Prostatakrebs: PSMA-PET ist jetzt Kassenleistung

Die PSMA-PET ist eine höchst emp­find­li­che Dia­gno­se­me­tho­de, mit der Nukle­ar­me­di­zi­ner einen Rück­fall bei Pro­sta­ta­krebs auf­de­cken kön­nen. Jetzt über­neh­men die gesetz­li­chen Kran­ken­kas­sen die Kos­ten dafür. Von Ingrid Mül­ler

Hin­ter dem Kür­zel PSMA-PET steckt eine nukle­ar­me­di­zi­ni­sche Dia­gno­se­me­tho­de, die sehr genaue Rück­schlüs­se über einen Rück­fall bei Pro­sta­ta­krebs und Meta­sta­sen lie­fern kann. Ärz­te set­zen sie ein, wenn der PSA-Wert nach einer Krebs­be­hand­lung uner­klär­lich ansteigt, etwa nach einer Ope­ra­ti­on, Bestrah­lung oder Hor­mon­the­ra­pie. Der Gemein­sa­me Bun­des­aus­schuss (G‑BA) hat jetzt beschlos­sen, dass das PSMA-PET eine Leis­tung der gesetz­li­chen Kran­ken­kas­sen ist. Sie müs­sen also die Kos­ten für die­se Unter­su­chung zukünf­tig über­neh­men. Auch eine mög­li­che Zuzah­lung ent­fällt damit.

Eine PSMA-PET kann zei­gen, ob es zu einem Rück­fall gekom­men ist und wo sich die Krebs­nes­ter befin­den.

Prof. Det­lef Moka

Berufs­ver­band Deut­scher Nukle­ar­me­di­zi­ner (BDN)

PSMA, PET und CT – was ist was?

PSMA steht für Pro­stat­a­spe­zi­fi­sches Mem­bran­an­ti­gen, das der Kör­per selbst her­stellt. Es han­delt sich (wie beim PSA) um ein Eiweiß. Die­ses kommt auch auf der Ober­flä­che von gesun­den Pro­sta­ta­zel­len vor, aller­dings nur in gerin­gen Men­gen. Deut­lich mehr PSMA – näm­lich etwa die 1000-fache Men­ge –  lässt sich jedoch auf Pro­sta­ta­krebs­zel­len und Meta­sta­sen nach­wei­sen. Je aggres­si­ver der Pro­sta­ta­krebs bei einem Mann ist (je höher der Glea­son-Score), des­to grö­ße­re Men­gen PSMA befin­den sich auf den Krebs­zel­len. Im rest­li­chen Kör­per ist  das Eiweiß dage­gen so gut wie nicht vor­han­den.

PET ist die Abkür­zung für Posi­tro­nen­emis­si­ons­to­mo­gra­fie. Mit­hil­fe die­ser Metho­de kön­nen Radio­lo­gen Regio­nen im Kör­per sicht­bar machen, deren Stoff­wech­sel beson­ders aktiv ist. Bei Krebs­zel­len ist dies zum Bei­spiel der Fall. Sie benö­ti­gen viel Ener­gie, weil sie sich rasch tei­len und ver­meh­ren. Die PET funk­tio­niert mit soge­nann­ten Tracern, die Ärz­te in die Vene inji­zie­ren – in die­sem Fall PSMA.

PSMA-PET: Ablauf der Methode

Nukle­ar­me­di­zi­ner mar­kie­ren PSMA mit einer radio­ak­ti­ven Sub­stanz (einem Radio­phar­ma­kon), zum Bei­spiel 68 Gal­li­um (68Ga) oder 18 Flu­or (18F). Meist stel­len Kli­ni­ken den Tracer erst kurz vor der Unter­su­chung im Labor her, weil er so kurz­le­big ist und schnell zer­fällt. Nach der Injek­ti­on ver­teilt sich der PSMA-Tracer im Kör­per, spürt Krebs­zel­len auf und hef­tet sich an das PSMA auf deren Ober­flä­che. Anschlie­ßend erfasst eine PET-Kame­ra die abge­ge­be­ne radio­ak­ti­ve Strah­lung und ein Com­pu­ter „über­setzt“ die­se Daten in detail­lier­te Schnitt­bil­der.

Bei Pro­sta­ta­krebs kom­bi­nie­ren Ärz­te die PSMA-PET meist noch zusätz­lich mit einer Com­pu­ter­to­mo­gra­fie (CT). Sie über­la­gern die PET-Auf­nah­men mit den CT-Bil­dern und wer­ten sie dann gemein­sam aus. So las­sen sich Krebs­zel­len noch genau­er loka­li­sie­ren und den jewei­li­gen ana­to­mi­schen Struk­tu­ren zuord­nen. „Im PET erschei­nen Krebs­zel­len als Farb­fle­cken auf dem Grau­stu­fen­bild des CT“, erklärt Moka. Heu­te gibt es Hybrid-Gerä­te, die bei­de bild­ge­ben­de Ver­fah­ren mit­ein­an­der kom­bi­nie­ren. Ärz­te brau­chen also nur ein Gerät für die Unter­su­chung.

Hat sich der Ver­dacht auf einen Rück­fall bewahr­hei­tet, kön­nen Ärz­te sofort die wei­te­re Behand­lung pla­nen. Ist der Krebs lokal zurück­ge­kehrt oder haben sie ein­zel­ne Meta­sta­sen gebil­det, kommt zum Bei­spiel eine Bestrah­lung zum Ein­satz, die soge­nann­te Sal­va­ge-Strah­len­the­ra­pie. Oft las­sen sich der Tumor bezie­hungs­wei­se die Meta­sta­sen so län­ge­re Zeit in Schach hal­ten.

PSMA-PET: Dauer und Nebenwirkungen

Die radio­ak­ti­ve Belas­tung durch die PET ist in der Regel sehr gering. Denn die Tracer sind rela­tiv kurz­le­big. Sie besit­zen nur eine Halb­werts­zeit von ein bis zwei Stun­den, dann ist das Radio­phar­ma­kon zer­fal­len. Die Strah­len­do­sis ent­spricht unge­fähr der ein- bis zwei­fa­chen jähr­li­chen natür­li­chen Strah­len­ex­po­si­ti­on in Deutsch­land. Zudem schei­det der Orga­nis­mus die radio­ak­ti­ven Sub­stan­zen rela­tiv schnell wie­der über den Urin aus.

Ins­ge­samt dau­ert die PSMA-PET zwi­schen ein­ein­halb und zwei Stun­den. Etwa 45 Minu­ten benö­tigt der Tracer nach der Injek­ti­on, um sich im Kör­per zu ver­tei­len. Rund 30 Minu­ten ver­brin­gen Sie tat­säch­lich im Gerät. Sie müs­sen bei der Unter­su­chung mög­lichst ent­spannt und ruhig lie­gen.

Wer führt die PSMA-PET durch?

Die PSMA-PET lässt sich ambu­lant durch­füh­ren. Vie­le Uni­ver­si­täts­kli­ni­ken und eini­ge nie­der­ge­las­se­ne Fach­ärz­te für Nukle­ar­me­di­zin bie­ten die Dia­gno­se­me­tho­de an. Adres­sen fin­den Sie über die Ser­vice­stel­le der ambu­lan­ten spe­zi­al­fach­ärzt­li­chen Ver­sor­gung (ASV) oder die kas­sen­ärzt­li­chen Ver­ei­ni­gun­gen der Bun­des­län­der. Sie brau­chen eine Über­wei­sung von einem Fach­arzt für Uro­lo­gie, der die Not­wen­dig­keit der PSMA-PET am bes­ten kurz begrün­det.

Behandlung mit 177-Lu-PSMA bei fortgeschrittenem Prostatakrebs

Das Eiweiß PSMA lässt sich aber nicht nur in der Dia­gnos­tik, son­dern auch zur Behand­lung eines fort­ge­schrit­te­nen Pro­statakar­zi­noms nut­zen. Ärz­te set­zen dafür Lu-177-PSMA ein. Dabei ist das PSMA an das Radio­nu­klid Lute­ti­um-177 gekop­pelt, das ein deut­lich stär­ke­rer Strah­ler als 68 Gal­li­um ist. Es dringt in die Krebs­zel­le ein und bestrahlt sie gezielt von innen. Die Strah­len zer­stö­ren die Erb­sub­stanz der Zel­le – die DNA – und sie stirbt ab.

Ein Vor­teil ist, dass der Strah­ler nur etwa zwei Mil­li­me­ter tief ins Gewe­be ein­dringt und umlie­gen­des gesun­des Gewe­be weit­ge­hend schont. Damit die LU-177-PSM-Behand­lung wirkt, müs­sen Krebs­zel­len jedoch aus­rei­chen­de Men­gen an PSMA auf ihrer Ober­flä­che besit­zen. Dies über­prü­fen Ärz­te vor der The­ra­pie mit­tels PSMA-PET-CT.

Vie­le Män­ner spre­chen gut auf die Lu-177-PSMA-Behand­lung an. Der Pro­sta­ta­krebs bil­det sich zurück, der PSA-Wert sinkt auch Schmer­zen auf­grund der Meta­sta­sen neh­men oft ab. Zudem ver­tra­gen die meis­ten die Behand­lung gut – ohne star­ke Neben­wir­kun­gen. Die Lu-177-PSMA-Behand­lung gilt als „indi­vi­du­el­ler Heil­ver­such“. Dar­un­ter fal­len The­ra­pi­en, die zwar wirk­sam, aber noch nicht zuge­las­sen sind. Sie kom­men in Fra­ge, wenn sämt­li­che ande­ren Behand­lun­gen aus­ge­schöpft sind. Fra­gen Sie immer vor­her bei Ihrer Kran­ken­kas­se nach, ob sie die Kos­ten für die Lu-177-PSMA-The­ra­pie über­nimmt.

Quellen

Datum: 19.2.2020

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