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Kryotherapie bei Prostatakrebs – den Tumor vereisen
17. März 2026 | von Ingrid Müller - Chefredakteurin, aktualisiert und medizinisch geprüftDie Kryotherapie bei Prostatakrebs macht sich Kälte zunutze – der Tumor wird vereist. Lesen Sie, wie die Kältetherapie funktioniert, für wen sie geeignet ist und welche Vor- und Nachteile sie hat.
Kurzüberblick
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Was ist die Kryotherapie bei Prostatakrebs?
Die Kryotherapie oder Kältetherapie ist eine Behandlungsmethode, bei der Ärzte und Ärztinnen den Krebszellen in der Prostata mit eisigen Temperaturen zu Leibe rücken. Sie gehört zu den fokalen Therapien, bei der nur der Tumor in der Prostata gezielt behandelt wird. Gesundes Gewebe soll dabei möglichst wenig Schaden nehmen.
Der Name Kryotherapie leitet sich vom griechischen Wort „kryo“ für Frost ab. Die Behandlung heißt auch noch Kryoablation (Ablation = Abtragen von Gewebe). Sie zielt darauf ab, den Prostatakrebs zu heilen.
Es gibt zwei Möglichkeiten der Kryotherapie:
- Entweder frieren Ärzte die gesamte Prostata inklusive Tumor und des gesunden Gewebes ein – dies geschieht am häufigsten.
- Alternativ vereisen sie nur jene Teilbereiche der Vorsteherdrüse, in denen sich der Prostatakrebs befindet.
Krebszellen mögen keine extremen Minusgrade und gehen zugrunde. Anschließend taut der Arzt oder die Ärztin die Prostata langsam wieder auf.
In den USA ist die Methode, die Prostata in einen „Eisball“ zu verwandeln und somit Krebszellen zum Absterben zu bringen, etabliert – in Deutschland dagegen noch nicht. Nur wenige Kliniken hierzulande bieten die Kältetherapie bei Prostatakrebs an.
Auch die medizinischen Leitlinien zu Prostatakrebs empfehlen die Kryotherapie nicht als Standard. Sie kann nur in bestimmten Fällen eine Option sein – und dann auch nur im Rahmen von Studien. Die Kryotherapie gilt derzeit als experimentell.
Wie läuft die Kryotherapie ab und wie lange dauert sie?
Die Kryotherapie friert das Gewebe in der Vorsteherdrüse ein. Durch die eisigen Temperaturen sterben die Krebszellen ab. Die Kältetherapie führen Ärztinnen und Ärzte in einer Klinik entweder unter einer regionalen (örtlichen) Narkose oder unter Vollnarkose durch.
Der Ablauf der Kältebehandlung lässt sich ungefähr so beschreiben:
- Zuerst schieben Ärztinnen und Ärzte einen Wärmekatheter durch die Harnröhre bis zur Harnblase vor, um diese und den angrenzenden Darm vor den eisigen Temperaturen zu schützen; durch den Katheter zirkuliert eine warme Flüssigkeit.
- Dann bringen sie über den Damm sogenannte Kältesonden (Kryonadeln) in die Prostata ein. Das sind sehr dünne Nadeln, die mit Hilfe von kaltem Argon-Gas gekühlt werden. Eine Schablone, in die viele kleine Löcher gestanzt sind, hilft dem Arzt oder der Ärztin, die richtige Position für die Nadeln zu finden. Die Kältesonden werden durch diese Löcher bis zur Prostata vorgeschoben.
- Um die Lage der Nadeln zu kontrollieren, wird ein Ultraschallstab in den Enddarm eingeführt (transrektaler Ultraschall, TRUS). Auf dem Monitor lässt sich so die richtige Position der Nadeln überprüfen.
- Zusätzliche werden Thermosensornadeln eingebracht, die fortlaufend die Temperatur in der Umgebung sowie die Temperatur der Darmwand registrieren.
- Dann werden die Nadeln auf minus 40 °C heruntergekühlt. Abwechselnd wird Argon- und Heliumgas mit hohen Druck in die Nadeln eingebracht, um einen Temperaturunterschied zu erzeugen. Dadurch wird das Gewebe vereist und die Tumorzellen sterben ab. Bei diesem Zelltod sind verschiedene Mechanismen am Werk. Es bilden sich Eiskristalle, welche die Zellmembranen zerstören. Außerdem verklumpen die Eiweiße aufgrund des entzogenen Wassers. Auch die Blutgefäße nehmen Schaden und das Gewebe erhält nicht mehr genügend Blut, Sauerstoff und Nährstoffe.
- Insgesamt gefrieren Ärzte die Prostata zwei- bis dreimal und tauen sie anschließend wieder auf.
- Den Wärmekatheter und die Nadeln entfernen sie wieder, wenn der Eingriff abgeschlossen ist.
- Die Dauer der Kryotherapie beträgt ungefähr ein bis zwei Stunden.
- Anschließend bleiben Sie meist für kurze Zeit (beispielsweise eine Nacht) stationär in der Klinik; manchmal können Sie auch am gleichen Tag nach Hause gehen.
- Sie erhalten einen Blasenkatheter, den Sie ein bis zwei Wochen lang tragen müssen. So kann sich die Blase erholen und Sie haben keine Probleme beim Wasserlassen.
Für wen eignet sich die Kältetherapie?
Die Kryotherapie ist nicht die erste Wahl, wenn es um die Behandlung von Prostatakrebs geht. Die Leitlinie „Prostatakarzinom“ empfiehlt sie nicht als Alternative zu herkömmlichen Krebsbehandlungen. Die Wirksamkeit, Sicherheit und der Nutzen der Kryotherapie sind bislang nicht ausreichend durch klinische Studien belegt. Die Kryotherapie gilt noch als experimentell. Ärzte und Ärztinnen sollten sie deshalb nur im Rahmen von klinischen Studien durchführen.
Sie kommt nur für Männer mit Prostatakrebs in Frage, …
- deren Tumor sich noch im Frühstadium befindet, also auf die Vorsteherdrüse begrenzt ist (lokal begrenztes Prostatakarzinom); er darf die Kapsel der Prostata noch nicht durchbrochen und sich noch nicht auf die Lymphknoten oder andere Organe und Gewebe (beispielsweise Knochen) ausgebreitet haben.
- deren Rückfallrisiko mittel oder gering ist; dies lässt sich anhand der Einstufung in einer Risikogruppe feststellen.
- bei denen keine Operation (radikale Prostatektomie) oder Strahlentherapie von außen oder innen (Brachytherapie) möglich ist.
- die diese etablierten Krebsbehandlungen nicht wünschen und sich dagegen entscheiden.
- die nach anderen Krebsbehandlungen, etwa einer Strahlentherapie von innen oder außen, einen Rückfall erlitten haben. Dann ist die Behandlung eine sogenannte Salvage-Kryotherapie (Salvage = Rettung). Die Leitlinie der European Association of Urology (EAU) nennt die Kryotherapie als mögliches Salvage-Verfahren, wenn eine Salvage-Prostatektomie nicht in Frage kommt.
Bei lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Prostatakrebs ist die Kältetherapie nicht empfohlen. Es gibt wirksamere Alternativen, zum Beispiel die Prostata-Operation oder Bestrahlung.
Kältetherapie: Vorteile, Nachteile, Nebenwirkungen
Die Kryotherapie ist eine minimal-invasive Methode, die insgesamt als schonend gilt, weil sie ohne Skalpell und große Schnitte auskommt. Die meisten Männer erholen sich schnell nach dem Eingriff. Dennoch müssen können einige Nebenwirkungen auftreten.
Am häufigsten sind:
- Erektile Dysfunktion, wenn die Kälte jene Nerven zerstört, die für die Erektion wichtig sind
- Harninkontinenz
- Schmerzen
- Schwellungen
- Blut im Urin
Ob und welche langfristigen Folgen oder Komplikationen die Kryotherapie mit sich bringen kann, lässt sich noch nicht sagen. Es gibt keine ausreichenden Daten aus Studien dazu. Auch Daten zur Sicherheit und Wirksamkeit bei Prostatakrebs liegen noch nicht vor.
Wer trägt die Kosten der Kryotherapie?
Die Kryotherapie ist bislang keine Standardtherapie bei Prostatakrebs. Sie ist nicht in jedem Fall eine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen oder privaten Krankenversicherung. Fragen Sie immer zuerst bei Ihrer Krankenkasse oder Krankenversicherung nach, ob sie die Kosten für diese Kältetherapie übernimmt. Die Kassen entscheiden im Einzelfall, ob sie die Kryotherapie der Prostata bezahlen oder nicht. Ansonsten müssen Sie selbst für die Kosten aufkommen.
FAQs: Kryotherapie / Kryoablation der ProstataIst Kälte gut für die Prostata? Kälte oder eisige Temperaturen sind nicht unbedingt gut für die Prostata. Dies macht man sich bei Prostatakrebs zunutze. Die Prostata wird eingefroren und der Tumor vereist. Die Krebszellen sollen durch die Kälte zum Absterben gebracht werden. Gesundes Gewebe wird bei der Kältetherapie bestmöglich geschont und die Funktion der Prostata bleibt erhalten. Die Kryoablation ist aber kein Standard in der Prostatakrebsbehandlung. Wie reagieren Tumore auf Kälte? Tumore reagieren auf Kälte, denn Krebszellen mögen keine eiskalten Temperaturen. Sie sind anfälliger für Kälte als gesunde Zellen. An diesem Zelltod sind verschiedene Prozesse beteiligt. Die Zellmembranen werden durch die Kälte zerstört, die Proteine verklumpen und die Blutgefäße werden geschädigt. Dadurch sterben die Krebszellen ab. Gesunde Zellen tolerieren Kälte besser und sind somit besser geschützt. Wann darf man die Kältetherapie bei Prostatakrebs nicht anwenden? Die Kältetherapie wenden Ärztinnen und Ärzte nicht an, wenn der Prostatakrebs schon lokal fortgeschritten ist oder Metastasen in entfernten Organen und Geweben gebildet hat, zum Beispiel in den Knochen. Die Kryotherapie eignet sich nur bei Prostatakrebs im Frühstadium und bei geringem Rückfallrisiko. Allerdings empfehlen hier die Leitlinien die Aktive Überwachung, bei der der Tumor nur beobachtet und kontrolliert wird. Ist die Kryotherapie der Prostata schmerzhaft? Nein, die Kältetherapie der Prostata ist in der Regel nicht schmerzhaft. Während der OP sind Sie ganz oder teilweise narkotisiert und spüren deshalb auch keine Schmerzen. Nach der Operation sind aber geringe Schmerzen möglich, die jedoch meist binnen kurzer Zeit wieder abklingen. Zudem lassen sich Schmerzen mit Schmerzmitteln behandeln. |
Quellen:
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