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Prostata Hilfe Deutschland

BPH oder Karzinom?

03. August 2026 | von Karoline Keßler-Wirth, Medizin-Redakteurin der Prostata Hilfe Deutschland

Worin liegen die Unterschiede zwischen den beiden häufigen Prostataerkrankungen - einer gutartigen Prostataverrößerung und Prostatakrebs? Was heißt das für Diagnostik und Therapie? Diese Fragen beantwortet die Urologin Prof. Dr. Angelika Borkowetz im Expertengespräch mit dem Urologen Rehan Umar Din.

Was ist der Unterschied zwischen einer benignen Prostatahyperplasie (BPH) und einem Prostatakarzinom? 

Eine benigne Prostatahyperplasie, also eine gutartige Vergrößerung der Prostata,  hat fast jeder Mann irgendwann einmal. Die einen haben eine etwas kleinere, die andere eine etwas größere Prostata. Beim Prostatakrebs oder Prostatakarzinom entstehen bösartige oder maligne Tumorzellen innerhalb der Prostata, die möglicherweise später ihren Weg in die Blutbahn finden. Daraus können dann Krebsabsiedelungen oder Metastasen entstehen. Das passiert bei der gutartigen Prostatavergrößerung nicht.

Kann aus einer gutartigen Prostatavergrößerung Prostatakrebs werden? 

Nein, eigentlich nicht. Aber das Problem ist: Der Prostatakrebs ist der häufigste Krebs des Mannes. Das heißt, dass per se natürlich das Risiko besteht, dass sich eine bösartige Prostataerkrankung bildet. Deswegen ist es wichtig, dass Männer ab einem Alter von 45 regelmäßig zur Vorsorge gehen, die auch die Prostatakrebsfrüherkennung beinhaltet.

Es gibt noch weitere gutartige Prostataerkrankungen wie die Prostatitis - was ist das genau?

Die Prostatitis ist eine Entzündung der Prostata. Diese kann beispielsweise auf Bakterien basieren, die im Rahmen eines Harnwegsinfekts in die Prostata gelangen und dort Entzündungen verursachen. Manche Prostataentzündungen können sehr langwierig sein. Sie können durch Bakterien, aber auch ohne Bakterien entstehen. Die chronische Entzündungsreaktion kann mit Beschwerden wie häufigem Wasserlassen, einem Druckgefühl am Darm oder Schwierigkeiten beim Wasserlassen verbunden sein.

Welche Untersuchungen gehören zur Prostatakrebs-Früherkennung?

Die eigentliche Untersuchung ist die Testung des PSA-Werts. PSA ist die Abkürzung für das Prostata-spezifische Antigen. Der PSA-Wert wird im Blut gemessen, weshalb eine Blutabnahme nötig ist. Der PSA-Test ist eine Laboruntersuchung und der wichtigste Marker für die Prostatakrebs-Früherkennung.

Früher war die digital-rektale Untersuchung, also die Tastuntersuchung, ein wichtiger Bestandteil der Prostatakrebs-Früherkennung. Die Untersuchung ist immer noch Bestandteil der Vorsorge. Aber bei einem Mann, der keine Beschwerden hat, ist die Untersuchung der Prostata über den Enddarm nicht die Methode, durch die sich ein Prostatakarzinom frühzeitig erkennen lässt.

Neue Früherkennung

Die aktuellen Leitlinien empfehlen statt der Tastuntersuchung jetzt den PSA-Test und die MRT - die wichtigsten Fakten.

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Ab welchem Alter sollten Männer, die keine erstgradigen Verwandte mit Prostatakrebs oder Brustkrebs haben - also keine positive Familienanamnese - mit der Vorsorge beginnen? Ab 45? 

Ja, das ist die Empfehlung in den Leitlinien. Wir bieten die Vorsorge auch ab 45 Jahren an, beziehungsweise weisen wir Männer ab diesem Alter darauf hin, dass die Krebsfrüherkennung ab dem 45. Geburtstag notwendig ist.

Wie wichtig ist der PSA-Test?

Der PSA-Test ist der wichtigste Krebsmarker für das Prostatakrebs. Leider ist es beim PSA-Wert so, dass er durch eine große Prostata, durch Entzündung oder Manipulation der Prostata, wie nach Geschlechtsverkehr oder nach Fahrradfahren, erhöht sein kann. Deswegen ist der Wert nicht so spezifisch, nicht ganz genau für einen Prostatakrebs. Aber der PSA-Wert ist ein guter Indikator dafür, ob möglicherweise ein größerer Krebs vorliegt, wenn ein Wert von drei Nanogramm pro Milliliter gemessen wurde. Dann kontrollieren wir den Wert mindestens einmal, um zu sehen, ob dies die tatsächliche Höhe ist, oder ob der Wert beispielsweise aufgrund einer Infektion erhöht war. Bestätigt sich der Wert, empfehlen wir eine weitere Diagnostik mit MRT.

Welche Rolle spielt die MRT in der Früherkennung?

Die MRT der Prostata an sich ist keine Früherkennungsmaßnahme, aber sie ist bei einem erhöhten PSA-Wert sehr wichtig für die weitere Abklärung. Ein erhöhter PSA-Wert liegt bei weit über drei Nanogramm pro Milliliter. Wird dieser in einer Kontrolluntersuchung noch einmal gemessen, wird eine MRT der Prostata durchgeführt. Die MRT ist eine sehr genaue Untersuchung. So sieht man früh, ob sich in der Prostata ein Tumor oder krebsverdächtige Herde entwickelt haben, die in einem weiteren Schritt gezielt in einer Biopsie abgeklärt werden.

Welche Rolle spielt der Ultraschall in der Früherkennung?

Der normale Ultraschall spielt in der Prostatakrebs-Früherkennung keine große Rolle. Er dient eher dazu, die Prostata und ihre Größe zu beurteilen. Für den Nachweis krebsverdächtiger Herde in der Prostata ist er nicht genau genug, denn seine Frequenz ist relativ niedrig, sie liegt bei nur 9 bis 12 Megahertz.

Aber es gibt neue Entwicklungen: Bei einem Hochfrequenz-Ultraschall mit bis zu 27 Megahertz können wir die Prostata viel genauer betrachten und dabei - wie in der MRT - tumorverdächtige Herde relativ genau beurteilen. Dies führt dann wieder gezielt zur Biopsie.

Gibt es neue Ansätze oder Tests zur Früherkennung? 

Neben dem PSA-Wert haben wir einen wichtigen, sehr preisgünstigen Biomarker: die PSA-Dichte. Dafür mes>sen wir den PSA-Wert und bestimmen im Ultraschall das Volumen der Prostata. Das Verhältnis vom PSA-Wert zum Prostatavolumen gibt an, ob der PSA-Test im Verhältnis zum Volumen der Prostata zu hoch ist, denn der PSA-Wert ist von der Größe der Prostata anhängig.

Es gibt aber auch andere Biomarker-Systeme, die im Blut, aber auch im Urin getestet werden, die möglicherweise das Vorhandensein eines Prostatakrebs andeuten können. Ein Beispiel: der Stockholm-3-Test, ein Bluttest, der sich genomische Sequenzen und Polymorphismen anschaut. Dieser Test kann relativ genau zeigen, ob möglicherweise ein großer Krebs vorhanden ist oder nicht. Er spielt vor allem eine Rolle in der Entscheidung, ob wir möglicherweise auf eine MRT oder auf eine Biopsie verzichten können.

Es gibt auch noch andere Marker wie den 4K-Score und andere Biomarker Systeme, die helfen können. Allerdings muss man dazu sagen, all diese Systeme sind aktuell noch nicht von den Krankenkassen finanziert. Es wäre eine Eigenleistung und hier sprechen wir von relativ hohen Kosten, die auf einen zukommen, zwischen 350 und 1000 €.

Das Gespräch führte Rehan Umar Din, Urologe
Redaktion: Karoline Keßler-Wirth, Medizin-Redakteurin