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Hyperthermie bei Prostatakrebs

25. März 2026 | von Ingrid Müller - Chefredakteurin, aktualisiert und medizinisch geprüft

Die Hyperthermie erwärmt das Gewebe bei Prostatakrebs und soll die Krebszellen abtöten. Außerdem soll sie die Wirkung anderer Krebstherapien verstärken. Lesen Sie, wie die Wärmebehandlung funktioniert, wann sie sich eignet, wie sie abläuft und wer die Kosten trägt.

Kurzübersicht

  • Was ist Hyperthermie? Das Krebsgewebe wird mit Hilfe von Radio- oder Mikrowellen erwärmt – bisher kein Standardverfahren bei Prostatakrebs, nur in Kombination mit anderen Therapien
  • Wie funktioniert sie?  Radio- oder Mikrowellen erhitzen das Krebsgewebe – es bilden sich Eiweiße, die das Immunsystem auf den Plan rufen, es soll so die Krebszellen besser bekämpfen; soll die Wirkung anderer Krebstherapien wie Chemo- oder Strahlentherapie verstärken, daher nur als ergänzende Behandlung anzusehen 
  • Ablauf: Sonde wird über die Harnröhre eingeführt und zur Prostata vorgeschoben, diese gibt Strahlung ab, die das Gewebe erhitzt
  • Für wen geeignet? Nur im Rahmen von Studien, nur bei lokal begrenztem Prostatakrebs und nur als Ergänzung zu anderen Behandlungen
  • Vor- und Nachteile: scheint gut verträglich, aber Wirksamkeit und Sicherheit noch nicht ausreichend durch Studien belegt
  • Kosten: Vorher mit der Krankenkasse besprechen – manche sind kulant und bezahlen die Hyperthermie

Was ist Hyperthermie bei Krebs?

Hyperthermie ist Behandlung, bei der Wärme gegen Prostatakrebs eingesetzt wird. Der Begriff hat seine Wurzeln im Griechischen und bedeutet so viel wie „Überwärmung“. Die Hyperthermie der Prostata zählt zu den fokalen Therapien. Dabei wird nicht die gesamte Prostata behandelt, sondern nur der erkrankte Teil. Auch die Kryotherapie, die mit Kälte gegen Krebszellen vorgeht, ist eine fokale Therapie. 

Zur Wirksamkeit  der Hyperthermie bei Prostatakrebs gibt es nicht genügend aussagekräftige Studien. Die Behandlung sollte daher – wenn überhaupt - nur im Rahmen von Studien eingesetzt werden. In der neuen Leitlinie zum Prostatakarzinom spielt die Hyperthermie keine Rolle als Standardtherapie bei Prostatakrebs.

Es gibt verschiedene Verfahren der Hyperthermie. Eines ist jedoch allen Methoden gemeinsam: Ärztinnen und Ärzte erwärmen bestimmte Körperbereiche und Gewebe auf mehr als 40 °C. Oft setzen sie dafür elektromagnetische Strahlen ein, in der Regel Radiowellen oder Mikrowellen. 

Obwohl Mediziner schon seit mehr als 100 Jahren Menschen mit einer Krebserkrankung mit Wärme behandeln, ist die Hyperthermie bis heute kein Standardverfahren – auch nicht bei Prostatakrebs. Die Wärmetherapie kommt auch nicht als alleinige Therapie zum Einsatz, sondern immer nur als Ergänzung zu anderen Krebsbehandlungen, zum Beispiel einer Chemotherapie, Strahlentherapie oder Hormontherapie

Fokale Therapien

Lesen Sie, welche fokalen Therapien es bei Prostatakrebs gibt – von Kryotherapie bis Irreversible Elektroporation.

Prostata Hilfe Deutschland: Grafik Prostata und Prostatakrebs
(c) Kateryna_Kon/Adobe Stock

Wie funktioniert die Hyperthermie?

Die Idee bei der Hyperthermie ist, die Krebszellen gezielt mit Wärme anzugreifen und abzutöten. Gesundes Gewebe soll dabei bestmöglich geschont werden. Tumorzellen reagieren empfindlicher auf Hitze als gesunde Zellen. Bei Temperaturen zwischen 40 bis 42 °C verändern sich die Zellwände der Krebszellen. Dort bilden sich Stresseiweiße, sogenannte Hitzeschock-Proteine (engl. Heat-Shock-Proteine). Diese sind für die körpereigenen Abwehrzellen des Immunsystems eine Art Alarmsignal. Die Immunzellen wandern an den Ort des Geschehens, bekämpfen die angeschlagenen Krebszellen und sollen sie zum Absterben bringen.

Die Hyperthermie soll noch einige weitere Wirkungen entfalten: Wärme fördert die Durchblutung des Tumorgewebes und macht es empfindlicher für manche Wirkstoffe aus Medikamenten. Die Krebszellen können diese besser aufnehmen, was wiederum die Wirksamkeit der Medikamente steigern soll. Auch die Strahlen einer Radiotherapie sollen eine intensivere Wirkung haben.

Ärztinnen und Ärzte wenden die Hyperthermie immer nur in Kombination mit anderen Behandlungen an, zum Beispiel mit einer Chemotherapie oder Bestrahlung.

Wie läuft die Hyperthermie der Prostata ab?

Bei einer Hyperthermie kommen in der Regel elektromagnetische Wellen zum Einsatz. Mikrowellen und Radiowellen gehören dazu. Bei manchen Krebserkrankungen wird der gesamte Körper erwärmt (Ganzkörperhyperthermie), bei anderen – wie dem Prostatakrebs – gezielt nur die erkrankte Prostata. 

Der Ablauf der Hyperthermie lässt sich ungefähr so beschreiben:

  • Durch die Harnröhre wird ein Katheter eingeführt und bis zur Prostata vorgeschoben (die Harnröhre verläuft direkt durch die Prostata).
  • An der Spitze des Katheters befindet sich eine spezielle Sonde, die Strahlen aussendet.
  • Diese Strahlen erwärmen das Gewebe, heizen es auf und „schmelzen“ es ein. Transurethrale Radiofrequenzhyperthermie (TURF) oder Transurethrale Prostatahyperthermie lauten die Fachbegriffe für diese Methode.

 

Für wen ist die Wärmebehandlung geeignet?

Die Hyperthermie eignet sich zunächst für gutartige Prostataerkrankungen. Dazu gehören zum Beispiel die Prostataentzündung (Prostatitis) oder eine gutartige Prostatavergrößerung (benigne Prostatahyperplasie, BPH). Bei Prostatakrebs kommt sie nur unter bestimmten Voraussetzungen zum Einsatz. Sie eignet sich also nicht für jeden Mann.

Wichtig:

  • Die Hyperthermie ist keine Alternative zu anderen Behandlungen bei Prostatakrebs, sondern wird in Kombination mit weiteren Krebstherapien eingesetzt.  Sie soll die Wirkung verstärken, zum Beispiel einer Chemo- oder Strahlentherapie. 
  • Sie kommt zudem nur für Männer mit lokal begrenztem Prostatakrebs in Frage. Bei lokal fortgeschrittenem Prostatakarzinom ist die Anwendung nicht empfohlen. Dann hat der Tumor schon die Kapsel der Prostata durchbrochen. Auch bei Metastasen in anderen Organen ist die Hyperthermie keine Therapieoption.
  • Die therapeutische Wirksamkeit der Hyperthermie lässt sich noch nicht abschätzen. Die bisher vorliegenden Studien sind nicht aussagekräftig genug. Es muss also weiter an der Hyperthermie geforscht werden – im Rahmen von klinischen Studien.

 

Vorteile, Nachteile und Risiken der Hyperthermie

Ein Vorteil der Hypertherapie  ist, dass sie andere Krebsbehandlungen wie eine Chemotherapie oder Strahlentherapie womöglich effektiver machen könnte. 

Ein Nachteil der Hyperthermie ist, dass sich die Ausbreitung und Verteilung der Wärme im Gewebe bei manchen Verfahren nicht gut kontrollieren und steuern lässt. Einerseits muss es im Tumor heiß genug sein, andererseits sollen die elektromagnetischen Wellen gesundes Gewebe nicht beschädigen. In den Randzonen der Prostata sind die erforderlichen Hitzegrade nicht immer erreichbar. Allgemein scheint die Hyperthermie aber gut verträglich zu sein.

Kosten und bezahlt die Krankenkasse die Hyperthermie? 

Die gesetzlichen und privaten Krankenversicherungen sind nicht verpflichtet, die Kosten für die Hyperthermie zu übernehmen, Der Grund ist, dass die Wirksamkeit der Hyperthermie bei Krebs noch nicht ausreichend durch Studien belegt ist. 

Sprechen Sie vorab immer mit Ihrer Krankenkasse, ob sie die Hyperthermie bezahlt. Manchmal sind die Krankenkassen oder Krankenversicherungen kulant. Eine Hyperthermie kann – je nach Klinik und Praxis – mehrere Tausend Euro kosten.

Quellen:

  • Deutsche Gesellschaft für Onkologie (DGO), https://www.dgo.de/therapieverfahren/hyperthermie/prostatahyperthermie/ (Abruf: 25.3.2026)
  • European Society oft Hyperthermic Oncology, https://www.esho.info/ (Abruf: 25.3.2026)
  • Onko-Internetportal, https://www.onko-portal.de/basis-informationen-krebs/therapieformen/hyperthermie-behandlung.html (Abruf: 25.3.2026)
  • Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ), https://www.krebsinformationsdienst.de/hyperthermie (Abruf: 25.3.2026)
  • American Cancer Society, https://www.cancer.org/cancer/managing-cancer/treatment-types/hyperthermia.html (Abruf: 25.3.2026)
  • National Cancer Institute, https://www.cancer.gov/about-cancer/treatment/types/hyperthermia (Abruf: 25.3.2026)
  • Charité Universitätsmedizin Berlin, https://radioonkologie.charite.de/fileadmin/user_upload/microsites/m_cc14/radioonkologie/PDFs/Broschuere_Hyperthermie_dt.pdf (Abruf: 25.3.2026)