Aktive Überwachung bei Prostatakrebs – viele brechen sie ab

Akti­ve Über­wa­chung bedeu­tet, einen Pro­sta­ta­krebs zunächst nur zu kon­trol­lie­ren. Doch mehr als 40 Pro­zent der Män­ner bre­chen die active sur­veil­lan­ce ab, ergab eine Stu­die. Aber war­um? Von Ingrid Mül­ler

Akti­ve Über­wa­chung (active sur­veil­lan­ce) ist eine Stra­te­gie bei Pro­sta­ta­krebs, bei der Ärz­te zunächst auf eine Behand­lung ver­zich­ten, bei­spiels­wei­se auf eine Ope­ra­ti­on oder Bestrah­lung. Statt­des­sen kon­trol­lie­ren und über­wa­chen sie den Pro­sta­ta­krebs nur in bestimm­ten Zeit­ab­stän­den. Die akti­ve Über­wa­chung eig­net sich für Män­ner mit frü­hem, lokal begrenz­tem Pro­sta­ta­krebs, der noch auf die Pro­sta­ta beschränkt ist. Er hat dann noch nicht die Kap­sel der Vor­ste­her­drü­se durch­bro­chen und auch kei­ne Meta­sta­sen in ande­ren Orga­nen gebil­det, zum Bei­spiel in den Kno­chen.

Doch wie gut funk­tio­niert die akti­ve Über­wa­chung wirk­lich? Bri­ti­sche Wis­sen­schaft­ler vom King’s Col­le­ge Lon­don kamen jetzt zu einem ernüch­tern­den Ergeb­nis: Ein Groß­teil der Män­ner bricht die akti­ve Über­wa­chung inner­halb von fünf Jah­ren ab. Der häu­figs­te Grund: Der Pro­sta­ta­krebs schrei­tet vor­an. Ihre Ergeb­nis­se ver­öf­fent­lich­ten sie im Fach­blatt European Uro­lo­gy.

Aktive Überwachung – so funktioniert sie

Mehr als 40 Prozent brechen die aktive Überwachung ab

Die For­scher um Mie­ke Van Hemelri­jck ana­ly­sier­ten die Daten von mehr als 10.000 Män­nern, die an Pro­sta­ta­krebs erkrankt waren. Die Daten hat­ten sie aus der Daten­bank der Movember’s Glo­bal Action Plan Pro­sta­te Can­cer Active Sur­veil­lan­ce Initia­ti­ve gewon­nen. Alle Män­ner wur­den in 21 Zen­tren in zwölf Län­dern mit­tels akti­ver Über­wa­chung behan­delt. Im Lauf von fünf Jah­ren bra­chen gut 43 Pro­zent der Män­ner die akti­ve Über­wa­chung ab.

Die Grün­de für den Aus­stieg waren ver­schie­den: Bei rund 27 Pro­zent der Män­ner gab es Anzei­chen dafür, dass der Pro­sta­ta­krebs fort­schritt. Knapp 13 Pro­zent stie­gen von der akti­ven Über­wa­chung auf eine akti­ve Behand­lung um, obwohl sie kei­ner­lei Sym­pto­me für das Fort­schrei­ten des Pro­sta­ta­kreb­ses zeig­ten. 1,7 Pro­zent blie­ben bei der Stra­te­gie und lie­ßen ihren Pro­sta­ta­krebs beob­ach­ten. Genau­so vie­le Män­ner star­ben an ande­ren Ursa­chen als an ihrem Pro­sta­ta­krebs.

Unse­re Ana­ly­se der welt­wei­ten Pra­xis bei der akti­ven Über­wa­chung zeigt, dass mehr als 40 Pro­zent der Män­ner inner­halb der ers­ten fünf Jah­re aus der active sur­veil­lan­ce aus­stei­gen“, schrei­ben die Autoren.

Bessere Auswahlwerkzeuge für aktive Überwachung nötig

Von den Män­nern, die bei der akti­ven Über­wa­chung blie­ben, erreich­te nur rund ein Drit­tel einen Beob­ach­tungs­zeit­raum von mehr als fünf Jah­ren. Bei den meis­ten lag die­se Zeit­span­ne unter fünf Jah­ren und eini­ge Män­ner stie­gen sogar ganz aus der Nach­be­ob­ach­tung aus. Bei mehr als einem Vier­tel der Män­ner fan­den die Ärz­te inner­halb von fünf Jah­ren Hin­wei­se dar­auf, dass der Pro­sta­ta­krebs wei­ter wuchs. Nach zehn Jah­ren war dies bei fast 40 Pro­zent der Män­ner der Fall.

Ein Punkt schrän­ke jedoch die Aus­sa­ge­kraft der Stu­di­en­ergeb­nis­se ein, räu­men die Autoren ein: Nicht alle Zen­tren sei­en in die Aus­wer­tung ein­ge­schlos­sen wor­den, weil Infor­ma­tio­nen über die Grün­de für den Abbruch der akti­ven Über­wa­chung und den begrenz­ten Nach­be­ob­ach­tungs­zeit­raum fehl­ten.

Die Stu­di­en­au­toren zie­hen jeden­falls fol­gen­des Fazit: „Wir brau­chen bes­se­re Aus­wahl­werk­zeu­ge, um her­aus­zu­fin­den, für wel­chen Mann die akti­ve Über­wa­chung passt und für wel­chen nicht.“ Nur so lie­ßen sich Män­ner mit Pro­sta­ta­krebs tat­säch­lich rich­tig zur Stra­te­gie der akti­ven Über­wa­chung zuord­nen. Damit könn­ten Ärz­te auch die Rate jener Män­ner redu­zie­ren, wel­che die akti­ve Über­wa­chung abbre­chen, obwohl sie gar kei­ne Sym­pto­me für das Fort­schrei­ten ihres Pro­sta­ta­kreb­ses zeig­ten.

Quellen
  • Van Hemelri­jck M. et al Rea­sons for Dis­con­ti­nuing Active Sur­veil­lan­ce: Assess­ment of 21 Cen­tres in 12 Coun­tries in the Movem­ber GAP3 Con­sor­ti­um. European Uro­lo­gy, Volu­me 75, Issue 3, March 2019, Pages 523–531

Datum: 26.6.2019

Behandlungen bei Prostatakrebs

Wel­che Behand­lung ist für mich geeig­net? Von Ope­ra­ti­on, Strah­len­the­ra­pie bis Kom­ple­men­tär­me­di­zin – alle The­ra­pi­en im Über­blick.

Prostatabiopsie – leidet die Erektionsfähigkeit?

Kann eine Pro­statabi­op­sie zu Erek­ti­ler Dys­funk­ti­on füh­ren? Die­se Fra­ge ist noch weit­ge­hend uner­forscht. Eine neue Stu­die lie­fert jetzt Ant­wor­ten, ob und inwie­weit sich die Gewe­be­ent­nah­me auf die Erek­ti­ons­fä­hig­keit aus­wirkt.

Prostatakrebs: Strahlentherapie nach Op unnötig?

Vie­le Män­ner erhal­ten direkt nach der Ope­ra­ti­on eine Strah­len­the­ra­pie zur Sicher­heit. Doch eine neue Stu­die zeigt, dass die sofor­ti­ge Bestrah­lung kei­ne Vor­tei­le bringt – und damit über­flüs­sig sein könn­te. Abwar­ten ist womög­lich bes­ser.

Prostata Hilfe Deutschland: Beckenbodentraining für Männer

Beckenbodentraining für Männer – Übungen und Tipps

Das Becken­bo­den­trai­ning für Män­ner ist für vie­le ein noch unbe­kann­tes Ter­rain. Dabei kann ein star­ker Becken­bo­den­bo­den bei Inkon­ti­nenz nach einer Pro­­sta­­ta­krebs-Op oder Strah­len­the­ra­pie hel­fen. Auch die Potenz soll es wie­der stär­ken.

Prostata Hilfe Deutschland - Illustrationsbild Prostata-Arterien-Embolisation: Die vergrößerte Prostata wird geschrumpft.

Prostata-Arterien-Embolisation – so funktioniert sie

Bei einer Pro­­sta­­ta-Arte­­ri­en-Embo­­li­­sa­­ti­on schrump­fen Ärz­te die ver­grö­ßer­te Pro­sta­ta mit Hil­fe win­zi­ger Kügel­chen. Alles über den Ablauf, die Risi­ken und Neben­wir­kun­gen!

Prostata Hilfe Deutschland: Alles über Prostatakrebs

Krebsbehandlung – 4 Verbesserungen, die sich Krebspatienten wünschen

Wie erle­ben Krebs­pa­ti­en­ten welt­weit ihre Dia­gno­se, Behand­lung und Betreu­ung? Eine inter­na­tio­na­le Umfra­ge fil­ter­te vier Berei­che her­aus, bei denen es aus der Sicht von Krebs­pa­ti­en­ten hapert – von der Krebs­dia­gno­se über die Behand­lung bis hin zu finan­zi­el­len Aspek­ten.

Prostata Hilfe Deutschland: Illustrationsbild Arbeitsfähigkeit - Gestresster Mann im Büro

Arbeitsfähigkeit nach Krebs: Fatigue als großer Risikofaktor

Die Fati­gue nach einer Krebs­er­kran­kung ist auch noch meh­re­re Jah­re nach der Behand­lung mit einer nied­ri­ge­ren Arbeits­fä­hig­keit ver­knüpft – sie kann die Berufs­tä­tig­keit gefähr­den. Beson­ders bei psy­chi­schen Anfor­de­run­gen haben Betrof­fe­ne Schwie­rig­kei­ten.

Prostata Hilfe Deutschland: Illustrationsbild - Hormonentzug bei Prostatakrebs macht eine Demenz wahrscheinlicher.

Hormonentzug bei Prostatakrebs – fördert er Demenzen?

Bei hor­mon­emp­find­li­chem Pro­sta­ta­krebs ent­zie­hen Ärz­te dem Tumor das Tes­to­ste­ron – und stop­pen so das Wachs­tum. Aber der Hor­mon­ent­zug scheint auch das Risi­ko für Demen­zen zu begüns­ti­gen, ergab eine US-Stu­­die

Strahlentherapie

PSMA, PET und CT

Op bei Pro­sta­ta­krebs

Radikale Prostatektomie: Bei Männern mit frühem Prostatakrebs entfernen Ärzte die Prostata

Radi­ka­le Pro­sta­tek­to­mie: Bei Män­nern mit frü­hem Pro­sta­ta­krebs ent­fer­nen Ärz­te die Pro­sta­ta

Strah­len­the­ra­pie

Strah­len­the­ra­pie: Wie Ärz­te Pro­sta­ta­tu­mo­ren mit Strah­lung bekämp­fen!

PSMA

Eiweiß PSMA und radiaktiver Strahler gegen Prostatakrebs

Eiweiß PSMA: Pro­sta­ta­krebs bes­ser erken­nen und behan­deln

Lokal begrenz­ter Krebs

Lokal begrenzter Prostatakrebs ist unterschiedlich bösartig (c) artegorov3@gmail.com/Adobe Stock

Lokal begrenz­ter Pro­sta­ta­krebs ist unter­schied­lich bös­ar­tig

Sie suchen weitere Informationen?
__

Pro­bie­ren Sie unse­re The­men­über­sicht, die Schlag­wort­su­che oder die Voll­text­su­che aus!

Unterstützen Sie uns mit Ihrer Spende

© Pro­sta­ta Hil­fe Deutsch­land | Impres­sum | Daten­schutz