Prostatakrebs: Neue Behandlung mit Laserfasern

Eine neue Behand­lung mit Laser­fa­sern könn­te Män­nern mit wenig aggres­si­vem Pro­sta­ta­krebs viel­leicht hel­fen. Dabei akti­viert Laser­licht ein Medi­ka­ment, wel­ches wie­der­um das Krebs­ge­we­be gezielt angreift und zer­stört. Das Ver­fah­ren soll scho­nend sein, sagen Ärz­te. Von Ingrid Mül­ler

Män­ner mit wenig aggres­si­vem Pro­sta­ta­krebs haben gute Chan­cen, dass ihr Krebs nicht so schnell wei­ter wächst. Für die­sen wenig bös­ar­ti­gen Pro­sta­ta­krebs gibt es der­zeit meh­re­re Behand­lungs­mög­lich­kei­ten, die unter­schied­lich radi­kal aus­fal­len: die kom­plet­te Ent­fer­nung der Pro­sta­ta durch eine Ope­ra­ti­on (radi­ka­le Pro­sta­tek­to­mie), die Strah­len­the­ra­pie von innen oder außen und die akti­ve Über­wa­chung des Tumor (Active Sur­veil­lan­ce).

Jetzt bekom­men Män­ner mit frü­hem Pro­statakar­zi­nom viel­leicht noch eine wei­te­re The­ra­pie­op­ti­on. Sie funk­tio­niert mini­mal­in­va­siv, kommt also ohne gro­ße Schnit­te aus: Das soge­nann­te Too­kad-Ver­fah­ren arbei­tet mit einem licht­emp­find­li­chen Medi­ka­ment und Laser­licht. Die Beson­der­heit ist, dass die Metho­de nur an jenen Stel­len der Pro­sta­ta ansetzt, die der Krebs tat­säch­lich befal­len hat. Gesun­des Gewe­be bleibt dage­gen weit­ge­hend ver­schont. Ärz­te vom Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum Carl Gus­tav Carus Dres­den haben es jetzt erst­mals in der kli­ni­schen Pra­xis und nicht mehr im Rah­men von Stu­di­en ange­wen­det. Zu beach­ten ist, dass die neue Behand­lung nicht in die aktua­li­sier­ten medi­zi­ni­schen Leit­li­ni­en zur Behand­lung von Pro­sta­ta­krebs auf­ge­nom­men ist und die Kran­ken­kas­sen die Kos­ten für die The­ra­pie dehalb nicht über­neh­men.

Mit Laser gegen Prostatakrebs im Frühstadium

Das Laser­ver­fah­ren zählt zu den soge­nann­ten Pho­to­dy­na­mi­schen The­ra­pi­en, die Ärz­te zum Bei­spiel auch bei bestimm­ten Haut­krebs­for­men anwen­den. Ein wich­ti­ger Teil der neu­en Krebs­be­hand­lung ist der licht­emp­find­li­che Wirk­stoff Pade­li­por­fin, den der Ope­ra­teur in die Venen inji­ziert. Der Wirk­stoff der Arz­nei lei­tet sich vom Chlo­ro­phyll (grü­ner Pflan­zen­farb­stoff) spe­zi­el­ler Tief­see­bak­te­ri­en ab. Anschlie­ßend „spickt“ der Arzt das Krebs­ge­we­be der Pro­sta­ta über den Damm mit win­zi­gen Laser­fa­sern. An die­sen Fasern ent­lang schickt er Laser­licht, wel­ches den Wirk­stoff akti­viert. Das Medi­ka­ment zer­stört dann die Gefä­ße, schnei­det die Blut­zu­fuhr ab und lässt das Krebs­ge­we­be abster­ben.

Tookad: Der Arzt bringt die Laserfasern in ein Steuerungselement ein

Too­kad: Der Arzt bringt die Laser­fa­sern in ein Steue­rungs­ele­ment ein © Tho­mas Albrecht/Uniklinium Dres­den

Die Ope­ra­ti­on dau­ert etwa andert­halb Stun­den, die Laser­be­hand­lung selbst rund 20 Minu­ten. Weil die Behand­lung mit Laser­fa­sern kaum Neben­wir­kun­gen habe, könn­ten Män­ner meist am drit­ten Tag nach Hau­se gehen, ver­spre­chen die Dres­de­ner Ärz­te. Neun bis zwölf Mona­te nach der OP prü­fen sie durch eine Biop­sie, wie es um den Gesund­heits­zu­stand des ver­blie­be­nen Pro­sta­ta­ge­we­bes bestellt ist. Sie tes­ten, ob noch Krebs­zel­len nach­weis­bar sind oder nicht.

Risikoarmer Prostatakrebs, risikoarme Behandlung

Pati­en­ten in Deutsch­land mit einem Nied­rig-Risi­ko-Pro­statakar­zi­nom kön­nen wir jetzt auch risi­ko­arm behan­deln“, betont Prof. Man­fred Wirth, der die Ope­ra­ti­on mit sei­nem Team durch­ge­führt hat. Gra­vie­ren­de Ein­grif­fe wie die Bestrah­lung des Tumors oder eine radi­ka­le Pro­sta­tek­to­mie sei­en mit erheb­li­chen Neben­wir­kun­gen wie der Harn­in­kon­ti­nenz oder Erek­ti­ler Dys­funk­ti­on ver­bun­den. Erst kürz­lich deck­te eine Stu­die auf, dass der Schutz der Sexu­al­funk­ti­on bei vie­len Män­nern zwar Prio­ri­tät hat, sie aber den­noch rabia­te Behand­lun­gen wäh­len. „Beim Too­kad-Ver­fah­ren tritt kei­ne Inkon­ti­nenz auf. Auch Ein­schrän­kun­gen der Potenz sind sehr sel­ten“, erklärt Wirth.

Die akti­ve Über­wa­chung des Pro­sta­ta­kreb­ses gilt zwar eben­falls als scho­nend, weil sie kei­ne kör­per­li­chen Neben­wir­kun­gen ver­ur­sacht. Wohl aber sorgt sie für Stress und beein­flusst die See­le man­cher Män­ner. „Regel­mä­ßi­ge ärzt­li­che Kon­trol­len ohne the­ra­peu­ti­schen Ein­griff belas­ten vie­le Pati­en­ten fort­wäh­rend psy­chisch“, weiß Krebs­spe­zia­list Wirth.

Lasertherapie derzeit nicht gegen jeden Prostatakrebs

Die Laser­me­tho­de für Män­ner mit Pro­sta­ta­krebs im Früh­sta­di­um ist noch rela­tiv neu. Erst vor zwei Jah­ren ent­wi­ckel­ten sie Wis­sen­schaft­ler vom israe­li­schen Weiz­mann-Insti­tut in Reho­vot. Eine klei­ne Stu­die mit weni­gen Pati­en­ten an meh­re­ren euro­päi­schen Krebs­zen­tren ergab, dass die Behand­lung bei wenig aggres­si­vem Pro­sta­ta­krebs gut wirk­sam ist. Die For­scher hat­ten das Laser­ver­fah­ren dabei mit der akti­ven Über­wa­chung ver­gli­chen.

197 Pati­en­ten erhiel­ten in der Stu­die eine Laser­be­hand­lung und das licht­emp­find­li­che Medi­ka­ment, wäh­rend der Krebs bei 207 Män­ner aktiv kon­trol­liert wur­de. Zwei Jah­re spä­ter zeig­te sich fol­gen­des Bild: Von 80 Män­ner mit Krebs in nur einem Pro­sta­ta­l­ap­pen hat­ten 52 (65 Pro­zent) eine nega­ti­ve Biop­sie (kein Krebs nach­weis­bar), wenn sie den Laser­fa­sern behan­delt wor­den waren. Bei der akti­ven Über­wa­chung waren es dage­gen nur elf von 78 Pati­en­ten (14,1 Pro­zent). Auch der Anteil der Män­ner, bei denen der Pro­sta­ta­krebs fort­schritt, war in der Laser­grup­pe nur halb so groß wie bei der akti­ven Über­wa­chung: 27 von 80 Pati­en­ten (33,8 Pro­zent) ver­sus 53 von 78 Pati­en­ten (67,9 Pro­zent).

Die Laser­be­hand­lung steht aber der­zeit nur Män­nern mit wenig gefähr­li­chem Pro­sta­ta­krebs offen. Im Rah­men neu­er Stu­di­en wol­len Medi­zi­ner des­halb die Anwen­dungs­fel­der der neu­en Ope­ra­ti­ons­tech­nik aus­wei­ten. So könn­ten womög­lich zukünf­tig auch Män­ner mit ris­kan­te­rem Pro­sta­ta­krebs vom neu­en Ver­fah­ren pro­fi­tie­ren.

Quel­len:

  • Pres­se­mit­tei­lung des Uni­kli­ni­kum Dres­den, https://www.uniklinikum-dresden.de, 4. Mai 2018
  • Bun­des­in­sti­tut für Arz­nei­mit­tel und Medi­zin­pro­duk­te (BfArM), „TOOKAD (Pade­li­por­fin) Pati­en­ten­leit­fa­den“, https://www.bfarm.de, März 2018
Datum: 14.5.2018
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