Zweitmeinung bei Prostatakrebs – Tipps und Hilfe

Eine ärzt­li­che Zweit­mei­nung ist für Krebs­pa­ti­en­ten oft hilf­reich, weil sie tief­grei­fen­de Ent­schei­dun­gen über ihre Behand­lun­gen tref­fen müs­sen. Wer hilft Ihnen beim Ein­ho­len der Zweit­mei­nung und wie gehen Sie vor? Außer­dem: Die Deut­sche Krebs­ge­sell­schaft bie­tet ein neu­es Zweit­mei­nungs­por­tal für Män­ner mit Pro­sta­ta­krebs. Von Ingrid Mül­ler

Eine ärzt­li­che Zweit­mei­nung kann Krebs­pa­ti­en­ten dabei hel­fen, mehr Licht in die The­ra­pie­vor­schlä­ge zu brin­gen. Denn nach der Dia­gno­se Pro­sta­ta­krebs tür­men sich wohl für die meis­ten Män­ner eini­ge Fra­gen auf: Soll ich wirk­lich eine Ope­ra­ti­on durch­füh­ren las­sen? Ist die Strah­len­the­ra­pie eine Alter­na­ti­ve zur radi­ka­len Pro­sta­tek­to­mie? Oder soll ich bes­ser mit der The­ra­pie abwar­ten und den Pro­sta­ta­krebs aktiv über­wa­chen las­sen? Dass Pati­en­ten sogar ein Recht auf eine unab­hän­gi­ge Zweit­mei­nung haben, wis­sen vie­le noch gar nicht. Dabei ist die­ses seit dem Jahr 2016 im Sozi­al­ge­setz fest­ge­schrie­ben. Wer eine schwer­wie­gen­de Dia­gno­se wie Pro­sta­ta­krebs erhal­ten hat und ver­schie­de­ne Krebs­be­hand­lun­gen durch­lau­fen soll, darf einen zwei­ten Arzt zu den The­ra­pie­vor­schlä­gen des behan­deln­den Arz­tes befra­gen.

Ärzte helfen Ihnen beim Einholen der Zweitmeinung

Wenn Sie sich eine Zweit­mei­nung ein­hol­ten, ist dies kein Miss­trau­en gegen­über dem ers­ten Arzt, son­dern hilft Ihnen bei der Ent­schei­dungs­fin­dung. Sie gewin­nen Sicher­heit dar­über, ob Ope­ra­ti­on, Che­mo­the­ra­pie und Bestrah­lung die rich­ti­ge Wahl ist und wel­che ande­ren Behand­lungs­mög­lich­kei­ten womög­lich in Fra­ge kom­men. Ihr behan­deln­der Arzt muss Sie über die­ses Recht auf­klä­ren und Sie dabei unter­stüt­zen, die­se Zweit­mei­nung auch zu bekom­men. Die meis­ten Ärz­te haben viel Ver­ständ­nis dafür. Sie lei­ten sämt­li­che Unter­la­gen wie Befun­de, Labor­wer­te und Bil­der digi­tal an jene Ärz­te wei­ter, wel­che die zwei­te Mei­nung erstel­len sol­len.

Zweitmeinung bei Prostatakrebs – wer hilft weiter?

Der Krebs­in­for­ma­ti­ons­dienst des Deut­schen Krebs­for­schungs­zen­trum (DKFZ) hilft Ihnen bei Vor­ge­hen und unter­stützt Sie bei der Suche nach geeig­ne­ten Ansprech­part­nern, zum Bei­spiel spe­zia­li­sier­te Ärz­ten oder Zen­tren. Das DKFZ erstellt jedoch selbst kei­ne Zweit­mei­nung. Auch Ihr behan­deln­den Arzt kann Ihnen womög­lich einen kom­pe­ten­ten Ansprech­part­ner ver­mit­teln.

Zweitmeinung einholen – Schritt für Schritt

Für das Ein­ho­len einer Zweit­mei­nung müs­sen Sie bestimm­te Din­ge beach­ten:

  • Sie benö­ti­gen eine Über­wei­sung des Arz­tes sowie Ihre voll­stän­di­gen Kran­ken­un­ter­la­gen.
  • Meist genü­gen den Ärz­ten die Unter­la­gen allei­ne nicht und Sie müs­sen zusätz­lich einen Besuchs­ter­min vor Ort ver­ein­ba­ren.
  • Meist erstat­ten die Kran­ken­kas­sen die Kos­ten für die Zweit­mei­nung – fra­gen Sie sicher­heits­hal­ber vor­her bei Ihrer Ver­si­che­rung nach.
  • Eini­ge gesetz­li­che und pri­va­te Kas­sen bie­ten spe­zi­el­le Ser­vices für das Ein­ho­len einer Zweit­mei­nung – fra­gen Sie auch hier nach.

Zweitmeinung – neues Webangebot der Deutschen Krebsgesellschaft

Die Deut­sche Krebs­ge­sell­schaft (DGK) hat ein neu­es Pilot­pro­jekt gestar­tet, bei dem sich Pati­en­ten mit Pro­sta­ta­krebs, aber auch mit Darm­krebs eine Zweit­mei­nung ein­ho­len kön­nen. Geber der Zweit­mei­nung sind Zen­tren, die eine Zer­ti­fi­zie­rung der Deut­schen Krebs­ge­sell­schaft besit­zen. Seit dem 1. April 2019 kön­nen Sie sich über das Zweit­mei­nungs­por­tal www.krebszweitmeinung.de an rund 40 Pro­sta­ta­krebs­zen­tren (und 140 Darm­krebs­zen­tren) wen­den. Das Health Care Unter­neh­men HMO AG stellt den Ser­vice zur Ver­fü­gung.

Das Por­tal ver­mit­telt den Kon­takt zu den DKG-zer­ti­fi­zier­ten Zen­tren und betreut Sie orga­ni­sa­to­risch beim Ein­ho­len der Zweit­mei­nung. Krebs­pa­ti­en­ten kön­nen zwi­schen zwei Mög­lich­kei­ten wäh­len:

Digital oder vor Ort
  1. Ärz­te beur­tei­len Ihren Fall allein auf­grund der über­mit­tel­ten Bil­der und Befun­de.
  2. Sie kön­nen das zer­ti­fi­zier­te Zen­trum zusätz­lich per­sön­lich besu­chen und mit den Fach­leu­ten vor Ort spre­chen.

Die Zweit­mei­nung erstel­len Krebs­spe­zia­lis­ten, indem Sie Ihren Fall in einer inter­dis­zi­pli­nä­ren Tumor­kon­fe­renz bespre­chen. Dabei arbei­ten Ärz­te ver­schie­dens­ter Fach­rich­tun­gen eng zusam­men, zum Bei­spiel Chir­ur­gen, Onko­lo­gen, Radio­lo­gen und Patho­lo­gen. Wenn alle Doku­men­te voll­stän­dig sind, erhal­ten Sie den zwei­ten ärzt­li­chen Rat­schlag inner­halb von acht Tagen. Die DKG wer­ten den gesam­ten Zweit­mei­nungs­ser­vice nach dem Abschluss des Pilot­pro­jekts wis­sen­schaft­lich aus. 

Zweitmeinung von zertifizierten Zentren – für alle

Wich­tig ist die­ser Ser­vice beson­ders für Krebs­pa­ti­en­ten, die sich außer­halb von zer­ti­fi­zier­ten Zen­tren behan­deln las­sen (müs­sen). Zum Bei­spiel, weil es kein sol­ches Zen­trum in der Nähe ihre Wohn­or­tes gibt. Sie haben so die Chan­ce, sich eine qua­li­fi­zier­te Zweit­mei­nung durch ein inter­dis­zi­pli­när besetz­tes Tumor­board ein­zu­ho­len. Doch auch Krebs­pa­ti­en­ten, die schon eine The­ra­pie­emp­feh­lung von einem zer­ti­fi­zier­ten Zen­trum erhal­ten haben, wün­schen sich manch­mal, die­sen Vor­schlag wei­ter abklä­ren zu las­sen. „Das gilt vor allem bei kom­ple­xen Krank­heits­bil­dern, oder wenn, wie etwa in den frühen Sta­di­en eines Pro­statakar­zi­noms, ver­schie­de­ne The­ra­pie­op­tio­nen mög­lich sind und die Ent­schei­dung schwer fällt“, erklärt Prof. Thors­ten Schlomm, Uro­lo­ge und Lei­ter des DKG-zer­ti­fi­zier­ten Pro­statakar­zi­nom­zen­trums der Cha­rité Uni­ver­si­täts­me­di­zin Ber­lin.

Wir freu­en uns, dass Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten künf­tig auf die zer­ti­fi­zier­ten Zen­tren als qua­li­fi­zier­te Zweit­mei­nungs­ge­ber zurück­grei­fen kön­nen. Dabei hof­fen wir sehr auf eine brei­te Unter­stüt­zung durch die Kran­ken­kas­sen.“ Denn: Auch wenn vie­le gesetz­li­che und pri­va­te Kran­ken­kas­sen eine ärzt­li­che Zweit­mei­nung bei Krebs­pa­ti­en­ten bezah­len – gesetz­lich ver­pflich­tet sind sie dazu nicht. Fra­gen Sie also immer vor­her bei ihrer Kran­ken­kas­se nach, ob sie die Kos­ten dafür über­nimmt.

Bundesbürger finden die Zweitmeinung wichtig, vor allem bei Krebs

Dass die Zweit­mei­nung für Pati­en­ten eine gute Sache ist, zeig­te eine reprä­sen­ta­ti­ve Umfra­ge der Bar­mer GEK und der Ber­tels­mann Stif­tung unter knapp 1.600 Per­so­nen aus dem Jahr 2016.

So finden Bundesbürger die Zweitmeinung
  • Etwa 25 Pro­zent der Bun­des­bür­ger haben schon kon­kre­te Erfah­run­gen mit einer ärzt­li­chen Zweit­mei­nung gemacht.
  • 72 Pro­zent der Men­schen, die sich eine Zweit­mei­nung ein­ge­holt haben, änder­ten danach ihre ursprüng­li­che Behand­lungs­ent­schei­dung ganz oder teil­wei­se.
  • 89 Pro­zent der Befrag­ten hiel­ten es grund­sätz­lich für sinn­voll, vor wich­ti­gen Unter­su­chun­gen und Behand­lun­gen eine Zweit­mei­nung ein­zu­ho­len.
  • Als beson­ders wich­tig stuf­ten die Bun­des­bür­ger die Zweit­mei­nung bei Krebs­er­kran­kun­gen, aber auch bei Ope­ra­tio­nen (Kno­chen, Gelen­ke, inne­re Orga­ne) oder Unter­su­chun­gen wie einem Herz­ka­the­ter ein.

Was sind zertifizierte Krebszentren?

Für eine Zer­ti­fi­zie­rung unter­zie­hen sich die Krebs­zen­tren frei­wil­lig einer stren­gen Qua­li­täts­kon­trol­le. Die meis­ten Anfor­de­run­gen für die Zer­ti­fi­zie­rung lei­ten sich aus den Emp­feh­lun­gen der aktu­ell gel­ten­den onko­lo­gi­schen Leit­li­ni­en ab. So ist sicher­ge­stellt, dass das aktu­ell ver­füg­ba­re medi­zi­ni­sche Wis­sen in die The­ra­pie­ent­schei­dung ein­fließt.

Ins­ge­samt haben rund 1.000 Krebs­zen­tren in mehr als 440 Kran­ken­häu­sern ein DGK-Zer­ti­fi­kat. Rund 40 Pro­zent aller Pati­en­ten, die erst­mals die Dia­gno­se Krebs erhal­ten,  wer­den an einem DKG-zer­ti­fi­zier­ten Zen­trum behan­delt. Ver­schie­de­ne Stu­di­en zeig­ten, dass sich die dor­ti­ge Behand­lung auch auf die Über­le­bens­ra­te aus­wirkt. So sei das Gesamt­über­le­ben der Pati­en­ten an zer­ti­fi­zier­ten Darm­krebs­zen­tren sta­tis­tisch gese­hen deut­lich höher als an jenen ohne Zer­ti­fi­kat, schreibt die DKG.

Quellen

Quel­len:

  • Deut­sche Krebs­ge­sell­schaft (DKG): Deut­sche Krebs­ge­sell­schaft star­tet Pilot­pro­jekt zur ärzt­li­chen Zweit­mei­nung, Pres­se­mit­tei­lung vom 28.3.2019, https://idw-online.de/de/news713026
  • HMO AG, https://krebszweitmeinung.de/ (Abruf: 29.3.2019)
  • Bar­mer GEK, https://www.barmer.de/presse/presseinformationen/pressemitteilungen/pressearchiv-2016/aerztliche-zweitmeinung-36794 (Abruf 29.3.2019)

Datum: 6.4.2019

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