Krebs kann arm machen

Eine Krebs­dia­gno­se bedeu­tet ohne­hin einen tie­fen Ein­schnitt ins bis­he­ri­ge Leben. Doch für vie­le Krebs­pa­ti­en­ten kommt es noch schlim­mer: Sie gera­ten in eine wirt­schaft­li­che Schief­la­ge und wer­den arm, ergab eine Stu­die. Von Ingrid Müller

Eine Krebs­er­kran­kung wirkt sich nicht nur auf den Kör­per und die Psy­che aus, son­dern auch auf den Geld­beu­tel: Krebs kann arm machen! Denn vie­le schaf­fen es nicht mehr, in ihren ursprüng­li­chen Beruf zurück­zu­keh­ren oder arbei­ten deut­lich weni­ger als vor ihrer Krebs­dia­gno­se. So ver­schlech­tert sich die finan­zi­el­le Situa­ti­on vie­ler Krebs­pa­ti­en­ten deut­lich und sie gera­ten in einer wirt­schaft­li­che Schief­la­ge. Zu die­sem Schluss kommt die aktu­el­le Stu­die „Krebs und Armut“ der Ham­bur­ger Fern-Hoch­schu­le (HFH). Zudem fühl­ten sich vie­le nicht aus­rei­chend bera­ten. Sie wuss­ten nicht, wel­che Rech­te sie haben und wel­che finan­zi­el­len Leis­tun­gen ihnen bei einer Krebs­er­kran­kung zustehen.

Krebsdiagnose – arm dank finanzieller Einbußen

Die For­scher um Prof. Ste­fan Diet­sche befrag­ten mehr als 300 Krebs­pa­ti­en­ten und wer­te­ten zusätz­lich die Daten von über 3.000 krebs­kran­ken Ver­si­cher­ten der AOK Nord­ost aus. Ein Drit­tel der Befrag­ten war drei Jah­re nach der Krebs­dia­gno­se nicht mehr berufs­tä­tig, obwohl sie noch im erwerbs­fä­hi­gen Alter waren. Und: Wer trotz sei­ner Krebs­er­kran­kung wei­ter­hin berufs­tä­tig blieb, ver­dien­te weni­ger als vor sei­ner Krebs­dia­gno­se. Ins­ge­samt war das Risi­ko gestie­gen, auf­grund der Krebs­dia­gno­se arm zu werden.

Die finan­zi­el­len Aus­wir­kun­gen im All­tag waren bei einem Groß­teil der Krebs­pa­ti­en­ten gra­vie­rend. Sie hat­ten nicht nur deut­lich weni­ger Geld für Frei­zeit­ver­gnü­gun­gen, Unter­hal­tung oder Genuss­mit­tel zur Ver­fü­gung, son­dern muss­ten sich auch bei ihren Grund­be­dürf­nis­sen ein­schrän­ken. Dazu gehö­ren unter ande­rem die Ernäh­rung, Beklei­dung oder die finan­zi­el­le Absicherung.

Als Haupt­grund für die ver­än­der­te Erwerbs­si­tua­ti­on gaben die Betrof­fe­nen an, dass sie weni­ger leis­tungs­fä­hig als vor ihrer Krebs­er­kran­kung waren. Bekannt ist, dass vie­le Krebs­pa­ti­en­ten unter einer läh­men­den Erschöp­fung lei­den, der Fati­gue. Vie­le erle­ben wei­te­re Fol­gen der Krebs­be­hand­lun­gen, zum Bei­spiel Ner­ven­schä­den auf­grund einer Che­mo­the­ra­pie. „Mit dem Pro­jekt konn­ten wir zei­gen, dass die wirt­schaft­li­che Situa­ti­on in den Jah­ren nach der Erkran­kung deut­lich schwie­ri­ger wird“, fasst Diet­sche zusam­men. Arm zu sein, wird für vie­le Men­schen mit einer Krebs­er­kran­kung zur Realität.

Krebspatienten – arm, weil schlecht informiert

Auf­fäl­lig war, dass die Mehr­zahl der Befrag­ten die Bera­tungs­an­ge­bo­te zu den Sozi­al­leis­tun­gen als nicht aus­rei­chend emp­fan­den: 57 Pro­zent der Stu­di­en­teil­neh­mer fühl­ten sich nur unzu­rei­chend dar­über infor­miert, wel­che Leis­tun­gen ihnen gesetz­lich zuste­hen und wie sie die­se in Anspruch neh­men kön­nen. „Das ist ein Punkt, der bes­ser wer­den muss – schließ­lich geht es hier um exis­ten­zi­el­le Fra­gen“, betont Dietsche.

Wie wirkt sich Armut auf die Krebserkrankung aus?

Wel­chen Ein­fluss die finan­zi­el­len Ein­schrän­kun­gen umge­kehrt auf die Krebs­er­kran­kung haben, ist noch unbe­kannt. Die For­scher gehen aber davon aus, dass sich gerin­ge­re finan­zi­el­le Spiel­räu­me – etwa bei der Ernäh­rung – nach­tei­lig auf den Hei­lungs­ver­lauf der Krebs­er­kran­kung aus­wir­ken. Wer weni­ger Geld für Lebens­mit­tel zur Ver­fü­gung hat, ernährt sich womög­lich unge­sün­der. Anzu­neh­men ist außer­dem, dass die finan­zi­el­len Nöte wei­te­ren Stress bei den Betrof­fe­nen erzeu­gen. Auf die Gesund­heit wirkt es sich ver­mut­lich nicht posi­tiv aus, wenn sich Krebs­pa­ti­en­ten stän­dig Sor­gen um das Bezah­len der nächs­ten Rech­nun­gen machen müssen.

Armut und Krebs hängen zusammen!

Dass es einen Zusam­men­hang zwi­schen Krebs und Armut gibt, haben schon ver­schie­dens­te Stu­di­en gezeigt. So fan­den US-For­scher von der Uni­ver­si­ty of Wyo­ming in Lara­mie her­aus, dass vor allem erwach­se­ne Män­ner mit Krebs erheb­lich an Ein­kom­men ein­bü­ßen. Selbst nach einer Reha waren vie­le nicht wie­der in der Lage, voll arbei­ten zu gehen. Sie ver­brach­ten deut­lich weni­ger Stun­den an ihrem Arbeits­platz als vor ihrer Krebs­dia­gno­se – und damit sank auch ihr Ein­kom­men rapi­de. Sie droh­ten, arm zu werden.

Beson­ders pro­ble­ma­tisch ist dies, weil vie­le Män­ner nach wie vor die Allein­ver­die­ner in der Fami­lie sind. Dann ver­schlech­tert sich die finan­zi­el­le Lage der gesam­ten Fami­lie. Weni­ger deut­lich wirk­te sich eine Krebs­er­kran­kung auf die Finan­zen von Frau­en aus. Dies liegt ver­mut­lich dar­an, dass Frau­en viel häu­fi­ger Teil­zeit arbei­ten und die finan­zi­el­len Ein­bu­ßen somit gerin­ger ausfallen.

Quel­len:

  • Ham­bur­ger Fern-Hoch­schu­le (HFH), https://www.hfh-fernstudium.de/aktuelles-krebserkrankungen-steigern-armutsrisiko (10/2018)
  • Anna Zaja­co­va, Jen­ni­fer Dowd, Robert Schoe­ni, and Robert Wal­lace: „Employ­ment and inco­me los­ses among can­cer sur­vi­vors: Esti­ma­tes from a natio­nal lon­gi­tu­di­nal sur­vey of Ame­ri­can fami­lies.“ CANCER (Online), 21. Okto­ber 2015, DOI: 10.1002/cncr.29510.

 

Datum: 23.10.2018

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