Bewegungstraining zuhause: »Mit Laptop im Garten«

Das Coro­na­vi­rus zwingt Men­schen über­all auf der Welt, daheim zu blei­ben. Doch was ist mit Krebs­pa­ti­en­ten, die mit der Initia­ti­ve Out­door against Can­cer (OaC) nor­ma­ler­wei­se Ber­ge erklim­men? Die Grün­de­rin, Petra Thal­ler, erklärt im Inter­view, war­um das Video-Trai­ning eine gute Alter­na­ti­ve ist, bis die Frei­heit zurück­kommt. Von Ingrid Mül­ler

Frau Thaller, Sie haben wegen des Coronavirus die Berge und grünen Wiesen gegen Indoor und Sportmatte eingetauscht. Ihr Motto heißt jetzt: OACatHome – Outdoor against Cancer, aber daheim.
Prostata Hilfe Deutschland: Foto von Petra Thaller

Petra Thal­ler, Grün­de­rin von Out­door against Can­cer © Clau­dia Zieg­ler

Die Coro­na-Kri­se kam ja schnell und uner­war­tet, auch für uns. Nie­mand hat es für mög­lich gehal­ten, dass ein Virus ein gan­zes Land lahm­le­gen kann. Wir muss­ten also alle Out­door-Ter­mi­ne der nächs­ten Wochen und Mona­te absa­gen und uns etwas Neu­es ein­fal­len las­sen, näm­lich OACa­tHome. Der­zeit ist es ein­fach nicht mög­lich, mit vie­len Men­schen, die sich noch dazu nicht ken­nen, drau­ßen zu sein, in den Ber­gen zu wan­dern, zu segeln oder in ent­fern­te­re Regio­nen zu unse­ren Camps zu rei­sen. Es ist lei­der ver­bo­ten, und ver­mut­lich wird das auch noch eine gan­ze Wei­le so blei­ben.

Wir möch­ten aber Krebs­pa­ti­en­ten, ihre Fami­li­en und Freun­de in Zei­ten von Coro­na nicht allei­ne las­sen. Wir alle kön­nen uns doch gut aus­ma­len, wie das ist: Krebs zu haben, und dann allei­ne in den eige­nen vier Wän­den zu sit­zen und kaum raus zu kön­nen. Also haben wir uns im Team über­legt, wie wir krebs­kran­ke Men­schen jetzt über­haupt errei­chen kön­nen und was ihnen hel­fen könn­te. So ent­stand die Idee, Vide­os zu dre­hen und unser Bewe­gungs- und Sport­an­ge­bot über das Bewegt­bild zu trans­por­tie­ren. Die Vide­os sol­len eine Berei­che­rung für die­se Kri­sen­zeit sein. Und so wie es aus­sieht, gelingt uns das auch.

Sie haben das Indoor-Training sehr kurzfristig auf die Beine gestellt. Wie haben Sie es gemacht?

Für mich war das rela­tiv ein­fach. Der Vater mei­ner Kin­der, Jür­gen G. Thal­ler, ist Regis­seur für gro­ße Live-Events und ver­fügt über ein hoch­pro­fes­sio­nel­les Netz­werk aus Kame­ra­leu­ten, Cut­tern und ande­ren. Unser Sohn Joshua stu­diert Sport­wis­sen­schaf­ten und anfäng­lich nut­zen wir ein­fach unser Büro – schon ging es los. Wir sind jetzt fast ein ‚Fami­li­en­be­trieb‘.

Petra und Joshua Thal­ler mit Kame­ra­mann Roman Knoll

Der Satz, dass in der Krise eine Chance liege, wird ja derzeit oft zitiert.

Ja, er klingt zwar viel­leicht ein wenig abge­dro­schen, stimmt aber oft. Wenn man sei­nen Kopf und die Gedan­ken in Bewe­gung setzt, sind Din­ge mög­lich, an die man zuvor nicht im Ent­fern­tes­ten gedacht hat. Wie­so soll­te man auch? Kaum einer wür­de wohl frei­wil­lig eine Berg­ku­lis­se gegen ein Zim­mer ein­tau­schen wol­len. Aber Bewe­gung kann auch zuhau­se Freu­de machen, ein gutes Gefühl ver­mit­teln und fit hal­ten. Die Coro­na-Kri­se hat uns auch gezeigt, wie wir Men­schen in den ent­le­gens­ten Ecken der Repu­blik errei­chen kön­nen. Somit nut­zen wir die­se Kri­se als Chan­ce. Auch danach wer­den wir wei­ter­hin Vide­os anbie­ten.

Zunächst haben Sie sich alleine vor die Kamera gestellt und einfach losgeturnt.

Es ist zwar schon eine Zeit lang her, aber ich habe aus­rei­chend Erfah­rung vor der Kame­ra. Also fiel mir das nicht so schwer. Man darf sich halt nicht zu scha­de sein dafür, braucht ein biss­chen Mut und soll­te sich nicht stän­dig fra­gen, wie das jetzt wohl aus­sieht. Außer­dem ist ein Bewe­gungs­trai­ning ja kein Bier­ernst. Es wird auch gelacht vor der Kame­ra. Vor allem, wenn mal etwas nicht hun­dert­pro­zen­tig klappt.

Petra Thal­ler: Ganz­kör­per-Work­out mit Ein­satz

Man kann den Leu­ten so ver­mit­teln, dass es um den Spaß an der Bewe­gung geht und sie auf die­se Wei­se moti­vie­ren. Ich habe mir aller­dings ziem­lich schnell auch einen renom­mier­ten Sport- und Bewe­gungs­pro­fi an die Sei­te geholt, Hape Mei­er. Er ist stän­di­ger Lehr­be­auf­trag­ter und Phy­sio­the­ra­peut beim Deut­schen Olym­pi­schen Sport­bund, kennt sich also bes­tens aus. Noch nie habe ich jeman­den ken­nen­ge­lernt, der so viel von der Mate­rie Sport und Bewe­gung ver­steht wie er.

Ist es nicht ein bisschen einsam – für Sie vor einer Kamera und für das Gegenüber vor dem PC?

So ein­sam ist das für mich nicht, und hof­fent­lich dann auch nicht mehr für die Zuse­her. Sie kön­nen sich mit Freun­den und der Fami­lie auch unab­hän­gig von der geo­gra­fi­schen Ent­fer­nung über Zoom oder Sky­pe zum Spor­teln ver­ab­re­den. ‚Nähe trotz Distanz‘, so lau­tet ja die Devi­se in der Coro­na-Kri­se. Wir alle leben der­zeit in einer Aus­nah­me­si­tua­ti­on, in der wir uns erst ein­mal zurecht­fin­den und umden­ken müs­sen. Kei­ner von uns konn­te sich das vor­stel­len, dass wir wochen­lang nicht unse­rer Wege gehen dür­fen.

Mobil und beweg­lich wer­den … auch in den eige­nen vier Wän­den.

Diese Unfreiheit und das Gefühl des Eingesperrtseins setzen vielen Menschen am meisten zu.

Ja, das größ­te Pro­blem ist das Kaser­nie­ren. Vie­le Men­schen haben kei­ne Anspra­che mehr und sind sozi­al iso­liert. Auch das schwächt übri­gens das Immun­sys­tem, ver­stärkt Depres­sio­nen und ver­ur­sacht Stress. Das ist nicht nur bei einer Krebs­er­kran­kung kon­tra­pro­duk­tiv, son­dern für alle Men­schen. Natür­lich wür­de auch ich lie­ber raus­fah­ren und auf den Berg stei­gen. Aber mit den Vide­os lässt sich der Zeit­raum doch gut über­brü­cken, bis die­se Frei­hei­ten wie­der mög­lich sind.

Was können Krebspatienten denn in den Videos sehen und lernen?

Wir pro­du­zie­ren Inhal­te zu ganz ver­schie­de­nen The­men: Bewe­gung, Sport, Psy­cho-Edu­ca­ti­on und Talks mit Spe­zia­lis­ten. Es gibt Trai­nings zur Kräf­ti­gung, Mobi­li­sa­ti­on und Sti­mu­la­ti­on des Immun­sys­tems. Die Psy­cho-Edu­ca­ti­on ver­mit­telt Wis­sen über psy­chi­sche Belan­ge und in Exper­ten-Talks geht es um sport­wis­sen­schaft­li­che Fak­ten. Die Inhal­te sind fun­diert auf­ge­setzt. Jede Woche – mon­tags und frei­tags – stel­len wir zwei neue Vide­os live auf unse­re Web­sei­te. Und es gibt einen Wochen-Trai­nings­plan, mit dem die Nut­zer sehr ein­fach ein sinn­vol­les Trai­ning pla­nen kön­nen – mit und ohne Krebs.

Trai­ning mit Kevin und Hele­na, Sport­wis­sen­schaft­le­rIn und Psy­cho­on­ko­log­eIn

Wenn Sie Outdoor mit Indoor vergleichen würden – die größten Unterschiede?

Die lie­gen eigent­lich schon auf der Hand. Posi­tiv an der Indoor-Bewe­gung ist, dass wirk­lich jeder mit­ma­chen kann – von der Fami­lie bis hin zur Freun­den. Und nie­mand muss lan­ge anrei­sen. Er kann üben, wann und wo er will, die Vide­os belie­big oft abru­fen und ein­fach wei­ter trai­nie­ren, wenn er Lust hat. Fri­sche Luft haben Sie übri­gens auch am Fens­ter, auf dem Bal­kon oder im Gar­ten. Ein Teil­neh­mer erzähl­te mir, dass er sei­nen Lap­top auf den Rasen gestellt und dort geübt hat. Das geht! Aber einen Vit­amin-D-Schub wie durch das UV-Licht im Frei­en krie­gen Sie natür­lich nicht, wenn Sie im Zim­mer tur­nen – selbst am offe­nen Fens­ter nicht.

Sie würden gerne noch mehr Menschen beweglicher machen – Krebskranke, Angehörige, Freunde. Ihre Ideen dafür?

Anfangs haben wir die Vide­os nur im klei­nen Rah­men gedreht. Aber dann kamen immer mehr Anfra­gen, ob wir das nicht auch grö­ßer auf­zie­hen könn­ten. Es gibt jetzt schon eng­li­sche Tran­skrip­te der Vide­os und wei­te­re Spra­chen wer­den noch kom­men – ita­lie­nisch, grie­chisch und unga­risch. Ver­su­chen Sie mal, als Krebs­pa­ti­ent in Ungarn ein the­ra­pie­be­glei­ten­des Sport­an­ge­bot zu bekom­men – es ist unmög­lich. Wir wei­ten die Idee also auf ver­schie­de­ne euro­päi­sche Län­der aus und errei­chen so auch deut­lich mehr Men­schen als mit den Bewe­gungs­trai­nings vor Ort.

Ein Blick in die Zukunft: Wann kehren Sie in die Berge zurück?

Ich hof­fe, bald! Aber sagen kann ich natür­lich es nicht. Einen Coro­na-Fall bei unse­ren Krebs­pa­ti­en­ten kön­nen wir auf kei­nen Fall ris­kie­ren. Wir müs­sen uns also noch gedul­den. Aber digi­tal sind wir jetzt jeden­falls bes­tens auf­ge­stellt, wenn die Coro­na-Kri­se über­stan­den ist.

Outdoor against Cancer (OAC) – alle Infos

Outdoor against Cancer LogoAlle Infor­ma­tio­nen über die Initia­ti­ve Out­door against Can­cer (OAC), die Trai­nings per Video und Exper­ten-Inter­views fin­den Sie auf die­ser Web­sei­te.

Datum: 20.5.2020

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