gehe. Und bei­na­he noch wich­ti­ger: Sie waren weit­ge­hend ahnungs­los, wel­chen Weg sie nach der Dia­gno­se ein­schla­gen soll­ten, fas­sen die Pro­fes­so­ren Olif­fe und Joan Bot­torff die Ergeb­nis­se ihrer Unter­su­chung zusam­men. Wenn es um Pro­sta­ta­krebs gehe, sei­en vie­le Män­ner über­for­dert, stellt Che­ris­se Sea­ton, die Koor­di­na­to­rin und Haupt­au­torin der Stu­die fest.

Prostatakrebs: Höhere Bildung – besseres Wissen über Gesundheit

Aus frü­he­ren Stu­di­en ist bekannt, dass ein gerin­ges Gesund­heits­wis­sen und -ver­ständ­nis Risi­ko­fak­to­ren für eine schlech­te Gesund­heit und die Ent­schei­dungs­fin­dung sind. Als gesund­heit­li­che Bil­dung defi­nier­ten die For­scher die Fähig­keit, sich Zugang zu Gesund­heits­in­for­ma­tio­nen zu ver­schaf­fen, die­se zu ver­ste­hen und anschlie­ßend anzu­wen­den. Nur so kön­nen Män­ner spä­ter infor­mier­te Ent­schei­dun­gen tref­fen und ihre Gesund­heit selbst im Griff behal­ten. An der Unter­su­chung nah­men 213 Män­ner teil, bei denen Ärz­te Pro­sta­ta­krebs fest­ge­stellt hat­ten. Im Schnitt waren sie 68 Jah­re alt. Alle Män­ner füll­ten einen Online-Fra­ge­bo­gen aus, in dem sie unter ande­rem Aus­kunft zu Fami­li­en­stand, Schul- und Berufs­bil­dung, Beglei­ter­kran­kun­gen sowie Behand­lun­gen ihres Pro­sta­ta­kreb­ses gaben.

Das Ergeb­nis: Je höhe­re der Bil­dungs­stand der Män­ner war, des­to mehr wuss­ten sie auch über medi­zi­ni­sche Din­ge Bescheid. Zudem hat­ten Män­ner ohne Beglei­ter­kran­kun­gen ein bes­se­res Gesund­heits­ver­ständ­nis. Kei­nen Ein­fluss auf das Wis­sen hat­ten dage­gen das Alter oder Zeit, die nach der Krebs­dia­gno­se ver­gan­gen war. Sea­ton sagt: „Män­ner müs­sen nach der Dia­gno­se Pro­sta­ta­krebs eini­ge schwer­wie­gen­de Ent­schei­dun­gen tref­fen. Nicht jeder Pro­sta­ta­krebs wächst aggres­siv und es gibt ver­schie­de­ne Behand­lungs­mög­lich­kei­ten. Sie soll­ten sich aber auf einen Behand­lungs­weg fest­le­gen. Dafür müs­sen sie jedoch gut infor­miert sein und alle Behand­lungs­mög­lich­kei­ten tat­säch­lich ver­stan­den haben. Oft gibt es jedoch eine sol­che Flut an Infor­ma­tio­nen, dass vie­len die Aus­wahl schwer fällt.“

Mehr Wissen über Prostatakrebs führt zu informierten Entscheidungen

Eine Mög­lich­keit der Behand­lung bei Pro­sta­ta­krebs ist die akti­ve Über­wa­chung (engl. active sur­veil­lan­ce). Dabei ver­zich­ten Män­nern zunächst auf eine Ope­ra­ti­on und ande­re The­ra­pi­en, son­dern Ärz­te kon­trol­lie­ren den Pro­sta­ta­krebs in regel­mä­ßi­gen Abstän­den. Wächst er, begin­nen sie mit der The­ra­pie. Der Pro­sta­ta­krebs lässt sich dann immer noch hei­len.

Den­noch ent­schie­den sich in der Stu­die mehr als 91 Pro­zent der Män­ner gegen die active sur­veil­lan­ce und für eine akti­ve Behand­lungs­stra­te­gie. „Man­che Män­ner wol­len den Pro­sta­ta­krebs ein­fach nur schnell los­wer­den – unab­hän­gig davon, was der Arzt ihnen sagt“, erklärt Bot­torff. Sie stürz­ten sich ein­fach auf die Ope­ra­ti­on oder wähl­ten eine aggres­si­ve­re Behand­lung als sie eigent­lich bräuch­ten. „Sehr oft tun sie dies aus Angst oder Unwis­sen­heit“.

Die The­ra­pi­en bei Pro­sta­ta­krebs haben jedoch nicht uner­heb­li­chen Neben­wir­kun­gen, zum Bei­spiel eine Erek­ti­le Dys­funk­ti­on oder Inkon­ti­nenz. „Wir glau­ben: Je mehr medi­zi­ni­sche Kennt­nis­se ein Mann hat, des­to bes­ser kann er infor­mier­te Ent­schei­dun­gen tref­fen, die er anschlie­ßend nicht bereut“, so Bot­torff wei­ter. Stu­di­en zei­gen, dass Män­ner ihr Gesund­heits­ver­ständ­nis oft als sehr hoch ein­schät­zen. Gleich­zei­tig haben vie­le das Gefühl, nicht aus­rei­chend infor­miert zu sein, um ihre Gesund­heit zu mana­gen.

Wissen sammeln: fiktiven Patienten im Internet begleiten

Die For­scher haben daher für Män­ner mit Pro­sta­ta­krebs eine inter­ak­ti­ve Web­site ins Netz gestellt. Der Titel: „Wenn ich Tom wäre …“ Sie rich­tet sich an Män­ner, die erst kürz­lich die Dia­gno­se Pro­sta­ta­krebs erhal­ten haben. Män­ner kön­nen über Vide­os einen fik­ti­ven Pati­en­ten namens Tom durch Tests, die Dia­gno­se und die Ent­schei­dung für eine Behand­lung beglei­ten. Die Nut­zer kön­nen gemein­sam mit Tom Ent­schei­dun­gen tref­fen und mehr über die ver­schie­de­nen Behand­lungs­mög­lich­kei­ten erfah­ren. Sie kön­nen zudem mit ande­ren Pro­sta­ta­krebs­pa­ti­en­ten, Fami­li­en­mit­glie­dern oder Per­so­nen, die in Gesund­heits­be­ru­fen tätig sind, Nach­rich­ten aus­tau­schen.

Unse­re Stu­die hat gezeigt, dass Män­ner selbst dann noch mehr Infor­ma­tio­nen brauch­ten, wenn sie mit ihren Ärz­ten viel Kon­takt hat­ten. Wir müs­sen also ande­re Wege fin­den, wie wir die Män­ner mit jenen Infor­ma­tio­nen zusam­men­brin­gen, die sie suchen.“ Web­sei­ten im Inter­net sei­en leicht zugäng­lich – und damit eine von vie­len Mög­lich­kei­ten.

Quellen
  •  Sea­ton CL et al. Health Liter­acy Among Cana­di­an Men Expe­ri­en­cing Pro­sta­te Can­cer, Health Pro­mo­ti­on Prac­tice, 21. Febru­ar 2019, https://journals.sagepub.com/doi/10.1177/1524839919827576
  • Uni­ver­si­ty of Bri­tish Colum­bia (UBC): Men’s know­ledge on pro­sta­te can­cer needs impro­ving, press release, 16. April 2019, https://news.ok.ubc.ca/2019/04/16/mens-knowledge-on-prostate-cancer-needs-improving/

Datum: 16.5.2019

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