Prostatasteine – Symptome und Behandlung

Pro­sta­tas­tei­ne haben vie­le Män­ner, wenn sie älter wer­den. Doch kaum einer weiß davon, weil Mann sie nicht spürt. Alle Fak­ten zu Ursa­chen, Sym­pto­men und Behand­lun­gen bei Stei­nen in der Vor­ste­her­drü­se. Von Ingrid Mül­ler

Was sind Prostatasteine?

Pro­sta­tas­tei­ne sind klei­ne Kalk­ab­la­ge­run­gen, die sich meist inner­halb der Pro­sta­ta aus dem Pro­sta­ta­se­kret bil­den. Sie sind in der Regel weni­ge Mil­li­me­ter groß, etwa wie Hir­se­kör­ner. Aber auch deut­li­che grö­ße­re Stei­ne sind mög­lich. Medi­zi­ner spre­chen auch von Cor­po­ra amyl­acea. Über­setzt heißt das so viel wie „stär­ke­ähn­li­che Kör­ner“. Der eng­li­sche Fach­be­griff dafür ist „pro­sta­tic cal­cu­li“. Man­che Män­ner haben nur einen ein­zel­nen Pro­sta­tas­tein, wäh­rend sich bei ande­ren Hun­der­te davon bil­den. Dann kön­nen sie im Prin­zip in jedem Bereich der Pro­sta­ta ent­ste­hen.

Prostatasteine aus Urzeiten

Ärz­ten sind sol­che Pro­sta­tas­tei­ne schon län­ger bekannt. Erst vor eini­gen Jah­ren wur­den Pro­sta­tas­tei­ne im Bauch des Ske­letts eines älte­ren Man­nes gefun­den, der vor unge­fähr 12.000 Jah­ren im Sudan leb­te.

Prostata Hilfe Deutschland: Prostatasteine aus dem Sudan

Pro­sta­tas­tei­ne aus dem Sudan

Woraus bestehen Steine in der Prostata?

In mehr als 80 Pro­zent der Fäl­le bestehen die Pro­sta­tas­tei­ne aus Kal­zi­um­phos­phat (Hydro­xyl­a­pa­tit), das auch in den Kno­chen vor­kommt. Sie sind meist bräun­lich-grau gefärbt. Aber auch Stei­ne aus Kal­zi­um­car­bo­nat-Phos­phat, Kal­zi­um­oxa­lat-Mono­hy­drat sowie eine Mischung aus bei­den Typen kom­men vor, wenn auch deut­lich sel­te­ner. Meist ver­bin­den sich die­se Mate­ria­li­en noch mit Eiwei­ßen. Mit Harn­stei­nen, die aus Harn­sal­zen bestehen, haben die Pro­sta­tas­tei­ne übri­gens nichts zu tun.

Wie häufig sind Prostatasteine?

Es gibt kei­ne genau­en Sta­tis­ti­ken dar­über, wie häu­fig Pro­sta­tas­tei­ne bei Män­nern vor­kom­men. Die Zah­len vari­ie­ren in der Lite­ra­tur beträcht­lich: Zwi­schen 7 und 70 Pro­zent aller Män­ner sol­len mit Pro­sta­tas­tei­nen zu tun haben. Am häu­figs­ten ent­de­cken Ärz­te sie jedoch bei Män­nern mit einer gut­ar­ti­gen Pro­sta­ta­ver­grö­ße­rung und einer Pro­sta­ta­ent­zün­dung.

Welche Arten von Prostatasteinen gibt es?

Medi­zi­ner unter­schei­den im Prin­zip zwei Arten von Pro­sta­tas­tei­nen – je nach Ort der Ent­ste­hung:

Primär oder sekundär?

Pri­mä­re endo­ge­ne Pro­sta­tas­tei­ne

Sie tre­ten oft im Zusam­men­hang mit einer gut­ar­ti­gen Pro­sta­ta­ver­grö­ße­rung auf. Auch eine chro­ni­sche Pro­sta­ta­ent­zün­dung – die Pro­sta­ti­tis – kann der Grund für endo­ge­ne Pro­sta­tas­tei­ne sein. Sie sind meist klein, dafür kön­nen es sehr vie­le Stei­ne wer­den.

Sekun­dä­re extrinsi­sche Pro­sta­tas­tei­ne

Sie bil­den sich aus einem Kern, der aus den obe­ren Harn­we­gen durch den Harn­strom in die Harn­röh­re ver­schleppt wird. Daher sind sekun­dä­re Pro­sta­tas­tei­ne oft rund um die Harn­röh­re zu fin­den. Die­se ver­läuft direkt durch die Mit­te der Pro­sta­ta. Zwi­schen der Harn­röh­re und der Vor­ste­her­drü­se gibt es 15 bis 30 klei­ner Kanä­le, die auf die­se Wei­se mit­ein­an­der in Ver­bin­dung ste­hen. So gelan­gen Aus­läu­fer der Stei­ne in die Pro­sta­ta.

Die Ursa­che ist für sekun­dä­re Pro­sta­tas­tei­ne ist meist ein Rück­fluss des Urins in die Pro­sta­ta. Die­ser kommt bei Män­nern mit neu­ro­ge­ne Bla­sen­stö­run­gen und chro­ni­schen Harn­wegs­in­fek­tio­nen vor. Die Anzahl der extrinsi­schen Pro­sta­tas­tei­ne ist zwar meist gerin­ger, dafür sind sie meist grö­ßer.

Prostatasteine: Ursachen sind noch nicht genau geklärt

Oft bil­den sich Pro­sta­tas­tei­ne bei Män­nern in mitt­le­rem oder höhe­rem Lebens­al­ter. Vor allem ab dem 50. Lebens­jahr sind sie gehäuft zu beob­ach­ten. Die zuneh­men­den Jähr­chen sind also ein Risi­ko­fak­tor für die Ver­kal­kun­gen in der Vor­ste­her­drü­se. Medi­zi­ner ver­mu­ten, dass das Pro­sta­ta­se­kret oder eine Ent­zün­dung der Pro­sta­ta die fei­nen Kanäl­chen zwi­schen Pro­sta­ta und Harn­röh­re ver­engt oder sogar blo­ckiert. Außer­dem ent­ste­hen in der Pro­sta­ta Hohl­räu­me, in denen sich das Sekret staut.

Das Drü­sen­se­kret dickt sich immer wei­ter ein und ver­kalkt schließ­lich – Pro­sta­tas­tei­ne ent­ste­hen. Auch bei man­chen Erkran­kun­gen sind Pro­sta­tas­tei­ne gehäuft zu fin­den. Dazu gehö­ren zum Bei­spiel:

Prostatasteine: Symptome verspüren die wenigsten

Pro­sta­tas­tei­ne ver­ur­sa­chen meist kei­ner­lei Sym­pto­me. So bemer­ken Män­ner die Ver­kal­kun­gen in ihrer Vor­ste­her­drü­se nicht. Ärz­te ent­de­cken die Pro­sta­tas­tei­ne meist zufäl­lig im Rah­men ande­rer Unter­su­chun­gen, zum Bei­spiel beim trans­rek­ta­len Ultra­schall (TRUS) zur Dia­gno­se der gut­ar­ti­gen Pro­sta­ta­ver­grö­ße­rung. Ärz­te sehen Pro­sta­tas­tei­ne in der Regel als Teil des natür­li­chen Alte­rungs­pro­zes­ses an und stu­fen sie nicht als kli­nisch bedeut­sam, also behand­lungs­be­dürf­tig ein. Bei man­chen Män­nern kön­nen sie jedoch unan­ge­neh­me Sym­pto­me her­vor­ru­fen. Bei­spie­le sind:

  • Man­che Män­ner berich­ten von häu­fi­gem nächt­li­chem Was­ser­las­sen, star­kem Harn­drang und häu­fi­gem Was­ser­las­sen tags­über oder von unfrei­wil­li­gem Urin­ver­lust
  • Schmer­zen im Becken, wenn die Pro­sta­tas­tei­ne im Rah­men einer chro­ni­schen Pro­sta­ta­ent­zün­dung ent­ste­hen. Auch Schmer­zen im unte­ren Rücken, Penis oder Damm sind mög­lich.
  • Stö­rung der Bla­sen­ent­lee­rung: sel­ten bei sehr gro­ßen extrinsi­schen Pro­sta­tas­tei­nen im Gebiet der Harn­röh­re.
  • Harn­wegs­in­fek­tio­nen und Pro­sta­ta­ent­zün­dung: Bei­de Erkran­kun­gen bie­ten einen idea­len Nähr­bo­den für Bak­te­ri­en – dann kön­nen sich die Stei­ne durch die Kei­me infi­zie­ren. Außer­dem begüns­ti­gen die Bak­te­ri­en einen Ver­schluss der fei­nen Sekret­ka­näl­chen der Pro­sta­ta.

Stei­ne in der Pro­sta­ta kön­nen eini­ge Fol­gen nach sich zie­hen. For­scher dis­ku­tie­ren unter ande­rem Ein­bu­ßen bei der Sexu­al­funk­ti­on. Eine Stu­die fand zudem her­aus, dass die Pro­sta­tas­tei­ne die Wirk­sam­keit der anti­bak­te­ri­el­len Behand­lung bei einer chro­ni­schen Pro­sta­ta­ent­zün­dung ver­min­dern und die Hei­lungs­chan­cen ver­schlech­tern.

Prostatasteine: Diagnose beim Arzt

Pro­sta­tas­tei­ne kön­nen Ärz­te leicht dia­gnos­ti­zie­ren, zum Bei­spiel mit­tels Trans­rek­ta­lem Ultra­schall (TRUS) oder einer Com­pu­ter­to­mo­gra­fie (CT). Auch eine Rönt­gen­auf­nah­me der Nie­ren, Harn­röh­re und Harn­bla­se kann Stei­ne in der Pro­sta­ta sicht­bar machen. Aller­dings ent­deck­ten sie Ärz­te oft zufäl­lig im Rah­men die­ser Unter­su­chun­gen, die aus einem ganz ande­ren Grund statt­fin­den.

Prostatasteine behandeln – diese Möglichkeiten gibt es

Wenn Pro­sta­tas­tei­ne kei­ne Beschwer­den ver­ur­sa­chen, müs­sen Ärz­te sie auch nicht behan­deln. Manch­mal spült der Kör­per sie auch ein­fach mit dem Urin nach drau­ßen. Wenn Män­ner aller­dings Pro­ble­me beim Was­ser­las­sen haben oder Schmer­zen ver­spü­ren, ist eine Behand­lung rat­sam.

Prostatasteine behandeln
  • Medi­ka­men­te: Anti­bio­ti­ka hel­fen, wenn eine Infek­ti­on mit Bak­te­ri­en vor­liegt.
  • Pro­sta­tas­tei­ne ent­fer­nen durch eine Ope­ra­ti­on: Tran­sur­ethra­le Resek­ti­on der Pro­sta­ta (TURP) als Behand­lung bei einer Pro­sta­ta­ver­grö­ße­rung, tran­sur­ethra­le Elek­tro­re­sek­ti­on mit einer Schlin­ge oder die The­ra­pie mit einem Holi­um Laser. Die Pro­sta­tas­tei­ne zer­trüm­mern (wie bei Gal­len­stei­nen) oder sie auf­lö­sen kön­nen Ärz­te nicht.
Quellen
  • Jae Seog Hyun: Cli­ni­cal Signi­fi­can­ce of Pro­sta­tic Cal­cu­li: A Review. World J Mens Health. 2018 Jan; 36(1): 15–21. Publis­hed online 2017 Sep 25. doi: 10.5534/wjmh.17018. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5756803/
  • Bum­soo Park, Seol Ho Choo: The bur­den of pro­sta­tic cal­cu­li is more important than the pre­sence, Asi­an Jour­nal of Andro­lo­gy, Vol 19, 2017, http://www.ajandrology.com/article.asp?issn=1008–682X;year=2017;volume=19;issue=4;spage=482;epage=485;aulast=Park
  • Evan­ge­li­sches Kran­ken­haus Wit­ten: Uro News, Janu­ar 2011, https://www.evk-witten.de/files/3/17303-uronews_2011_01.pdf
  • Inter­na­tio­nal Socie­ty for Sexu­al Medi­ci­ne (ISSM), https://www.issm.info/sexual-health-qa/what-are-prostatic-calculi-prostate-stones/
  • Jun-Jie­Cao MD et. al. Pro­sta­tic Cal­cu­li: Do They Mat­ter? Sexu­al Medi­ci­ne Reviews, Volu­me 6, Issue 3, July 2018, Pages 482–491, https://doi.org/10.1016/j.sxmr.2017.10.003 , https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S2050052117301245?via%3Dihub
  • Usai D, Mari­tan L, Dal Sas­so G, Artio­li G, Sal­va­to­ri S, Jakob T, et al. (2017) Late Pleistocene/Early Holo­ce­ne Evi­dence of Pro­sta­tic Stones at Al Khi­day Ceme­tery, Cen­tral Sudan. PLoS ONE 12(1): e0169524. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0169524

Datum: 27.1.2020

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