Prostatakrebs: HPV-Infektion als Auslöser?

Huma­ne Papil­lom­vi­ren, kurz HPV, spie­len bei eini­gen Krebs­ar­ten eine Rol­le, beson­ders beim Gebär­mut­ter­hals­krebs. Jetzt brin­gen aus­tra­li­sche For­scher die HP-Viren auch mit Pro­sta­ta­krebs in Zusam­men­hang. Von Ingrid Mül­ler

Huma­ne Papil­lom­vi­ren (HPV) sind vor allem in Ver­bin­dung mit Gebär­mut­ter­hals­krebs bekannt. Beson­ders gefähr­lich sind die Vari­an­ten HPV 16 und HPV 18, die das Risi­ko für die­se Krebs­art deut­lich erhö­hen. Jetzt fan­den aus­tra­li­sche For­scher Hin­wei­se dar­auf, dass eine HPV-Infek­ti­on auch mit der Ent­wick­lung von Pro­sta­ta­krebs in Zusam­men­hang ste­hen könn­te. Die Ergeb­nis­se ihrer Stu­die ver­öf­fent­lich­ten sie in der aktu­el­len Aus­ga­be des Fach­ma­ga­zins Infec­tious Agents and Can­cer.

HPV – gut- und bösartiges Prostatagewebe untersucht

Die For­scher um James Law­son and Wen­dy Glenn von der Uni­ver­si­ty of New South Wales, Aus­tra­li­en, ana­ly­sier­ten 26 ver­schie­de­ne Stu­di­en zu HPV und such­ten nach einer mög­li­chen Ver­bin­dung zu Pro­sta­ta­krebs. Sie woll­ten wis­sen, ob im gesun­den Pro­sta­ta­ge­we­be, aber auch im Pro­ben von Pro­sta­ta­krebs­ge­we­be HPV nach­weis­bar war.

Bei ihrer Aus­wer­tung fan­den sie her­aus, dass die Hoch­ri­si­ko­ty­pen HPV 16 und  18 sowohl in nor­ma­lem und gut­ar­ti­gem, aber auch in bös­ar­ti­gem Pro­sta­ta­ge­we­be vor­ka­men. Die­se bei­den Virus­ty­pen sind für die Mehr­zahl der Gebär­mut­ter­hals­krebs­er­kran­kun­gen ver­ant­wort­lich. Die Men­ge des vira­len Erb­guts der bei­den Hoch­ri­si­ko­ty­pen, das auf die krebs­aus­lö­sen­den Viren hin­weist, war im Pro­sta­ta­krebs­ge­we­be jedoch deut­lich höher als im gesun­den Gewe­be der Pro­sta­ta.

Hochrisikotypen in Prostatakrebsgewebe häufiger

Die Hoch­ri­si­ko-Vari­an­ten der huma­nen Papil­lom­vi­ren wur­den bei 325 (22,6 Pro­zent) von 1.284 Pro­sta­ta­krebs­pro­ben, aber nur in 113 (8.6 Pro­zent) von 1.313 nor­ma­len, gut­ar­ti­gen Pro­ben der Pro­sta­ta nach­ge­wie­sen. Die Stu­di­en­au­torin Wen­dy Glenn sagt: „Wir haben vie­le Stu­di­en aus einer Viel­zahl von Län­dern ana­ly­siert, bei denen meh­re­ren Metho­den zum Nach­weis von HPV zum Ein­satz kamen – und wir haben einen schlag­kräf­ti­gen Beweis dafür gefun­den, dass HPV-Hoch­ri­si­ko­ty­pen bei Pro­sta­ta­krebs deut­lich öfters vor­kom­men als in nor­ma­lem, gut­ar­ti­gem Gewe­be.“

Frü­he­re Stu­di­en hät­ten eben­falls nahe­ge­legt, dass die gefähr­li­chen Vari­an­ten die­ser Viren im gesun­den Pro­sta­ta­ge­we­be vor­han­den sind. Bis zu zehn Jah­re spä­ter ent­wi­ckel­te sich ein HPV-posi­ti­ver Pro­sta­ta­krebs mit genau den glei­chen Viren­ty­pen.

HPV sind noch an anderen Krebsarten beteiligt

Die For­scher stie­ßen noch auf einen ande­ren Zusam­men­hang: In Län­dern, in denen die Sterb­lich­keits­ra­te auf­grund von Gebär­mut­ter­hals­krebs hoch war, war sie es auch für Pro­sta­ta­krebs. Das Umge­kehr­te galt eben­falls: Gab es in einem Land weni­ge Todes­fäl­le wegen Gebär­mut­ter­hals­krebs, star­ben auch weni­ger Män­ner an Pro­sta­ta­krebs.

James Law­son sagt: „Infek­tio­nen mit Hoch­ri­si­ko­ty­pen von huma­nen Papil­lom­vi­ren gesche­hen wahr­schein­lich am häu­figs­ten beim Sex. Die Viren spie­len also ver­mut­lich sowohl beim Gebär­mut­ter­hals- als auch beim Pro­sta­ta­krebs eine wich­ti­ge Rol­le.“ Bei­de Geschlech­ter soll­ten daher zur HPV-Imp­fung ermu­tigt wer­den.

HPV ber­gen nicht eine Gefahr für Frau­en in Form von Gebär­mut­ter­hals­krebs, son­dern auch für Män­ner. Bekannt ist, dass sie an der Ent­wick­lung von geni­ta­len Krebs­er­kran­kun­gen wie Penis­krebs oder Anal­krebs betei­ligt sind. Aber auch beim Mund‑, Zun­gen- und Spei­se­röh­ren­krebs gibt es einen Zusam­men­hang mit die­sen Viren. „Es ist daher plau­si­bel, dass sie auch beim Pro­sta­ta­krebs eine Rol­le spielt. Eine HPV-Imp­fung könn­te dabei mit­hel­fen, die Ent­wick­lung von Pro­sta­ta­krebs zu ver­hin­dern“, ver­mu­tet Law­son.

Ursachen + Risikofaktoren

Lesen Sie, wel­che Ursa­chen und Risi­ko­fak­to­ren bei der Enste­hung von Pro­sta­ta­krebs am Werk sein könn­ten. Außer­dem: War­um die Ste­ri­li­sa­ti­on eben­falls unter Ver­dacht steht und wie womög­lich zwei Hor­mo­ne das Risi­ko für Pro­sta­ta­krebs erhö­hen.

HPV und Prostatakrebs –  Entstehungsmechanismus unbekannt

Die Stu­di­en­au­toren beto­nen jedoch, dass der genaue Mecha­nis­mus, wie HPV einen Pro­sta­ta­krebs aus­lö­sen könn­te, noch nicht auf­ge­klärt ist. Daher sei­en wei­te­re Unter­su­chun­gen nötig, bei denen For­scher Pro­sta­ta­zel­len gezielt den huma­nen Papil­lom­vi­ren aus­set­zen. Ein mög­li­cher Effekt sei, dass HPVs die Funk­ti­on bestimm­ter Enzy­me her­ab­set­zen, die vor Virus­in­fek­tio­nen schüt­zen. Die HP-Viren könn­ten aber auch mit ande­ren krank­ma­chen­den Erre­gern zusam­men­ar­bei­ten oder Ent­zün­dun­gen in der Pro­sta­ta aus­lö­sen. Die Fol­ge könn­te eine Pro­sta­ta­ver­grö­ße­rung und spä­ter ein Pro­sta­ta­krebs sein.

Law­sons Fazit: „Obwohl HPV nur einer von vie­len Fak­to­ren ist, die am Pro­sta­ta­krebs mit­be­tei­ligt sind, ist es der ein­zi­ge, gegen den wir eine Imp­fung haben. Daher müs­sen wir genau­er klä­ren, ob HP-Viren eine Ursa­che von Pro­sta­ta­krebs sein könn­ten.“

Stichhaltiger Beweis fehlt immer noch“

Wis­sen­schaft­lich aus­rei­chend bewie­sen ist die Ver­bin­dung zwi­schen HPV und Pro­sta­ta­krebs jedoch auch durch die­se neue Stu­die nicht. Prof. Micha­el Muders, Direk­tor des Rudolf-Becker-Labors für Pro­statakar­zi­nom­for­schung in Bonn, sag­te dem Sci­ence Media Cen­ter: “Auch in dem aktu­el­len, hier vor­lie­gen­den Review wird ein Zusam­men­hang zwi­schen einer HPV-Infek­ti­on und einem Pro­statakar­zi­nom nur auf­grund von Asso­zia­tio­nen nahe­ge­legt. Dabei wur­den strin­gen­te­re Kri­te­ri­en als in den frü­he­ren Meta­ana­ly­sen ange­wandt. Trotz­dem fehlt immer noch ein stich­hal­ti­ger wis­sen­schaft­li­cher Beweis, auf des­sen Grund­la­ge wei­te­re Hand­lungs­emp­feh­lun­gen aus­ge­spro­chen wer­den kön­nen.”

HPV-Impfung – diese Empfehlungen gelten

Die Stän­di­ge Kom­mis­si­on des Robert Koch-Insti­tuts (STIKO) emp­fiehlt die HPV-Imp­fung für Mäd­chen und seit Juni 2018 auch für Jun­gen. Sie soll­ten sich zwi­schen dem neun­ten und 14. Lebens­jahr imp­fen las­sen. Wer eine Imp­fung ver­säumt hat, soll­te sie so schnell wie mög­lich nach­ho­len. Bis zum 17. Lebens­jahr ist dies mög­lich. Idea­ler­wei­se geschieht die Imp­fung gegen HPV vor dem ers­ten sexu­el­len Kon­takt. Wenn sich eine Per­son schon infi­ziert hat, ist kein Schutz mehr durch die Imp­fung mög­lich.

In Deutsch­land sind der­zeit zwei Tot­impf­stof­fe zur Imp­fung gegen HPV zuge­las­sen. Der eine schützt vor HPV 16 und HPV 18, der ande­re vor dem HPV-Typen Typen 6, 11, 16, 18, 31, 33, 45, 52 und 58. Nötig sind zwei Impf­do­sen im Abstand von min­des­tens fünf Mona­ten.

Quellen
  • Law­son, J.S., Glenn, W.K. Evi­dence for a cau­sal role by human papil­lo­ma­vi­ru­ses in pro­sta­te can­cer – a sys­te­ma­tic review. Infect Agents Can­cer 15, 41 (2020). https://doi.org/10.1186/s13027-020–00305‑8
  • Robert Koch-Insti­tut: Schutz­imp­fung gegen huma­ne Papil­lom­vi­ren, https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Impfen/ImpfungenAZ/HPV/HPV.html

Datum: 15.7.2020

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