Magnetfeldtherapie: Hilfe bei Prostatavergrößerung?

Mit der gut­ar­ti­gen Pro­sta­ta­ver­grö­ße­rung bekom­men fast alle Män­ner irgend­wann zu tun. Sie müs­sen stän­dig nachts raus und haben Pro­ble­me beim Was­ser­las­sen. Abhil­fe schaf­fen könn­te die Magnet­feld­the­ra­pie, die Män­ner selbst anwen­den kön­nen, berich­ten ita­lie­ni­sche For­scher. Von Ingrid Mül­ler

Die gut­ar­ti­ge Pro­sta­ta­ver­grö­ße­rung betrifft bei­na­he jeden Mann im Lauf sei­nes Lebens. Etwa ab dem 50. Lebens­jahr beginnt die Vor­ste­her­drü­se zu wach­sen. War­um sie das tut, ist noch nicht genau bekannt. Ärz­te haben ver­schie­de­ne Mög­lich­kei­ten, um die ver­grö­ßer­te Pro­sta­ta wie­der schrump­fen zu las­sen – von Medi­ka­men­ten bis hin zum Abtra­gen des Gewe­bes mit Laser oder dem Skal­pell.

Jetzt tes­te­ten For­scher der ita­lie­ni­schen Uni­ver­si­tät Sapi­en­za in Rom eine neue Art der Behand­lung: Män­ner soll­ten ihre ver­grö­ßer­te Pro­sta­ta selbst mit einer Magnet­feld­the­ra­pie behan­deln. Die­se funk­tio­niert mit pul­sie­ren­den elek­tro­ma­gne­ti­schen Fel­dern (PEMF) und ist nicht-inva­siv, kommt also ohne eine chir­ur­gi­sche Behand­lung aus. Nach vier Wochen ver­klei­ner­te sich die Pro­sta­ta der Män­ner wie­der. Auch die unan­ge­neh­men Sym­pto­me der gut­ar­ti­gen Pro­sta­ta­hy­per­pla­sie (BHP), mit denen die Män­ner zu kämp­fen hat­ten, nah­men ab. Ihre Ergeb­nis­se ver­öf­fent­lich­ten die For­scher im renom­mier­ten Fach­blatt „Andro­lo­gy“.

Prostatavergrößerung: Blutuntersuchung, TRUS und Fragen beantworten

An der klei­nen Pilot­stu­die nah­men 27 Män­ner mit einer gut­ar­ti­gen Pro­sta­ta­ver­grö­ße­rung teil. Sie lit­ten unter Sym­pto­men des unte­ren Harn­trakts (lower uri­na­ry tract sym­ptoms = LUTS). Im Schnitt waren sie 67 Jah­re alt und hat­ten noch kei­ne Behand­lung wegen ihrer Pro­sta­ta­ver­grö­ße­rung erhal­ten.

Zu Beginn der Stu­die führ­ten die Ärz­te um Dr. Mar­ta Tenuta eine Blut­un­ter­su­chung durch, bei der sie unter ande­rem ver­schie­de­ne Ent­zün­dungs­wer­te bestimm­ten. Mit Hil­fe des trans­rek­ta­len Ultra­schalls (TRUS) ermit­tel­ten sie außer­dem die Grö­ße der Pro­sta­ta. Durch­schnitt­lich lag das Volu­men der Vor­ste­her­drü­se bei 44,5 Mil­li­li­ter.

Außer­dem muss­ten die Män­ner einen stan­dar­di­sier­ten Fra­ge­bo­gen beant­wor­ten, in dem sie Aus­kunft über die Art und Inten­si­tät ihrer Beschwer­den, aber auch zu Ihrer Lebens­qua­li­tät gaben. Ein­ge­setzt wur­de der „Inter­na­tio­nal Pro­sta­te Sym­ptom Score“ (IPSS). Er umfasst acht Fra­gen und ver­gibt ver­schie­de­ne Punkt­zah­len. Ein Wert von 0 bis 7 bedeu­tet leich­te Sym­pto­me, 8 bis 19 mode­ra­te Beschwer­den und 20 bis 35 schwe­re Sym­pto­me. Im Schnitt erreich­ten die Män­ner 11 Punk­te.

Prostatavergrößerung? Der Selbstcheck!

Die Deut­sche Gesell­schaft für Uro­lo­gie e.V. (DGU) bie­tet den IPSS-Selbst­test zur Pro­sta­ta­ver­grö­ße­rung an »»

 

Magnetfeldtherapie mit einem PEFM-Generator

Dann beka­men sie ein klei­nes, trag­ba­res Gerät aus­ge­hän­digt – den PEMF-Gene­ra­tor. Die­ser erzeugt pul­sie­ren­de, elek­tro­ma­gne­ti­sche Fel­der. Jeden Tag soll­ten sie das Gerät mor­gens und abends für fünf Minu­ten an ihrem Damm anwen­den, und zwar 28 Tage lang. „Die Män­ner waren sehr zufrie­den mit die­sem ein­fa­chen Behand­lungs­plan“, erklärt Andrea Isi­do­ri, einer der Stu­di­en­au­toren. Danach führ­ten die For­scher alle vor­he­ri­gen Tests und Unter­su­chun­gen noch­mals durch.

Neun Män­ner wen­de­ten jetzt die Magnet­feld­the­ra­pie für wei­te­re drei Mona­te an. 15 Män­ner unter­nah­men dage­gen nichts mehr gegen ihre Pro­sta­ta­ver­grö­ße­rung und dien­ten als Kon­troll­grup­pe. Die For­scher wer­te­ten die Ergeb­nis­se über einen Zeit­raum von vier Mona­ten aus.

Magnetfeldtherapie: kleinere Prostata – weniger Symptome

Nach einer vier­wö­chi­gen Behand­lung mit der Magnet­feld­the­ra­pie war die Pro­sta­ta im Schnitt auf 42,1 Mil­li­li­ter geschrumpft, also um 2,4 Mil­li­li­ter. Auch die Sym­pto­me hat­ten sich gebes­sert und der IPSS-Wert sank leicht um 1 Punkt auf durch­schnitt­lich 10 Punk­te. Die Magnet­feld­the­ra­pie beein­träch­tig­te weder die hor­mo­nel­le noch die sexu­el­le Funk­ti­on. „Die Män­ner waren erfreut, dass ihre Beschwer­den schon nach einem Monat abge­nom­men hat­ten – und zwar ohne Neben­wir­kun­gen“, berich­tet Isi­do­ri. Kei­ne gro­ßen Ver­än­de­run­gen konn­ten die For­scher bei den Ent­zün­dungs­pa­ra­me­tern im Blut fest­stel­len.

Auch gab es kei­nen deut­li­chen Unter­schied zwi­schen der Grup­pe, die die The­ra­pie nur vier Wochen ange­wen­det hat­te, und jener, die sie für wei­te­re drei Mona­te durch­führ­te. Die län­ge­re Magnet­feld­the­ra­pie senk­te jedoch den IPSS-Wert auf 8. Die Behand­lung über einen Monat genü­ge ver­mut­lich, um das Pro­sta­ta­vo­lu­men und die Beschwer­den zu redu­zie­ren, schluss­fol­gern die For­scher.

Wie die Magnet­feld­the­ra­pie die Pro­sta­ta schrump­fen lässt, erklä­ren die Wis­sen­schaft­ler so: Die pul­sie­ren­den elek­tro­ma­gne­ti­schen Fel­der brem­sen Ent­zün­dun­gen, indem sie:

  • das Wachs­tum neu­er Blut­ge­fäs­se för­dern,
  • die Gefäs­se erwei­tern,
  • Umbau­pro­zes­se des Gewe­bes in Gang set­zen und
  • die Sauer­stoff­ver­sor­gung des Gewe­bes ver­bes­sern.

Magnetfeldtherapie bei Prostatavergrößerung – mehr Forschung nötig

Am meis­ten pro­fi­tier­ten von der Behand­lung Män­ner, die unter mode­ra­ten bis schwe­ren LUTS lit­ten und kein meta­bo­li­sches Syn­drom hat­ten. Dar­un­ter fas­sen Ärz­te den „Tetra­pack“ aus erhöh­ten Blutdruck‑, Blut­fett- und Blut­zu­cker­wer­ten sowie Übergewicht/Fettleibigkeit (Adi­po­si­tas) zusam­men. Die Kom­bi­na­ti­on heißt auch „töd­li­ches Quar­tett“, weil sie das Herz-Kreis­lauf-Sys­tem in enor­me Gefahr bringt.

Aller­dings war die Anzahl der Stu­di­en­teil­neh­mer zu gering, um tat­säch­lich belast­ba­re Aus­sa­ge dar­über zu tref­fen, bei dem die Magnet­feld­the­ra­pie am bes­ten hilft. Jetzt wol­len die For­scher eine grö­ße­re Stu­die mit mehr Pro­ban­den durch­füh­ren, die zudem eine Kon­troll­grup­pe ent­hält. Dabei bekom­men die einen Män­ner eine Magnet­feld­be­hand­lung, die ande­ren eine „Schein­the­ra­pie“. Nur dann lässt sich sagen, ob die pul­sie­ren­den elek­tri­schen Fel­der bei einer Pro­sta­ta­ver­grö­ße­rung tat­säch­lich wirk­sam sind. Von Vor­teil ist natür­lich schon jetzt, dass die Behand­lung kei­ne Neben­wir­kun­gen besitzt.

Wegen ihrer anti­ent­zünd­li­chen Effek­te set­zen Ärz­te die Magnet­feld­the­ra­pie heu­te schon bei ver­schie­de­nen Krank­heits­bil­dern ein, die mit Ent­zün­dun­gen ver­bun­den sind. Ein Bei­spiel sind ortho­pä­di­sche Erkran­kun­gen wie die Osteo­ar­thri­tis.

Prostatavergrößerung – von der Kastanie zur Zitrone

Die meis­ten Män­ner über 50 Jah­ren ent­wi­ckeln eine gut­ar­ti­ge Pro­sta­ta­ver­grö­ße­rung. Sie heißt auch benig­ne Pro­sta­ta­hy­per­pla­sie, abge­kürzt BPH. Die Pro­sta­ta, die nor­ma­ler­wei­se die Grö­ße einer Wal­nuss oder Kas­ta­nie besitzt, wächst aus noch oft unbe­kann­ten Grün­den. Sie kann sogar auf die Grös­se einer Zitro­ne errei­chen und drückt dann auf die Bla­se und Harn­lei­ter. Zudem engt die Pro­sta­ta die Harn­röh­re, die mit­ten durch die Pro­sta­ta ver­läuft, immer wei­ter ein.

So ent­ste­hen die typi­schen LUTS, bei­spiels­wei­se:

  • stän­di­ger Harn­drang
  • häu­fi­ges Was­ser­las­sen – beson­ders nachts
  • unvoll­stän­di­ge Ent­lee­rung der Bla­se
  • dün­ner, kraft­lo­ser Harn­strahl – der Urin tröp­felt manch­mal nur noch

Unge­fähr 60 Pro­zent der Män­ner über 60 Jah­ren erle­ben sol­che Sym­pto­me. Und je älter ein Mann wird, des­to häu­fi­ger tre­ten die Beschwer­den auf: So lei­den rund 80 Pro­zent der Män­ner über 80 Jah­ren unter den Sym­pto­men einer gut­ar­ti­gen Pro­sta­ta­ver­grö­ße­rung.

Die Ursa­chen für die Pro­sta­ta­ver­grö­ße­rung sind immer noch nicht ganz ver­stan­den – obwohl die gut­ar­ti­ge Erkran­kung so vie­le Män­ner betrifft. For­scher neh­men jedoch an, dass beim Wachs­tum der Pro­sta­ta Ent­zün­dun­gen eine wich­ti­ge Rol­le spie­len, die Schä­den am Gewe­be ver­ur­sa­chen. Die Ent­zün­dung begüns­tigt eine Ver­meh­rung des Bin­de­ge­we­bes, wodurch ein Sauer­stoff­man­gel im Gewe­be ent­steht – das Pro­sta­ta­ge­we­be baut sich struk­tu­rell um. Dann ent­steht ver­mut­lich ein Kreis­lauf aus Ent­zün­dun­gen, Gewe­be­ver­meh­rung, Sauer­stoff­ar­mut und neu­en Ent­zün­dun­gen. Das Ergeb­nis ist eine Umge­stal­tung der Pro­sta­ta und ihre Ver­grö­ße­rung

Ärz­te behan­deln die Pro­sta­ta­ver­grö­ße­rung meist mit Medi­ka­men­ten wie Alpha­blo­cker und 5α-Redukta­se-Hem­mer. Auch chir­ur­gi­sche Behand­lun­gen sind eine Mög­lich­keit, bei der Ärz­te das über­schüs­si­ge Pro­sta­ta­ge­we­be abtra­gen oder Gefä­ße ver­schlie­ßen und die Blut­zu­fuhr dros­seln. Die Neben­wir­kun­gen: Die Eja­ku­la­ti­on kann aus­blei­ben oder der Samen fließt rück­wärts in die Bla­se (retro­gra­de Eja­ku­la­ti­on). Auch eine Erek­ti­le Dys­funk­ti­on (Impo­tenz) und Inkon­ti­nenz sind mög­lich.

Quellen
  • Tenuta M. et al. The­ra­peu­tic use of pul­sed elec­tro­ma­gne­tic field the­ra­py redu­ces pro­sta­te volu­me and lower uri­na­ry tract sym­ptoms in benign pro­sta­tic hyper­pla­sia, Andro­lo­gy, 23 Febru­a­ry 2020, https://doi.org/10.1111/andr.12775 (Abruf: 21.4.2020)
  • UCC-Düs­sel­dorf: Inter­na­tio­nal Pro­sta­te Sym­ptom Score (IPSS), https://www.ucc-duesseldorf.de/ipss.php (Abruf: 21.4.2020)

Datum: 21.4.2020

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