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Prostatakrebs: Sexualfunktion leidet bei jeder Krebstherapie
02. Oktober 2026 | von Ingrid MüllerProstatakrebs lässt sich in vielen Fällen durch Krebsbehandlungen wie die Prostata-OP heilen. Doch sie haben ihren Preis: Alle Krebstherapien vermindern die Sexualfunktion deutlich, wie eine Studie aus Frankfurt ergab.
Bei lokal begrenztem oder lokal fortgeschrittenem Prostatakrebs setzen Ärztinnen und Ärzte auf verschiedene Krebstherapien, die auf die Heilung des Tumors abzielen (kurativ). Dazu zählen zum Beispiel die Prostata-Operation (radikale Prostatektomie), Bestrahlung von außen über die Haut (perkutane Strahlentherapie), eine Bestrahlung von innen (Brachytherapie) oder die Hormontherapie. Oft kombinieren sie mehrere Behandlungen miteinander, um die Wirksamkeit zu erhöhen.
Ein Forschungsteam um Yasmine Heß-Busch von der Abteilung für Urologie der Universitätsklinik Frankfurt am Main untersuchte jetzt in einer Studie, wie es um die Sexualfunktion der Männer nach einer Krebstherapie bestellt ist. Die Behandlung hat ihren Preis, was die sexuellen Aktivitäten und Möglichkeiten der Männer angeht, so das zentrale Ergebnis.
Studie kurzgefasst:
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Sexuelle Funktion mit Fragebogen erfasst
Die Forschenden wollten herausfinden, ob und wie stark die Sexualfunktion nach einer Krebstherapie beeinträchtigt war und ob Männer Hilfsmittel beim Sex nutzten. An der Studie nahmen 13.413 Männer des True North Global Registry teil, eine Initiative der Movember Foundation. Sie waren an einem lokalen oder lokal fortgeschrittenen Prostatakrebs erkrankt und zwischen 64 und 77 Jahre alt.
Sie unterzogen sich unterschiedlichen Krebsbehandlungen:
- 85,2 Prozent entschieden sich für eine radikale Prostatektomie – sie lassen also ihre Prostata samt Tumor operativ entfernen.
- 9,1 Prozent ließen ausschließlich eine perkutane Strahlentherapie durchführen.
- 4,3 Prozent durchliefen eine Strahlentherapie von außen in Kombination mit einer Hormontherapie.
- 1,3 Prozent ließen eine Brachytherapie vornehmen.
Die Sexualfunktion wurde mit Hilfe des sogenannten EPIC-26 Sexual Function Domain Score (SFDS) vor der Krebstherapie und zwölf Monate danach eingeschätzt. Der SFDS erfasst Erektionsprobleme, Schwierigkeiten beim Orgasmus, die Festigkeit und Häufigkeit der Erektion, die sexuelle Funktionsfähigkeit und allgemein Probleme bei der Sexualität. Der Fragebogen vergibt Punktzahlen von 0 bis 100. Je höher die Punktzahl ist, desto besser steht es um die Sexualfunktion. Verglichen wurde die sexuelle Funktion nach Behandlungsgruppen. In die Analyse floss außerdem ein, ob die Männer nervenschonend operiert worden waren oder nicht.
Sexualfunktion sinkt nach jeder Art von Krebstherapie
Viele Männer hatten schon zu Beginn der Studie einen niedrigen SFDS. In der Gruppe der Männer mit einer Brachytherapie waren es 44 Punkte, bei den operierten Männern 42 Punkte, bei einer Kombination aus Strahlentherapie und Hormontherapie sowie bei der Bestrahlung alleine jeweils 31 Punkten. Nervenschonend operierte Männer erzielten eine höhere Punktzahl von 47 als jene Männer, bei denen die Nerven nicht geschont worden waren (35 Punkte). Kein Mann gab ab, seine Erektionsfähigkeit sei gut oder sehr gut.
Zwölf Monate nach der Therapie war es noch schlechter um die Sexualfunktion der Männer bestellt. Nach einer Brachytherapie war der Wert für die Sexualfunktion von 44 auf 26 Punkte gesunken, nach einer Prostata-OP von 42 auf 17 Punkte und nach der Strahlentherapie mit oder ohne Hormontherapie von 31 auf 17 Punkte.
Die Sexualfunktion hatte also nach allen Prostatakrebsbehandlungen deutlich abgenommen. Am stärksten verminderte sich die sexuelle Funktion nach einer radikalen Prostatektomie (minus 60 Prozent). Nach einer Brachytherapie war die Sexualfunktion am wenigsten beeinträchtigt (minus 40 Prozent). "Alle kurativen Prostatakrebsbehandlungen waren mit einer deutlichen Verschlechterung der Sexualfunktion verbunden“, schreibt das Forschungsteam.
Nach zwölf Monaten berichteten 63,6 bis 91,8 Prozent der Männer von einer geringen oder nicht vorhandenen Erektilen Funktion. Am stärksten ausgeprägt waren die Einbußen bei der Sexualfunktion nach einer Prostata-Operation und einer perkutanen Strahlentherapie in Kombination mit einer Hormontherapie. Der Einsatz von sexuellen Hilfsmitteln stieg zwar nach der Krebsbehandlung, besaß aber insgesamt für die Männer nur einen geringen Stellenwert.
„Die Ergebnisse zeigen, dass vor der Krebsbehandlung eine verstärkte Beratung darüber nötig ist“, schreibt die Forschungsgruppe. Wichtig seien zudem ein proaktives Management und eine strukturierte sexuelle Rehabilitation als Teil der Nachsorge.
Quelle:
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