Prostatakrebs: HIFU genauso gut wie OP und Bestrahlung?

Die HIFU-Behand­lung ist eine rela­tiv neue Metho­de gegen Pro­sta­ta­krebs. Die Ultra­schall­the­ra­pie ist mit hohen Über­le­bens­ra­ten ver­knüpft, besitzt aber weni­ger Neben­wir­kun­gen als her­kömm­li­che Krebs­the­ra­pi­en. Dies ergab die welt­weit bis­lang größ­te Stu­die. Von Ingrid Mül­ler

Bei der HIFU-Behand­lung gehen Ärz­te mit­tels hoch­en­er­ge­ti­schem Ultra­schall gegen den Pro­sta­ta­krebs vor. Sie „ver­ko­chen“ das Krebs­ge­we­be und töten die bös­ar­ti­gen Tumor­zel­len ab. Der­zeit gilt die HIFU noch als expe­ri­men­tel­les Ver­fah­ren, das Ärz­te nur im Rah­men von Stu­di­en ein­set­zen. Doch die HIFU zer­stört Pro­sta­ta­tu­mo­ren womög­lich genau­so wirk­sam wie eine Ope­ra­ti­on oder Strah­len­the­ra­pie. Mit einem Unter­schied: Die Ultra­schall­be­hand­lung scheint weni­ger Neben­wir­kun­gen mit sich zu brin­gen. Zu die­sem Schluss kommt eine aktu­el­le Stu­die bri­ti­scher For­scher unter der Feder­füh­rung des Impe­ri­al Col­le­ge Lon­don. Sie ist die bis­lang größ­te Stu­die zur Wirk­sam­keit die­ser Ultra­schall­be­hand­lung welt­weit. Die Ergeb­nis­se ver­öf­fent­lich­ten sie im renom­mier­ten Fach­ma­ga­zin European Uro­lo­gy.

HIFU-Behandlung bei mehr als 600 Männern mit Prostatakrebs

Teil­neh­mer der Unter­su­chung, die an sechs Kli­ni­ken in Groß­bri­tan­ni­en durch­ge­führt wur­de, waren 625 Män­ner mit Pro­sta­ta­krebs. Im Schnitt waren sie 65 Jah­re alt; 505 Pati­en­ten lit­ten unter einem Pro­sta­ta­krebs mit mitt­le­rem oder hohem Risi­ko. Die Ärz­te beob­ach­te­ten die Män­ner durch­schnitt­lich 56 Mona­te lang.

Ein­ge­schlos­sen waren nur Män­ner, deren …

Alle Män­ner erhiel­ten eine Behand­lung mit hoch­in­ten­si­vier­tem, fokus­sier­tem Ultra­schall, abge­kürzt HIFU. Ärz­te ver­su­chen bei die­ser The­ra­pie, nur den Tumor gezielt zu tref­fen und gesun­des Gewe­be so weit wie mög­lich zu scho­nen.

Alle Männer überleben fünf Jahre nach der HIFU-Behandlung

Das ers­te posi­ti­ve Stu­di­en­ergeb­nis war, dass die Über­le­bens­ra­te der Män­ner mit Pro­sta­ta­krebs fünf Jah­re nach dem Ein­griff bei 100 Pro­zent lag. Dies ent­spricht den Fünf-Jah­res-Über­le­bens­ra­ten, die sich auch durch die Ope­ra­ti­on (radi­ka­le Pro­sta­tek­to­mie) und die Bestrah­lung (Radio­the­ra­pie) erzie­len las­sen.

Ein Jahr nach der HIFU leb­ten noch 99 Pro­zent der Män­ner, ohne dass sich Meta­sta­sen gebil­det hat­ten oder eine wei­te­re Behand­lung not­wen­dig wur­de. Drei Jah­re danach lag der Anteil der Män­ner ohne zusätz­li­che Krebs­the­ra­pie bei 92 Pro­zent und nach fünf Jah­ren bei 88 Pro­zent. Bis­lang ist kein Pati­ent an sei­nem Pro­sta­ta­krebs gestor­ben.

Weniger Inkontinenz und Erektile Dysfunktion dank HIFU

Zudem hat­ten die mit­tels HIFU behan­del­ten Män­ner ein nied­ri­ge­res Risi­ko für Neben­wir­kun­gen als bei ande­ren Pro­sta­ta­krebs­the­ra­pi­en. Nur zwei Pro­zent der Män­ner lit­ten anschlie­ßend unter Inkon­ti­nenz und etwa 15 Pro­zent unter Erek­ti­ler Dys­funk­ti­on. Zum Ver­gleich: Nach einer Ope­ra­ti­on bezie­hungwei­se Strah­len­the­ra­pie der gesam­ten Pro­sta­ta beträgt das lang­fris­ti­ge Risi­ko für Inkon­ti­nenz und ande­re Pro­ble­me im Harn­trakt zwi­schen fünf und 30 Pro­zent. Die Wahr­schein­lich­keit für Impo­tenz liegt zwi­schen 30 und 60 Pro­zent. Die Bestrah­lung kann zudem Pro­ble­me mit dem Darm ver­ur­sa­chen, zum Bei­spiel Blu­tun­gen oder Durch­fall (fünf Pro­zent).

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Auch wenn die Über­le­bens­ra­ten bei Pro­sta­ta­krebs heu­te sehr hoch sind – die Neben­wir­kun­gen der Ope­ra­ti­on und Strah­len­the­ra­pie kön­nen das Leben ent­schei­dend ver­än­dern“, sagt Prof. Hash­im Ahmed, der Erst­au­tor der Stu­die vom Impe­ri­al Col­le­ge. „Eini­ge Pati­en­ten benö­ti­gen täg­lich dau­er­haft Inkon­ti­nenz­ein­la­gen oder haben mit schwe­rer Impo­tenz zu kämp­fen“, so Ahmed wei­ter. Ärz­te müss­ten sich des­halb heu­te stär­ker dar­auf kon­zen­trie­ren, die Lebens­qua­li­tät die­ser Män­ner nach der Krebs­be­hand­lung zu ver­bes­sern. Die Stu­di­en­ergeb­nis­se deu­te­ten dar­auf hin, dass sich der Krebs mit der HIFU-Behand­lung eben­so gut angrei­fen las­se, aber weni­ger uner­wünsch­ten Fol­gen habe.

Prostatakrebs: Jeder Zehnte Mann braucht eine weitere Behandlung

Die For­scher ermit­tel­ten auch die Anzahl der Män­ner, die nach der HIFU noch eine wei­te­re Krebs­be­hand­lung benö­tig­ten. Bei einem von zehn Män­nern (zehn Pro­zent) war dies inner­halb von fünf Jah­ren der Fall. Sie wur­den zum Bei­spiel ope­riert, beka­men eine Strah­len­the­ra­pie oder eine Hor­mon­ent­zugs­be­hand­lung, um zurück­ge­kehr­te Krebs­zel­len abzu­tö­ten. Dies ent­spricht unge­fähr der Anzahl der Pati­en­ten, die auch nach einer Ope­ra­ti­on oder Radio­the­ra­pie noch wei­te­re The­ra­pi­en brau­chen (5 bis 15 Pro­zent).

Jetzt sei­en wei­te­re Stu­di­en nötig, wel­che die Män­ner über zehn Jah­re beob­ach­te­ten und die HIFU-Behand­lung direkt mit der Pro­sta­ta-OP und Bestrah­lung ver­glei­chen, sagen die For­scher.

Quel­len:

  • Ahmed H. et. al.: A Mul­ti­cent­re Stu­dy of 5-year Out­co­mes Fol­lo­wing Focal The­ra­py in Trea­ting Cli­ni­cal­ly Signi­fi­cant Non­me­ta­s­ta­tic Pro­sta­te Can­cer, European Uro­lo­gy, 27. Juni 2018, doi: 10.1016/j.eururo.2018.06.006
  • Impe­ri­al Col­le­ge Lon­don, https://www.imperial.ac.uk/news/187086/prostate-cancer-ultrasound-treatment-effective-surgery/
Datum: 10.7.2018
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