Transrektaler Ultraschall – so funktioniert TRUS

Ein trans­rek­ta­ler Ultra­schall (TRUS) ist aus der Dia­gnos­tik von Pro­sta­taer­kran­kun­gen nicht mehr weg­zu­den­ken. Lesen Sie, wie die Sono­gra­fie funk­tio­niert und abläuft. Außer­dem: wel­che Risi­ken sie besitzt und wer die Kos­ten über­nimmt. Von Ingrid Mül­ler

Ein trans­rek­ta­ler Ultra­schall – abge­kürzt TRUS – ist eine Unter­su­chungs­me­tho­de, mit der Ärz­te Erkran­kun­gen der Pro­sta­ta oder Samen­bla­sen auf­spü­ren kön­nen. Dazu gehö­ren zum Bei­spiel die gut­ar­ti­ge Pro­sta­ta­ver­grö­ße­rung, aber auch Pro­sta­ta­krebs. Über eine Ultra­schall­son­de im Mast­darm des Pati­en­ten erhal­ten Ärz­te genaue Bil­der der Pro­sta­ta auf ihrem Moni­tor. Sie kön­nen so zum Bei­spiel die Grö­ße, Form und Struk­tur der Pro­sta­ta beur­tei­len. Der trans­rek­ta­le Ultra­schall funk­tio­niert auch des­halb gut, weil die Pro­sta­ta in unmit­tel­ba­rer Nähe der Mast­darm­wand liegt. Trans­rek­tal bedeu­tet so viel wie „über den Mast­darm“ (trans = über und rek­tum = Mast­darm).

Wie funktioniert ein transrektaler Ultraschall?

Der Ultra­schall (Sono­gra­fie) gehört heu­te zum Stan­dard in der Haus- und Fach­arzt­pra­xis. Er kann Auf­schluss über den Zustand vie­ler Orga­ne und Gewe­be lie­fern. Ultra­schall funk­tio­niert mit Schall­wel­len, deren Fre­quen­zen weit ober­halb der mensch­li­chen Hör­gren­ze (über 20 kHz = Kilo­hertz) lie­gen – ein Mensch kann sie also nicht über sein Gehör wahr­neh­men.

Zum Ein­satz kommt ein Schall­kopf, der Ultra­schall­wel­len mit Hil­fe von elek­tri­schen Kris­tal­len erzeugt und in den Kör­per aus­sen­det. Das Gewe­be der Pro­sta­ta reflek­tiert die­se unter­schied­lich stark. So wird ein „Echo“ erzeugt, das der Schall­kopf wie­der­um emp­fängt. Ein klei­ner Com­pu­ter, der sich im Ultra­schall­ge­rät befin­det,  errech­net dar­aus zwei­di­men­sio­na­le Schnitt­bil­der der Pro­sta­ta, die der Arzt auf dem Moni­tor sieht. Die Stär­ke des zurück­ge­wor­fe­nen Echos lässt Rück­schlüs­se auf die Beschaf­fen­heit des Gewe­bes zu.

Frü­her waren die Ultra­schall­bil­der noch grob und grund­sätz­lich schwarz- weiß. Heu­te lie­fern Ultra­schall­ge­rä­te sehr detail­lier­te und hoch­auf­ge­lös­te. Spe­zi­el­le Ultra­schall­tech­ni­ken kön­nen sogar far­bi­ge Bil­der erzeu­gen, zum Bei­spiel die Dopp­ler-Sono­gra­fie. Sie kommt bei ande­ren Erkran­kun­gen zum Ein­satz, etwa der Gefä­ße.

Transrektaler Ultraschall – Ablauf und Dauer

Ein trans­rek­ta­ler Ultra­schall geschieht nicht von außen (wie etwa der Schwan­ger­schafts­ul­tra­schall über den Bauch), son­dern von innen. Ärz­te spre­chen von Endo­so­no­gra­fie (endo = innen). Es ist eine spe­zi­el­le Vari­an­te der Ultra­schall­un­ter­su­chung, weil die Sono­gra­fie in einer Kör­per­höh­le statt­fin­den (wie auch der vagi­na­le Ultra­schall).

Für einen TRUS müs­sen Sie Ihren Darm nicht beson­ders vor­be­rei­ten – im Gegen­satz etwa zur Darm­spie­ge­lung, bei der der Darm frei von Nah­rungs­res­ten sein muss, um aus­sa­ge­kräf­ti­ge Bil­der zu erhal­ten. Aller­dings soll­te die soge­nann­te Rek­tu­mam­pul­le leer sein – dies ist der obe­re Bereich des Mast­darms, der als Spei­cher für den Stuhl dient.

 TRUS läuft in der Regel so ab:

  • Sie lie­gen dabei meist auf der Sei­te und zie­hen die Bei­ne an. Alter­na­tiv neh­men Sie die soge­nann­te „Stein­schnitt­la­ge“ ein. Ver­ein­facht gesagt lie­gen Sie dabei auf dem Rücken, die Glied­ma­ßen sind in den Hüft- und Knie­ge­len­ken jeweils recht­wink­lig gebeugt, die Unter­schen­kel auf Bein­scha­len abge­stützt und die Bei­ne sind gespreizt. Frau­en ken­nen die­se Posi­ti­on all­zu gut von Unter­su­chun­gen beim Gynä­ko­lo­gen.
  • Der Arzt zieht zunächst ein „Kon­dom“ aus Latex über die Ultra­schall­son­de – zum Schutz der Son­de und aus hygie­ni­schen Grün­den. Die Son­de ist unge­fähr so gross und dick wie ein Fin­ger.
  • Er bringt ein ste­ri­les Gleit­mit­tel in den After und End­darm ein, das lokal betäu­bend und des­in­fi­zie­rend wirkt – es muss eini­ge Minu­ten ein­wir­ken.
  • Dann führt er die Ultra­schall­son­de vor­sich­tig in den Mast­darm ein und schiebt sie in Rich­tung Pro­sta­ta vor, die direkt an der Wand des Mast­darms liegt. Die TRUS lie­fert beson­ders genaue Bil­der, weil nur wenig Gewe­be dazwi­schen liegt, das den Ultra­schall abschwächt. Anders ist es beim Ultra­schall von außen, zum Bei­spiel über die Bauch­de­cke – hier müs­sen die Schall­wel­len viel mehr Gewe­be durch­drin­gen.
  • Die Son­de lässt sich bewe­gen und so kön­nen Ärz­te ver­schie­de­ne Berei­che der Pro­sta­ta auf dem Moni­tor sicht­bar machen. Auch Fotos kön­nen Ärz­te wäh­rend des TRUS zu Doku­men­ta­ti­ons­zwe­cken anfer­ti­gen.

Transrektaler Ultraschall – schnell und ungefährlich

Der trans­rek­ta­le Ultra­schall und die Schall­wel­len sind für Men­schen gesund­heit­lich unbe­denk­lich und unge­fähr­lich. Eine Rönt­gen­un­ter­su­chung und Com­pu­ter­to­mo­gra­fie (CT), die bei­de mit Rönt­gen­strah­len arbei­ten, brin­gen dage­gen eine gewis­se Strah­len­be­las­tung mit sich. Zudem ist TRUS ver­gleichs­wei­se kos­ten­güns­tig, ver­ur­sacht kei­ne Schmer­zen, ist wenig belas­tend und meist schnell vor­bei. In der Regel dau­ert sie nur weni­ge Minu­ten und lässt sich ambu­lant in der Arzt­pra­xis durch­füh­ren.

Den­noch scheu­en vie­le Män­ner die trans­rek­ta­le Ultra­schall­un­ter­su­chung – meist aus Scham. Eine gedank­li­che Hil­fe ist es viel­leicht, dass ein trans­rek­ta­ler Ultra­schall für Ärz­te zum nor­ma­len All­tag und „Hand­werk“ gehört.

Transrektaler Ultraschall – was sieht der Arzt?

Ein trans­rek­ta­ler Ultra­schall lie­fert Ärz­ten ver­schie­dens­te Infor­ma­tio­nen, zum Bei­spiel:

  • Die Grö­ße, Form, Begren­zung und Bin­nen­struk­tur (die ver­schie­de­nen Zonen) der Pro­sta­ta sind im Ultra­schall gut erkenn­bar.
  • Auch der Zustand der Samen­bla­sen lässt sich beur­tei­len.
  • Die Pro­sta­ta lässt sich genau aus­mes­sen und das Volu­men berech­nen – dies geschieht mit Hil­fe einer spe­zi­el­len Soft­ware.
  • Ver­än­de­run­gen wie Zys­ten, Ver­kal­kun­gen (Pro­sta­tas­tei­ne) oder ein Sekret­stau las­sen sich auf­de­cken.
  • Der Ultra­schall lie­fert Hin­wei­se auf eine Pro­sta­ta­ent­zün­dung wie zum Bei­spiel ver­dick­te Wän­de der Samen­bla­sen.

Wann setzen Ärzte den transrektalen Ultraschall ein?

Ein trans­rek­ta­ler Ultra­schall kann die Orga­ne des Beckens dar­stel­len, allen vor­an die Pro­sta­ta, Samen­bla­sen oder die Harn­röh­re. Ärz­te kön­nen so die Grö­ße, Form und Struk­tur der Pro­sta­ta erken­nen und Auf­fäl­lig­kei­ten auf­spü­ren. Bei­spie­le sind eine gut­ar­ti­ge Pro­sta­ta­ver­grö­ße­rung oder Pro­sta­ta­krebs. TRUS wen­den Ärz­te zum Bei­spiel an, wenn:

Wich­tig ist, dass ein trans­rek­ta­ler Ultra­schall sich nicht als allei­ni­ge Metho­de zur Dia­gno­se von Pro­sta­ta­krebs eig­net. Er ist für sich allei­ne genom­men nicht aus­sa­ge­kräf­tig genug. Daher zie­hen Ärz­te immer noch wei­te­re Dia­gno­se­me­tho­den her­an. Die Zusam­men­schau der Ergeb­nis­se hilft dem Arzt bei der Ein­schät­zung, ob Pro­sta­ta­krebs vor­lie­gen könn­te oder eben nicht. Letz­te Gewiss­heit lie­fert immer eine Pro­statabio­spie, bei der Ärz­te Gewe­be aus der Pro­sta­ta ent­neh­men und die Zel­len anschlie­ßend fein­ge­web­lich unter dem Mikro­skop unter­su­chen.

Transrektaler Ultraschall – Kosten

Der trans­rek­ta­le Ultra­schall zur Früh­erken­nung von Pro­sta­ta­krebs ist kei­ne Leis­tung der gesetz­li­chen Kran­ken­kas­sen. TRUS zählt zu den soge­nann­ten indi­vi­du­el­len Gesund­heits­leis­tun­gen, kurz IGeL. Das bedeu­tet, dass die Kran­ken­kas­sen die Kos­ten dafür nicht über­neh­men. Das gilt übri­gens auch für die Bestim­mung des PSA-Wer­tes. Nur die Tast­un­ter­su­chung  bezah­len die Kas­sen zur Früh­erken­nung von Pro­sta­ta­krebs. Anders sieht es jedoch aus, wenn der Ver­dacht auf Pro­sta­ta­krebs besteht und die Sym­pto­me dar­auf hin­deu­ten. Dann bezah­len die Kas­sen den trans­rek­ta­len Ultra­schall genau­so wie den PSA-Test.

Der Igel-Moni­tor bewer­tet die Ultra­schall­un­ter­su­chung als „ten­den­zi­ell nega­tiv“. Das sind Exper­ten, die im des Medi­zi­ni­sche Diens­tes des Spit­zen­ver­ban­des Bund der Kran­ken­kas­sen indi­vi­du­el­le Gesund­heits­leis­tun­gen bewer­ten. Der Scha­den der Unter­su­chung wie­ge gering­fü­gig schwe­rer als ihr Nut­zen, so ihr Fazit. Es sei­en kei­ne Stu­di­en gefun­den wor­den, die den Nut­zen und Scha­den des trans­rek­ta­len Ultra­schall für eine Früh­erken­nung unter­sucht haben. Aus ande­ren Stu­di­en kön­ne man jedoch indi­rekt schlie­ßen, dass ein Nut­zen auch nicht wahr­schein­lich sei – Schä­den sei­en es dage­gen schon. Als die größ­ten Schä­den gel­ten die Neben­wir­kun­gen, die unnö­ti­ge Behand­lun­gen mit sich brin­gen. Auch die Autoren der Pro­sta­ta­krebs-Leit­li­nie schrei­ben: „Für die Früh­erken­nung eines Pro­statakar­zi­noms sind bild­ge­ben­de Ver­fah­ren als pri­mä­re Unter­su­chung nicht geeig­net.“

Als IGeL kos­tet ein trans­rek­ta­ler Ultra­schall in der Regel zwi­schen 20 und 60 Euro.

Quellen
  • Deut­sche Gesell­schaft für Ultra­schall in der Medi­zin e.V. (DEGUM), https://www.degum.de/service/patienten/was-geschieht-bei-einer-ultraschalluntersuchung.html (Abruf: 3.3.2020)
  • Cana­di­an Can­cer Socie­ty (CCS), https://www.cancer.ca/en/cancer-information/diagnosis-and-treatment/tests-and-procedures/transrectal-ultrasound-trus/?region=on (Abruf: 3.3.2020)
  • Radio­pa­edia, https://radiopaedia.org/articles/transrectal-ultrasound?lang=us (Abruf: 3.3.2020)
  • Stif­tung Gesund­heits­wis­sen, https://www.stiftung-gesundheitswissen.de/gesundes-leben/koerper-wissen/wie-funktioniert-ultraschall (Abruf: 3.3.2020)
  • IGeL-Moni­tor, https://www.igel-monitor.de/igel-a‑z/igel/show/ultraschall-zur-frueherkennung-von-prostatakrebs.html (Abruf: 3.3.2020)
  • Inter­dis­zi­pli­nä­re Leit­li­nie der Qua­li­tät S3 zur Früh­erken­nung, Dia­gno­se und The­ra­pie der ver­schie­de­nen Sta­di­en des Pro­statakar­zi­noms, Ver­si­on 5.1, Mai 2019 (Abruf: 3.3.2020)

Datum: 5.3.2020

Transrektaler Ultraschall – so funktioniert TRUS

Ein trans­rek­ta­ler Ultra­schall (TRUS) ist aus der Dia­gnos­tik von Pro­sta­taer­kran­kun­gen nicht mehr weg­zu­den­ken. Lesen Sie, wie die Sono­gra­fie funk­tio­niert, abläuft und wel­che Risi­ken sie besitzt.

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