Aggressiver Prostatakrebs – erhöht Fettleibigkeit das Risiko?

Fett­lei­big­keit (Adi­po­si­tas) ist all­ge­mein nicht gesund. Bei Män­nern kön­nen jedoch zu vie­le Kilos das Risi­ko für einen fort­ge­schrit­te­nen Pro­sta­ta­krebs mit ungüns­ti­ger Pro­gno­se erhö­hen. Dies lässt jeden­falls eine neue US-Stu­die ver­mu­ten. Von Ingrid Mül­ler

Fett­lei­big­keit ist eine gesund­heit­li­che Gefahr für Män­ner – und Frau­en. Die Lis­te an Krank­hei­ten, die mit auf das Kon­to der Adi­po­si­tas gehen, ist lang. Fett­lei­big­keit för­dert das Risi­ko für die Zucker­krank­heit Typ-2-Dia­be­tes, Herz-Kreis­lauf-Erkran­kun­gen (Gefäß­ver­kal­kung, Herz­in­farkt), Fett­le­ber oder Gelenk­be­schwer­den. Ganz zu schwei­gen von den see­li­schen Fol­gen, die zu vie­le Kilos auf Bauch, Hüf­ten, Po und den Bei­nen mit sich brin­gen. Aber auch mit eini­gen Krebs­ar­ten steht die Fett­lei­big­keit (Adi­po­si­tas) in Ver­bin­dung. Seit Jah­ren legen Män­ner (und Frau­en) in Deutsch­land glei­cher­ma­ßen an Gewicht zu. So sind nach Anga­ben des Robert Koch-Insti­tuts heu­te rund zwei Drit­tel der Män­ner (67 Pro­zent) über­ge­wich­tig. Und 23 Pro­zent der Män­ner lei­den sogar unter Fett­lei­big­keit.

Doch die vie­len Kilos kön­nen offen­bar das Risi­ko für aggres­si­ven Pro­sta­ta­krebs erhö­hen, wie For­scher der Har­vard T.H. Chan School of Public Health, Bos­ton, Mas­sa­chu­setts, jetzt her­aus­fan­den. Beson­ders gefähr­lich schei­nen das Bauch­fett sowie der Speck an den Ober­schen­keln zu sein. „Die Ergeb­nis­se füh­ren viel­leicht zu einem bes­se­ren Ver­ständ­nis, wie die Fett­lei­big­keit und Pro­sta­ta­krebs genau zusam­men­hän­gen – und ver­mit­teln neue Mög­lich­kei­ten für The­ra­pi­en“, schrei­ben die For­scher. Die Stu­di­en­ergeb­nis­se ver­öf­fent­lich­ten sie in der Online-Aus­ga­be des Fach­ma­ga­zins CANCER der Ame­ri­ka­ni­schen Krebs­ge­sell­schaft Ame­ri­can Can­cer Socie­ty.

BMI-Rechner: Sind Sie zu dick?

Der BMI ist der Quo­ti­ent aus Gewicht und Kör­per­grö­ße zum Qua­drat (kg/m²). Bei­spiel: Der BMI eines 1,85 m gro­ßen Man­nes mit 95 kg beträgt 27,8 kg/m² (95 kg geteilt durch 1,85 x 1,85 m²)

Einen Online-BMI-Rech­ner des Bun­des­zen­trums für Ernäh­rung (BZfE) fin­den Sie hier »»

Bauchumfang – wie groß darf er sein?

Nicht nur der BMI, son­dern auch der Bauch­um­fang spielt beim Risi­ko für Krank­hei­ten eine Rol­le:

  • Män­ner: Der Bauch­um­fang soll­te nicht mehr als 94 cm betra­gen. Mehr als 102 cm bedeu­ten ein erhöh­tes Herz-Kreis­lauf-Risi­ko.
  • Frau­en: Weni­ger als 80 cm Bauch­um­fang gel­ten noch als gesund. Liegt er höher als 88 cm, ist das Risi­ko für Herz-Kreis­lauf-Krank­hei­ten erhöht.

Fettleibigkeit und Prostatakrebs – gefährliche Liaison

Schon frü­he­re Stu­di­en hat­ten nahe­ge­legt, dass die Fett­lei­big­keit bei Män­nern mit einem erhöh­ten Risi­ko für fort­ge­schrit­te­nen Pro­sta­ta­krebs und einer ungüns­ti­ge­ren Pro­gno­se ver­knüpft ist. Aber nicht nur die Tat­sa­che der Fett­lei­big­keit, son­dern auch die Fett­ver­tei­lung im Kör­per könn­te ein wich­ti­ger Mit­spie­ler bei Pro­sta­ta­krebs sein, wie die neue US-Stu­die jetzt ergab. Der World Can­cer Rese­arch Fund schreibt jeden­falls dazu: „Es gibt star­ke Hin­wei­se dar­auf, dass Über­ge­wicht und Fett­lei­big­keit das Risi­ko für fort­ge­schrit­te­nen Pro­sta­ta­krebs erhö­hen.“

An der US-Stu­die nah­men 1.832 Män­ner aus Island teil, die im Schnitt 67 Jah­re alt waren und über 13 Jah­re beob­ach­te­tet wur­den. Die For­scher um Bar­bra Dicker­man ana­ly­sier­ten die Fett­ver­tei­lung bei den Män­nern mit­tels Com­pu­ter­to­mo­gra­fie (CT). Auf CT-Bil­dern lässt es sich gut sicht­bar machen, an wel­chen Stel­len im Kör­per sich das Fett ange­häuft hat. Dar­über hin­aus bestimm­ten sie den Body-Mass-Index (BMI) und maßen den Hüft­um­fang. Der BMI der Stu­di­en­teil­neh­mer Män­ner lag zwi­schen 24,5 und 29,3 kg/m². Der durch­schnitt­li­che Anteil an kör­per­fett betrug 18,8 bis 25,1 Pro­zent. Zusätz­lich ermit­tel­ten sie das indi­vi­du­el­le Risi­ko­pro­fil der Män­ner für Pro­sta­ta­krebs. Sie schätz­ten bei jedem Mann die Wahr­schein­lich­keit für eine zukünf­ti­ge Pro­sta­ta­krebs­dia­gno­se und die Gefahr, am Pro­sta­ta­krebs zu ster­ben, ein.

BMI: Normalgewicht, Übergewicht oder Adipositas?

Fett an Bauch und Schenkeln ist besonders riskant

Im Lauf der Stu­die erkrank­ten 172 Män­ner an Pro­sta­ta­krebs. Bei 43 Män­nern war das Pro­statakar­zi­nom beson­ders aggres­siv und der Glea­son-Score lag bei  ≥ 8. Eine schon bei der Dia­gno­se fort­ge­schrit­te­nen Tumor (≥cT3b/N1/M1 nach der TNM-Klas­si­fi­ka­ti­on), der sich im Lauf der Stu­die gefähr­lich wei­ter­ent­wi­ckel­te, hat­ten 41 Män­ner. Und 31 Män­ner star­ben schließ­lich an ihrer Erkran­kung. Die For­scher setz­ten jetzt die Fett­lei­big­keit mit dem Aus­gang des Pro­sta­ta­kreb­ses in Ver­bin­dung.

Beson­ders ris­kant leb­ten offen­bar Män­ner, bei denen sich das Fett in bestimm­ten Berei­chen ange­sam­melt hat­te: als Bauch­fett, das die Orga­ne als dicke Fett­schicht umgibt (vis­ze­ra­les Fett), und als Speck an den Ober­schen­keln direkt unter der Haut. Sie hat­ten ein erhöh­tes Risi­ko für fort­ge­schrit­te­nen Pro­sta­ta­krebs und dass der Krebs töd­lich ende­te. Die­ser Zusam­men­hang galt für alle Män­ner.

Das Bauch­fett stu­fen Ärz­te schon län­ger als beson­ders gefähr­lich ein, weil es hor­mo­nell aktiv ist und Ent­zün­dungs­bo­ten­stof­fe pro­du­ziert, die Cyto­ki­ne. Gera­de Män­ner tra­gen oft beson­ders viel Fett am Bauch mit sich her­um. Die Fett­ver­tei­lung scheint also für die Aggres­si­vi­tät des Pro­sta­ta­kreb­ses eine Rol­le zu spie­len. „Es ist mög­lich, dass gro­ße Men­gen an Bauch­fett ein Mar­ker für ein hor­mo­nel­les Milieu ist, das auch das Risi­ko für fort­ge­schrit­te­nen Pro­sta­ta­krebs beein­flusst“, erklärt Dicker­mann.

Nicht bes­ser sah es – wie erwar­tet – bei den Para­me­tern Body-Mass-Index und Hüft­um­fang aus: Ein hoher BMI und ein gro­ßer Hüft­um­fang waren eben­falls mit einem erhöh­ten Risi­ko für aggres­si­ven Pro­sta­ta­krebs und eine ungüns­ti­ge Pro­gno­se ver­bun­den.

Öfters ein­mal Maß neh­men! Sind Sie zu dick? © Ingrid Mül­ler

Prostatakrebs: Männer mit niedrigerem BMI mit besonderem Risiko

Die For­scher stie­ßen aber noch auf einen ande­ren inter­es­san­ten Zusam­men­hang, als sie Män­ner mit hohem und nied­ri­ge­rem BMI (<27 kg/m²) mit­ein­an­der ver­gli­chen. „Der Zusam­men­hang zwi­schen Bauch­fett, aggres­si­vem Pro­sta­ta­krebs und schlech­ter Pro­gno­se war bei Män­nern mit dem nied­ri­ge­rem BMI sogar noch stär­ker aus­ge­prägt“, erklärt Dicker­man. Zwar sei die Aus­sa­ge­kraft der Daten­ana­ly­se aus die­ser Unter­grup­pe begrenzt, aber es sei ein wich­ti­ger Hin­weis für wei­te­re For­schun­gen.

Jetzt sei­en wei­te­re Stu­di­en nötig, um den Ein­fluss der Fett­ver­tei­lung im Kör­per auf die Ent­wick­lung von Pro­sta­ta­krebs genau­er zu unter­su­chen. Stu­di­en, die nur den BMI oder Hüft­um­fang erfass­ten, sei­en womög­lich nicht aus­rei­chend, weil man so bestimm­te Unter­grup­pen von Män­nern, die even­tu­ell Hoch­ri­si­ko­pa­ti­en­ten sei­en, gar nicht erfas­se. „Dies könn­te auch erklä­ren, war­um frü­he­re Stu­di­en­ergeb­nis­se zu Fett­lei­big­keit und Pro­sta­ta­krebs so wider­sprüch­lich sind“, so die For­scher.

Fettleibigkeit schon in jungen Jahren verhindern

Doch wie kön­nen Ärz­te Män­nern mit Fett­lei­big­keit nun hel­fen? Die­se Fra­ge grei­fen Celi­na H. Shira­zi­pour und Ste­phen J. Freed­land, vom Cedars-Sinai Medi­cal Cen­ter, Los Ange­les, Cali­for­nia in einem beglei­ten­den Arti­kel auf. Wich­tig sei eine Ver­än­de­rung des Lebens­stils mit einer gesun­den Ernäh­rung und regel­mä­ßi­gem Sport. Und zwar schon, bevor sie die Dia­gno­se Pro­sta­ta­krebs bekom­men – als vor­beu­gen­de Schutz­maß­nah­me sozu­sa­gen.

Können Männer Prostatakrebs vorbeugen?

Die Autoren schrei­ben: „Für das Über­ge­wicht und die Fett­lei­big­keit sind die Ernäh­rung und kör­per­li­che Akti­vi­tät von ent­schei­den­der Bedeu­tung. Daher soll­ten Maß­nah­men zum Gewichts­ver­lust schon bei Kin­dern, Jugend­li­chen und jun­gen Erwach­se­nen auf den Lebens­stil abzie­len, um das Risi­ko für spä­te­ren Pro­sta­ta­krebs zu sen­ken. „Die Kom­bi­na­ti­on aus gesun­der Ernäh­rung und Sport scheint uns am wir­kungs­volls­ten zu sein.“ So kön­nen männ­li­che Geschöp­fe zukünf­tig womög­lich gleich meh­re­re Flie­gen mit einer Klap­pe schla­gen.

Quellen
  • Dicker­man B. et al. Body fat dis­tri­bu­ti­on on com­pu­ted tomo­gra­phy ima­ging and pro­sta­te can­cer risk and mor­ta­li­ty in the AGES-Reykjavik stu­dy, First published: 10. Juni 2019, https://doi.org/10.1002/cncr.32167
  • Shira­zi­pour CH, Freed­land SJ. Obe­si­ty, vis­ceral adi­po­si­ty, and pro­sta­te can­cer: What is the role of life­style inter­ven­ti­ons? First published: 10 Juni 2019, https://doi.org/10.1002/cncr.32165
  • World Can­cer Rese­arch Fund, https://www.wcrf.org/dietandcancer/prostate-cancer
  • Uni­ver­si­täts­me­di­zin Leip­zig, IFB Adi­po­si­tas Erkran­kun­gen: Fett ist nicht gleich Fett (Abruf: 16.6.2019)
  • Deut­sche Adi­po­si­tas Gesell­schaft: Body-Mass-Index, BMI (Abruf: 16.6.2019)
  • Robert Koch-Insti­tut (RKI): Über­ge­wicht und Adi­po­si­tas (Abruf: 16.6.2019)

Datum: 18.6.2019

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