MRT und Fusionsbiopsie: Durchbruch in der Diagnostik von Prostatakrebs?

Eine Stu­die zeigt, dass sich durch eine MRT-Unter­su­chung mit anschlie­ßen­der geziel­ter Fusi­ons­bi­op­sie mehr behand­lungs­be­dürf­ti­ge Pro­statakar­zi­no­me auf­spü­ren las­sen. Außer­dem wer­den Über­dia­gno­sen ver­mie­den und vie­le Biop­si­en erüb­ri­gen sich kom­plett. Von Mar­ti­na Häring

Eine Pro­statabi­op­sie ist zur Dia­gno­se von Pro­sta­ta­krebs oft unver­meid­bar. Nor­ma­ler­wei­se ent­neh­men Ärz­te dabei unter Ultra­schall­kon­trol­le zehn bis zwölf Pro­ben (Stan­zen) aus ver­schie­de­nen Berei­chen der Pro­sta­ta. Einen ande­ren Weg geht die soge­nann­te Fusi­ons­bi­op­sie: Hier füh­ren Radiol­gen vor der Biop­sie eine Magnet­re­so­nanz­to­mo­gra­fie (MRT oder Kern­spin­to­mo­gra­fie) der Pro­sta­ta durch. Mit Hil­fe die­ser Auf­nah­men las­sen sich ver­däch­ti­ge Berei­che in der Pro­sta­ta genau­er iden­ti­fi­zie­ren. Anschlie­ßend kön­nen Ärz­te eine geziel­te Biop­sie mit weni­ger Pro­ben durch­füh­ren.

MRT-Fusionsbiopsie bringt mehr Licht in die Prostata

Eine neue Stu­die namens „Pre­cisi­on“ beleg­te jetzt, dass die­se Metho­de tat­säch­lich auch zu prä­zi­se­ren Ergeb­nis­se führt. Und: Durch die vor­he­ri­ge MRT-Unter­su­chung bleibt vie­len Män­nern die Biop­sie sogar ganz erspart. Denn Ärz­te kön­nen auf­grund der Bil­der oft schon Ent­war­nung geben. Exper­ten spre­chen nun sogar von einem „Durch­bruch in der Dia­gnos­tik des Pro­statakar­zi­noms“.

An der Pre­cisi­on-Stu­die nah­men 500 Män­ner teil, denen Ärz­te auf­grund eines erhöh­ten PSA-Wer­tes eine Pro­statabi­op­sie vor­ge­schla­gen hat­ten. Bei der Hälf­te der Män­ner führ­ten die Medi­zi­ner eine her­kömm­li­che, ultra­schall­ge­steu­er­te Biop­sie mit zehn bis zwölf unge­zielt ent­nom­me­nen Stanz­pro­ben durch. Die ande­re Hälf­te erhielt zuerst eine MRT-Unter­su­chung und anschlie­ßend eine Fusi­ons­bi­op­sie.

Fusionsbiopsie liefert höhere Trefferquote

In der MRT-Grup­pe hat­ten 30 Pro­zent der Män­ner einen unauf­fäl­li­gen Befund, sodass eine Biop­sie gar nicht mehr nötig war. In der Ver­gleichs­grup­pe ohne MRT muss­ten hin­ge­gen alle Män­ner die Biop­sie über sich erge­hen las­sen. Zudem war die Tref­fer­quo­te in der MRT-Grup­pe höher: Ärz­te ent­deck­ten bei 38 Pro­zent einen aggres­si­ven Tumor in der Pro­sta­ta. In der Grup­pe, die sich einer her­kömm­li­chen Biop­sie unter­zo­gen hat­te, fan­den sie nur bei 26 Pro­zent einen Pro­sta­ta­krebs.

Die Ergeb­nis­se der Stu­die zei­gen beein­dru­ckend, dass die Risi­ko­be­wer­tung eines Pro­sta­ta­krebs-Ver­dachts per MRT und einer auf deren Ergeb­nis­sen basie­ren­den Biop­sie deut­lich prä­zi­ser ist, als die bis­lang prak­ti­zier­te ultra­schall­ge­steu­er­te Biop­sie mit zehn bis zwölf Unter­su­chungs­punk­ten“, sagt Boris Hada­schik, Uro­lo­ge aus Essen und Co-Autor der Stu­die in einer Pres­se­mit­tei­lung der Uni­kli­nik Essen.

Fusionsbiopsie könnte unzählige Biopsien vermeiden

Der­zeit füh­ren Medi­zi­ner in Euro­pa jähr­lich unge­fähr eine Mil­li­on Pro­statabi­op­si­en durch, weil sie den Ver­dacht auf Pro­sta­ta­krebs hegen. Rech­net man die Ergeb­nis­se der Pre­cisi­on-Stu­die auf ganz Euro­pa hoch, kommt man zu einem erheb­li­chen Ein­spar­po­ten­zi­al bei den Biop­si­en: Die MRT-Unter­su­chung könn­te knapp 300.000 Män­nern die kör­per­li­che Belas­tung einer Biop­sie erspa­ren. Außer­dem lie­ßen sich  rund 100.000 poten­zi­ell lebens­be­droh­li­che Pro­statakar­zi­no­me mehr ent­de­cken. Auch die Zahl der ent­deck­ten unge­fähr­li­chen Tumo­ren, die für die Män­ner kei­ne Gefahr dar­stel­len, aber psy­chisch belas­tend sind, lie­ße sich um die Hälf­te redu­zie­ren.

Das Ergeb­nis der Stu­die kommt nicht ganz über­ra­schend. Vor­he­ri­ge Stu­di­en mit weni­ger Teil­neh­mern hat­ten bereits gezeigt, dass die Fusi­ons­bi­op­sie der her­kömm­li­chen Gewe­be­ent­nah­me zumin­dest eben­bür­tig ist. Aller­dings ist die Pre­cisi­on-Stu­die die ers­te, die einem Teil der Män­ner die  Biop­sie kom­plett erspart hat. Und obwohl weni­ger Män­ner biop­siert wur­den, waren die Ergeb­nis­se genau­er. Auch die Neben­wir­kun­gen waren bei der Fusi­ons­bi­op­sie gerin­ger: Blut im Urin, Blut im Sper­ma und Schmer­zen tra­ten sel­te­ner auf.

Einige ungelöste Probleme

Unfehl­bar ist die Kom­bi­na­ti­on aus MRT und Fusi­ons­bi­op­sie aller­dings nicht: Bis zu zehn Pro­zent der behand­lungs­be­dürf­ti­gen Pro­statakar­zi­no­me wer­den durch die MRT-Unter­su­chung über­se­hen, obwohl sie in der her­kömm­li­chen Biop­sie gefun­den wor­den wären. Dar­auf wei­sen auch die Autoren der Stu­die hin.

Ein Pro­blem ist zudem, dass die ent­spre­chen­de MRT-Dia­gnos­tik nicht in ganz Euro­pa flä­chen­de­ckend zur Ver­fü­gung steht. Und auch die Radio­lo­gen, die die MRT-Unter­su­chung durch­füh­ren und inter­pre­tie­ren, müss­ten dafür spe­zi­ell aus­ge­bil­det wer­den. Die­se Pro­ble­me müs­sen noch gelöst wer­den, bevor die MRT-/Fu­si­ons­bi­op­sie-Dia­gnos­tik als neu­er Stan­dard bei Ver­dacht auf Pro­sta­ta­krebs ein­ge­führt wer­den kann, so die Ein­schät­zung der Euro­päi­schen Uro­lo­gi­schen Gesell­schaft EAU.

Datum: 11.04.2018

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Quellen:
  • European Asso­cia­ti­on of Uro­lo­gy: http://uroweb.org/precision-mri-targeted-biopsy-strategy-leads-to-fewer-men-needing-biopsy/ (Abruf 11.4.2018)
  • Pres­se­mit­tei­lung UK Essen: https://www.uk-essen.de/aktuelles/detailanzeige0/?tx_ttnews%5Btt_news%5D=2621&cHash=3365eeb0cea0a8f01c08834d4f10b5f1 (Abruf 11.4.2018)
  • Pres­se­mit­tei­lung Uni­ver­si­ty Col­le­ge Lon­don: https://www.ucl.ac.uk/news/news-articles/0318/190318_prostatebiopsy (Abruf 11.4.2018)

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