Prostatakrebs: USA empfehlen wieder PSA-Screening

2012 hat­ten die USA die Rei­hen­un­ter­su­chun­gen auf Pro­sta­ta­krebs mit­tels PSA-Test bei Män­nern kom­plett abge­schafft. Ein Exper­ten­gre­mi­um hat das nun revi­diert: Das PSA-Scree­ning wird wie­der emp­foh­len – zumin­dest für bestimm­te Män­ner. Eini­ge Uro­lo­gen bezeich­nen das als über­fäl­lig. Von Mar­ti­na Häring

In den USA gibt es eine Kehrt­wen­de beim Pro­sta­ta­krebs-Scree­ning mit­tels PSA-Wert: Das Exper­ten­gre­mi­um U.S. Pre­ven­ti­ve Ser­vices Task Force (UPSTF) emp­fiehlt seit Kur­zem wie­der, die Blut­un­ter­su­chung bestimm­ten Män­nern anzu­bie­ten – auch wenn sonst kei­ne Hin­wei­se auf Pro­sta­ta­krebs vor­han­den sind. Davor lau­te­ten die Emp­feh­lun­gen seit 2012, das Scree­ning – also die Rei­hen­un­ter­su­chung von gesun­den, beschwer­de­frei­en Män­nern bestimm­ter Alters­stu­fen – gar nicht mehr durch­zu­füh­ren. Für die aktua­li­sier­ten Emp­feh­lun­gen hat das Gre­mi­um die Ergeb­nis­se von ins­ge­samt 63 Stu­di­en ausgewertet.

Die bis­he­ri­gen Argu­men­te – das PSA-Scree­ning sei zu unge­nau und habe zudem mehr Nach- als Vor­tei­le, da es nicht zwi­schen aggres­si­ven und harm­lo­sen Pro­sta­ta­krebs-For­men unter­schei­de – waren in den letz­ten Mona­ten und Jah­ren zuneh­mend in die Kri­tik gera­ten. Eini­ge Exper­ten sagen des­halb, die Aktua­li­sie­rung der Emp­feh­lun­gen sei längst über­fäl­lig gewe­sen. Ande­re sehen das PSA nach wie vor kritisch.

Die US-Empfehlungen im Einzelnen

Kon­kret sagt die ame­ri­ka­ni­sche „Vor­sor­ge-Task-Force“, dass Män­ner zwi­schen 55 und 69 indi­vi­du­ell ent­schei­den soll­ten, ob sie ein PSA-Scree­ning machen las­sen wol­len oder nicht. Wenn ein Mann also bei sei­nem Arzt Inter­es­se an einer sol­chen Vor­sor­ge-Unter­su­chung bekun­det, soll­te die­ser ihn über das Für und Wider des PSA auf­klä­ren, sodass die­ser eine fun­dier­te Ent­schei­dung „ent­spre­chend sei­ner indi­vi­du­el­len Prä­fe­ren­zen“ und „per­sön­li­chen Umstän­de“ tref­fen kann. Män­nern, die 70 Jah­re und älter sind, soll­te man das PSA-Scree­ning nach wie vor grund­sätz­lich nicht anbieten.

Ein erhöh­tes Risi­ko für Pro­sta­ta­krebs, so die USPSTF, haben Afro­ame­ri­ka­ner sowie Män­ner mit frü­hen, aggres­si­ven Pro­sta­ta­krebs-For­men oder Pro­sta­ta­krebs-Todes­fäl­len in der Fami­lie. Sie soll­ten dazu geson­dert auf­ge­klärt werden.

»> Die wich­tigs­ten Fak­ten zum PSA-Wert im Überblick

Kehrtwende kommt nicht überraschend

Das US-Exper­ten­gre­mi­um hat­te bereits 2017 einen Ent­wurf für neue Emp­feh­lun­gen aus­ge­ar­bei­tet. Neu in der fina­len Ver­si­on: Sie kommt mit aus­führ­li­chen Infor­ma­tio­nen zu den mög­li­chen nega­ti­ven Aus­wir­kun­gen eines Scree­nings – ins­be­son­de­re den Fol­gen einer Über­dia­gno­se und Über­the­ra­pie. Dass durch das PSA-Scree­ning mehr Pro­sta­ta­krebs-Fäl­le in frü­hen Sta­di­en ent­deckt wer­den, ist näm­lich unstrit­tig. Kri­ti­ker sagen jedoch, die posi­ti­ve Wir­kung wer­de davon über­schat­tet, dass auch vie­le harm­lo­se Pro­sta­ta-Krebs-For­men ent­deckt wer­den, die gar nicht behan­delt wer­den müss­ten, weil sie dem Betrof­fe­nen zeit­le­bens kei­ne Beschwer­den berei­tet hät­ten. In die­sem Sin­ne infor­miert das Gre­mi­um über die psy­cho­lo­gi­schen und kör­per­li­chen Fol­gen einer unnö­ti­gen Dia­gno­se oder Therapie.

Was empfehlen Gremien in Deutschland?

Auch in Deutsch­land gibt es ent­spre­chen­de Emfpeh­lun­gen, die von der Deut­schen Gesell­schaft für Uro­lo­gie (DGU) her­aus­ge­ge­ben wer­den. Sie emp­feh­len genau wie die US-Richt­li­ni­en eine indi­vi­du­el­le Ent­schei­dung nach ein­ge­hen­der Auf­klä­rung über die Risi­ken durch den Arzt – aller­dings schon ab 45 Jah­ren. Nach oben gibt es kei­ne fixe Alters­be­schrän­kung, aller­dings muss die geschätz­te Lebens­er­war­tung min­des­tens zehn Jah­re betra­gen. Ob und wie oft der PSA-Test wie­der­holt wer­den soll­te, hängt von der Höhe des PSAs und vom Alter ab. Män­ner mit erhöh­tem Pro­sta­ta­krebs-Risi­ko soll­ten gege­be­nen­falls schon fünf Jah­re frü­her mit dem Scree­ning beginnen.

 

» Erhöh­ter PSA-Wert: Was dahin­ter­ste­cken kann, erklärt Dr. Schie­fel­bein im Video

 

Datum: 25.05.2018

Mehr zum The­ma PSA:

Prostatakrebs vorbeugen: Dem Krebs einfach davon radeln?

Können Männer Prostatakrebs vorbeugen?

Pro­sta­ta­krebs vor­beu­gen – das wün­schen sich wohl die meis­ten Män­ner. Zwar gibt es kei­ne Maß­nah­me, die einen 100-pro­zen­ti­gen Krebs­schutz ver­spricht. Ein gesun­der Lebens­stil kann jedoch das Krebs­ri­si­ko min­dern. Die bes­ten Tipps! 
Wei­ter­le­sen
Was bringt der PSA-Test?

PSA-Test: ja oder nein?

Ist der PSA-Test für Män­ner sinn­voll oder nicht? Lang­sam gibt es auf­grund neu­er Stu­di­en­da­ten ein Umden­ken beim Pro­sta­ta­krebs-Scree­ning. Alle Vor- und Nach­tei­le sowie die Risi­ken der Rei­hen­un­ter­su­chung im Überblick! 
Wei­ter­le­sen
Wie sinnvoll ist das PSA-Screening?

Ist das PSA-Screening auf Prostatakrebs nutzlos?

Der PSA-Test zur Früh­erken­nung von Pro­sta­ta­krebs ist in vie­len Län­dern umstrit­ten – auch in Deutsch­land. Eine gro­ße bri­ti­sche Stu­die wies nun nach, dass ein ein­ma­lig bestimm­ter PSA-Wert kein Män­ner­le­ben ret­tet. Das PSA-Scree­ning sei dem­nach nutz­los. Aber stimmt das wirk­lich? Eine Analyse. 
Wei­ter­le­sen
Welche Untersuchungen stehen nach der Diagnose Prostatakrebs an?

MRT bei Prostatakrebs: Kann sie die Biopsie ersetzen?

Ist die MRT bei Pro­sta­ta­krebs ein Ersatz für die Biop­sie? Alle Fak­ten rund um die­se Dia­gno­se­me­tho­den erklärt der Uro­lo­ge Dr. Frank Schie­fel­bein im Video-Interview. 
Wei­ter­le­sen
Welche Untersuchungen stehen nach der Diagnose Prostatakrebs an?

PSA-Screening auf Prostatakrebs: mehr Diagnosen, mehr Therapien?

Führt ein PSA-Scree­ning auf Pro­sta­ta­krebs zu mehr Dia­gno­sen und The­ra­pi­en? Die wich­tigs­ten Ant­wor­ten lie­fert der Uro­lo­ge Dr. Frank Schie­fel­bein im Video-Interview. 
Wei­ter­le­sen

Prostatakrebs: USA empfehlen wieder PSA-Screening

Das ame­ri­ka­ni­sche Exper­ten­gre­mi­um USPSTF hat in punc­to Pro­sta­ta­krebs-Vor­sor­ge eine Kehrt­wen­de vollzogen. 
Wei­ter­le­sen

Quel­len:

Die Emp­feh­lun­gen der USPSTF kön­nen Sie hier auf Eng­lisch nach­le­sen: https://screeningforprostatecancer.org/

US-Exper­ten­gre­mi­um revi­diert Emp­feh­lung zum PSA-Scree­ning – Kehrt­wen­de „über­fäl­lig“, sagen deut­sche Exper­ten“ auf Med­s­cape Medi­zin: https://deutsch.medscape.com/artikelansicht/4906990#vp_1

Sie suchen weitere Informationen?
__ 

Pro­bie­ren Sie unse­re The­men­über­sicht, die Schlag­wort­su­che oder die Voll­text­su­che aus!

Unterstützen Sie uns mit Ihrer Spende

© Pro­sta­ta Hil­fe Deutsch­land | Impres­sum | Daten­schutz