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Zweitmeinung bei Prostatakrebs – Tipps und Hilfe

13. Januar 2026 | von Ingrid Müller - Chefredakteurin, aktualisiert und medizinisch geprüft

Eine Zweitmeinung kann bei Prostatakrebs sinnvoll sein, weil Sie tiefgreifende Entscheidungen über die Krebsbehandlungen treffen müssen. Eine zweite Meinung zum Therapievorschlag kann Sicherheit geben.

Kurzübersicht

  • Was ist eine Zweitmeinung? Bei Unsicherheiten oder Erklärungsbedarf zu einem Therapievorschlag können Sie sich die Meinung eines zweiten Experten oder einer Expertin einholen - dieses Recht ist im Gesetz verankert, neuerdings gilt es auch für frühen Prostatakrebs ohne Metastasen
  • Wer hilft bei der Suche? Ihr Arzt oder Ihre Ärztin hat oft Adressen, bei der Krankenkasse nachfragen, das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) hilft bei der Suche nach medizinischen Fachleuten oder zertifizierten Krebszentren, auch Krebsberatungsstellen bieten Unterstützung;
  • Wie funktioniert es? Gesetzliche Versicherte sollten sich Überweisung ausstellen lassen, alle Unterlagen sammeln, Arzt oder Ärztin leitet Befunde, Laborwerte, Bilder etc. an jene weiter, die die Zweitmeinung abgeben sollen; meist Besuchstermin vor Ort, Krankenkassen übernehmen in der Regel die Kosten vollständig oder teilweise
  • Warum ist die Zweitmeinung wichtig? Kann den ursprünglichen Behandlungsvorschlag betätigen, aber auch die Behandlungsentscheidung verändern - kann Sicherheit geben, Spektrum der Behandlungen erweitern und zu fundierter Entscheidung beitragen

Was ist eine ärztliche Zweitmeinung?

Eine ärztliche Zweitmeinung bedeutet, dass Sie sich zusätzlichen ärztlichen Rat zu einer schon gestellten Diagnose oder zu empfohlenen Behandlungen einholen. Eine zweite Meinung kann Menschen mit Krebs (und anderen Krankheiten) dabei helfen, mehr Licht in die Therapievorschläge zu bringen und sich Sicherheit zu verschaffen. Denn nach der Diagnose Prostatakrebs türmen sich wohl für viele Männer einige Fragen auf, am häufigsten zu den vorgeschlagenen Krebsbehandlungen

Einige Beispiele:

  • Soll ich wirklich eine Prostata-Operation durchführen lassen? Die radikale Prostatektomie kann zwar Prostatakrebs wirksam bekämpfen, ist aber mit unangenehmen Nebenwirkungen wie der Erektilen Dysfunktion oder Inkontinenz verbunden.
  • Ist die Strahlentherapie wirklich eine Alternative zur radikalen Prostatektomie? Gehe ich mit einer Entscheidung für die Bestrahlung und gegen die Prostata-OP ein Risiko ein und wie groß ist dieses?
  • Soll ich besser mit der Therapie abwarten und den Prostatakrebs aktiv überwachen oder das Prostatakarzinom sofort behandeln lassen? Für Prostatakrebs im Frühstadium mit einem niedrigen Risikoprofil empfehlen die neuen Leitlinien zum Prostatakarzinom jetzt nur die Aktive Überwachung und zunächst keine Behandlung mehr. 

 

Wenn Sie sich unsicher fühlen, ob Sie die Krebsbehandlungen wie von Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin vorgeschlagen machen sollten, oder wenn Sie noch besser über Alternativen Bescheid wissen möchten, kann eine Zweitmeinung helfen. Bei Prostatakrebs sind Urologen, Urologinnen, Onkologen und Onkologinnen die richtigen Ansprechpartner für eine zweite Meinung.  

Dass Patienten und Patientinnen sogar ein Recht auf eine unabhängige Zweitmeinung haben, ist vielen Menschen nicht bewusst. Dabei ist dieses Recht seit dem Jahr 2016 im Sozialgesetzbuch festgeschrieben (§27b SGB V). Wer eine schwerwiegende Diagnose wie Prostatakrebs erhalten hat und verschiedene Krebsbehandlungen durchlaufen soll, darf einen zweiten Arzt oder eine Ärztin zu den Therapievorschlägen des behandelnden Arztes oder der Ärztin befragen. 

Neues – schon gewusst?

Neu ist, dass jetzt auch gesetzlich Versicherte mit einem lokalen Prostatakrebs ohne Metastasen einen Anspruch auf eine unabhängige ärztliche Zweitmeinung haben. Sie können diese einholen, wenn Ihnen eine der folgenden drei Therapien vorgeschlagen wurde: radikale Prostatektomie, Strahlentherapie über die Haut oder eine Brachytherapie.

Wer hilft beim Einholen der Zweitmeinung bei Prostatakrebs?

Eines vorab: Wenn Sie sich eine Zweitmeinung einholten, ist dies kein Misstrauen gegenüber dem ersten Arzt oder der Ärztin, sondern hilft Ihnen bei der Entscheidungsfindung. Sie gewinnen Sicherheit darüber, ob vorgeschlagene Behandlungen wie Operation, Bestrahlung, Hormontherapie oder Chemotherapie die richtige Wahl für Sie sind und welche anderen Therapiemöglichkeiten womöglich noch in Frage kommen. Die Initiative zum Einholen eines zweiten ärztlichen Ratschlags kann von Ihrem Arzt oder der Ärztin, aber auch von Ihnen selbst ausgehen.

Ihr behandelnder Arzt oder die Ärztin muss Sie über dieses Recht aufklären und Sie dabei unterstützen, diese Zweitmeinung auch zu bekommen. Die meisten Ärzte und Ärztinnen haben viel Verständnis für das Einholen einer zweiten Meinung. Sie unterstützen Sie dabei, indem sie sämtliche Unterlagen wie Befunde, Laborwerte und Bilder digital an jene Fachkollegen und -kolleginnen weiterleiten, die die Zweitmeinung abgeben sollen. Außerdem können sie Ihnen  die Adressen von kompetenten Ansprechpartnern vermitteln. Auch Ihre Krankenkasse bietet oft entsprechende Kontaktadressen. 

Die Krebsberatungsstellen der Bundesländer und der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) unterstützen Sie ebenfalls bei der Suche nach geeigneten Anlaufstellen für die Zweitmeinung. Dies können zum Beispiel spezialisierte Ärzte und Ärztinnen oder zertifizierte Krebszentren sein, welche die Deutsche Krebsgesellschaft (DGK) zertifiziert. Das DKFZ erstellt selbst keine Zweitmeinung. Hilfe erhalten Sie unter der Telefonnummer 0800-420 30 40 (Anruf ist innerhalb Deutschlands kostenlos) oder per Mail unter krebsinformationsdienst(at)dkfz.de.

Zertifizierte Krebszentren unterziehen sich freiwillig einer strengen Qualitätskontrolle. Die meisten Anforderungen für die Zertifizierung leiten sich aus den Empfehlungen der aktuell geltenden onkologischen Leitlinien ab. So ist sichergestellt, dass das aktuell verfügbare medizinische Wissen in die Therapieentscheidung einfließt. In Deutschland gibt es bereits viele Krebszentren mit einem DGK-Zertifikat. Eine Liste bietet die Webseite OncoMap. Dor können Sie nach Ihrer Krebsart und Ihrem Wohnort suchen. Auch onkologische Spitzenzentren, sogenannte Comprehensive Cancer Center (CCC), bieten Zweitmeinungen bei Krebs an. 

Zweitmeinung einholen – Schritt für Schritt erklärt

Für das Einholen einer Zweitmeinung müssen Sie bestimmte Dinge beachten – wir erklären das Vorgehen Schritt für Schritt:

  • Sie benötigen eine Überweisung des Arztes oder der Ärztin.
  • Sie müssen Ihre vollständigen Krankenunterlagen vorab zur Verfügung stellen. Dazu gehören alle Befunde, etwa Entlassungsbriefe, Arztbriefe, der pathologische Befund, Laborbefunde, Aufnahmen von bildgebenden Untersuchungen (z.B. Ultraschall, CT, MRT, PET-CT oder Röntgen. Diese Unterlagen erhalten Sie auf Anfrage von Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin.
  • Meist müssen Sie zusätzlich einen Besuchstermin vor Ort vereinbaren - viele Menschen mit Krebs wünschen sich ohnehin ein persönliches Gespräch.
  • Die Zweitmeinung erstellt entweder der zweite Arzt oder die Ärztin, manchmal auch ein sogenanntes Tumorboard. Dort arbeiten medizinische Fachleute verschiedenster Fachrichtung eng Hand in Hand. Sie sichten Ihre Unterlagen und kommen meist nach wenigen Tagen zu einem Ergebnis. Entweder bestätigen Sie die empfohlenen Therapien oder schlagen Alternativen dazu vor.
  •  In vielen Fällen erstatten die Krankenkassen die Kosten für die Zweitmeinung ganz oder teilweise – fragen Sie sicherheitshalber vorher bei Ihrer Krankenkasse nach. Denn einen generellen Anspruch darauf haben Sie nicht. Jede Krankenkasse kann selbst entscheiden, welche Leistungen sie im Rahmen Zweitmeinung übernimmt. 
  • Einige gesetzliche und private Kassen bieten spezielle Services für das Einholen einer Zweitmeinung – fragen Sie auch hier nach.

 

Wie wichtig ist der Bevölkerung die Zweitmeinung?

Dass die Zweitmeinung für Patienten eine gute Sache ist, zeigte eine repräsentative Umfrage der Barmer GEK und der Bertelsmann Stiftung unter knapp 1.600 Personen aus dem Jahr 2016. 

Das sagen die Bundesbürger und –bürgerinnen zur Zweitmeinung:

  • 89 Prozent der Befragten hielten es grundsätzlich für sinnvoll, vor wichtigen Untersuchungen und Behandlungen eine Zweitmeinung einzuholen.
  • 72 Prozent der Menschen, die sich eine Zweitmeinung eingeholt haben, änderten danach ihre ursprüngliche Behandlungsentscheidung ganz oder teilweise.
  • Etwa 25 Prozent der Bundesbürger haben schon konkrete Erfahrungen mit einer ärztlichen Zweitmeinung gemacht.
  • Als besonders wichtig stuften die Bundesbürger die Zweitmeinung bei Krebserkrankungen, aber auch bei Operationen (Knochen, Gelenke, innere Organe) oder Untersuchungen wie einem Herzkatheter ein.

 

FAQs: Zweitmeinung bei Krebs

Was kostet eine Zweitmeinung bei Krebs?

Eine Zweitmeinung bei Krebs kosten Sie nichts, weil die gesetzlichen Krankenkassen und die privaten Krankenversicherung die Kosten in der Regel übernehmen. Laut Sozialgesetzbuch und Patientenrechtegesetz haben Menschen mit einer schweren Erkrankung wie Krebs ein Recht auf eine unabhängige zweite ärztliche Meinung. 

Wann ist eine Zweitmeinung beim Arzt sinnvoll?

Eine ärztliche Zweitmeinung kann sinnvoll sein, wenn Sie bei Ihnen eine schwere Erkrankung wie Krebs diagnostiziert wurde und Sie bezügliche der vorgeschlagenen Behandlungen unsicher sind. Die Zweitmeinung kann den ursprünglichen Behandlungsvorschlag bestätigen oder eine Alternative auf den Tisch bringen. Dies hilft bei der Entscheidungsfindung und kann Sicherheit geben. 

Kann ich mir als Kassenpatient eine zweite Meinung einholen?

Ja, auch als Kassenpatient haben Sie ein Recht auf eine Zweitmeinung, wenn Sie an einer schweren Erkrankung wie Prostatakrebs erkrankt sind. Auch bei bestimmten Eingriffen wie bei einem Aortenaneurysma oder einer Operation an der Wirbelsäule haben Sie einen Anspruch darauf. Die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen das Einholen einer unabhängigen ärztlichen Zweitmeinung. 

Ist es unhöflich, einen Arzt um eine zweite Meinung zu bitten?

Nein, dies hat mich Unhöflichkeit nichts zu tun – im Gegenteil: Die meisten Ärztinnen und Ärzte unterstützen den Wunsch und die Suche nach einer Zweitmeinung. Es bedeutet kein Misstrauen gegenüber dem Arzt, sondern ist Ihr gutes Patientenrecht. 

Wie sage ich einem Arzt, dass ich eine Zweitmeinung einholen möchte?

Sagen Sie Ihrem Arzt offen und ehrlich, dass Sie sich eine zweite ärztliche Meinung einholen möchten. Oft sprechen Ärztinnen und Ärzte diese Möglichkeit auch von sich aus an und nennen Ihnen Adressen für geeignete Anlaufstellen. Sie stellen Ihnen auch wichtige Befunde und Untersuchungsergebnisse zusammen und übermitteln sie an die Personen, die die Zweitmeinung abgeben sollen. 

Wie lange dauert eine Zweitmeinung?

Wie lange es dauert, bis eine Zweitmeinung abgegeben wird, lässt sich nicht pauschal sagen. Eine Rolle spielt auch die Dringlichkeit, mit der eine Therapie beginnen sollte. Sie müssen zunächst Ansprechpartner finden, Befund übermitteln lassen und einen Gesprächstermin vereinbaren. Zweitmeinungsgeber brauchen außerdem eine gewisse Vorbereitungszeit, um Ihren Krankheitsfall zu studieren und zu einem Therapievorschlag zu kommen. Eine Zweitmeinung kann einige Tage bis einige Wochen dauern. 

Quellen:

Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ) (alle Abruf: 13.1.2026)
•    https://www.krebsinformationsdienst.de/aktuelles/detail/prostatakrebs-zweitmeinung-ab-sofort-kassenleistung
•    Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ), Eine Zweitmeinung ist Krebspatienten wichtig 
•    https://www.dkfz.de/aktuelles/pressemitteilungen/detail/zweitmeinung-fuer-krebspatienten-eine-option
 

  • Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA), https://www.g-ba.de/presse/pressemitteilungen-meldungen/1207/ (Abruf: 13.1.2026)
  • Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), https://www.kbv.de/praxis/tools-und-services/praxisnachrichten/2025/03-27
  • Zweitmeinung%20auch%20beim%20Prostatakarzinom%20m%C3%B6glich (Abruf: 13.1.2026)
    Onko-Internetportal, https://www.onko-portal.de/basis-informationen-krebs/diagnosemethoden/zweitmeinung-in-der-onkologie.html (Abruf: 13.1.2026)
  • Patientenleitlinie I – lokal begrenztes Prostatakarzinom, https://www.krebshilfe.de/infomaterial/Patientenleitlinien/Prostatakrebs-lokal-begrenztes-Karzinom_Patientenleitlinie_DeutscheKrebshilfe.pdf (Abruf: 13.1.2026)
  • Bertelsmann Stiftung, Gesundheitsmonitor 2016, https://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/BSt/Publikationen/GrauePublikationen/GeMo_VV_NL_2016-01.pdf