Prostata: Nur jeder vierte Mann kennt sich aus!

Was wis­sen Män­ner über ihre Pro­sta­ta? Erschre­ckend wenig! Nur jeder Vier­te kann sagen, wofür sie gut ist. Zu die­sem Ergeb­nis kommt eine neue Stu­die. Von Ingrid Mül­ler

Die Pro­sta­ta ist für aller­lei Auf­ga­ben zustän­dig: Sie pro­du­ziert einen Teil der Samen­flüs­sig­keit, die für den Trans­port, die Beweg­lich­keit und Befruch­tungs­fä­hig­keit der Sper­mi­en enorm wich­tig ist. Sie spielt also eine wesent­li­che Rol­le beim Samen­er­guss – der Eja­ku­la­ti­on – und somit auch der Zeu­gungs­fä­hig­keit von Män­nern. Dar­über hin­aus pro­du­zie­ren die Zel­len der Pro­sta­ta das pro­stat­a­spe­zi­fi­sche Anti­gen, kurz PSA.

Doch um das Wis­sen der Män­ner rund um ihre Pro­sta­ta ist es nicht gera­de zum Bes­ten bestellt. Beson­ders Män­ner über 50 Jah­ren sei­en „alar­mie­rend schlecht“ dar­über infor­miert, wel­che Funk­tio­nen und Auf­ga­ben ihre Vor­ste­her­drü­se eigent­lich hat. Dies ergab eine Umfra­ge der Euro­pean Asso­cia­ti­on oft Uro­lo­gy (EAU). Und das sei beson­ders gra­vie­rend ange­sichts der Tat­sa­che, dass etwa 40 Pro­zent der Män­ner ab 60 Jah­ren und auf­wärts mit ihrer Pro­sta­ta zu tun bekom­men: Sie lei­den an einer gut­ar­ti­gen Pro­sta­ta­ver­grö­ße­rung.

 

Wir wol­len etwas für die Auf­klä­rung und Gesund­heit der Män­ner in Deutsch­land sowie deren Ange­hö­ri­gen tun.
Dr. Frank Schie­fel­bein, Uro­lo­ge

Nur ein Viertel weiß, wofür die Prostata gut ist

Die Umfra­ge hat­te zum Ziel, das Wis­sen der Män­ner über ihre Pro­sta­ta zu tes­ten. Mehr als 3.000 Män­ner über 50 Jah­ren aus Deutsch­land, Groß­bri­tan­ni­en und Frank­reich nah­men an der Stu­die teil. Sie soll­ten ver­schie­dens­te Fra­gen rund um die Pro­sta­ta sowie zu Sym­pto­men und Erkran­kun­gen beant­wor­ten. Bei­spie­le: Wie oft sie unter bestimm­ten Sym­pto­men lit­ten oder wie viel Zeit sie bis zu einem Arzt­be­such ver­strei­chen las­sen wür­den.

Prostatahilfe Deutschland: Nur jeder Vierte kennt die Funktion der Prostata

Als ers­tes fan­den die For­scher her­aus, dass nur einer von vier Män­nern (26 Pro­zent) die Haupt­auf­ga­be der Pro­sta­ta kor­rekt benen­nen konn­te – näm­lich die Pro­duk­ti­on der Samen­flüs­sig­keit für den Trans­port der Sper­mi­en. Die gute Nach­richt: Mit zuneh­men­dem Alter nahm die Ahnungs­lo­sig­keit über die Haupt­funk­ti­on der Vor­ste­her­drü­se ab: Bei den 50- bis 55-Jäh­ri­gen wis­sen nur 21 Pro­zent Bescheid, bei den über 70-Jäh­ri­gen sind es schon 35 Pro­zent.

Vergrößerte Prostata: 50 Prozent erkennen die Symptome nicht

Zudem deck­ten sie eine Rei­he von Miss­ver­ständ­nis­sen über die Gesund­heit der Pro­sta­ta und beson­ders über die gut­ar­ti­ge Pro­sta­ta­ver­grö­ße­rung auf. Im Fach­jar­gon heißt sie auch benig­ne Pro­sta­ta­hy­per­pla­sie oder abge­kürzt BPH. Nor­ma­ler­wei­se besitzt die Pro­sta­ta die Grö­ße einer Wal­nuss. Mit zuneh­men­dem Alter wächst die Vor­ste­her­drü­se jedoch bei vie­len Män­nern und engt die Harn­röh­re immer wei­ter ein. Die Grün­de für die Pro­sta­ta­ver­grö­ße­rung sind noch nicht genau bekannt. Ärz­te ver­mu­ten aber, dass hor­mo­nel­le Ver­än­de­run­gen wich­ti­ge Mit­spie­ler sind.

Nur gut 38 Pro­zent der Män­ner konn­ten die gut­ar­ti­ge Pro­sta­ta­ver­grö­ße­rung rich­tig iden­ti­fi­zie­ren. Aller­dings haper­te es bei vie­len Män­ner bei der Ein­ord­nung fol­gen­der Sym­pto­me der BHP:

  • plötz­li­cher Harn­drang
  • Pro­ble­me, das Was­ser­las­sen zu begin­nen
  • Schmer­zen oder Bren­nen beim Was­ser­las­sen
  • nächt­li­cher Harn­drang (mehr als ein­mal pro Nacht auf­ste­hen)
  • das Gefühl, die Bla­se nicht kom­plett ent­lee­ren zu kön­nen (Rest­harn­ge­fühl)

Fast 50 Pro­zent der Män­ner zwi­schen 50 und 60 Jah­ren sag­ten die­se Sym­pto­me einer gut­ar­ti­gen Pro­sta­ta­ver­grö­ße­rung über­haupt nichts. Und nur einer von sechs männ­li­chen Geschöp­fen (17 Pro­zent) wuss­te, dass die­se Beschwer­den kei­ne „nor­ma­le Alters­er­schei­nung“ sind.

Prostata Hilfe Deutschland: Arztbesuch bei Symptomen einer Prostatavergrößerung

Zwar wächst die Pro­sta­ta mit dem Alter nur lang­sam und die Beschwer­den sind bei vie­len zunächst nur mild aus­ge­prägt. Je schwe­rer die Sym­pto­me wer­den, des­to stär­ker beein­träch­ti­gen sie auch die Lebens­qua­li­tät. Außer­dem haben Män­ner mit mode­ra­ten oder schwe­ren Pro­sta­ta-Sym­pto­men ein erhöh­tes Risi­ko für Herz-Kreis­lauf-Erkran­kun­gen wie Schlag­an­fall oder sogar den Herz­tod.

Das Schweigen der Männer bei Problemen mit der Prostata

Ein wei­te­res Ergeb­nis der Umfra­ge ist, dass Män­ner die Beschwer­den mit ihrer Pro­sta­ta kaum mit ihrer Part­ne­rin, dem Part­ner oder Fami­li­en­mit­glie­dern dis­ku­tie­ren. Nur 13 Pro­zent gaben an, sich bei Ver­trau­ten und Ange­hö­ri­gen zu infor­mie­ren. „Frü­he­re Stu­di­en haben gezeigt, dass Frau­en defi­ni­tiv mehr über Män­ner­ge­sund­heit wis­sen als die Män­ner selbst“, sagt der Uro­lo­ge Prof. Hein Van Pop­pel von der EAU. „Des­halb ermu­ti­gen wir die Män­ner dazu, ihre uro­lo­gi­schen Pro­ble­me und Krank­hei­ten mit dem Part­ner oder der Fami­lie zu bespre­chen. Wir raten jedoch auch dazu, einen Spe­zia­lis­ten auf­zu­su­chen, zum Bei­spiel einen Uro­lo­gen.“

Auf die Fra­ge, an wen sie sich bei Pro­ble­men mit dem Was­ser­las­sen wen­den wür­den, sag­ten 61 Pro­zent: an ihren Haus­arzt. Inter­es­san­ter­wei­se gab es bei die­ser Fra­ge gro­ße Unter­schie­de zwi­schen den Män­nern in den drei Län­dern. In Frank­reich und Groß­bri­tan­ni­en wür­den 67 bezie­hungs­wei­se 66 Pro­zent der Befrag­ten sich Rat bei ihrem Haus­arzt ein­ho­len. In Deutsch­land wür­den sich dage­gen nur 50 Pro­zent einem Arzt anver­trau­en.

Nur ein Vier­tel der Män­ner (24 Pro­zent) wür­de „Dr. Goog­le“ nut­zen, um mehr Infor­ma­tio­nen über ihre Sym­pto­me her­aus­zu­fin­den. Dies deu­te dar­auf hin, dass Män­ner in die­ser Alters­grup­pe das direk­te Gespräch mit einem Arzt bevor­zu­gen wür­den.

Prostata-Wissen der Männer – es muss besser werden

Die Ergeb­nis­se sind wirk­lich besorg­nis­er­re­gend“, kom­men­tiert Uro­lo­ge Van Pop­pel. „Das gilt beson­ders, weil in der Stu­die Män­ner in einem Alter befragt wur­den, in dem die Wahr­schein­lich­keit für eine Pro­sta­taer­kran­kung erhöht ist, zum Bei­spiel eine Pro­sta­ta­ver­grö­ße­rung oder Pro­sta­ta­krebs.“ In einer altern­den Gesell­schaft trä­ten die­se Erkran­kun­gen in Zukunft noch weit­aus häu­fi­ger auf. „Wir müs­sen sicher­stel­len, dass Män­ner dar­über gut infor­miert sind. Nur so kön­nen wir eine zeit­na­hen Arzt­be­such und eine rasche Behand­lung gewähr­leis­ten, falls dies nötig ist“, so Van Pop­pel wei­ter.

Shared Decision Making: Favorit bei jüngeren und deutschen Männern

Für die gut­ar­ti­ge Pro­sta­ta­ver­grö­ße­rung gibt es eine Rei­he von The­ra­pie­mög­lich­kei­ten. Dazu gehö­ren unter ande­rem Medi­ka­men­te oder eine Pro­sta­ta-Ope­ra­ti­on, etwa mit­tels Skal­pell, Laser oder Was­ser­dampf. Die Hälf­te der Befrag­ten Män­ner favo­ri­sier­te es, die Wahl zwi­schen ver­schie­de­nen Behand­lun­gen zu haben. 38 Pro­zent fan­den es bes­ser, wenn der Arzt ihnen eine Behand­lungs­mög­lich­keit emp­fahl. Und zwölf Pro­zent war es egal – sie hat­ten kei­ne Prä­fe­renz.

Inter­es­sant war auch, dass jün­ge­re Män­ner zwi­schen 50 und 55 Jah­ren sowie Män­ner aus Deutsch­land das soge­nann­te Shared Decisi­on Making favo­ri­sier­ten. Dabei dis­ku­tie­ren Pati­en­ten mit ihrem Arzt sämt­li­che Behand­lungs­mög­lich­kei­ten und ent­schei­den dann gemein­sam, wel­che indi­vi­du­ell am bes­ten ist. Dage­gen hiel­ten älte­re Män­ner von 70 Jah­ren und auf­wärts sowie Pati­en­ten aus Frank­reich und Groß­bri­tan­ni­en weni­ger von der gemein­sa­men Ent­schei­dungs­fin­dung.

Shared Decision Making – so gehts!

Van Pop­pel sagt: „Jeder Pati­ent ist anders. Aber gemein­sam mit einem spe­zia­li­sier­ten Uro­lo­gen soll­ten Män­ner in der Lage sein, eine infor­mier­te Ent­schei­dung über die best­mög­li­che Behand­lung zu tref­fen.“ Wer Beschwer­den habe, sol­le sich also rasch ärzt­li­che Hil­fe suchen. „Wir kön­nen ihnen wahr­schein­lich ziem­lich leicht hel­fen.“

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Datum: 1.10.2019

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