Früherkennung von Prostatakrebs: Was lässt den Arzt Verdacht schöpfen?

Ihr Arzt hat den Verdacht auf Prostatakrebs geäußert? Dann haben Sie sicher viele Fragen. Dr. Schiefelbein gibt Antworten.

Prostatakrebs: Was lässt den Hausarzt Verdacht schöpfen?

Wenn der Haus­arzt oder Uro­lo­ge im Rah­men der Vor­sor­ge­un­ter­su­chung den Ver­dacht äußert, dass Pro­sta­ta­krebs vor­lie­gen könn­te, was steckt dann dahin­ter? Was lässt ihn Ver­dacht schöp­fen?

Meist ist dann der Tast­be­fund auf­fäl­lig, erklärt Dr. Frank Schie­fel­bein, Uro­lo­ge aus Würz­burg. Denn ande­re Unter­su­chun­gen, die auf ein Pro­statakar­zi­nom im frü­hen Sta­di­um hin­deu­ten könn­ten – wie etwa die Bestim­mung des PSA-Werts oder ein soge­nann­ter trans­rek­ta­ler Ultra­schall, kurz TRU – wer­den der­zeit nicht von den Kran­ken­kas­sen über­nom­men.

Symptome erst in späten Stadien

Aber auch ande­re Auf­fäl­lig­kei­ten kön­nen dazu füh­ren, dass der Arzt Ver­dacht schöpft. Im frü­hen Sta­di­um ver­ur­sacht Pro­sta­ta­krebs zwar kei­ne Sym­pto­me. Aber in fort­ge­schrit­te­nen Sta­di­en kann es Warn­zei­chen geben: zum Bei­spiel Blut im Urin, Schmer­zen im Bereich der Pro­sta­ta, Pro­ble­me mit dem Was­ser­las­sen oder beim Stuhl­gang oder auch Rücken­schmer­zen oder Ischi­as-ähn­li­che Schmer­zen.

Wie geht es bei einem auffälligen Tastbefund weiter?

Ist es ein auf­fäl­li­ger Tast­be­fund, der den Ver­dacht auf Pro­sta­ta­krebs begrün­det hat, dann wer­den erst ein­mal die ande­ren Unter­su­chun­gen gemacht: näm­lich der PSA-Wert bestimmt und ein trans­rek­ta­ler Ultra­schall – also eine Ultra­schall­un­ter­su­chung vom End­darm aus – gemacht.

Soll­ten sich auch hier Auf­fäl­lig­kei­ten zei­gen, wird in der Regel eine Biop­sie gemacht: Denn die Dia­gno­se Pro­sta­ta­krebs kann grund­sätz­lich nur durch eine Biop­sie, also eine Pro­ben­ent­nah­me aus der Pro­sta­ta, sicher fest­ge­stellt wer­den.

Warum ist eine Biopsie notwendig?

Doch war­um ist eine Biop­sie über­haupt not­wen­dig? Könn­te man nicht auch über einen Ultra­schall oder eine Kern­spin­to­mo­gra­phie (MRT) fest­stel­len, ob ein bös­ar­ti­ger Tumor in der Pro­sta­ta vor­han­den ist?

Ultra­schall oder MRT kön­nen nur Hin­wei­se geben, so Schie­fel­bein. Die letzt­end­li­che Dia­gno­se kann man nur fein­ge­web­lich stel­len. Das heißt, ein Patho­lo­ge muss sich die Zel­len unter dem Mikro­skop anschau­en.

Wer führt die Biopsie durch?

Von wem soll­te man die Biop­sie machen las­sen? Und kann man sich den Arzt aus­su­chen? Schie­fel­bein: Die Biop­sie wird ambu­lant von einem Uro­lo­gen durch­ge­führt. Soll­te der Arzt die Biop­sie selbst nicht anbie­ten, kann er auf einen Kol­le­gen ver­wei­sen. Ins Kran­ken­haus muss man dafür nicht.

Was kommt bei der Untersuchung auf mich zu?

Wesent­lich ist, dass man für die Biop­sie ent­spre­chend auf­ge­klärt wird, so Schie­fel­bein. Denn auch wenn bei einer Biop­sie nur ganz fei­ne Stanz-Zylin­der ent­nom­men wer­den, ist das ein inva­si­ver Ein­griff mit gewis­sen Risi­ken. Zum Bei­spiel kann es not­wen­dig sein, vor­ab Medi­ka­men­te abzu­set­zen oder umzu­stel­len, um das Risi­ko der Blu­tung zu mini­mie­ren. Und der Pati­ent muss sorg­fäl­tig über den Ein­griff, den Ablauf und die mög­li­chen Fol­gen auf­ge­klärt wer­den.

Ist die Biopsie wirklich notwendig?

Soll ich mich als Pati­ent wirk­lich einer sol­chen Biop­sie unter­zie­hen, auch wenn ich kei­ne Beschwer­den habe? Ja, denn Pro­sta­ta­krebs ver­ur­sacht erst in einem sehr spä­ten Sta­di­um Sym­pto­me, erläu­tert Dr. Frank Schie­fel­bein. Wir wol­len den Krebs aber mög­lichst in einem frü­hen Sta­di­um dia­gnos­ti­zie­ren.

Wie schnell sollte die Biopsie gemacht werden?

Ist Eile gebo­ten? Eile in dem Sin­ne nicht, meint Schie­fel­bein. Aber die Unter­su­chung soll­te den­noch zeit­nah geplant und durch­ge­führt wer­den, um den Ver­dacht mög­lichst bald zu bestä­ti­gen oder auch aus­zu­räu­men.

Datum: 20.4.2018

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